Schlafmittel richtig einnehmen

Schlafmittel © Steve Buissinne

Schlafmittel (Hypnotika) zählen zur Gruppe der Psychopharmaka. Sie wirken im Gehirn und sorgen durch die Verstellung bestimmter Regelkreise für einen besseren Schlaf. Allerdings ist die Einnahme von Schlafmitteln häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Deswegen sind starke Medikamente nur auf Rezept erhältlich. Pflanzliche Schlafmittel wie beispielsweise Baldrian sind dagegen rezeptfrei zu bekommen. Generell sollten Schlafmittel – egal ob synthetisch oder pflanzlich – nur eingenommen werden, wenn es unbedingt nötig ist. 

Schlafmittel helfen bei Schlafstörungen

Schlafmittel sind Substanzen, die den Schlaf fördern und deswegen zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt werden. Moderne Mittel bahnen den Schlaf nur noch an und erzwingen ihn nicht mehr. Schlafmittel können entweder synthetisch hergestellt werden oder auf pflanzlichen Wirkstoffen basieren. Während letztere rezeptfrei erhältlich sind, braucht man für synthetische Mittel – gerade wenn diese stärker sind – in der Regel ein Rezept. 

Schlafmittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, unter anderem existieren Kapseln, Tabletten und Saft. Je nachdem, ob Probleme beim Ein- oder Durchschlafen bestehen, werden Medikamente mit unterschiedlicher Wirkungsdauer verwendet. Intravenös werden Schlafmittel meist nur vor bestimmten Untersuchungen wie etwa einer Darmspiegelung oder zur Einleitung einer Narkose eingesetzt. 

Große Auswahl an Schlafmitteln

Synthetische Schlafmittel sind keine streng abgegrenzte Wirkstoffgruppe, sondern lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Gruppen:

  • Benzodiazepine gehören zu den am häufigsten eingesetzten Schlafmitteln. Sie haben eine angstlösende, krampflösende und schlaffördernde Wirkung. Häufig verwendete Wirkstoffe sind Flurazepam, Nitrazepam, Temazepam und Triazolam. Sie dürfen nur kurzzeitig zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt werden, da sie bei längerer Einnahme abhängig machen können. 
  • Nicht-Benzodiazepin-Agonisten werden ebenfalls sehr oft zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet. Sie haben zwar eine andere Struktur als die Benzodiazepine, greifen jedoch an den gleichen Rezeptoren an. Typische Vertreter sind Zaleplon, Zolpidem und Zopiclon. Im Vergleich zu Benzodiazepinen haben sie den Vorteil, dass ihr Abhängigkeitspotential geringer ist. 
  • Barbiturate werden heutzutage nur noch dann als Schlafmittel eingesetzt, wenn sich die Beschwerden durch andere Schlafmittel nicht lindern lassen. Dies liegt daran, dass sie unangenehme Nebenwirkungen haben und bei einer Überdosierung auch zum Tod führen können.  
  • Antidepressiva helfen nicht nur bei Depressionen, sondern auch bei Schlafstörungen. Vor allem Amitriptylin, Doxepin und Trimipramin haben eine beruhigend-dämpfende Wirkung und somit einen schlafanstoßenden Effekt. Antidepressiva kommen insbesondere bei Schlafstörungen zum Einsatz, die durch Depressionen verursacht wurden. Ebenso werden sie verwendet, wenn sich als Folge der Schlafstörungen eine ängstlich-depressive Stimmung entwickelt.
  • Neuroleptika sind ebenfalls keine typischen Schlafmittel, sondern werden zur Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt. Sie können aufgrund ihrer beruhigend-dämpfenden Wirkung aber auch bei Schlafstörungen helfen. Besonders häufig werden sie bei Schlafstörungen eingesetzt, die durch eine Psychose verursacht werden. 
  • Antihistaminika der ersten Generation lindern nicht nur allergische Beschwerden, sondern haben auch eine sedierende Wirkung. Bestimmte Wirkstoffe wie Doxylamin, Meclozin und Promethazin werden deswegen auch als Schlafmittel verwendet. 

Neben den genannten Substanzen gibt es noch eine Reihe weiterer Schlafmittel. Als Stoffe organischen Ursprungs kommen die Aminosäure Tryptophan, das Hormon Melatonin und das Melatonin-Derivat Ramelteon zum Einsatz. Andere synthetische Schlafmittel, die früher häufiger verwendet wurden, werden aufgrund ihrer Nebenwirkungen heutzutage entweder gar nicht, oder nur noch in besonders schweren Fällen verwendet. 

