Arzttermin während Corona-Pandemie: Was tun?

Patientin mit Mundschutz in der Arztpraxis
© Luis Alvarez/DigitalVision via gettyimages

Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus scheuen sich während der Pandemie noch immer viele Menschen vor einem Arzttermin. Unnötige Termine sollten zwar nur nach sorgfältigem Abwägen wahrgenommen werden, doch bei ernsthaften Beschwerden und notwendigen Kontrollterminen gilt weiterhin: Arzttermine wahrnehmen und nicht verschieben. Welche Verhaltensregeln zu beachten sind.

Arzttermin während der Coronakrise besser absagen?

Um soziale Kontakte zu reduzieren und dadurch die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sollen unnötige Arzttermine nach wie vor verschoben werden. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) rät aber dazu, sich bei ernsthaften Beschwerden unbedingt weiterhin rechtzeitig in ärztliche Behandlung zu begeben. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten möglichst weiterhin Kontrolltermine bei ihrem Arzt wahrnehmen. Behandlungen, die medizinisch notwendig sind, sollten ohne Absprache mit dem Arzt nicht verschoben werden.

Die Hygienemaßnahmen wurden in vielen Praxen verstärkt, um das Ansteckungsrisiko vor Ort zu minimieren – von Plexiglaswänden am Empfang über Desinfektionsmittelspender an den Türen bis zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während des gesamten Aufenthaltes in der Praxis. Außerdem sind oftmals keine Begleitpersonen erlaubt, sondern nur der*die Patient*in selbst.

Wichtige Verhaltensregeln während der Corona-Pandemie:

  • Bei Symptomen von COVID-19 nicht in die Praxis: Bei Husten, Fieber oder anderen Symptomen eines Atemwegsinfekts dürfen Betroffene Arztpraxen nicht aufsuchen. Stattdessen sollten sie Ihren Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 telefonisch kontaktieren. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass es in Arztpraxen zu Ansteckungen mit dem Coronavirus kommt.
  • Videosprechstunde in Anspruch nehmen: Viele Ärzte haben ihre Telefon- und Videosprechstunden weiter ausgebaut, sodass eine kontaktlose Beratung möglich ist. Bei Beschwerden kann in der digitalen Sprechstunde geklärt werden, ob ein persönlicher Besuch in der Praxis trotzdem notwendig ist. Videosprechstunden sind auch dann eine Option, wenn man zuvor noch kein*e Patient*in in der Praxis waren.
  • Krankschreibungen, Rezepte und Überweisungen per Telefon: Liegen Symptome einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege vor, können Ärzte die Patienten nach einer telefonischen Anamnese krankschreiben. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann für eine Dauer von bis zu sieben Tagen ausgestellt und bei Bedarf um bis zu weitere sieben Tage verlängert werden (Stand: 05.01.2021). Diese Regelung gilt vorerst bis Ende 2021. Auch für Rezepte und Überweisungen ist es in bestimmten Fällen nicht nötig, die Arztpraxis aufzusuchen – sie können bis 31.12.2021 per Post verschickt werden.

Arzttermin: Was fällt aus und was findet statt?

Da sich die Pandemie-Lage sehr dynamisch entwickelt, entscheiden die zuständigen Stellen in regelmäßigen Abständen erneut, welche Untersuchungen stattfinden. Die Regelungen gelten daher immer nur temporär. Zur Sicherheit sollten Sie Ihren behandelnden Arzt anrufen und mit der Praxis das Vorgehen für Ihren individuellen Fall besprechen.

Augenarzt

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät, Termine ohne medizinische Dringlichkeit zu verschieben. Im Zweifelsfall sollten Betroffene Kontakt mit der behandelnden Praxis aufnehmen und sich erkundigen, ob der geplante Termin stattfinden kann. Notwendige Termine, die einen ungünstigen Krankheitsverlauf oder eine dauerhafte Sehverschlechterung verhindern sowie nicht aufschiebbare Kontrolluntersuchungen, werden weiterhin durchgeführt. Auch akute Notfälle wie Augenverletzungen werden während der Pandemie behandelt.

