FUNKE Gesundheit Logo

Multiple Sklerose (MS): Ursachen, Diagnose und Verlauf

Traurig schauende Frau mit Multipler Sklerose © iStock.com/tommaso79

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die in Deutschland über 200.000 Menschen betrifft und sehr unterschiedlich verlaufen kann. Nach wie vor sind trotz intensiver Forschung die genauen Mechanismen der Entstehung von MS unklar. Alle Informationen über Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie und Verlauf dieser Krankheit.

Was ist Multiple Sklerose?

Wie lange Multiple Sklerose (MS) – eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems – schon existiert, ist unbekannt. Die vermutlich erste passende Beschreibung der Symptome von MS stammt von 1395. Auch der deutsche Dichter Heinrich Heine litt an Beschwerden, die MS zugeordnet werden könnten.

Häufig wird Multiple Sklerose, auch Encephalomyelitis disseminata (ED) genannt, mit schneller Invalidität und Behinderung im Rollstuhl gleichgesetzt. Doch glücklicherweise verläuft Multiple Sklerose oft weniger dramatisch. Der Verlauf ist sehr verschieden, weshalb Multiple Sklerose auch die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern genannt wird. So können anfänglich nur wenige Symptome auftreten, die sich kaum verschlimmern, die Krankheit kann kontinuierlich fortschreiten oder sich immer wieder in Form von einzelnen Krankheitsschüben verschlimmern.

Die Verbreitung von MS wächst mit dem Abstand vom Äquator, die Krankheit tritt also vor allem in den gemäßigten Klimazonen auf. Weltweit sind rund 2,5 Millionen Menschen betroffen. Frauen erkranken rund doppelt so häufig wie Männer; die ersten Anzeichen zeigen sich meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Ursachen für Multiple Sklerose

Bei MS werden die fetthaltigen Umhüllungen der Nervenzellen des Gehirns und Rückenmarks (die sogenannten Myelinscheiden) durch Entzündungsprozesse geschädigt und zerstört (Demyelinisierung). Die Myelinscheiden legen sich als Isolierschicht um die langen Ausläufer der Nervenzellen; ihre Aufgabe ist die schnelle Reizleitung innerhalb des Gehirns. Sind die Myelinscheiden zerstört, sind Ausfälle von Motorik und Sensorik die Folge – abhängig davon, wo genau im Gehirn der infektiöse Herd lokalisiert ist. Als Folge leidet dort die Informationsübertragung und es kommt zu Ausfällen der von diesen Nerven sonst mit Informationen versorgten Areale – beispielsweise der Augen oder der Haut.

Nach bisherigen Erkenntnissen beruht Multiple Sklerose auf mehreren Faktoren, die bei dieser Krankheit zusammenspielen. Im Zentrum der MS Krankheit steht das Immunsystem, bei dem sich ein Teil der Abwehrzellen fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe – die Schutzhüllen (Myelinscheiden) der Nervenfasern – richtet und dort eine Entzündungsreaktion auslöst. Was jedoch als Ursachen zu dieser fehlgeleiteten Immunreaktion (Autoimmunkrankheit) führt, ist unklar.

MS durch Virusinfektion ausgelöst?

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts vermuteten Wissenschaftler, dass eine Infektion Ursache der Entzündung bei Multiple Sklerose sein könnte. Auch heute noch werden vor allem Infektionen mit Viren in der Kindheit als Auslöser verdächtigt, so die Erreger von Röteln und Masern, Herpes oder das Epstein-Barr-Virus.

Auch andere Umwelteinflüsse wie ein Mangel an Sonnenlicht und Vitamin D werden als mögliche Ursachen diskutiert. Daneben besteht wahrscheinlich eine genetische Komponente, mit der zumindest eine Neigung für Multiple Sklerose vererbt wird.

Symptome bei MS

Die Symptome bei Multipler Sklerose sind sehr unterschiedlich und reichen von geringen Anzeichen bis hin zu einem ausgeprägten MS Schub. Welche Beschwerden auftreten, hängt davon ab, welche Bereiche des Nervensystems von der Entzündung betroffen sind. Mögliche Anzeichen sind Sehstörungen wie Doppelbilder, Blasenschwäche, Kribbeln in Fingern und Zehen; auch Schwindel tritt häufig auf.

Mehr Informationen zu Symptomen und Anzeichen bei MS lesen Sie hier.

