Thrombose vorbeugen

Thromboseprophylaxe © istockphoto, shironosov

Bei einer Thrombose wird eine Vene durch ein Blutgerinnsel teilweise oder vollständig verschlossen. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Wichtig ist es, den Begriff der tiefen Venenthrombose von einer arteriellen Thrombose abzugrenzen. Denn dabei entsteht ein Blutgerinnsel in einer Schlagader, was einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Folge haben kann. Lesen Sie hier, wie eine Thrombose entsteht und wie Sie Ihr Thromboserisiko senken können.

Risikogruppen

Besonders gefährdet sind bettlägerige Menschen und Raucherinnen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen. Auch verschiedene Erkrankungen und bestimmte Medikamente können das Risiko für eine Thrombose erhöhen. Bei uns erfahren Sie, welche Ursachen eine Thrombose haben kann und wie Sie mit vorbeugenden Maßnahmen Ihr Thromboserisiko senken können.

So entsteht eine Thrombose

Bei der Entstehung einer Thrombose der tiefen Venen spielen drei Faktoren eine Rolle:

  1. Schädigungen der Gefäßwand – etwa durch eine Venenentzündung, eine Verletzung oder einen operativen Eingriff – aktivieren die Blutplättchen und fördern so deren Verklumpen zu einem Gerinnsel.
  2. Eine Verwirbelung oder Verlangsamung des Blutstroms, beispielsweise bei Krampfadern oder langer Bettlägerigkeit führt ebenfalls dazu, dass sich die Blutplättchen vermehrt zusammenlagern. So ist es auch zu erklären, dass nach langen Reisen mit Flugzeug, Bahn oder Auto die Thrombosegefahr erhöht ist. Denn bei langem Sitzen wird die Kniekehlenvene abgeknickt und dadurch der Blutfluss in den Beinen vermindert.
  3. Auch eine Veränderung der Blutzusammensetzung kann die Entstehung einer Thrombose begünstigen. Dies kann zum einen durch verschiedene Erbkrankheiten mit einer Neigung zur Blutgerinnung (Thrombophilie) oder durch bösartige Tumore geschehen. Zum anderen kann durch einen Flüssigkeitsmangel („Austrocknung“) das Blut zähflüssiger werden, wodurch sich ebenfalls leichter Blutgerinnsel bilden können.

Ruhigstellung und Bettlägerigkeit als Ursachen

Ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer Thrombose ist die Ruhigstellung von Extremitäten, etwa nach Operationen oder Verletzungen. Denn durch die mangelnde Muskelaktivität wird der Rückfluss des Blutes verlangsamt und es können sich leicht Gerinnsel bilden.

Deshalb bekommen Patienten, die wegen einer Erkrankung oder nach einer Operation lange im Bett liegen oder einen Gips tragen, meist Thrombosespritzen verschrieben. Auch bei schwerer Herzschwäche oder chronischer Venenschwäche besteht ein verlangsamter Blutfluss in den Venen, wodurch eine Thrombose begünstigt wird.

Gefährliche Kombination: Rauchen und Anti-Baby-Pille

Auch hormonelle Faktoren können zur Entstehung einer Thrombose beitragen. So hat beispielsweise das weibliche Geschlechtshormon Östrogen einen Einfluss auf bestimmte Gerinnungsfaktoren, wodurch das Blut leichter gerinnt.

Daher haben Schwangere und Frauen, die mit östrogenhaltigen Medikamenten wie der Anti-Baby-Pille oder dem Vaginalring verhüten, ein erhöhtes Thromboserisiko. Dieses wird durch Rauchen zusätzlich erheblich verstärkt, denn Nikotin trägt ebenfalls zur Aktivierung der Blutgerinnung bei.

Thrombophilie: Erkrankung mit Thrombosegefahr

Eine Thrombophilie bezeichnet eine verstärkte Neigung zur Blutgerinnung, die mit einem erhöhten Thromboserisiko einhergeht. Einige dieser Gerinnungsstörungen sind erblich – meist handelt es sich dabei um einen Gendefekt im Gerinnungssystem. Andere Thrombophilien entstehen erst im Laufe des Lebens, etwa als Folge von anderen Erkrankungen wie einer Leberzirrhose oder als Nebenwirkung einer Therapie mit Heparin.

