Taubheitsgefühl – Was tun?

Taubheitsgefühl im Arm © istockphoto, CentralITAlliance

Hinter einem Taubheitsgefühl in den Armen, den Oberschenkeln, den Füßen oder im Gesicht können verschiedene Ursachen stecken. Oft ist eine mangelnde Durchblutung oder ein abgeklemmter Nerv für die Beschwerden verantwortlich. Aber auch ernste Erkrankungen wie ein Bandscheibenvorfall oder ein Schlaganfall können mit einem Taubheitsgefühl einhergehen. Wir informieren Sie über mögliche Ursachen und geben Tipps, was Sie gegen das Taubheitsgefühl tun können.

Taubheitsgefühl (Hypästhesie)

Ein taubes Gefühl – medizinisch als Hypästhesie bezeichnet – entsteht durch eine verringerte Sensibilität der Haut. Liegt ein solches Taubheitsgefühl vor, ist der Gefühlssinn gestört und es können auf diesem Weg keine oder nur noch eingeschränkt Informationen über äußere Reize an das Gehirn weitergeleitet werden. Dazu gehören Informationen über Wärme und Kälte, Berührung und Druck, Schmerzen sowie Vibrationen. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet.

Ein Ausfall des Gefühlssinns tritt vor allem in den Extremitäten auf, so kommt ein Taubheitsgefühl in den Fingern, den Zehen, den Armen und den Beinen besonders häufig vor. Im Gesicht oder am Rumpf ist es dagegen eher selten. Das taube Gefühl kann sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten. Häufig wird das Taubheitsgefühl von einem unangenehmen Kribbeln begleitet.

Taubheitsgefühl: Ursachen und Diagnose

Hinter einem Taubheitsgefühl können verschiedenste Ursachen stecken. In einigen Fällen ist die Ursache harmlos, ein immer wiederkehrendes Taubheitsgefühl kann aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Tritt das taube Gefühl häufiger auf, sollte deswegen unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Zu den möglichen Ursachen des Taubheitsgefühls gehören unter anderem:

  • Durchblutungsstörungen
  • Abgeklemmte Nerven
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Polyneuropathie
  • Bandscheibenvorfall
  • Schlaganfall
  • Infektionen
  • Vitamin B12-Mangel
  • Tumore

Je nach Ursache des Taubheitsgefühls können gleichzeitig auch weitere Symptome auftreten, wie beispielsweise Schmerzen oder motorische Einschränkungen.

Bei der Diagnose ist für den behandelnden Arzt zunächst entscheidend, wo, seit wann und in welchen Situationen das Taubheitsgefühl auftritt, ob es einseitig oder beidseitig vorkommt und ob es seit dem ersten Auftreten anhält oder von selbst wieder verschwindet. Um mögliche Schädigungen der Nerven festzustellen, prüft der Arzt die Reflexe sowie verschieden Sinnesleistungen – beispielsweise das Gehör und das Sehen. Besteht ein erster Verdacht, können weitere Untersuchungen nötig werden.

Durchblutungsstörungen als Ursache

Bei niedrigen Temperaturen im Winter kann es passieren, dass unsere Hände und Füße zu kalt werden und wir kein Gefühl mehr in ihnen haben. Durch die Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen und die Extremitäten werden schlechter durchblutet. Erst bei wärmeren Temperaturen verschwindet das Taubheitsgefühl und die Empfindung kehrt zurück – dieser Prozess wird häufig von einem unangenehmen Kribbeln in den Fingern und Zehen begleitet.

Während kältebedingte, kurzfristige Durchblutungsstörungen in der Regel harmlos sind, sollten Sie bei einer Durchblutungsstörung ohne erkenntliche Ursache sofort einen Arzt aufsuchen. Dann können ernsthafte Erkrankungen wie Arteriosklerose oder die Raynaud-Krankheit, bei der in erster Linie die Arterien in den Fingern und Zehen betroffen sind, hinter dem Taubheitsgefühl stecken. Insbesondere Durchblutungsstörungen im Gehirn sowie in den Beinen können ein taubes Gefühl auslösen. Durchblutungsstörungen am Herzen machen sich dagegen eher durch ein Enge-Gefühl im Brustkorb bemerkbar.

Abgeklemmte Nerven als Ursache

Taubheitsgefühle in Armen, Beinen, Händen und Füßen, die durch einen abgeklemmten Nerv verursacht werden, hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt: Durch eine falsche Körperhaltung – beispielsweise beim Sitzen oder Liegen – wird ein Nerv abgeklemmt und die Reizweiterleitung gestört.

In der Folge fühlt sich die Hand oder der Arm taub an und kann meist nicht mehr willentlich bewegt werden. Häufig geht ein eingeschlafener Arm oder ein eingeschlafenes Bein mit einem unangenehmen Prickeln auf der Haut einher. Sobald wir das eingeschlafene Körperteil ein wenig bewegen, verschwindet das taube Gefühl aber in der Regel von selbst wieder. Ist dies nicht der Fall oder tritt das taube Gefühl häufiger auf, steckt vermutlich eine andere Ursache hinter den Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Karpaltunnelsyndrom als Ursache

Kommt es in den Fingern zu einem ständig wiederkehrenden Taubheitsgefühl und einem unangenehmen Kribbeln, steckt vermutlich ein Karpaltunnelsyndrom hinter den Beschwerden. Dabei wird der Mittelhandnerv beim Durchtritt durch den Handwurzelkanal eingeengt. Die Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms können vielfältig sein, beispielsweise zählen knöcherne Fehlstellungen nach Frakturen oder Sehnenscheidenentzündungen hinzu. Oft lässt sich aber auch keine direkte Ursache ermitteln. Durch das Tragen einer speziellen Schiene kann das Taubheitsgefühl in den Fingern meist behoben werden. Tritt keine Besserung ein, erfolgt eine operative Behandlung.

Neben einem Karpaltunnelsyndrom kann ein Taubheitsgefühl in den Fingern und Händen aber auch entstehen, wenn andere Nerven, beispielsweise der Ellennerv, abgeklemmt werden (Ulnartunnelsyndrom). Dieses Syndrom wird auch als Radfahrerlähmung bezeichnet, da es meist durch das feste Umgreifen des Lenkers verursacht wird.

Zu Verengungen der Nervenkanäle kann es jedoch nicht nur an den Armen, sondern auch an den Beinen kommen. Besonders oft treten ein eingeklemmter Nerv und ein damit verbundenes Taubheitsgefühl am Oberschenkel auf. Dies wir als Inguinaltunnelsyndrom (Leistentunnelsyndrom) bzw. als Jeanskrankheit bezeichnet. Dabei wird durch Übergewicht, aber auch durch zu enge Kleidung der Oberschenkelhautnerv geschädigt. Je nach Stadium des Syndroms kommen eine medikamentöse, eine physikalische oder eine operative Therapie in Frage.

Aktualisiert: 21.09.2012 – Autor: Kathrin Mehner

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