Schlafapnoe

Mann mit Schlafapnoe schnarcht im Schlaf © iStock.com/AndreyPopov

Schnarchen ist in den meisten Fällen zwar lästig und oftmals der Auslöser für Schlaflosigkeit beim Bettnachbarn. Doch in der Regel sind die nächtlichen Geräusche harmlos. Manchmal jedoch folgt auf ein lautes Schnarchen plötzliche Stille, die den vorher genervten Partner angstvoll horchen lässt, ob der Schnarcher überhaupt noch atmet. Dann ein keuchendes, lautes Einatmen – und das Ganze beginnt von vorn. Kommt es zu solchen nächtlichen Atemaussetzern, spricht man von einer Schlafapnoe. Durch diese erhöht sich bei Betroffenen das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Welche Gefahren von einer Schlafapnoe ausgehen, wie Symptome und Diagnostik aussehen und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt, erfahren Sie im Folgenden.

Was ist eine Schlafapnoe?

Der Name Schlafapnoe oder Schlafapnoe-Syndrom beschreibt kurze Atemaussetzer, die während des Schlafens auftreten. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Abhängig von der zugrunde liegenden Ursache unterscheidet man zwei Arten der Schlafapnoe:

  • Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA): Hierbei tritt das Schlafapnoe-Syndrom aufgrund von blockierten Atemwegen auf.
  • Bei der selten zentralen Schlafapnoe (ZSA) liegt die Ursache der Atmungsstörung im zentralen Nervensystem. Trotz offener Atemwege wird die Atmung hierbei – beispielsweise genetisch bedingt durch eine neurologische Schädigung infolge einer Erkrankung oder eines Schlaganfalls – nicht ausreichend gesteuert.

Treten pro Stunde mehr als fünf solcher Atemaussetzer auf, die zudem mehr als zehn Sekunden andauern, spricht man von einer Schlafapnoe. Auf die Atemaussetzer lässt sich auch die Bedeutung des Wortes Schlafapnoe zurückführen: "Apnoe" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Windstille".

Ursachen der obstruktiven Schlafapnoe

Die obstruktive Schlafapnoe geht oftmals (aber nicht immer) mit Schnarchen einher. Infolge der im Schlaf erschlafften Mund- und Rachenraummuskeln fällt die Zunge zurück und verschließt den hinteren Gaumen, und damit die oberen Atemwege, teilweise oder komplett. Die Anstrengung, durch die verengten Atemwege Luft zu holen, führt zu den typischen nächtlichen Geräuschen.

Dies kann ernste Folgen haben: Während des Schnarchens werden weniger Überträgerstoffe ausgeschüttet, die für den Atemantrieb benötigt werden. Dadurch setzt die Atmung aus – für bis zu zwei Minuten und bis zu 400-mal pro Nacht.

Erst durch die ansteigende Kohlendioxidkonzentration im Blut intensiviert das Gehirn seine Hirnströme und regt damit das Atemzentrum an, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Es kommt zu einer körpereigenen Weckreaktion (Arousal), die sich oft als besonders lautes Einatmen äußert, vom Betroffenen jedoch meist nicht wahrgenommen beziehungsweise erinnert wird.

Obstruktive Schlafapnoe: Symptome

Eine Obstruktive Schlafapnoe ist für Betroffene selbst häufig schwer zu erkennen. Mögliche Symptome einer Schlafapnoe sind:

  • (lautes) Schnarchen, wobei dieses Symptom bei Frauen oftmals fehlt
  • kurze Atemaussetzer
  • deutliches Luftschnappen oder Einatmen im Anschluss an die Atemaussetzer
  • häufiges Erwachen (auch, um auf Toilette zu gehen)
  • Luftnot und Herzrasen beim Erwachen
  • Nachtschweiß
  • flache Atmung (Hypopnoe)

Oftmals werden diese Anzeichen von Betroffenen selbst nicht bemerkt, da sie sich morgens nicht an die nächtlichen Beschwerden erinnern. Daher sind es häufig die Partner, die die Betroffenen auf die Symptome aufmerksam machen.

Darüber hinaus haben die ständige Unterbrechung des Schlafes und der immer wieder auftretende Sauerstoffmangel infolge der unterbrochenen Atmung auch Auswirkungen auf das Befinden während des Tages. Denn Menschen mit einer Schlafapnoe können nicht in die für die Erholung wichtige Tiefschlafphase fallen und fühlen sich daher auch tagsüber oft wie gerädert. Die dadurch entstehenden Symptome können daher weitere wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Schlafapnoe liefern.

