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Scabies (Krätze)

Juckreiz bei Krätze (Scabies) © istockphoto, Panya.jpg

Die Krätze (Scabies) ist eine Hauterkrankung, die durch Parasiten, genauer gesagt Krätzmilben, hervorgerufen wird. Der Volksmund bezeichnet die Infektion nicht umsonst als "Krätze" – typisches Symptom ist ein quälender Juckreiz, der – vor allem in der Bettwärme – beim Betroffenen das Bedürfnis weckt, sich ununterbrochen zu kratzen. Lesen Sie hier alles über die Symptome, den Verlauf und die Behandlung von Scabies.

Die Krätze – eine altbekannte Krankheit

Die Krätze, umgangssprachlich auch als Räude, Schäbe oder Grind bezeichnet, war schon im Altertum bekannt. Bereits vor 1.000 Jahren beschrieb der Araber At-Tabari minutiös den tierischen Erreger und dessen Auffinden in der Haut sowie die Möglichkeiten, der Erkrankung Herr zu werden.

Leider wurde dieses Wissen über die Jahrhunderte von den meisten Ärzten ignoriert, wenngleich das Volk sich oft selbst zu helfen wusste: Die Milben wurden mit einer Nadelspitze aus den Bläschen gepult und mit den Fingernägeln zerquetscht. Auch Salben mit Schwefel und Quecksilber waren zur Behandlung der Krätze in Umlauf.

Wie wird Scabies übertragen?

Heute sind die Ärzte schlauer und die Therapiemöglichkeiten effektiver. Trotzdem kommt die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) noch immer weltweit vor. Dieser Parasit ist hoch ansteckend und wird durch engen Köperkontakt übertragen.

Das braucht nicht zwingend Geschlechtsverkehr zu sein – bereits ungünstige Wohnverhältnisse mit vielen Personen auf engem Raum reichen. Deshalb sind häufig Gemeinschaftseinrichtungen betroffen. Hygienemängel, gemeinsame Schlafplätze und wechselnde sexuelle Kontakte begünstigen die Infektion.

Über die Krätzmilbe

Die Krätzmilben sind etwa 0,2 bis 0,5 Millimeter groß und machen es sich bei Zimmertemperatur gerne auch in Kleidung, Bettwäsche, auf Polstermöbeln oder Teppichen gemütlich. So können sie bis zu drei Tage (bei Kälte bis zu zwei Wochen) ohne einen menschlichen Wirt überleben.

Ist ein geeignetes Opfer in Reichweite, bohren sich die befruchteten Weibchen innerhalb weniger Minuten unter dessen Haut und graben winkelig geknickte, 1 cm lange und 0,5 bis 2 mm breite Gänge. An deren Ende bleiben sie für den Rest ihres Lebens, also etwa einen Monat lang, sitzen und legen täglich Kot und ein bis zwei Eier ab. Die geschlüpften Larven bohren sich nach außen und nach etwa zwei Wochen beginnt ein neuer Zyklus.

Meist finden sich bei einer infizierten Person etwa zehn bis 50 lebende Milbenweibchen. Es gibt allerdings auch eine besonders ansteckende Form (Scabies norvegica), bei der sich auf einem Quadratzentimeter Haut bis zu 200 Milben tummeln können.

Symptome und Verlauf der Krätze

Bei einer Erstinfektion mit Krätzmilben sind Beschwerden nach drei bis sechs Wochen zu spüren, bei einer erneuten Infektion schon nach 24 Stunden (infolge des bereits aktivierten Immunsystems).

Folgende Symptome sind typisch für Krätze:

  • Hautirritationen in Form von Bläschen und Pusteln sowie Rötungen treten als Folge des Bohrens auf.
  • Milbe, Kotballen und Eier verursachen einen starken Juckreiz.
  • An allen Körperstellen mit Ausnahme des Gesichts und des behaarten Kopfes können kommaförmige, meist rötliche Gänge vorhanden sein.

