Restless-Legs-Syndrom – Wenn die Beine keine Ruhe geben

Kribbelnde Beine beim Restless-Legs-Syndrom © Wokandapix

Der Tag war anstrengend. Endlich sich im Bett ausstrecken und schlafen – das, worauf man sich schon seit geraumer Zeit gefreut hat. Doch statt Entspannung wartet Frust. Die Beine wollen keine Ruhe geben, brennen und kribbeln. Fast jeder zehnte Deutsche kennt diese Situation. Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) gehört zu den häufigsten neurologischen Krankheitsbildern. Erfahren Sie hier, wie RLS entsteht, welche Auswirkungen es auf Körper und Psyche hat und welche Therapie helfen kann.

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

Obwohl die Symptome des weit verbreiteten Restless-Legs-Syndroms bereits im 17. Jahrhundert erstmals beschrieben wurden, wird es oft nicht oder erst spät erkannt. Dabei sind die Beschwerden typisch: Sie treten vor allem dann auf, wenn der Betroffene zur Ruhe kommt und sich entspannen will, also bevorzugt abends nach dem Hinlegen. Die Beine kribbeln, brennen, ziehen, reißen, zucken und schmerzen. Charakteristisch ist auch, dass sich die Missempfindungen immer durch Aufstehen und Bewegung bessern.

Man schätzt, dass etwa 8 Millionen Deutsche betroffen sind; Frauen häufiger als Männer, Ältere häufiger und schwerer als Jüngere.

Erschwerende Umstände für unruhige Beine

Betroffene fühlen sich oft nicht ernst genommen – für Gesunde ist es schwer vorstellbar, dass ein Kribbeln in den Beinen, das sich durch Bewegung bessert, sehr belastend sein kann. Zudem treten die Symptome auch bei anderen Krankheiten auf, sodass auch der Arzt oft erst spät die richtige Diagnose stellt. Zu den häufigsten Fehldiagnosen gehört die Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die häufig bei der Zuckerkrankheit auftritt.

Aber auch Venenerkrankungen, die Parkinson-Krankheit oder die Borreliose werden fälschlicherweise als Übeltäter verdächtigt. Und nicht selten werden die Beschwerden als psychosomatisch bewertet. So wundert es kaum, dass als Spätfolge Depressionen auftreten können – was wiederum Anlass zur weiteren Fehldiagnose gibt.

Wie äußert sich RLS genau?

Es gibt eine ganze Reihe von Symptomen, die zur Diagnose des Krankheitsbildes führen. Hauptbeschwerde ist das Brennen, Kribbeln und Ziehen in Ruhe, das eher tief in den Muskeln und Knochen gespürt wird, in meist beiden Beinen unten (seltener den Armen) beginnt und nach oben wandert und das von Bewegungsdrang begleitet ist. Letzterer zwingt den Betroffenen, ständig die Beine zu bewegen oder zu massieren. Viele müssen aufstehen und "umhertigern".

Die Symptome bessern sich in der Regel sofort mit Bewegung. Allerdings muss diese bei steigender Erkrankungsdauer immer länger dauern und stärker sein, um den erwünschten Effekt zu erreichen.

Daneben treten Muskelzuckungen und spontane Bewegungen der Extremitäten sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand auf. Besonders am Abend und in der Nacht leidet der Betroffene an den Beschwerden, später auch zunehmend über Tag. Durch den ständigen Schlafmangel kommt es auf Dauer zu Konzentrations- und Schlafstörungen, Erschöpfungszuständen und Verlangsamung, zu Aggressionsneigung und Depressionen und sogar zu Herzrhythmusstörungen.

Wie entsteht das Restless-Legs-Syndrom?

Man geht davon aus, dass etwa 40 Prozent der Fälle vererbt sind (primäre Form), da sie in manchen Familien gehäuft vorkommen. Die sekundäre Form dagegen wird durch andere Auslöser verursacht. Dazu gehören Eisen- und Folsäuremangel, hormonelle Störungen (insbesondere durch Schilddrüsenerkrankungen) und Nierenversagen.

Auch im letzten Drittel der Schwangerschaft leiden viele Frauen am RLS. Auch bei den sekundären Formen glaubt man, dass es bestimmte genetische Merkmale gibt, die dafür sorgen, dass der eine am RLS erkrankt, der andere aber nicht.

Der genaue Erkrankungsmechanismus wird bisher nur vermutet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Störungen des "dopaminergen Systems" vorliegen. Dopamin ist ein Botenstoff an Nerven im Gehirn, der sich an für ihn bestimmte Rezeptoren setzt und dort Reaktionen auslöst. Sind diese "Reizempfänger" verändert, kann es zu Überreaktionen beziehungsweise zu verstärkter Erregung kommen.

Was hilft gegen RLS?

Die Diagnose wird ausschließlich über die Beschwerdesymptomatik gestellt – die neurologischen Untersuchungen sind unauffällig. Noch ist keine Heilung möglich, das heißt die Behandlung beschränkt sich nur auf das Lindern der Symptome sowie die Therapie einer etwaigen Grundkrankheit.

Zu den Optionen gehören regelmäßige körperliche Bewegung wie zum Beispiel:

  • Fahrradfahren
  • Schwimmen und Ausdauersport
  • Bürstenmassagen und Kälte- beziehungsweise Wechselduschen der Beine
  • Entspannungsmethoden und Stressabbau

Auch alternativmedizinische Verfahren wie Chiropraktik der Wirbelsäule, Homöopathie, Neuraltherapie oder Magnetfeldtherapie können helfen. Manche Patienten berichten, dass der Verzicht auf Koffein am Nachmittag und auf Alkohol die Beschwerden lindert. Medikamentös kommen Enzyme, Vitamin B, L-Dopa, in schweren Fällen auch Beruhigungsmittel zum Einsatz.

Aktualisiert: 26.09.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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