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Angeborene Herzfehler - Diagnose, Behandlung und Vorbeugung

Diagnostik der Herzfehler

Einige Herzfehler werden bei der Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft erkannt oder zumindest vermutet. Andere fallen bei der ersten Untersuchung direkt nach der Geburt auf. Wieder andere werden erst später durch Beschwerden oder auch zufällig diagnostiziert – manche erst im Erwachsenenalter.

Wie werden angeborene Herzfehler diagnostiziert?

Nach dem heutigen Stand der diagnostischen Technik können komplexere Funktionsstörungen des Herzkreislaufsystems mit hoher Genauigkeit bereits während der Schwangerschaft durch Ultraschall festgestellt werden. Die endgültige Sicherung der Diagnose erfolgt nach der Geburt oder bei Auftreten von Beschwerden wiederum durch Herzultraschall- oder Herzkatheteruntersuchung.

Bei diesem Verfahren werden über die Leiste Katheter aus Plastik über das Gefäßsystem bis zum Herzen vorgeschoben, wo durch Druckmessungen und Einsatz von Röntgenkontrastmittel Art und Schwere des Herzfehlers exakt definiert werden können.

Komplikationen bei angeborenen Herzfehlern

Wird die Neugeborenenperiode überlebt, drohen je nach Art und Ausprägungsgrad der angeborenen Herzfehler sowie der entstehendenden krankhaften Kreislaufverhältnisse:

  • Herzmuskelschwäche
  • Belastung des Lungenkreislaufs mit Lungenhochdruck
  • Sauerstoffunterversorgung der Organe
  • Eindickung des Blutes als Folge der vermehrten Produktion roter Blutkörperchen

Die Zunahme der roten Blutkörperchen, die als Reaktion des Organismus bei Sauerstoffmangel eine erhöhte Sauerstofftransportkapazität des Blutes sicherstellen soll, bedeutet wiederum ein erhöhtes Risiko für Gefäßthrombosen und Schlaganfälle. Selbst bei rechtzeitiger, geglückter Herzoperation schon im frühen Kindesalter ist die Lebenserwartung von Kindern zumindest mit schweren angeborenen Herzfehlern deutlich eingeschränkt.

Behandlung angeborener Herzfehler durch Herz-OP

Die Behandlung angeborener Herzfehler ist in erster Linie Domäne der Herzchirurgie. Entsprechend der Vielfalt der Formen von Herzfehler existiert auch eine große Palette verschiedener Operationstechniken. Besteht eine realistische Chance, durch eine Herzoperation die Blutströmung und Herz-Kreislauf-Verhältnisse zu normalisieren und damit das Leben des Kindes zu verlängern oder zumindest Beschwerden zu lindern, ist vor allem der Zeitpunkt der großen Herzoperation von entscheidender Bedeutung. In Einzelfällen muss als lebensrettende Notfallmaßnahme bereits unmittelbar nach der Geburt operiert werden.

Angeborene Herzfehler bei Kindern behandeln

In anderen Fällen kommt im frühen Kindesalter eine Entlastungsoperation in Betracht, welche die Kreislaufverhältnisse zwar nicht normalisieren aber zumindest so weit stabilisieren kann, dass im Rahmen einer oder mehrerer Nachfolgeoperationen der Versuch unternommen werden kann, die Anomalie definitiv zu korrigieren. Idealerweise erfolgt die große, wenn möglich korrigierende Herzoperation in dem Alter, in dem das geringstmögliche Risiko und die besten Langzeitergebnisse nach Operation zu erwarten sind.

Zusätzlich zur Herzoperation kann in jedem Erkrankungsstadium der Versuch unternommen werden, durch Medikamente die Herzkreislaufverhältnisse zu stabilisieren, wobei die diesbezüglichen Erfolgsaussichten eher gering sind. Heute erreichen neun von zehn Patienten das Erwachsenenalter. Allerdings sind sie meist chronisch krank und haben – auch aufgrund von Folgekrankheiten – meist eine eingeschränkte Leistungs- und Arbeitsfähigkeit und geringere Lebenserwartung.

Angeborene Herzfehler: Vorbeugen und verhindern

Genetisch bedingte angeborene Schädigungen des Herzens lassen sich nicht vorbeugen. Ist bereits ein Kind mit einem Herzfehler geboren worden, kann im Einzelfall von Vererbungsspezialisten geprüft werden, inwieweit ein Wiederholungsrisiko für ein weiteres Kind besteht. Zur Vorbeugung von Schädigungen, die beim ungeborenen Kind während der Schwangerschaft durch äußere Einflüsse entstehen können, sollten in dieser Zeit in enger Abstimmung mit dem betreuenden Arzt alle zusätzlichen Risikofaktoren wie Medikamenteneinnahme oder Infektionen möglichst ausgeschaltet werden.

Aktualisiert: 27.10.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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