Besonders gern halten sich die Tierchen in folgenden Körperregionen auf:

  • zwischen den Fingern
  • in den Achselfalten
  • an den Ellenbeugen
  •  an den Brustwarzen
  • am Nabel
  • am Penis
  • am inneren Fußrand und am Knöchel

Durch das ausgeprägte Kratzen kann sich an den entsprechenden Hautstellen auch zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickeln. Ohne Behandlung kann es nach etwa einem Vierteljahr zur Selbstheilung kommen.

Diagnose der Krätze

Die Diagnose wird oft aufgrund der typischen Symptome gestellt. Nicht immer gelingt der mikroskopische Nachweis der Milben auf einem Hautgeschabsel oder nach dem Freipräparieren mit einer Nadel. Trotzdem wird bei ausreichendem Verdacht eine Therapie empfohlen.

Was hilft gegen Krätze?

Meist reichen auf die Haut aufgetragene Salben zur Behandlung von Krätze aus, bei ausgeprägtem Befall muss jedoch ein spezielles Mittel geschluckt werden. Alle Personen, die mit der infizierten Person in engem Kontakt stehen, müssen mitbehandelt werden. Die Therapie wird nach einer Woche wiederholt.

Wichtig sind zudem allgemeine Maßnahmen, um den Milben sicher den Garaus zu machen. Dazu gehören:

  • das häufige Wechseln und Auskochen von Handtüchern, Bett- und Unterwäsche
  • das gründliche Staubsaugen von Polstermöbeln, Teppichen und Kissen
  • das siebentägige Auslüften nicht waschbarer Textilien

Noch besser ist eine chemische Reinigung von Oberbekleidung und Decken.

Ist Krätze meldepflichtig?

Eine Meldepflicht besteht bei Krätze gemäß Infektionsschutzgesetz nur, wenn die Krankheit in Gemeinschaftseinrichtungen ausbricht, denn der Ursache für den Befall durch die Krätzmilben muss auf den Grund gegangen werden. Auch ein Verdacht des Befalls muss umgehend beim zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

Meldepflichtig sind somit Einrichtungen wie zum Beispiel:

  • Kindergärten
  • Schulen
  • Altenheime
  • Kinderheime
  • sonstige Gemeinschaftseinrichtungen

Befallene Personen dürfen sich während der Krankheitsphase in solchen Gemeinschaftseinrichtungen nicht aufhalten oder dort arbeiten.

Harte Fakten und dunkle Ziffern

Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit etwa 300 Millionen Menschen mit Scabies infiziert. Alle Klimazonen und sozioökonomischen Klassen sind betroffen – Epidemien treten jedoch eher in sozial schwachen, stark bevölkerten Gegenden mit schlechten hygienischen Verhältnissen und beeinträchtigter Wasserversorgung auf.

Besonders wohl scheinen sich die Milben in städtischen Gebieten der Tropen zu fühlen. In der nördlichen Hemisphäre steigt die Häufigkeit ihres Vorkommens im Winterhalbjahr an.

7 wichtige Fakten über Krätze

Die wichtigsten Infos zur Krätze finden Sie hier auf einen Blick:

  1. Scabies ist hoch ansteckend und kommt weltweit vor.
  2. Krätze wird durch die sogenannte Krätzmilbe verursacht.
  3. Die Übertragung der Krätze erfolgt vor allem durch direkten Körperkontakt, kann aber auch indirekt über Wäsche oder Polster stattfinden.
  4. Typisches Symptom ist ein starker Juckreiz, besonders nachts.
  5. Familienmitglieder und Sexualpartner müssen mitbehandelt werden.
  6. Neben der spezifischen Therapie mit einem Antimilbenmittel müssen auch allgemeine hygienische Maßnahmen getroffen werden.
  7. Krätze ist nur beim Ausbruch und bei Verdacht in Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtig.

Aktualisiert: 15.12.2017 – Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Nadja Weber

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