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HIV und AIDS behandeln

Tabletten zur Behandlung von HIV / AIDS © istockphoto, Ben185

AIDS ist bis heute nicht heilbar, dank verschiedenster Medikamente aber mittlerweile meist gut zu behandeln. Die Medikamente hindern das HI-Virus, das die Immunschwäche auslöst, an der Vermehrung. Durch eine regelmäßige Medikamenteneinnahme kann die Konzentration der Viren so gering gehalten werden, dass die Erkrankung selbst sich kaum oder gar nicht bemerkbar macht. Allerdings können durch die Behandlung selbst Nebenwirkungen auftreten. Erfahren Sie hier mehr über die verschiedenen AIDS-Medikamente, mögliche Nebenwirkungen der Therapie und die Kosten der Behandlung.

HIV positiv und AIDS – wo liegt der Unterschied?

HIV positiv und AIDS werden oft synonym verwendet – ganz korrekt ist dies jedoch nicht. HIV positiv bedeutet lediglich, dass eine Infektion mit dem HI-Virus vorliegt. Erst wenn die Krankheit ausbricht, wird von AIDS gesprochen. Die Abkürzung steht für den englischen Begriff "Acquired Immune Deficiency Syndrom", was so viel wie "Erworbene Immunschwäche-Erkrankung" bedeutet.

Zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung können Jahre vergehen – bei etwa 50 Prozent der Betroffenen dauert es 10 Jahre oder länger, bis die Erkrankung ausbricht.

Wann ist eine Behandlung nötig?

Eine Behandlung von HIV ist in der Regel nicht von Beginn an nötig. Durch regelmäßige Kontrollen kann genau festgestellt werden, wie viele HI-Viren sich im Körper befinden und wie stark das Immunsystem durch das Virus bereits angegriffen wurde. Eine Zeitlang kommt der Körper meist gut selbst mit dem Virus zurecht.

Stellt der Arzt bei einer Kontrolle jedoch fest, dass sich das Virus stark vermehrt hat, sollte mit einer medikamentösen Behandlung begonnen werden. Wann genau der optimale Beginn für eine Therapie ist, wird unter Experten noch kontrovers diskutiert.

Vermehrung des HI-Virus

Wie andere Viren benötigt auch das HI-Virus Wirtszellen, um sich vermehren zu können. Zu den Wirtszellen gehören unter anderem die CD4-Helferzellen des Immunsystems. Das HI-Virus dockt an den Wirtszellen an und dringt in diese ein. Es schleust seine eigene DNA in die Zelle ein, sodass diese keine Abwehrzellen mehr, sondern Viren produziert.

Stirbt die befallene Abwehrzelle, sucht sich das HI-Virus eine neue Wirtszelle. Dadurch wird das Immunsystem immer weiter geschwächt, im schlimmsten Fall kann es zu einem Zusammenbruch des Immunsystems kommen. Durch die geschwächte Abwehr können für AIDS-Patienten auch Krankheitserreger lebensbedrohlich sein, die bei Gesunden keinen oder kaum Schaden anrichten.

Medikamente gegen AIDS

Zur Behandlung des HI-Virus gibt es mehrere Medikamente, die meist jedoch in Kombination eingesetzt werden. Die AIDS-Medikamente werden in Abhängigkeit davon, an welchen Punkten des Vermehrungsprozesses sie eingreifen, in verschiedene Gruppen eingeteilt. Im Allgemeinen werden die folgenden fünf Gruppen unterschieden:

  • Entry-Inhibitoren
  • Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)
  • Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI)
  • Integrase-Inhibitoren
  • Protease Inhibitoren

Durch die Behandlung mit den AIDS-Medikamenten nimmt die Zahl der HI-Viren im Körper ab und das Immunsystem kann sich wieder erholen. Im Idealfall wird durch die Medikamente die Bildung von neuen HI-Viren vollständig verhindert. Sinkt die Zahl der HI-Viren im Körper, nimmt auch die Ansteckungsgefahr ab. Dieser Faktor spielt unter anderem bei der Verhinderung einer Mutter-Kind-Übertragung eine wichtige Rolle.