Folgen für den Alltag

Die durch die Schlafapnoe eingeschränkte Schlafqualität führt zu zahlreichen gesundheitlichen Folgen, sodass es auch tagsüber zu den Symptomen einer Schlafapnoe kommt. Dazu zählen beispielsweise:

  • chronische Tagesmüdigkeit
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsstörungen
  • Gereiztheit und Aggressivität
  • depressive Verstimmungen oder Depressionen
  • kurzzeitiges Einnicken (Sekundenschlaf)
  • Impotenz

Die Betroffenen sind weniger belastbar und nicht wenige der durch Sekundenschlaf verursachten Unfälle gehen auf das Konto nächtlicher Apnoen.

Welche Risiken birgt die Schlafapnoe?

Die Atemaussetzer im Schlaf dauern bis zu zwei Minuten an und sind für den Körper ziemlich belastend:

  • der Sauerstoffgehalt des Blutes sinkt
  • Stresshormone werden frei
  • der Blutdruck steigt
  • es kommt nicht selten zu Herzrhythmusstörungen

Von einem Bluthochdruck ist etwa die Hälfte der Schlafapnoiker betroffen; bei ihnen besteht deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Umgekehrt lässt sich bei etwa 60 Prozent aller Schlaganfallpatienten eine schlafbezogene Atemstörung wie die Schlafapnoe finden. Schlafapnoe ist also eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit.

Neben dem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen steigt auch die Gefahr, an Depression oder Diabetes Typ 2 zu erkranken. Darüber hinaus sinkt die Lebensqualität der Betroffenen. Daneben kann es durch den Sekundenschlaf zu Gefahren im Straßenverkehr kommen.

Risikogruppen: Wer besonders gefährdet ist

Vor allem Männer sind häufig von obstruktiver Schlafapnoe betroffen, bei Frauen tritt das Syndrom meist erst nach der Menopause auf. Bei beiden Geschlechtern steigt das Risiko mit dem Alter an, doch auch Kinder können betroffen sein. Auch Menschen mit Übergewicht gehören zur Risikogruppe.

Darüber hinaus können Rauchen, die Einnahme von Schlafmitteln sowie der Konsum von Alkohol oder Drogen vor dem Schlafengehen das Auftreten einer Schlafapnoe begünstigen. Ebenso gilt das Schlafen auf dem Rücken als Faktor, der das Risiko für eine OSA erhöht.

Einem besonderen Risiko ausgesetzt sind darüber hinaus:

  1. Schnarcher
  2. Diabetiker (vor allem Typ-2-Diabetes)
  3. übergewichtige Kinder

Warum das so ist, erläutern wir im Folgenden.

Schnarcher: erhöhtes Risiko

Etwa die Hälfte der Deutschen schnarcht. Experten gehen davon aus, dass etwa vier Prozent der Erwachsenen hierzulande unter Schlafapnoe leiden und damit ernsthaften Gesundheitsgefahren ausgesetzt sind.

Schnarcher erleiden bis zu 10-mal häufiger Schlaganfälle als "Nicht-Schnarcher", Schlafapnoe-Patienten haben ein stark erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vermutlich wären viele Schlaganfälle und Herzinfarkte bei einer frühzeitigen Diagnostik und Therapie vermeidbar.

Diabetes und Schlafapnoe

Diabetes und Schlafapnoe sind ein gefährliches Duo: Beide erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt und in Kombination ist die Gefahr von Folgeerkrankungen erheblich größer. Besonders gefährdet für Schlafapnoe und Diabetes sind Männer und Menschen mit Übergewicht.

Diabetiker die ihre Schlafapnoe behandeln lassen, sind zudem besser einstellbar.

Übergewichtige Kinder

Übergewichtige Kinder leiden häufig an Schlafapnoe, wie auch eine Studie des Royal London Hospital zeigte. Schlafapnoe kann die schulischen Leistungen von Kindern erheblich beeinträchtigen. Die gesundheitlichen Konsequenzen erschweren den Alltag der betroffenen Kinder enorm, beispielsweise durch chronische Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und Gereiztheit. Anhaltend schlechter Schlaf führt insgesamt zum Verlust der Lebensfreude.

Diagnose: Wie wird eine Schlafapnoe festgestellt?

Besteht der Verdacht auf eine Schlafapnoe, sollte ein Arzt aufgesucht werden. denn die richtige Schlafapnoediagnostik ist entscheidend für die Auswahl der Behandlung. Haben Sie oder Ihr Partner den Verdacht, dass Sie einer Schlafapnoe leiden, sprechen Sie zunächst mit Ihrem Hausarzt, er wird Sie eventuell noch zu einem Hals-Nasen-Ohren- oder Lungenfacharzt überweisen.

Zunächst kann eine ambulante Vordiagnostik erfolgen. Dazu erhalten Sie eine kleines tragbares Messgerät, das Sie vor dem Zubettgehen nach Anweisung mit mehreren Messpunkten am Körper befestigen. Das Gerät zeichnet zum Beispiel den Puls und Schnarchgeräusche auf.