Auch Bluterkrankungen wie Polycythaemia vera oder essentielle Thrombozythämie, bei denen die Anzahl der Blutplättchen erhöht ist, bringen ein vermehrtes Thromboserisiko mit sich.

Außerdem können folgende Faktoren zu einer Erhöhung der Thrombosegefahr beitragen:

  • starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Einnahme von bestimmten Medikamenten zur Behandlung von psychischen Erkrankungen (Neuroleptika)
  • Infektionen
  • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und andere Beeinträchtigungen der Lungenfunktion
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall mit Lähmungen als Folge
  • eine Thrombose in der Vergangenheit

Risiko senken – Thrombosen aktiv vorbeugen

Um einer Thrombose vorzubeugen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die aber erst bei erhöhtem Thromboserisiko zum Einsatz kommen können:

  • Mobilisation: Nach einer überstandenen Erkrankung oder Operation sollte Bettruhe, nur wenn zwingend nötig, eingehalten werden und frühzeitig mit Krankengymnastik begonnen werden. Besprechen Sie jedoch unbedingt vorher mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten, wie stark Sie sich belasten dürfen.
  • Kompression: Während eines Krankenhausaufenthaltes bekommen bettlägerige Patienten meist Thrombosestrümpfe verordnet. Für Personen mit einem generell erhöhtem Thromboserisiko kann es unter Umständen sinnvoll sein, auch im Alltag Kompressionsstrümpfe zu tragen.
  • Thrombosespritzen: Besteht nach Verletzungen oder Operationen eine eingeschränkte Belastbarkeit einer Extremität, wird in der Regel für einige Wochen eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit gerinnungshemmenden Medikamenten durchgeführt. Meist kommt dabei Heparin zum Einsatz, das ein- bis zweimal täglich unter die Haut gespritzt wird. Neuere gerinnungshemmende Wirkstoffe wie Rivaroxaban oder Dabigatran gibt es auch in Form von Tabletten.
  • Gerinnungshemmung: Nach einer überstandenen Thrombose wird zur Vorbeugung eines Rezidivs in der Regel eine längerfristige Therapie mit sogenannten Vitamin-K-Antagonisten wie zum Beispiel Marcumar  begonnen. Diese Medikamente hemmen die Vitamin-K-abhängige Bildung von bestimmten Gerinnungsfaktoren und können so der Entstehung einer erneuten Thrombose vorbeugen.
  • Thrombophilie-Diagnostik: Wenn bei jüngeren Patienten wiederholt Thrombosen auftreten, kann unter Umständen eine Diagnostik zum Ausschluss einer Thrombophilie oder einer anderen Erkrankung sinnvoll sein.
  • Gymnastik: Bei Langstreckenflügen oder langen Auto-, Bus- oder Bahnreisen sollten Sie auf regelmäßige Bewegung achten, um einer Thrombose vorzubeugen. Stehen Sie im Flugzeug möglichst häufig auf und laufen Sie nach Möglichkeit einige Schritte. Auf Ihrem Sitzplatz können Sie einfache Übungen durchführen: Wechseln Sie für 30 Sekunden rasch zwischen Strecken und Anziehen der Füße oder versuchen Sie, Dinge mit den Zehen vom Boden aufzuheben. Steigen Sie bei Autoreisen in den Pausen aus und machen Sie einige Lockerungs- und Dehnübungen.

Risikofaktoren ausschalten

Minimieren Sie Ihr Thromboserisiko soweit wie möglich: Wenn Sie Raucherin sind und nicht mit dem Rauchen aufhören können oder wollen, sollten Sie nach Möglichkeit eine östrogenfreie Verhütungsmethode wählen. Lassen Sie sich hierzu am besten von Ihrem Frauenarzt beraten.

Wenn Sie Übergewicht haben, sollten Sie versuchen, ein wenig an Gewicht zu verlieren – so tun Sie Ihrer Gesundheit auch allgemein etwas Gutes.

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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