Diagnose und Verlauf bei MS

Die Häufigkeit und Schwere eines Schubs bei MS ist sehr unterschiedlich, der Verlauf nur schwer vorhersagbar, da die Krankheit sehr unterschiedlich in Erscheinung treten kann. Bei manchen Betroffenen tritt nur selten ein Schub auf, bei rund zwei Dritteln der Betroffenen verschlechtern sich die Körperfunktionen über die Jahre, bei fünf Prozent resultieren aus der Multiplen Sklerose dauerhaft schwere Behinderungen.

Die Diagnose der Multiplen Sklerose ist aufgrund der vielfältigen Symptome nicht einfach. Berücksichtigt werden hierbei die Krankengeschichte (Anamnese) sowie die Ergebnisse der körperlichen und der technischen Untersuchungen. Typischerweise werden folgende Untersuchungen vorgenommen:

  • Kernspintomographie (MRT)
  • evozierte Potentiale (zur Prüfung von Funktion und Leitfähigkeit der Nerven)
  • Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion)
  • Blut- und Urinuntersuchungen

Damit kann die Diagnose Multiple Sklerose gestellt und andere Ursachen der Symptome ausgeschlossen werden.

Wie erfolgt die Therapie bei Multipler Sklerose?

Multiple Sklerose ist noch nicht heilbar, deshalb werden bei der Therapie vor allem die Symptome behandelt. Ziel der Therapie ist es, die Beschwerden der Betroffenen zu lindern. Dies beinhaltet, Anzeichen eines Schubs zum Verschwinden zu bringen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und Komplikationen und langfristige Einschränkungen zu vermeiden. Verschiedene medikamentöse Therapien stehen zur Auswahl.

Lesen Sie hier mehr zu den Therapien bei MS.

Kann man Multipler Sklerose vorbeugen?

Da Ursachen nicht bekannt sind, lässt sich Multipler Sklerose nicht vorbeugen. Allerdings weiß man, dass manche Faktoren den Verlauf negativ beeinflussen oder einen Schub auslösen können. Zu diesen Faktoren gehören größere körperliche und seelische Belastungen wie beispielsweise eine Operation (OP), eine fieberhafte Erkrankung oder Infektion. Auch der Aufenthalt in warmen Klimazonen scheint Multiple Sklerose ungünstig zu beeinflussen. Hormonelle Umstellungen wie nach einer Schwangerschaft können ebenfalls einen Schub auslösen.

Immunsystem und MS

Für Betroffene ist wichtig zu wissen: Maßnahmen, die das Immunsystem beeinflussen, können Multiple Sklerose verschlechtern. Dazu gehören Hyposensibilisierung bei einer Allergie, Impfungen sowie Wirkstoffe, die das Immunsystem stimulieren (auch pflanzliche Medikamente). Das Robert Koch-Institut empfiehlt Menschen mit MS die vorgesehen Impfungen, da es keinen wissenschaftlichen Beleg dagegen gibt, aber ein viraler Infekt die Erkrankung nachweislich verschlimmern könnte.

Leben mit MS

Leben mit Multipler Sklerose bedeutet zunächst, sich damit auseinanderzusetzen, dass man an einer chronischen Erkrankung leidet. Auch wenn es eine Faustregel gibt, die besagt, dass die Ausprägung der Behinderung fünf Jahre nach Beginn der Multiplen Sklerose etwa zu drei Vierteln der Behinderung entspricht, die nach 10 bis 15 Jahren erreicht sein wird, ist der individuelle MS Verlauf nicht vorherzusagen. Eher günstig ist der MS Verlauf bei:

  • Frauen
  • Ersterkrankung unter 40 Jahre und mit zunächst nur einem MS-Symptom
  • vollständiger Rückbildung der Symptome nach dem ersten MS-Schub

Wichtig ist, die individuellen Schub-Auslöser zu erkennen und zu meiden, sich einen kompetenten Arzt zu suchen und mit diesem in engen Kontakt zu stehen. Inwieweit die Multiple Sklerose Einfluss auf die Ausübung des Berufs hat oder die körperliche Leistungsfähigkeit einschränkt, ist unterschiedlich. Arbeiten mit MS ist möglich, jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Unterstützung und Erfahrungsaustausch bei Multipler Sklerose bieten Selbsthilfegruppen, zum Beispiel von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.

Lesen Sie hier mehr zu Ernährung, Sport und Arbeit mit Multipler Sklerose.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 22.04.2020 – Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Miriam Funk

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?