Schlecht Hören - Ursache für Kommunikationsprobleme

Günter S. (65) sitzt im Wartezimmer seines Hausarztes. Plötzlich steht die Sprechstundenhilfe direkt vor ihm: "Herr S., Sie sind dran!" Schon mehrfach, so sagt sie, habe sie ihn aufgerufen. Doch im Stimmengewirr des Wartezimmers hat Günter S. nichts davon gehört. Er hat eine Hörminderung. Beim nachfolgenden Gespräch mit dem Arzt versteht Herr S. ebenfalls nicht alles, was gesagt wird. Das ständige Nachfragen ist ihm peinlich und so verlässt er die Praxis, ohne die Diagnose wirklich verstanden zu haben.

Mangelhafte Kommunikation mit dem Arzt

Günter S. ist kein Einzelfall. Wie eine britische Studie zeigt, verabschiedet sich jeder fünfte hörgeminderte Patient von seinem Arzt, ohne zu wissen, welche Diagnose nun eigentlich gestellt wurde. Als Ursache für diese Unwissenheit gibt die Mehrheit (80 Prozent) der Befragten an, dass die Kommunikation zwischen ihnen und dem Arzt mangelhaft sei.

Ein weiteres ernüchterndes Ergebnis der Studie des "Royal National Institute for Deaf People" (RNID): Zwölf Prozent der Befragten berichten, dass sie wegen dieser Verständigungsprobleme versuchen, Termine mit Arzt oder Praxispersonal möglichst zu vermeiden. "Mit gut angepassten Hörsystemen und geeigneten Kommunikationsstrategien könnten sich diese Patienten solche deprimierenden Erlebnisse ersparen", so Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft Gutes Hören.

Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben Hörprobleme

In den meisten Fällen könnten moderne Hörgeräte das Hören und Verstehen deutlich verbessern. Doch nur etwa drei Millionen der Betroffenen sind mit Geräten versorgt. Viele – wie auch Günter S. – glauben, noch ganz gut ohne Hörsysteme zurecht zu kommen. Dass ihr Hörproblem im Alltag vieles schwieriger macht, ist ihnen oft gar nicht bewusst.

Ein orientierender Hörtest beim Hörakustiker oder Hals-Nasen-Ohrenarzt verschafft Gewissheit. Wenn sich der Verdacht auf eine Hörminderung bestätigt, führt der HNO-Facharzt eine weiterführende Diagnostik durch. Er entscheidet, wie dem Patienten geholfen werden kann. Empfiehlt er Hörsysteme, werden diese anschließend vom Hörakustiker fach- und sachkundig individuell angepasst.

Tipp: Schon in der Anmeldung darauf hinweisen, dass man Hörprobleme hat

Eine funktionierende Kommunikation ist im Privat- und Berufsleben unverzichtbar. Vor allem auch in der Arztpraxis ist es bedeutsam, dass man nicht aneinander vorbei redet. Schließlich geht es um die eigene Gesundheit, um die Heilung von Krankheiten und Linderung von Beschwerden. So wünschen 85 Prozent der Deutschen, dass die Ärzte mehr mit ihren Patienten reden sollten, wie die Meinungsforschungsinstitute Emnid und emphasis herausfanden. Den Menschen mit Hörproblemen geht es vor allem darum, dass sie das, was gesagt wird, überhaupt akustisch verstehen können. Eine grundlegende Voraussetzung ist hier natürlich die Versorgung mit Hörsystemen.

Doch es gibt darüber hinaus sinnvolle Tipps zum Verhalten in Arztpraxen: So sollte man schon bei der Anmeldung darauf hinweisen, dass man Hörprobleme hat und daher Lautsprecheransagen oder leises Aufrufen schlecht versteht. Auch den Arzt sollte man gleich bei der Begrüßung um deutliches Sprechen bitten. Umgekehrt sollte auch von Seiten der Praxis grundsätzlich darauf geachtet werden:

  • dass keine störenden Nebengeräusche im Behandlungszimmer zu hören sind
  • dass der Arzt den Patienten ansieht, während er mit ihm spricht
  • dass es sinnvoll ist, wichtige Sätze in ruhigem Ton mehrmals zu wiederholen
  • dass bei Nichtverstehen immer der ganze Satz und nicht nur ein Wort wiederholt werden sollte
  • dass Fachbegriffe nicht vorausgesetzt, sondern kurz erklärt werden sollten

Alle diese Kommunikationsstrategien machen im Übrigen auch Gespräche mit gut hörenden Menschen angenehmer.

Aktualisiert: 26.07.2017 – Autor: Fördergemeinschaft Gutes Hören, Marburg

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