Blutschwämmchen auf der Haut

Ein kleiner Schreck bleibt nicht aus, wenn plötzlich rote Flecken oder Knoten auf der Haut des Neugeborenen auftauchen. In der Regel kann der Kinderarzt beruhigen: Blutschwämmchen, oder wie der Mediziner sagt, Hämangiome, sind nichts weiter als eine Laune der Natur. In vielen Fällen verschwinden sie nach ein paar Jahren genauso plötzlich, wie sie kamen. Also erst einmal abwarten, statt behandeln? Dieser Grundsatz gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. Was Eltern über Blutschwämmchen wissen sollten, zeigen wir in diesem Artikel.

Definition: Was sind Blutschwämmchen?

Hämangiome sind gutartige Wucherungen der Blutgefäße in Haut und Unterhaut. Sie kommen bei rund jedem zehnten Baby im ersten Lebensjahr vor, ohne dass die Ursache abschließend geklärt ist. Was man weiß: Frühgeborene und Mädchen trifft es statistisch gesehen häufiger. Zum Zeitpunkt der Geburt sind Blutschwämmchen – anders als der redensartliche Storchenbiss oder ein sogenanntes Feuermal – noch nicht vorhanden.

Dr. Stefan Holland-Cunz, Chefarzt der Kinderchirurgie der Universitätsklinik Heidelberg erklärt: "Ein Hämangiom entsteht binnen der ersten drei bis vier Lebenswochen." Am Anfang seien rote Punkte sichtbar, die aber in den ersten Lebensmonaten rasch wachsen können. Diese Flecken sind zwar harmlos und bilden sich oft von alleine zurück, ohne nennenswerte Narben zu hinterlassen. Dennoch ist es ratsam, das Blutschwämmchen frühzeitig vom Kinderarzt anschauen zu lassen und seine Ausdehnung eventuell mit Fotos zu dokumentieren.

Hämangiome behandeln

Der Arzt entscheidet im Einzelfall, ob überhaupt und wenn ja, wie therapiert wird. "Bei einem oberflächlichen Hämangiom, etwa am Handgelenk, kann man sicher zunächst abwarten, ob es sich spontan von allein zurückbildet, was in der Regel bis zum fünften Lebensjahr passiert", so der Kinderchirurg. Blutschwämmchen im Gesicht, am Hals oder im Genitalbereich sowie in kurzer Zeit heranwachsende Hämangiome würden nach moderner Lehrmeinung aber als "Notfälle" gelten, das heißt, sie sollten binnen weniger Tage behandelt werden. Zu groß ist die Gefahr, dass wichtige Körperöffnungen bis hin zu lebensbedrohlichen Ausmaßen eingeengt oder verdrängt werden – beispielsweise Luftröhre, Auge, Nase, Mund und Ohr. Im Anal- und Genitalbereich drohen zusätzliche Komplikationen, wenn sich die Haut hier aufscheuert und am Inhalt der Windel infiziert.

Auch die psychische Belastung des Kindes durch abzusehende Hänseleien kann für ein frühzeitiges Eingreifen sprechen. An der Uniklinik Heidelberg wurde ein Kompetenzzentrum eingerichtet, in dem Hautärzte und Kinderchirurgen gemeinsam über die individuell optimale Therapie entscheiden. Zu den gängigen Verfahren gehört die Vereisung des Hämangioms mittels der Kryotherapie sowie das Lasern des Hautareals.

Blutschwämme und innere Organe

Einen seltenen Sonderfall stellen Blutschwämme dar, die innere Organe oder das Gehirn beziehungsweise Rückenmark betreffen. "Es gibt keinen Zusammenhang mit eventuell äußerlich vorhandenen Hämangiomen", erläutert Dr. Holland-Cunz weswegen es sich oft um einen Zufallsbefund handle. Die Therapie der Wahl erfolge hier medikamentös, etwa mit Kortison. Die gute Nachricht: Blutschwämmchen sind immer gutartig, jucken nicht und neigen auch nicht zu Blutungen. Ob behandeln oder abwarten, irgendwann ist diese Laune der Natur auch wieder vorbei.

Aktualisiert: 11.04.2017

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