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Tourette-Syndrom

Mann mit Tourette-Syndrom © istockphoto, Wavebreakmedia

Plötzliches Augenzwinkern, abrupt ausgestoßene Schreie, jähes Beschnüffeln des Gegenübers: Patienten mit einem Tourette-Syndrom zeigen befremdliche Verhaltensweisen. Sie können wenig dagegen tun und sind – entgegen häufiger Vermutungen – nicht intellektuell beeinträchtigt.

Wie fühlt sich ein Mensch mit Tourette-Syndrom?

Stellen Sie sich vor, Sie spüren, dass ein Schluckauf im Anmarsch ist. Sie sitzen gerade in einer wichtigen Besprechung und versuchen mit allen Mitteln, ihn zu unterdrücken. Eine Weile gelingt das auch – indem Sie sich nur noch darauf konzentrieren können. Dann jedoch wird der Druck stärker, der Schluckauf bahnt sich seinen Weg – unaufhaltsam und lautstark.

Und nun versuchen Sie sich vorzustellen, dass der Schluckauf sich in Form von Zuckungen an Augen, Schulter oder Gliedmaßen, unfreiwilliger Geräusche, gellender Schreie oder dem zwanghaften Ausstoßen von Obszönitäten äußert. Höchst unangenehm, nicht? So ungefähr fühlen sich Menschen, die unter einem (Gille-de-la-)Tourette-Syndrom (TS) leiden, oft mehrmals am Tag. In Deutschland sind Schätzungen zufolge bis zu 40.000 Menschen betroffen.

Was ist das Tourette-Syndrom?

Das TS ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die erstmals 1885 durch den französischen Neurologen George Gilles de la Tourette auf der Basis von Patientenbeobachtungen wissenschaftlich beschrieben wurde. Sie ist charakterisiert durch sogenannte Tics, meist plötzlich auftretende, unwillkürliche (zwecklose), rasche, teils heftige Bewegungen von Muskelgruppen (motorische Tics) oder Lautäußerungen (vokale Tics). Sie treten vorwiegend in gleicher Weise und oft in Serien auf. Sie werden weiter unterteilt in einfache und komplexe Formen.

Zu den einfachen Tics gehören motorisch zum Beispiel Kopf- und Schulterrucken, Grimassieren und Augenblinzeln sowie vokal Schnüffeln, mit der Zunge schnalzen, Räuspern, Fiepen, Grunzen und Quieken.

Zu den komplexen Tics zählt man Springen, das Berühren anderer Menschen, Verdrehungen des Körpers, das Zeigen obszöner Gesten (Kopropraxie) oder auch selbstverletzendes Verhalten (SVV) wie sich schlagen, sich ritzen oder kneifen sowie – als vokale Formen – das Ausstoßen anstößiger Worte (Koprolalie), das Herausschleudern unpassender Worte und Gesprächsfetzen sowie das zwanghafte Nachsprechen von Lauten, Wörtern oder Sätzen (Echolalie) beziehungsweise das Wiederholen selbst gesprochener Wörter oder Satzenden (Palilalie).

Aktualisiert: 25.04.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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