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Asperger-Syndrom

Kind mit Asperger-Syndrom © istockphoto, track5 (Symbolfoto)

Das Asperger-Syndrom ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung und eine Form von Autismus. Es wurde nach dem österreichischen Arzt Hans Asperger benannt, der 1944 vier Jungen als "autistisch" beschrieb und wird manchmal fälschlicherweise auch Asberger-Syndrom geschrieben. Zusammen mit dem deutlich selteneren Kanner-Syndrom stellt es eine der häufigsten Formen von Autismus dar.

Anzeichen von Asperger

Das Asperger-Syndrom ist eine mildere Form des Autismus als das Kanner-Syndrom. Bei Betroffenen ist vornehmlich das zwischenmenschliche Verhalten beeinträchtigt, nicht aber die allgemeine geistige oder körperliche Entwicklung. So erlernen Kinder, die am Asperger-Syndrom leiden, ohne Verzögerungen das Sprechen. Auch das Denken entwickelt sich normal und sie zeigen Interesse an ihrer Umgebung.

Schwierigkeiten haben sie in sozialen Interaktionen: Sie nehmen selten oder nie Blickkontakt auf und ihr Gesichtsausdruck ist emotionslos. Gestik und Mimik können sie nur schwer entziffern und Metaphern ergeben für sie keinen Sinn, denn sie nehmen das Gesagte vollkommen wörtlich.

Kinder mit Asperger-Syndrom haben oft sogar einen erstaunlich großen Wortschatz und wirken bisweilen sogar pedantisch. Erwachsene mit Asperger-Syndrom sind häufig Einzelgänger, können sich jedoch meist in die Gesellschaft integrieren und einen Beruf ausüben.

Diagnose "Asperger-Syndrom"

Die Diagnose "Asperger-Syndrom" sollte nur von einem spezialisierten Arzt oder Psychologen und nur nach ausführlicher und wiederholter Untersuchung des Kindes gestellt werden.

Die Kriterien zur Diagnose des Asperger-Syndroms sind im diagnostischen Manual der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (APA), dem DSM-5, festgelegt. Dabei wird das Asperger-Syndrom seit 2013 zu den sogenannten Autismus-Spektrum-Störungen gezählt und nicht mehr durch eigene Diagnosekriterien abgegrenzt.

Zusammenfassend wird die Diagnose gestellt, wenn folgende Symptome in einem so starken Ausmaß auftreten, dass das schulische, berufliche oder soziale Leben des Betroffenen deutlich eingeschränkt sind:

  • Soziale Interaktionen sind qualitativ beeinträchtigt, zum Beispiel in Form von fehlender Mimik und Gestik im Gespräch sowie fehlenden Blickkontakt. Es besteht wenig oder kein Interesse an sozialen Interaktionen, und es werden keine dem Alter angemessenen Beziehungen aufgebaut.
  • Beschränktes, repetitives oder inflexibles Verhalten, zum Beispiel in Form scheinbar sinnloser Routinen, die auf eine bestimmte Art immer wieder ausgeführt werden müssen, oder in Form von Bewegungsmustern, die immer wiederholt werden, oder anhaltendes und übertriebenes Interesse an bestimmten Details.

Die Symptome müssen bereits in früher Kindheit vorhanden sein, zeigen sich aber erst dann in vollem Umfang, wenn die sozialen Anforderungen steigen.

Kanner-Syndrom abgrenzen

Für die Abgrenzung zum Kanner-Syndrom muss bei Kindern außerdem festgestellt werden, dass die Sprachentwicklung nicht verzögert ist. Das heißt im Alter von circa zwei Jahren werden erste einzelne Wörter benutzt und im Alter von circa drei Jahren werden erste kommunikative Phrasen gebraucht. Das Kind sollte seinem Alter entsprechend selbständig sein und generelles Interesse an seiner Umgebung zeigen. Ähnliche Störungen wie ADHS, Tourette-Syndrom, Schizophrenie oder Zwangsstörung müssen ausgeschlossen werden.

Asperger behandeln

Ein wichtiger Schritt in der Behandlung des Asperger-Syndroms ist die Diagnosestellung. Das Wissen über die Eigenarten der Erkrankung ermöglicht Eltern, Lehrern, Freunden oder Kollegen, sich besser auf den Betroffenen einzustellen. Eine zutreffende Diagnose ermöglicht außerdem, den Betroffenen gezielt zu behandeln. Idealerweise sollte die Behandlung eines Kindes mit Autismus zwischen dem zweiten und dem dritten Lebensjahr beginnen, viele Asperger-Autisten erreichen jedoch das Erwachsenenalter ohne jemals diagnostiziert und behandelt zu werden.

Jeder Fall von Autismus ist anders, das heißt, es muss ein individueller Behandlungsplan entworfen werden, der in der Regel verschiedene Therapeuten, aber auch Lehrer, Eltern und eventuell Geschwister oder Freunde einbindet. Zentral ist es, dem Betroffenen die Kommunikation mit seiner Umgebung zu erleichtern.

Kommunikationtraining als Therapie bei Asperger

Standardverfahren sind deshalb Kommunikationstrainings, in denen Asperger-Betroffene lernen, wie soziale Interaktionen funktionieren, wie sie beim Gegenüber Gefühle erkennen und was diese bedeuten. Kinder mit Asperger-Syndrom sollten – wenn möglich – in eine normale Schule gehen, um möglichst regelmäßig mit gesunden Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen. Eine Verhaltenstherapie kann helfen, spezifische Ängste abzubauen und stereotype Verhaltensmuster zu verringern.

Ergotherapie kann angebracht sein, um subtile motorische Schwierigkeiten, zum Beispiel beim Schreiben, anzugehen. Viele Menschen, die von Asperger-Syndrom betroffen sind, haben sehr spezifische Interessen und Begabungen, oft in den Bereichen Kunst und Musik. Diese gilt es bei Asperger-Betroffenen zu entdecken und zu fördern.

Quellen und weitere Informationen:

Aktualisiert: 24.10.2019 – Autor: Eva Wölbert

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