Gleichgewichtsstörungen

Frau hat Gleichgewichtsstörungen © istockphoto, Szacho

Schwindelgefühle werden von jedem anders erfahren. Beim einen ist es der Verlust der räumlichen Orientierung, Schwächegefühl oder Schwarzwerden vor den Augen; andere klagen über Übelkeit oder der Neigung zum Fallen. Etwa 38 % der Bundesbürger leiden unter Schwindelattacken - Frauen häufiger als Männer. Bei 8 % der Betroffenen ist der Schwindel auf eine Erkrankung zurückzuführen.

Schwindel: Symptom mit zahlreichen Ursachen

Äußert sich der Schwindel mit einer unangenehmen Verzerrung der Raum- und Bewegungswahrnehmung, handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom mit zahlreichen Ursachen. Die Ursachenpalette ist dabei groß. Schwindel ist hier – wie auch der Schmerz - ein Alarmsignal des Körpers, nach dessen Ursache gesucht werden muss.

Auslöser kann das Gleichgewichtssystem selbst sein, aber auch ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, der Stoffwechsel oder die Psyche. Eine genaue ärztliche Diagnose - vor allem bei neu auftretenden Schwindelattacken - ist deshalb sehr wichtig und Grundlage für jede weitere Behandlung.

Im Gleichgewicht bleiben

Das Gleichgewicht beruht auf der fein abgestimmten Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Organe. Dazu gehören die Augen, der Gleichgewichtssinn im Innenohr sowie die zentrale Verarbeitung im Gehirn. Funktioniert ein Glied der Kette nicht, kommen auch alle anderen durcheinander – uns wird schwindelig.

Bei der Reisekrankheit erhält das Gehirn widersprüchliche Informationen über die Lage und Bewegung des Körpers, was einen so genannten physiologischen Reizschwindel verursacht. Auch die Einnahme vieler Medikamente, z. B. Antibiotika, Antidepressiva, herzstärkende oder blutdrucksenkende Medikamente, können zu Schwindelanfällen führen.

Schlimmer ist der „Läsionsschwindel", der durch eine krankhafte Störung der Funktion von Sinnesorganen, vor allem des Gleichgewichtsorganes, entsteht. Ist das Gleichgewichtsorgan im Ohr erkrankt oder komplett ausgefallen, spricht man von einem so genannten vestibulären Schwindel. Mögliche Ursachen sind Entzündungen, Tumore, Durchblutungsstörungen, Epilepsie, Multiple Sklerose oder Erkrankungen wie Morbus Menière.

Diese Erkrankung, die vor allem zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftritt, äußert sich durch minuten- oder sogar stundenlange Schwindelattacken mit Fallneigung, Schweißbildung, Übelkeit und Erbrechen. Meistens nimmt die Erkrankung einen günstigen Verlauf; in ungünstigen Fällen können sich Schwerhörigkeit und Tinnitus (Ohrgeräusch) entwickeln.

Im Alter wird am häufigsten "geschwindelt"

Die häufigste Schwindelform bei Erwachsenen ist der Kopflage- und Lagerungsschwindel, der bevorzugt dann auftritt, wenn der Kopf auf die Seite gelegt wird. Dieser Schwindel kann nach Stürzen oder sehr heftigen Kopfbewegungen auftreten. Als typische Alterskrankheit zeigt sich dieser Schwindel meist zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr.

Vor allem nachts beim Herumdrehen im Bett oder beim Aufrichten leiden die Patienten unter kurz dauernden Schwindelanfällen, die von Übelkeit, Erbrechen und Angstgefühl begleitet sein können. Diese Erkrankung hält selten lang an, sondern klingt im Allgemeinen nach einer Behandlung wieder ab.

Der Blutdruck und das Gleichgewicht

Schwindel, Benommenheit und Schwarzwerden vor den Augen können auch die Folge einer Mangeldurchblutung des Gehirns sein, die wiederum auf eine meist vorübergehende Kreislaufstörung zurückzuführen ist. Dieser ist häufig die Folge eines Blutdruckabfalls und durch Benommenheit, Verlangsamung oder Verwirrung gekennzeichnet. Darüber hinaus kann es auch zu unscharfem Sehen, Ohrgeräuschen, Übelkeit und im Extremfall zu einer kurzen Ohnmacht kommen.

Schwindel kann aber auch ein erhöhter Blutdruck auslösen, wobei fast immer Kopfschmerzen vorhanden sind. Herzrhythmusstörungen vor allem bei älteren Menschen sind ebenfalls Ursache von Schwindelzuständen, da das Gehirn nicht gleichmäßig durchblutet wird

Behandlung – alles im Lot

Neben der Behandlung der Ursache des Schwindels haben sich physiotherapeutische Maßnahmen besonders bewährt. Dabei werden Haltungsunsicherheiten provoziert, die Korrekturbewegungen von Seiten des Patienten erfordern. Ziel der Therapie ist somit letztlich eine Verbesserung der Gleichgewichtsreaktion. Bei der medikamentösen Therapie bei Schwindel und Reisekrankheit kann auf Tabletten (z.B. mit Dimenhydrinat) oder homöopathische Präparate mit Cocculus zurückgegriffen werden.

Schonung bei Schwindel – nicht immer Mittel der Wahl

Körperliche Aktivität ist auch oder gerade mit zunehmenden Alter besonders wichtig, denn bei Menschen mit ohnehin niedrigen Blutdruck fällt dieser in Belastungssituationen noch weiter ab. Wer sich dann zur Schonung hinlegt, verstärkt diese Kreislaufreaktionen zusätzlich. Wer auf Grund einer bestimmten Angst unter Schwindelattacken leidet und nach dem Aufstehen Anzeichen einer Kreislaufschwäche zeigt – wie Muskelzittern, Herzrasen oder Schwindel – sollte seine körperliche Leistungsfähigkeit schrittweise steigern.

Ein geeignetes Konditionstraining fördert nicht nur die körperliche und die geistige Fitness, sondern auch die Sauerstoffversorgung des Körpers. Insbesondere isometrisches Muskeltraining sowie Ausdauersportarten aktivieren den Kreislauf und sichern die Sauerstoffversorgung. Schonung oder gar strenge Bettruhe schwächen hingegen zusätzlich, vor allem ältere Menschen.

Aktualisiert: 19.08.2016 – Autor: Dr. Kaske

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