Nebenwirkungen von Schlafmitteln

Schlafmittel sollten aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur eingenommen werden, wenn es unbedingt nötig ist. Ob und wie stark Nebenwirkungen auftreten, ist immer vom jeweiligen Medikament abhängig. Bei Mitteln, die aufgrund ihrer langen Wirkungsdauer nur langsam abgebaut werden, kann es am nächsten Tag zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel und einem eingeschränkten Reaktionsvermögen kommen (Hang-Over-Effekt). 

Einige Schlafmittel, beispielsweise Benzodiazepine, machen relativ schnell abhängig. Sie sollten deswegen nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Ist eine längerfristige Behandlung nötig, werden oftmals andere Schlafmittel verschrieben. Diese Medikamente haben meist ein geringeres Abhängigkeitsrisiko, häufig aber auch mehr Nebenwirkungen. 

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum Schlafmittel eingenommen haben, sollten Sie die Mittel nicht von heute auf morgen absetzen. Verringern Sie die Dosis lieber langsam Schritt für Schritt, um unangenehme Entzugserscheinungen zu verhindern (Rebound-Effekt). 

Schlaflos durch Schlafmittel

Schlafmittel werden heutzutage immer häufiger zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Durch die Medikamente können die Betroffenen zwar kurzfristig besser schlafen, langfristig zerstören aber viele Mittel die Struktur des Schlafes. Beispielsweise werden durch bestimmte Medikamente wie Benzodiazepine die besonders erholsamen Tiefschlafphasen unterdrückt. Dadurch nimmt die Qualität des Schlafes deutlich ab.

Durch den Einfluss der Medikamente auf die Struktur des Schlafes können die Betroffenen nach dem Absetzen der Schlafmittel teilweise noch schlechter schlafen als zuvor. Oftmals benötigen sie dann weitere Medikamente, sodass ein Teufelskreis entsteht. Deswegen sollten Schlafmittel immer nur als letzte Möglichkeit eingenommen werden. 

Nichts für Leberkranke und Schwangere

Schwangere Frauen und stillende Mütter dürfen keine Schlafmittel einnehmen. Patienten mit einer Lebererkrankung sollten vor der Einnahme unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt sprechen, um weitere Schäden an der Leber zu vermeiden. Für Personen, die schon einmal ein Suchtproblem hatten, kommen nur Medikamente mit einem geringen Abhängigkeitsrisiko in Frage. 

Überprüfen Sie vor der Einnahme eines Schlafmittels unbedingt, ob es eventuell zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann. Wechselwirkungen treten unter anderem mit Alkohol sowie mit Arzneimitteln auf, die ebenfalls eine zentral dämpfende Wirkung haben.

Pflanzliche Schlafmittel

Pflanzliche Schlafmittel haben den Vorteil, dass sie keine oder wenn nur leichte Nebenwirkungen haben. Allerdings sind ihre schlaffördernde Wirkung und ihre Wirkungsdauer auch geringer. Deswegen werden sie in der Regel nur zur Behandlung von Einschlaf-, nicht aber von Durchschlafstörungen eingesetzt. Für pflanzliche Schlafmittel benötigen Sie kein Rezept, sondern Sie können diese rezeptfrei in Apotheken und Drogerien erhalten. 

Zur Behandlung von Einschlafstörungen sind pflanzliche Schlafmittel mit Baldrian, Johanniskraut, Hopfen, Melisse und Passionsblumenkraut geeignet. Meist müssen Sie die Mittel einige Tage bis hin zu wenigen Wochen einnehmen, bevor sich die Wirkung einstellt. 

Hausmittel helfen bei Schlafstörungen

Bei Schlafstörungen müssen Sie nicht immer gleich zu Schlafmitteln greifen. Oft lassen sich die Beschwerden auch gut mit Hausmitteln behandeln:

  • Sorgen Sie vor dem Schlafengehen für ausreichend Entspannung. Hören Sie ruhige Musik, lesen Sie ein Buch oder machen Sie ein paar Entspannungsübungen. 
  • Lüften Sie vor dem Schlafengehen gründlich. Bei frischer, kühler Luft schläft es sich besser, als wenn es heiß und stickig ist. Eventuell hilft es auch ein Fenster über Nacht gekippt zu lassen.  
  • Sporttreiben ist gesund, aber nicht direkt vor dem Schlafengehen. Das macht nämlich munter und erschwert somit das Einschlafen. 
  • Trinken Sie vor dem Schlafengehen eine heiße Milch mit Honig. Verzichten Sie dagegen auf koffeinhaltige Getränke und Alkohol. 
  • Nehmen Sie vor dem Einschlafen ein heißes Bad. Baden Sie bei 35 bis 38 Grad nicht länger als 20 Minuten. Als Badezusätze sind Hopfen oder Melisse gut geeignet, da sie schläfrig machen. 

Aktualisiert: 17.05.2017 – Autor: Kathrin Mehner

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