Erhärtet sich durch die gemessenen Werte der Verdacht auf eine Schlafapnoe, erfolgt die endgültige Diagnostik in einem Schlafmedizinischen Zentrum ("Schlaflabor"). Dort wird auch der Schweregrad der Schlafapnoe ermittelt.

Was tun gegen Schlafapnoe? 4 Tipps!

Zunächst sollten die verschiedenen Möglichkeiten umgesetzt werden, das Schnarchen selbst zu verhindern. Wie man das Schnarchen bessern kann:

  1. Oft zeigt bereits ein Gewichtsabnahme einen messbaren Erfolg: In einer finnischen Studie schnarchten nach einer Gewichtsabnahme ein Viertel der Patienten überhaupt nicht mehr.
  2. Verzichten Sie auf ein spätes Abendessen sowie auf Alkohol und Rauchen vor dem Schlafengehen; ebenso auf Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Antihistaminika (Allergiemittel) – diese entspannen die Muskeln und damit auch die im Mund- und Rachenraum.
  3. Wie für alle anderen Schlafprobleme gilt auch hier: Beachten Sie die Regeln für eine gute Schlafhygiene – sorgen Sie für eine ruhige Umgebung, lüften Sie Ihren Schlafraum ausreichend, halten Sie regelmäßige Schlafrhythmen ein.
  4. Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper und vermeiden Sie die Rückenlage (Tipp: Lassen Sie einen Tennisball in den Rückenteil des Pyjamas einnähen).

Welche Therapien gibt es?

Bei der zentralen Schlafapnoe sollte immer die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. Bei der obstruktiven Schlafapnoe zielen therapeutische Maßnahmen jedoch darauf ab, die Atemwege freizuhalten. Zur Therapie des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms kann eine spezielle Maske zum Einsatz kommen, doch auch eine OP ist eine mögliche Option zur Behandlung der nächtlichen Atemaussetzer. Welche Möglichkeiten zur Behandlung einer obstruktiven Schlafapnoe es gibt, erfahren Sie im Folgenden.

Hilfsmittel aus dem Sanitätshandel

Im Sanitätshandel erhalten Sie verschiedene Hilfsmittel gegen das Schnarchen, zum Beispiel eine Schlafweste, Kinnbinde, Aufbiss-Schiene, Nasenpflaster oder -klammer – lassen Sie sich beraten. Diese Hilfsmittel wirken auf unterschiedliche Weise. Die Unterkieferprotrusionsschiene (auch bekannt als Anti-Schnarch-Schiene) verlagert beispielsweise die Zunge nach vorne und kann in leichten bis mittleren Fällen zum Einsatz kommen. Ob sie im Einzelfall geeignet ist, hängt vor allem vom Zustand der Zähne ab.

Schlafapnoe: Behandlung durch CPAP-Maske

Bessert sich das Schnarchen nicht und liegt tatsächlich eine Schlafapnoe vor, sollten Sie diese behandeln lassen: Sehr gute Erfolge lassen sich mit Atemtherapiegeräten erzielen.

Es werden vor allem "nasale Überdruckgeräte" eingesetzt, bei denen während des Schlafens über eine (mit dem Therapiegerät verbundene) Atemmaske sauerstoffreiche Luft mittels Überdruck in die Atemwege befördert wird. Diese werden dadurch von innen "geschient", fallen also nicht infolge der schlaffen Muskeln in sich zusammen, sondern bleiben offen. Diese Masken werden als nCPAP-Therapie oder nasale CPAP-Therapie bezeichnet (CPAP: Continous Positive Airway Pressure).

Der angewendete Druck der Schlafmaske wird bei jedem Patienten individuell bestimmt. Das Gerät wird vom Arzt verschrieben. Die CPAP-Maske ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, da manche Betroffene sie als störend und unangenehm empfinden. Daher suchen Betroffene oftmals nach Alternativen und bevorzugen eine Behandlung ohne Maske.

Schlafapnoe: Operation kann helfen

Es gibt mehrere operative Therapien, mit denen sich eine Schlafapnoe behandeln lässt. Diese OPs untergliedern sich grundsätzlich in zwei Arten:

  • stationäre Operation
  • ambulante Operation

In der Regel werden bei den Operationen Gewebeteile in Mund- und Rachenraum entfernt, um die Atmung zu erleichtern. Wie wirkungsvoll der Eingriff ist und wie lange eine Verbesserung durch die OP anhält, ist von der Operationsmethode und den individuellen Umständen des Patienten abhängig.

Zungenschrittmacher bei Schlafapnoe

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, einen sogenannten Zungenschrittmacher zu implantieren, der durch eine nächtliche Stimulation der Zungenmuskulatur die Atemwege freihält. Diese Methode erzielte in Studien gute Erfolge und gilt daher als Alternative zur CPAP-Maske, wenn Menschen mit Schlafapnoe mit diesem Gerät nicht zurechtkommen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
G47.-

Aktualisiert: 02.11.2020 - Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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