Reflexe - Eigenreflex und Fremdreflex

Schnelle Reaktion durch Eigenreflex

Ein Eigenreflex zeichnet sich dadurch aus, dass Reizort und antwortendes Organ identisch sind. Die meisten Eigenreflexe sind uns schützende Muskeldehnungsreflexe, bei denen die kurze Muskeldehnung - ob z.B. durch einen Reflexhammer oder ein plötzliches Einknicken des Kniegelenks hervorgerufen - zu einer Kontraktion und damit Zuckung des betroffenen Muskels führt. So verhindert der Patellarsehnenreflex (PSR) beim plötzlichen Einknicken des Knies das Hinfallen, da der Oberschenkelmuskel den Unterschenkel reflexartig nach vorne schnellen lässt und uns wieder ins Gleichgewicht bringt.

Die Umschaltung erfolgt im Rückenmark

Mit den Muskeleigenreflexen kann die Funktion vieler Rückenmarksnerven überprüft werden, da die Nervenerregung vom Reizort bis ins Rückenmark gelangt und direkt wieder zurückgeleitet wird. Da im Rückenmark nur eine Umschaltung erfolgt, nennt man diese Reflexe monosynaptisch, sie heißen meist nach dem Muskel oder der Sehne, die geprüft wird: Wichtige Muskeleigenreflexe sind neben dem PSR am Bein der Achillessehnen- und Adduktorenreflex, am Arm der Bizeps- und Trizepsreflex und am Kiefer der Masseterreflex.

Daneben existieren viele andere, die bei einer ausführlichen neurologischen Untersuchung Aufschluss geben, ob eine Schädigung einzelner Nervenbahnen vorliegt (einzelne Reflexe nicht vorhanden) oder ob eine generelle Nervendysfunktion besteht (keine oder gesteigerte Reflexe vorhanden).

Reaktion auf Umwegen durch Fremdreflex

Bei dem komplexeren polysynaptischen Fremdreflex kommt es nach dem Reiz zu einer nervalen Umschaltung im Rückenmark und die Nervenerregung wird auf andere Organe umgeschaltet, die dann auf den Reiz reagieren.

Im klinischen Alltag wird gerade bei Verdacht auf eine Hirnschädigung der Pupillenreflex überprüft, der bei Lichteinfall ins Auge (Sehnerv wird gereizt) zu einer Verengung der Pupille führt (Pupillenfasern reagieren). Da die Reaktion der Pupillen im Gehirn miteinander gekoppelt ist, verengen sich normalerweise beide Pupillen, auch wenn nur ein Auge dem Lichteinfall ausgesetzt wird. Bei einer massiven Hirnschädigung und beim Hirntod ist dieser Reflex nicht mehr vorhanden.

Aktualisiert: 10.02.2017 - Autor: Nathalie Blanck

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