Neurodermitis und Psyche

Neurodermitis ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Schätzungen gehen davon aus, dass in den industrialisierten Ländern bis zu 20 Prozent der Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen betroffen sind.

Psychische Probleme - Ursache oder Folge von Neurodermitis

Die Haut ist wegen ihrer vielfältigen und komplexen Aufgaben nicht nur das größte, sondern neben dem Gehirn auch das wichtigste Organ des Menschen. Das Aussehen der Haut ist für das Wohlbefinden des Menschen von großer Bedeutung - Störungen des Hautbildes können deshalb einen Menschen erheblich beeinträchtigen.

Der Begriff "Neurodermitis" leitet sich aus dem Griechischen ab (aus neuron = Nerv, derma = Haut und der Endung -itis für Entzündung). Die Neurodermitis ist jedoch keine Erkrankung der Psyche, sondern eine weitgehend vererbte Neigung. Es wird also nicht die Hautkrankheit selbst, sondern ihre Veranlagung dazu vererbt.

Experten gehen davon aus, dass psychische Faktoren und Umwelteinflüsse den Ausbruch der Krankheit provozieren. Äußere Faktoren sind Allergene, Klima und Ernährung. Die Psyche spielt beim Auftreten und Verlauf eine entscheidende Rolle: so kann die psychische Verfassung eine Neurodermitis verbessern oder verschlechtern.

Sich "in seiner Haut" Wohlfühlen

Schon die chronische Hauterkrankung an sich stellt für einen Neurodermitiker eine starke Belastung dar. Dazu kommt, dass sich Betroffene im Verlauf dieser chronischen Erkrankung auch in ihrem Verhalten verändern. Es entsteht ein Teufelskreis: durch entzündete Hautstellen und selbst zugefügte Kratzwunden fühlen sich Neurodermitiker unattraktiv, dies wiederum wirkt sich auf die Persönlichkeit des Betroffenen aus.

Wenn sich Menschen aus Angst vor einer vermeintlichen Ansteckung abwenden, ist auch das Selbstbewusstsein der Betroffenen "angekratzt" - sie ziehen sich nach und nach zurück und werden so zum Außenseiter. Neurodermitiker fühlen sich also - im wahrsten Sinne des Wortes - unwohl in ihrer Haut. Übrigens: Bei einer Bewertung der Einflüsse auf den Verlauf der Krankheit steht die Psyche an zweiter Stelle.

Warum reagiert die Haut auf seelische Probleme so heftig?

Dies hängt mit unserer Entwicklungsgeschichte zusammen, denn die Haut entwickelt sich aus demselben Keimblatt wie das Gehirn und das Nervensystem. Sie stellt außerdem die Grenze und die Verbindung zu unserem Umfeld dar. Insbesondere in der ersten Lebensphase kommt der Mutter daher eine besondere Bedeutung zu, denn im frühen Säuglingsalter ist Körperkontakt genau so wichtig wie Nahrung.

Fehlt der Körperkontakt können Kinder krank werden oder sogar sterben, so z. B. Waisenkinder, die in einer sehr berührungsarmen Umgebung aufwachsen. In der psychologischen Entwicklung des Menschen ist diese Phase für seine spätere Persönlichkeitsentwicklung von entscheidender Bedeutung.

Therapie: Der Patient muss mitarbeiten

Bei vielen Betroffenen wird die Krankheit unter Stress, bei seelischen Belastungen oder durch Ängste verstärkt. Der manchmal unerträgliche Juckreiz und die entzündeten Hautareale können zu Unruhe, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit führen. Durch die Wechselwirkung zwischen Psyche und Immunsystem verschlechtert sich die Neurodermitis – der Teufelskreis beginnt von neuem. Da man heute weiß, dass eine Neurodermitis durch psychische Stress-Situationen verstärkt werden kann, muss jedes gute Therapiekonzept auch auf die psychosomatischen Faktoren eingehen.

Mit Hilfe von Entspannungstherapien wie etwa Tai Chi, autogenem Training oder Muskelentspannung nach Jacobson lernen Betroffene Spannungszustände abzubauen und ihr Selbstwertgefühl zu verbessern.

Hilfreich ist auch das so genannte "Kratz-Tagebuch". In diesem Tagebuch werden z. B. vermerkt, wann der Juckreiz auftritt und was für auslösende Faktoren vorliegen. So lassen sich psychische und allergische Einflüsse besser unterscheiden. In speziellen Psychotherapien lernen Neurodermitiker, den seelischen Druck wahrzunehmen, bewusst damit umzugehen oder ihn sogar zu vermeiden und somit den Teufelskreis – Juckreiz, Kratzen, erneuter Juckreiz - zu durchbrechen.

Aktualisiert: 30.05.2012

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?