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Fingolimod – Wirkstoff gegen MS

Fingolimod gegen MS © istockphoto, Robert Chlopas

Seit Anfang 2011 ist in Deutschland ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose (MS) zugelassen: Der Wirkstoff Fingolimod erlaubt erstmals eine Einnahme als Kapsel zum Schlucken – bis dato mussten MS-Präparate injiziert werden. Außerdem bietet Fingolimod eine neuartige Wirkungsweise. Indem es die Verteilung der weißen Blutkörperchen beeinflusst, verhindert Fingolimod eine Zerstörung der Myelinscheiben im Gehirn und so die für Multiple Sklerose typischen Entzündungen am Nervensystem.

Wirkung von Fingolimod

Ursprünglich wurde Fingolimod als künstlich hergestellte Form des Wirkstoffs Myriocin entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt aus Isaria sinclairii, einem Pilz, der in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet wird. Da Myriocin immunsuppresiv wirkt, sollte Fingolimod zur Unterdrückung des Immunsystems nach Nierentransplantationen dienen. Hier war seine Wirkweise jedoch nicht besser als die der herkömmlichen Produkte.

Als MS-Präparat wird der Wirkstoff nun als Zweitlinientherapie bei Patienten eingesetzt, die auf eine Behandlung mit Interferon beta nicht ansprechen. Außerdem darf Fingolimod von Multiple Sklerose-Patienten mit einer rasch fortschreitenden oder sehr aggressiven Form der Erkrankung eingenommen werden.

Der Wirkstoff setzt dabei im Blut an: Hier werden die Lymphozyten daran gehindert, aus den Lymphknoten ins Blut überzutreten. Gelangen nämlich fehlgeleitete T-Lymphozyten in die Myelinschicht der Nervenzellen, können sie diese zerstören und so die MS-typischen Symptome wie motorische Störungen, Parästhesie, psychische Probleme und Sehstörungen auslösen.

Fingolimod: Zulassung und Dosierung

In Russland und den USA ist Fingolimod bereits seit 2010 erlaubt. Die Fingolimod-Zulassung in Deutschland, dem Rest der EU und der Schweiz erfolgte im Frühjahr 2011. Zuvor waren zwei große Phase-III-Studien durchgeführt worden. Darin wurde nachgewiesen, dass dieser Wirkstoff die Schubrate pro Jahr, das Fortschreiten der Behinderung und die Anzahl von entzündlichen Hirnläsionen bei MS-Erkrankten positiv beeinflussen kann.

In Deutschland wird Fingolimod bislang ausschließlich unter dem Handelsnamen Gilenya® vertrieben. Der Hersteller empfiehlt, unabhängig von den Mahlzeiten täglich eine Kapsel des Medikaments einzunehmen. In einer Kapsel stecken 0,5 Milligramm Fingolimod.

Fingolimod: Nebenwirkungen vielfältig

Im Zuge der Studien konnten einige Nebenwirkungen von Fingolimod nachgewiesen werden. Der Wirkstoff unterdrückt nämlich auch erwünschte Reaktionen der Immunabwehr, weshalb es häufiger zu Infektionen kommen kann. Nebenwirkungen von Fingolimod können daher sein:

  • Influenza
  • Pilzerkrankungen
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Erhöhte Leberwerte
  • Lymphozytenmangel

Außerdem kam es im Zuge der Studien zu zwei Todesfällen – ein Patient starb an einer Herpesinfektion, der andere an Windpocken. Allerdings hatten diese Patienten eine höhere Dosis Fingolimod eingenommen, als sie heute erhältlich ist. Dennoch ist Fingolimod aufgrund der möglichen schweren Nebenwirkungen in der EU nur zur Zweitlinientherapie von Multiple Sklerose zugelassen.

Aktualisiert: 29.03.2017 – Autor: Kristina Klement

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