Chemo- und Strahlentherapie

Grundsätzlich sollte eine geplante Krebstherapie nicht verschoben werden: Stattdessen wägen Ärzt*innen und Patient*innen im Einzelfall ab, ob und wie sich die Behandlung unter Berücksichtigung des COVID-19-Erkrankungsrisikos gestalten lässt.

Entbindung

Geburten finden auch während der Corona-Pandemie im Krankenhaus statt. Selbst Frauen, die möglicherweise oder bestätigt mit dem Coronavirus infiziert sind, können laut Bundesministerium für Gesundheit im Krankenhaus entbinden. Allerdings ist es für diesen Fall sehr wichtig, dass das Krankenhaus vorab informiert wird, um die entsprechenden Vorkehrungen treffen zu können. In der Regel ist eine gesunde Begleitperson im Kreißsaal erlaubt. Meist legen die Entbindungskliniken individuelle Regelungen fest, zum Beispiel das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung oder dass Begleitpersonen einen negativen Corona-Test vorweisen müssen. Welche Regelung gilt und ob der Besuch auf der Wochenbettstation möglich ist, erfragen Sie am besten beim jeweiligen Krankenhaus.

Geburtsvorbereitung

An Kursen zur Geburtsvorbereitung kann per Videokonferenz teilgenommen werden. Hebammen dürfen Schwangere und Mütter im Wochenbett ebenfalls per Videochat beraten.

Impfungen

Das Robert Koch-Institut empfiehlt, dass Grundimmunisierungen im Säuglingsalter und allgemein anstehende Impfungen weiterhin durchgeführt werden sollen. Bei Kindern, die Symptome einer Atemwegsinfektion zeigen, sollen die Impfungen um zwei Wochen verschoben werden. Die erwachsene Begleitperson darf keine Beschwerden wie Fieber oder Husten aufweisen. Senioren und Personen mit einem chronischen Grundleiden wird eine Pneumokokken-Impfung empfohlen. Bitte kontaktieren Sie Ihren Arzt, um den Nutzen dieser Impfung im Einzelfall zu besprechen. Um eine Sekundärinfektion zu verhindern, wird außerdem die Grippeschutzimpfung empfohlen.

Mammografie-Screening

Während der ersten Corona-Welle wurden im März und April keine neuen Einladungen zu Mammografie-Screenings verschickt. Sie dient normalerweise als Vorsorgeuntersuchung zur Erkennung von Brustkrebs. Das hat sich mit Fortschreiten der Pandemie geändert, es finden wieder Mammografie-Screenings statt. Auch auffällige Befunde werden weiterhin abgeklärt und versorgt.

Operationen

Um die Kapazitäten in den Krankenhäusern zu schonen, können planbare Operationen und Eingriffe verschoben werden – dazu könnten zum Beispiel Schönheitsoperationen oder Hüft-OPs zählen. Im individuellen Fall sollte Kontakt mit dem Krankenhaus aufgenommen werden. Zu den verschiebbaren Operationen gehören ausdrücklich keine akuten Fälle – Notfall-Operationen finden statt. Auch dringende Eingriffe bei Krebspatienten oder chronisch Kranken werden nicht aufgeschoben.

Psychotherapie 

Einzeltherapien können in Form von Videosprechstunden erfolgen. Ob dies möglich ist, muss der Therapeut im Einzelfall entscheiden. Gruppentherapien lassen sich in Einzeltherapien umwandeln. Auch Behandlungen in persönlicher Beratung werden weiterhin durchgeführt –unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln.

Schwangerschaftsvorsorge

Die regelmäßigen Untersuchungen zur Vorsorge finden trotz Coronavirus-Pandemie statt. Wer sich in Selbstisolation befindet (zum Beispiel, weil man sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder mit einer infizierten Person in Kontakt stand), sollte den behandelnden Frauenarzt kontaktieren. Routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen können laut Deutscher Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in einem solchen Fall ohne Schaden für die werdende Mutter oder das Kind herausgezögert werden, bis die Isolation endet. Schwangere sollten sich jedoch von ihrem behandelnden Frauenarzt beraten lassen.

