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Agitiertheit: Was tun bei krankhafter Unruhe?

Agitiertheit © istockphoto, LeafenLin

Unter Agitiertheit (auch: Agitation) versteht man einen Zustand der innerlichen Erregung, der sich durch einen unstillbaren Bewegungsdrang äußert. Agitationszustände können als Symptom verschiedener psychischer Erkrankungen auftreten oder als Nebenwirkung bei der Einnahme bestimmter Medikamente vorkommen. Auch Drogenkonsum oder ein Drogenentzug kann Agitiertheit verursachen.

Agitiertheit oder Nervosität?

Wichtig ist es, Agitiertheit von einfacher Unruhe oder Nervosität abzugrenzen, da bei einem Agitationszustand unter Umständen eine ärztliche Behandlung notwendig wird. Hier erfahren Sie, wie Sie Agitiertheit erkennen und was Sie dagegen tun können.

Charakteristisches Kennzeichen der Agitiertheit ist das übermäßige Bewegungsbedürfnis. Agitierte Personen laufen meist rastlos auf und ab und sind nicht fähig, still zu sitzen. Zudem zeigen sie oft unkontrollierte, ziellose Bewegungsabläufe wie Herumzappeln, ständiges Zupfen an der eigenen Kleidung oder beiläufiges Hantieren mit Gegenständen. In der Psychologie werden diese Verhaltensweisen unter dem Begriff „gesteigerte Psychomotorik“ zusammengefasst.

Unbändiger Bewegungsdrang als Anzeichen

Die Patienten selbst empfinden bei einem Agitationszustand in der Regel eine starke innere Anspannung und Unruhe. Im Gegensatz zu Menschen, die generell nervös veranlagt sind oder sich in einer Stresssituation angespannt fühlen, sind agitierte Personen jedoch nicht in der Lage, den Bewegungsdrang zu unterdrücken.

Häufig kommt eine verstärkte Reizbarkeit bis hin zu aggressivem Verhalten und unkontrollierten Wutausbrüchen hinzu. In seltenen Fällen kann dann sogar eine vorübergehende Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik erforderlich sein, um eine Gefährdung des Betroffenen selbst oder anderer Personen zu vermeiden.

Ursachen und Auslöser

Agitiertheit kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden:

  • Im Rahmen psychischer Erkrankungen wie Demenz, Depression, Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeitsstörung und Angststörung sowie bei akuten psychischen Belastungen kann Agitiertheit als Symptom auftreten.
  • Drogeneinnahme, Alkoholmissbrauch sowie ein Alkohol- oder Drogenentzug können jeweils Agitiertheit verursachen, insbesondere wenn es dabei zu einer Bewusstseinsstörung (Delirium) kommt.
  • Organische Erkrankungen wie eine schwere Schilddrüsenüberfunktion, Epilepsie, Entgleisungen des Stoffwechsels (beispielsweise bei Diabetes)oder der Elektrolyte sowie ein Asthmaanfall oder Sauerstoffmangel können einen Agitationszustand auslösen.
  • Treten Anzeichen der Agitiertheit bei Kindern auf, kann dies ein Hinweis auf eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) sein. Dabei kommen zu einem übermäßigen Bewegungsdrang meist schwere Konzentrationsstörungen und eine Neigung zu impulsiven Handlungen hinzu. Wenn Sie diese Symptome in enorm ausgeprägter Form bei Ihrem Kind bemerken, sollten Sie Rat bei einem Kinderarzt oder einem Kinderpsychologen suchen.

Agitiertheit als Nebenwirkung von Medikamenten

Bei bestimmten Medikamenten kann Agitiertheit als Nebenwirkung auftreten. So kann bei der Einnahme von Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen oder Opioid-Schmerzmitteln wie Morphin eine sogenannte paradoxe Reaktion auftreten. Dabei kommt es bei dem Patienten zu einem Agitationszustand, obwohl das Medikament eigentlich beruhigend wirken sollte.

Auch Arzneimittel gegen Depression wie Venlafaxin oder Lithium sowie cortisonähnliche Wirkstoffe können zu Agitiertheit führen. Dies ist  insbesondere dann der Fall, wenn sie überdosiert werden. Gelegentlich wird Agitiertheit auch nach Operationen als Nebenwirkung der Narkose beobachtet.

Agitierte Depression

Die agitierte Depression ist eine spezielle Form der depressiven Störung, da sich die Symptome mitunter von den typischen Anzeichen einer Depression unterscheiden. Während die Patienten bei einer klassischen Depression in der Regel über Antriebslosigkeit klagen und eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe zeigen, zeichnet sich die agitierte Depression durch Rastlosigkeit und Getriebenheit aus. Hinzu kommen meist quälende Angstzustände und starke innere Unruhe.

Dabei kann es in manchen Fällen zu impulsiven Handlungen und dadurch zu einem erhöhten Selbstmordrisiko kommen. Daher ist es wichtig, die Symptome richtig zu deuten und eine frühzeitige psychotherapeutische Behandlung einzuleiten.

Agitiertheit: Ruhe und Sicherheit vermitteln

Gegenüber einer agitierten Person ist es zunächst einmal wichtig, Ruhe zu bewahren und Gelassenheit auszustrahlen. Signalisieren Sie, dass Hilfe möglich ist, denn für den Patienten ist sein Zustand meist höchst beängstigend. Schaffen Sie eine ruhige Situation und beseitigen Sie nach Möglichkeit störende Reize. Unter Umständen kann es dabei sinnvoll sein, andere Personen aus dem Raum zu bitten.

Zeigt der Betroffene jedoch aggressives Verhalten und stellt somit eine mögliche Gefahr für sich selbst oder für andere dar, sollten Sie nicht zögern, den Rettungsdienst anzurufen. Denn bei einer starken Agitiertheit kann es notwendig sein, dass der Patient mit Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) behandelt wird. In sehr schweren Fällen muss der Notarzt den Patienten in eine psychiatrische Klinik einweisen, um eine Eigen- oder Fremdgefährdung abzuwenden.

Doch auch wenn sich der Betroffene beruhigt und die Agitiertheit nachlässt, sollte ein Agitationszustand immer von einem Arzt oder einem Psychotherapeuten abgeklärt werden, um die zugrunde liegende Ursache herauszufinden.

Erhöhte Verletzungsgefahr bei Demenz

Besonders schwierig gestaltet sich der Umgang mit einer Agitiertheit bei dementen Personen. Denn zum einen können die Betroffenen durch die eingeschränkte geistige Fähigkeit die Situation meist nicht erfassen, wodurch ein beruhigendes Gespräch erschwert wird. Zum anderen besteht bei einem solchen Unruhezustand, der zudem häufig nachts auftritt, erhöhte Verletzungs- und Sturzgefahr für den Patienten.

Auch die Behandlung der Agitiertheit mit Beruhigungsmitteln birgt bei älteren Personen mit Demenz ein erhöhtes Risiko, da diese Medikamente die motorischen und geistigen Fähigkeiten zusätzlich einschränken. Als sinnvolle Ergänzung der medikamentösen Therapie können Duftaromen und beruhigende Musik eingesetzt werden.

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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