Morbus Menière

Frau mit Morbus Menière bei Ohrenuntersuchung
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Morbus Menière ist ein komplexes Krankheitsbild des Innenohrs, das sich durch Schwindelanfälle oder Drehschwindel in Verbindung mit Hörverlust, Druckgefühl im Ohr sowie Ohrgeräusche oder Klingeln äußert. Etwa 2,6 Millionen Menschen in Europa und den Vereinigten Staaten leiden unter Morbus Menière. Erfahren Sie hier mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Morbus Menière.

Morbus Menière: Symptome und Diagnose

Ohne Vorwarnung spürte Konrad G., 42 Jahre alt und von Beruf Lehrer, eines abends einen starken Druck in der rechten Schädelhälfte. Etwas später wurde ihm schwindelig, er hatte das Gefühl, dass sich alles um ihn herum dreht, dann musste er erbrechen. Später ließ der Schwindel nach, aber er empfand einen Druck im rechten Ohr und hatte das Gefühl, schlecht zu hören.

Gleich am nächsten Tag suchte er seinen Arzt auf. Der Hausarzt hatte sofort den Verdacht, dass eine Erkrankung des Innenohrs die Ursache der Beschwerden war. Die nach dem französischen Arzt Prosper Menière (1799-1862) benannte Krankheit Morbus Menière beeinflusst negativ den Gleichgewichtssinn und traf tatsächlich auf Konrad G. zu. Bei vielen Patienten jedoch wird die Krankheit nicht richtig diagnostiziert und ein langer Weg über viele Fachärzte führt erst spät zur richtigen Diagnose.

In den Industrienationen schätzt man, dass jeder 1000. Mensch an Morbus Menière erkrankt. Vor allem Personen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr sind von der Krankheit des Innenohrs betroffen. Bei jedem fünften Patienten gibt es diese Erkrankung bereits in der Familie.

Zu viel Flüssigkeit im Innenohr

Die Morbus Menière Symptome entstehen, weil sich zu viel Flüssigkeit im Labyrinth des Innenohrs ansammelt, in jenem Teil des Innenohres also, der für den Gleichgewichtssinn und das Hören zuständig ist. Im Innenohr befinden sich die Gehörschnecke und Bogengänge. Sie bestehen aus Knochen, die mit einer weichen Membran ausgelegt sind. In der Gehörschnecke und in den Bogengängen zirkuliert eine Flüssigkeit – sie heißt Endolymphe. In der Gehörschnecke wird die Bewegung der Endolymphe durch Schallwellen ausgelöst. So werden Schallsignale ans Gehirn gesendet.

Die Bewegung der Endolymphe in den Bogengängen gibt dem Gehirn Aufschluss über die Körperposition. Kommt es nun durch eine zu große Menge endolymphatischer Flüssigkeit zu erhöhtem Druck im Innenohr, so können dessen Gänge anschwellen und ihre Funktion dadurch eingeschränkt sein. Durch den Druck im Hörzentrum erhält das Gehirn verwirrende akustische Signale wie Geräusche oder Klingeln (Tinnitus) oder es erhält überhaupt keine Signale mehr (Hörverlust).

Bei überhöhtem Druck im Gleichgewichtsorgan erhält das Gehirn Fehlermeldungen bezüglich Bewegung und Körperlage – Schwindelgefühl entsteht. Die Anfälle äußern sich sehr unterschiedlich: Sie können selten bis häufig auftreten. Und sie können zwischen Minuten bis zu mehreren Stunden dauern. Nach dem Anfall sind Betroffene zunächst erschöpft, jedoch überwiegend beschwerdefrei.

Morbus Menière: Ursachen unbekannt

Die genauen Morbus Menière Ursachen dieser Innenohrkrankheit sind nicht bekannt. Als mögliche Ursachen vermuten Ärzte Veränderungen Stoffwechsel- und Hormonhaushalt, außerdem kommen Kreislaufstörungen, Stress und seelische Faktoren in Betracht. Die Entwicklung der Menière-Erkrankung ist von Person zu Person unterschiedlich. Bei über zwei Drittel der Patienten verbessern sich die Symptome nach und nach und der Schwindel wird mit der Zeit weniger. Bei den übrigen Patienten werden die Schwindelattacken und der Tinnitus immer schlimmer und ihr Hörvermögen nimmt stetig ab.

Therapie gegen Symptome

Da die Ursache für Morbus Menière unbekannt ist, gibt es viele Behandlungen, aber keine Heilung. Das Ziel ist, die Symptome auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und eine möglichst schnelle Besserung zu erlangen. Ärzte verordnen Medikamente zur Linderung der Übelkeit und des Erbrechens, zusätzlich werden von Infusionslösungen verabreicht, die die Durchblutung fördern sollen.

Behandlung von Morbus Menière: Betahistin reduziert Druck

Patienten mit Morbus Menière profitieren nach derzeitigen Erkenntnissen besonders von einer Hochdosis-Therapie mit dem Histamin-Antagonisten Betahistin. Histamin-Antagonisten sind Mittel, die die Wirkungen des Histamins auf das Gewebe aufheben oder abschwächen. Histamine spielen eine große Rolle im Immunsystem bei Abwehrreaktionen.

Innerhalb eines Jahres verschwinden die Schwindel-Attacken fast völlig. Auch zur Vorbeugung von Attacken über längere Zeit wird Betahistin erfolgreich eingesetzt. Der Wirkstoff reduziert im Innenohr den Endolymphdruck. Der Wirkstoff sollte für mindestens sechs Monate, am besten bis zu 24 Monate, regelmäßig eingenommen werden. Diese Morbus Menière Therapie wurde gut vertragen. Nur bei zwei Patienten trat leichte Übelkeit auf.

Menière-Krankheit: Psychologische Betreuung wichtig

Menière-Patienten sind infolge der oft überfallartig einsetzenden Schwindelanfälle entsprechend sehr unsicher. Aus Angst, einen Anfall in der Öffentlichkeit zu erleiden, ziehen sie sich zurück. Vereinsamung, Unsicherheit und Ängste sind die Folge. Zur Therapie der Drehschwindelanfälle gehört auch die Behandlung und Betreuung des lästigen Tinnitus, dem die Patienten in mehr oder weniger ausgeprägter Form ausgesetzt sind.

Inzwischen sind Behandlungskonzepte entstanden, die zwar keine Beseitigung des Tinnitus versprechen können, jedoch das Ziel, nämlich die Verringerung der psychisch-akustischen Belastung durch das Ohrgeräusch, in den meisten Fällen erreichen können. Wertvolle Hilfsmittel bei Morbus Menière sind dabei so genannte Tinnitusmasker und bei gleichzeitiger Schwerhörigkeit der Einsatz von Hörgeräten.

Aktualisiert: 20.09.2012
Autor*in: Sigrid Born

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