Vorsorgeuntersuchungen für Babys und Kinder

Vorsorgetermine für Babys und Kinder – bekannt als U-Untersuchungen – haben normalerweise feste Terminintervalle, die eingehalten werden müssen. Aufgrund der aktuellen Situation können die U6, U7, U7a, U8 und U9 in Absprache mit dem Kinderarzt nun aber auch zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät allerdings dringend dazu, die U2 bis U5 zeitgerecht durchzuführen. Diese Vorsorgen sind äußerst wichtig, um Entwicklungsverzögerungen des Babys und Krankheiten frühzeitig erkennen zu können.

Zahnarzttermine

Patienten und Ärzte müssen im individuellen Fall entscheiden, ob eine Behandlung zwingend notwendig ist oder sie sich auf einen späteren Zeitpunkt verschieben lässt. Für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf sollen die Termine auf Akut- und Notfallbehandlungen beschränkt werden. Patienten, die infiziert sind oder unter Quarantäne stehen, sollten sich in akuten Notfällen telefonisch mit ihrem Zahnarzt oder dem zahnärztlichen Notdienst in Verbindung setzen. Das weitere Vorgehen wird dann besprochen – eine Notfallbehandlung kann zum Beispiel in speziell dafür ausgestatteten Schwerpunktpraxen erfolgen.

Zehn Regeln für den Arzttermin trotz Corona: So verhalten Sie sich richtig

Wer zum Arzt muss, sollte bei seinem Praxisbesuch zur Minimierung des Ansteckungsrisikos mit dem Coronavirus folgende Regeln einhalten:

  1. Rufen Sie vorher an: Erscheinen Sie nicht unangemeldet in der Praxis.
  2. Kommen Sie alleine: Wenn möglich, verzichten Sie auf eine Begleitperson. Bei Kinderarztbesuchen gilt: Lassen Sie Geschwisterkinder, wenn möglich, besser zu Hause.
  3. Erscheinen Sie pünktlich: Betreten Sie die Praxis weder zu früh noch zu spät. So vermeiden Sie unnötige Wartezeiten in den Räumlichkeiten.
  4. Meiden Sie öffentliche Verkehrsmittel: Besonders Menschen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, wird empfohlen: Fahren Sie nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arzt.
  5. Nehmen Sie ein Handy mit: Möglicherweise werden Sie darum gebeten, draußen zu warten, bis Sie angerufen werden. Auf diese Weise kann das Patientenaufkommen in den Räumen minimiert werden.
  6. Desinfizieren Sie sich die Hände: Nach Betreten der Räumlichkeiten sollten Sie sich möglichst die Hände desinfizieren. Viele Praxen haben entsprechende Desinfektionsmittelspender für die Patienten aufgestellt.
  7. Verzichten Sie auf den Handschlag: In Zeiten der Coronavirus-Pandemie ist es höflicher, dem Arzt zur Begrüßung nicht die Hand zu reichen. Beim Händeschütteln besteht die Gefahr einer Schmierinfektion. Es wird daher dringend davon abgeraten.
  8. Halten Sie sich an Hygieneregeln: Auch in Arztpraxen gilt: Husten und niesen Sie in Ihre Armbeuge, fassen Sie sich mit den Händen nicht ins Gesicht und waschen Sie sich regelmäßig gründlich die Hände.
  9. Gehen Sie auf Abstand: Überall dort, wo es möglich ist, sollten Sie vom Praxispersonal und anderen Patienten den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Die Gruppenbildung vor der Praxistür ist ebenfalls zu vermeiden.
  10. Tragen Sie Mundschutz: Durch das Tragen einer Mund-Nasen-Maske wird Ihr Atemstrom und der Schleimauswurf beim Husten oder Niesen gebremst. Eine solche Maske kann deshalb auch dazu beitragen, Mitmenschen vor einer Ansteckung zu schützen.

Quellen

Aktualisiert: 17.11.2021 - Autor: Viola Lex, Medizinautorin

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