Schlafapnoe

Mann mit Schlafapnoe © istockphoto, tommaso79

In vielen Schlafzimmer nachts das Gleiche: Lautes Schnarchen auf der einen Seite, Schlaflosigkeit auf der anderen. Doch mancherorts folgt plötzliche Stille, die den vorher genervten Partner angstvoll horchen lässt, ob der Schnarcher überhaupt noch schnauft. Dann ein keuchendes, lautes Einatmen – und das Ganze beginnt von vorn. Schnarchen ist zunächst mal nervig, vor allem für den Partner. Kommen kurzfristige Atemaussetzer hinzu, erhöht sich beim Schnarcher das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Deshalb heißt es für den Partner: nicht flüchten, sondern den Schnarcher zur Diagnostik schicken.

Schlafapnoe: Symptome und Ursachen

Beim Schnarchen fällt infolge schlaffer Mund- und Rachenraummuskeln die Zunge zurück und verschließt den hinteren Gaumen und damit die oberen Atemwege. Die Anstrengung, durch die verengten Atemwege Luft zu holen, führt zu den typischen nächtlichen Geräuschen, die manchen Partner flüchten lässt.

Doch die Folgen können ernster sein. Während des Schnarchens werden weniger Überträgerstoffe ausgeschüttet, die für den Atemantrieb benötigt werden. Dadurch setzt die Atmung aus ("Apnoe" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Windstille") – für bis zu zwei Minuten und bis zu 400-mal pro Nacht. Erst durch die ansteigende Kohlendioxidkonzentration im Blut intensiviert das Gehirn seine Hirnströme und regt damit das Atemzentrum an, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Es kommt zu einer körpereigenen Weckreaktion (Arousal), die sich oft als besonders lauter Schnaufer äußert, vom Betroffenen jedoch meist nicht wahrgenommen bzw. erinnert wird.

Welche Risiken birgt die Schlafapnoe?

Die Atemaussetzer dauern bis zu zwei Minuten an und sind für den Körper ganz schön belastend: Der Sauerstoffgehalt des Blutes sinkt, Stresshormone werden frei, der Blutdruck steigt, es kommt nicht selten zu Herzrhythmusstörungen. Von einem Bluthochdruck ist etwa die Hälfte der Schlafaponiker betroffen; bei ihnen besteht deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Umgekehrt lässt sich bei etwa 60 % aller Schlaganfallpatienten eine schlafbezogene Atemstörung wie die Schlafapnoe finden. Schlafapnoe ist also eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit.

Überdies führt sie durch die eingeschränkte Schlafqualität zu zahlreichen gesundheitlichen Konsequenzen wie beispielsweise chronische Tagesmüdigkeit, morgendliche Kopfschmerzen, verminderte Leistungsfähigkeit, Aggressivität, Depressionen und Impotenz. Die Betroffenen sind weniger belastbar und nicht wenige der durch Sekundenschlaf verursachten Unfälle gehen auf das Konto nächtlicher Apnoen.

Wer besonders gefährdet ist

  • Schnarcher - mehr als 30 Millionen Deutsche sägen nachts Wälder klein. Experten gehen davon aus, dass davon zwischen 2,5 und 4 Millionen unter Schlafapnoe leiden und damit ernsthaften Gesundheitsgefahren ausgesetzt sind. Schnarcher erleiden bis zu 10-mal häufiger Schlaganfälle als "Nicht-Schnarcher", Schlafapnoe-Patienten haben ein stark erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vermutlich wären viele Schlaganfälle und Herzinfarkte bei einer frühzeitigen Diagnostik und Therapie vermeidbar.
  • Diabetiker: Zuckerkrankheit und Schlafapnoe sind ein gefährliches Duo: Beide erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt; in Kombination ergeben die beiden Erkrankungen eine explosive Mischung und die Gefahr von Folgeerkrankungen ist erheblich größer. Besonders gefährdet für Schlafapnoe und Diabetes sind Männer und Menschen mit Übergewicht.
    Diabetiker die ihre Schlafapnoe behandeln lassen, sind besser einstellbar.
  • Übergewichtige Kinder leiden häufig an Schlafapnoe, wie auch eine Studie des Royal London Hospital zeigte. Schlafapnoe kann die schulischen Leistungen von Kindern erheblich beeinträchtigen, die gesundheitlichen Konsequenzen erschweren den Alltag der betroffenen Kinder erheblich, beispielsweise durch chronische Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und Gereiztheit. Anhaltend schlechter Schlaf führt insgesamt zum Verlust der Lebensfreude. Die Initiative Gesunder Schlaf (IGS) plädiert deshalb dafür, dass übergewichtige und schnarchende Kinder auf das Schlafapnoe-Syndrom hin untersucht werden. "Gedeihstörungen, Mundatmung, Nachtschweiß, motorische Hyperaktivität und Konzentrationstörungen gelten als richtungsweisende Symptome", so Dr. Alfred Wiater, Chefarzt der Kinderklinik Köln-Porz, einem schlafmedizinischen Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Aktualisiert: 15.02.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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