Schwerhörigkeit bei Kindern: Früh erkennen

Mit schmerzlosen, objektiven Hörprüfmethoden wie dem OAE-Test können bereits in den ersten Lebenstagen mehr als 95% der angeborenen Hörstörungen erfasst werden. Seit Anfang 2009 gehört solch ein Hörtest bei Babys in den ersten drei Lebensmonaten zu den Kassenleistungen. Bei den späteren kinderärztlichen Untersuchungen (v.a. U3, 4, 5) wird das kindliche Gehör erneut überprüft. Mit diesem Screening schafft man es meist, vorliegende Hörstörungen so früh zu entdecken, dass durch die entsprechende Therapie eine Sprach- und Entwicklungsverzögerung gar nicht erst eintritt.

Kriterien für ein gesundes Gehör im Kindesalter

Trotzdem sollten Sie als Eltern im Alltag Ihr Kind gut beobachten. Erfüllt es die folgenden Punkte, durchläuft es vermutlich eine normale die Hör- und Sprachentwicklung und Sie müssen sich keine Sorgen um sein Gehör machen:

  • In der 4. bis 6. Lebenswoche sollten Säuglinge bei plötzlichen lauten Geräuschen erschrecken und sich bei Zuspruch der Eltern beruhigen.
  • Im 3. bis 4. Lebensmonat sollten Säuglinge stimmhaft lachen und brabbeln und die Augen in Richtung der Schallquelle bewegen.
  • Säuglinge im 6. bis 7. Lebensmonat sollten erste zweisilbige "Wörter" von sich geben und auf Musik lauschen.
  • Mit 10 bis 12 Monaten sollten Säuglinge auf leises Ansprechen aus einem Meter Entfernung reagieren und Verbote verstehen.
  • Etwa zum zweiten Geburtstag sollten Kinder Anweisungen befolgen können, die ihnen ins Ohr geflüstert werden.

Tipps für einfache "Hörtests": Die Geräusche und Töne sollten so gemacht werden, dass das Kind die Quelle nicht sehen oder fühlen kann, damit es wirklich nur auf das Gehörte und nicht auf andere Reize reagiert. Die Geräusche sollten unterschiedlich laut, hell und dumpf sein, da manchmal nur bestimmte Tonlagen nicht richtig wahrgenommen werden.

Anzeichen für Hörprobleme bei Kindern

Trifft bei Ihrem Kind einer oder mehrere der folgenden Punkte zu, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt sprechen. Zwar entwickelt sich jedes Kind nach seinem eigenen Tempo, doch bei den geringsten Anzeichen ist Vorsicht besser als Nachsicht. So kann z. B. ein leichter Hörverlust nur durch einen Hörtest festgestellt werden; die genaue Beobachtung des kindlichen Verhaltens allein reicht hier nicht aus.

  • Das Kind macht keine Fortschritte in seiner Sprachentwicklung; selbst kurze Sätze zu sprechen, fällt ihm schwer.
  • Es antwortet nur verzögert oder gar nicht, wenn es angesprochen wird.
  • Bei lauten Geräuschen (z. B. Türenschlagen) erwacht oder erschrickt das Kind nicht.
  • Es kann Geräusche oder Tierlaute nicht imitieren.
  • Es hat Schwierigkeiten, Geräusche zu orten und reagiert auf Geräusche und Sprache außerhalb seines Blickfelds nicht.
  • Es kann aus dem Alltag bekannte Dinge wie Kleidungsstücke oder Körperteile nicht bezeichnen.
  • Das Kind hat nur wenige soziale Kontakte und ist ein Einzelgänger.
  • Es hat häufig Ohrentzündungen.

Aktualisiert: 24.10.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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