Was sollte man bei Wunden besser lassen?

Irrtümer in der Versorgung von Wunden

Manche Hausmittel halten sich hartnäckig als Heilungsverbesserer, obwohl sie eher Nachteile haben, wirkungslos sind oder gar das Gegenteil erreichen:

  • Alkohol auf einer offenen Wunde brennt stark. Deshalb sollten vor allem kleine Kinder nicht mit alkoholhaltigen Desinfektionsmitteln behandelt werden: Die Erfahrung bleibt unvergessen und beim nächsten Mal wird man große Schwierigkeiten haben, die Kleinen zum Stillhalten zu überreden. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach schmerzlosen Desinfektionsmitteln.
  • Wundpuder: Eine blutende Wunde sollte man nicht mit Wundpuder behandeln. Die feinen Körnchen wirken wie unzählige, winzige Fremdkörper, die die Wundheilung empfindlich stören.
  • Honig: Zwar besitzt Honig wirklich eine milde desinfizierende Wirkung. Allerdings kann er auch die Sporen von gefährlichen Bakterien (Clostridien) enthalten, die sich in der Wunde vermehren und deren Gifte vor allem Kleinkindern gefährlich werden können. Deshalb: nicht auf Wunden geben!
  • Beim Betupfen von Wunden mit Pflanzenstängeln oder Blättern können Bakterien und andere unerwünschte Stoffe in die Wunde geraten und allergische Reaktionen ausgelöst werden. Allerdings helfen zerriebene Blätter von Gänseblümchen oder Spitzwegerich gegen Insektenstiche.
  • Mehl gehört nicht auf Wunden oder Verbrennungen: Es hat keinerlei kühlende oder heilende Wirkung, sondern verzögert die Wundheilung.

Wie heilt eine Wunde?

Bei einer Blutung bildet das verletzte Gefäß selbst den ersten provisorischen Wundverschluss: seine Wand zieht sich zusammen und verkleinern das Loch. Dann eilen die Blutplättchen herbei und ballen sich zusammen, um die Lücke zu stopfen. Durch diese Aktivitäten werden die im Blut schwimmenden Gerinnungsfaktoren angelockt und bilden am Ort des Geschehens eine Art Klebstoff, das Fibrin. Dieser dichtet den Blutplättchenpfropf ab und verschließt damit das Loch im Gefäß bis durch die Heilungsvorgänge die Struktur der Gefäßwand innerhalb weniger Tage wieder hergestellt ist.

Wann werden Wunden genäht?

Liegen die Ränder der Wunde direkt aneinander, kann der Körper sie miteinander verbinden (primäre Wundheilung). Muss dagegen ein größerer Wundspalt überbrückt werden, füllt der Körper diesen Spalt zunächst mit Ersatzgewebe. Später entsteht eine Narbe (sekundäre Wundheilung). Deshalb werden Verletzungen, bei denen die Haut komplett durchtrennt wurde und bei denen die Wundränder auseinander klaffen, genäht oder geklammert: Der Arzt bringt die Ränder möglichst nah aneinander, um die Heilungsdauer möglichst kurz und die Narbenbildung gering zu halten.

Aktualisiert: 26.10.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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