Entry-Inhibitoren

Entry-Inhibitoren sorgen dafür, dass die HI-Viren erst gar nicht in die Wirtszellen eindringen können. Im Gegensatz zu den anderen AIDS-Medikamenten wirken sie somit nicht in der Zelle, sondern an deren Oberfläche. Eine Untergruppe der Entry-Inhibitoren – die sogenannten Fusionsinhibitoren – verhindern, dass die Virushülle mit der Zellmembran der Wirtszelle verschmelzen kann.

Neben den Fusionsinhibitoren gibt es noch weitere Entry-Inhibitoren (Attachement-Inhibitoren), die sich zurzeit allerdings noch in der Forschungsphase befinden. Sie verhindern, dass die HI-Viren überhaupt an der Zelloberfläche der Wirtszellen andocken können. Dies geschieht dadurch, dass die entsprechenden Rezeptoren durch das Medikament künstlich besetzt werden.

Wirkstoffe: Enfuvirtide, Maraviroc

Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)

Damit das HI-Virus seine Erbinformationen in die der Wirtszelle einbauen kann, muss es diese zunächst verändern: Es muss seine Erbinformationen von einsträngiger RNA in doppelsträngige DNA umwandeln. Für diesen Prozess wird ein bestimmtes Enzym benötigt, die sogenannte "Reverse Transkriptase".

Durch die Einnahme von NRTI wird ein Baustein in die Wirtszellen eingeschleust, der den Erbgut-Bausteinen des Virus ähnelt. Wird dieser Baustein durch das Enzym in die Erbinformation eingebaut, kann die DNA-Kette anschließend nicht mehr verlängert werden. Dadurch wird die Aktivität des Enzyms gehemmt und es kann keine weitere virale DNA mehr gebildet werden.

Wirkstoffe: Zidovudin, Lamivudin, Abacavir, Didanosin, Stavudin, Emtricitabin

Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI)

NNRTI greifen ebenso wie NRTI am Enzym "Reverse Transkriptase" an. Im Gegensatz zu NRTI werden durch die Einnahme jedoch keine falschen Bausteine in die viralen Erbinformationen eingeschleust. Stattdessen hemmen NNRTI die Wirkung des Enzyms direkt: Sie lagern sich an die "Reverse Transkriptase" an und verhindern, dass diese die Erbinformationen des HI-Virus neu zusammensetzen kann.

Wirkstoffe: Nevirapin, Efavirenz

Integrase-Inhibitoren

Konnte die Erbinformation des Virus durch die "Reverse Transkriptase" umgeschrieben werden, muss sie im nächsten Schritt in den Zellkern der Wirtszelle eingeschleust werden. An dieser Stelle setzen die Integrase-Inhibitoren an: Sie verhindern, dass die Erbinformationen in die Wirtszelle eingebaut werden können und unterbinden somit eine weitere Verbreitung des Virus.

Wirkstoffe: Raltegravir, Elvitegravir

Protease-Inhibitoren (PI)

Wurde die Erbinformation des HI-Virus bereits in die Zelle eingeschleust, werden dort neue Bausteine für weitere Viren hergestellt und anschließend zusammengesetzt. Die einzelnen Bausteine sind zunächst noch miteinander verbunden. Damit sie korrekt zusammengesetzt werden können, müssen sie zuvor durch das Enzym Protease getrennt werden.

Protease-Inhibitoren hemmen dieses Enzym in seiner Wirkung. Dadurch können keine weiteren Viren hergestellt werden und das Virus kann sich nicht mehr vermehren.

Wirkstoffe: Forsamprenavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir

Aktualisiert: 06.07.2017 – Autor: Kathrin Mehner

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