Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Das sollten Sie wissen!

Arzt zieht Spritze mit AstraZeneca-Impfstoff gegen Corona auf © Getty Images/Halfpoint Images

Am 29. Januar 2021 wurde der gemeinsam von AstraZeneca und der Oxford-Universität entwickelte Corona-Impfstoff in der EU zugelassen. Das Vakzin unterscheidet sich von den bislang zugelassenen Corona-Impfstoffen, denn es handelt sich nicht um einen mRNA-Impfstoff, sondern um einen sogenannten Vektor-Impfstoff. Die Zulassung war mit großen Erwartungen verknüpft, denn der Impfstoff kann bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden. Dadurch kann die Corona-Impfung auch beim Hausarzt oder zu Hause erfolgen. Doch der Impfstoff ist umstritten, unter anderem wegen Hirnvenenthrombosen als möglicher Nebenwirkung. Wie gut schützt das Vakzin vor COVID-19, welche Vor- und Nachteile bietet es im Vergleich zu anderen Impfstoffen und was sollte man außerdem darüber wissen? Das erfahren Sie hier.

Corona-Vakzin von AstraZeneca: Was ist das für ein Impfstoff?

Der Impfstoff mit dem Namen "Vaxzevria" (vorher "COVID-19 Vaccine AstraZeneca" und auch AZD1222 oder ChAdOx1 nCoV-19) wurde gemeinsam von dem schwedisch-britischen Pharmaunternehmen AstraZeneca und der britischen Oxford-Universität entwickelt. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Vektor-Impfstoff, der zu den genbasierten Impfstoffen gezählt wird. Diese Technologie wurde bereits in der Vergangenheit eingesetzt, bei dem Ebola-Impfstoff Ervebo und einem Impfstoff gegen das Dengue-Fieber.

Wie funktioniert der Vektor-Impfstoff?

Der Impfstoff besteht aus der Hülle eines harmlosen Virus, dem sogenannten Vektor, und Informationen zu dem sogenannten Antigen, also dem Krankheitserreger SARS-CoV-2:

  • Der Vektor übernimmt eine Transportfunktion: Er wird benötigt, um die Informationen zum Antigen in die Zellen einzuschleusen. Als Vektor dient in diesem Fall die Hülle eines nicht vermehrungsfähigen Adenovirus, das bei Schimpansen eine Erkältung auslöst, für Menschen aber ungefährlich ist.
  • Im Inneren dieser Hülle befindet sich der Bauplan für ein Protein, das besonders kennzeichnend für das Coronavirus SARS-CoV-2 ist. Es handelt sich dabei um das sogenannte Spike-Protein, das sich auf der Oberfläche des Coronavirus befindet. Dieses Protein ist für sich genommen vollkommen ungefährlich. Es dient dem Virus nur dazu, an die Zellen im menschlichen Körper anzudocken.

Durch die Impfung erhält unser Körper also den Bauplan für das Spike-Protein und beginnt, dieses Protein selbst nachzubauen. Das Immunsystem unseres Körpers erkennt diese Proteine als fremd und bekämpft sie – unter anderem durch die Bildung von Antikörpern und T-Zellen, also verschiedenen Bestandteilen der Immunabwehr.

Nach kurzer Zeit sind der Impfstoff und die vom Körper gebauten Spike-Proteine vollständig abgebaut. Der Körper merkt sich aber, wie er das Spike-Protein erkennen und bekämpfen kann. Kommt er später durch eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 erneut mit dem Spike-Protein in Kontakt, kann das Immunsystem sofort reagieren und das Virus bekämpfen.

Wie gut schützt der AstraZeneca-Impfstoff vor Corona?

Um die Wirksamkeit des Impfstoffes zu ermitteln, wurden mehrere Studien mit insgesamt fast 24.000 Teilnehmern durchgeführt. Den für die Zulassung relevanten, ersten Studiendaten zufolge hat der Impfstoff in der Altersgruppe der 18- bis 55-Jährigen eine Wirksamkeit von etwa 60 Prozent. Das Risiko, bei einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu erkranken, sinkt mit der Impfung also um circa 60 Prozent.

Die Daten deuten darauf hin, dass durch die vollständige Impfung mit zwei Impfdosen schwere Fälle von COVID-19 oder Todesfälle nahezu vollständig verhindert werden können. Die ermittelte Wirksamkeit gilt – sofern die Studiendaten im jeweiligen Fall eine Aussage zulassen – auch für Menschen mit Vorerkrankungen.

Unklar ist derzeit noch, wie gut man schon nach der ersten Impfdosis geschützt ist. Auch muss noch geklärt werden, ob geimpfte Personen weiterhin ansteckend sind, das Virus also übertragen können, auch wenn sie selbst nicht an COVID-19 erkranken.

Wirksamkeit von 70 Prozent: Woher kommt dieser Wert?

In Bezug auf die Wirksamkeit gab es zu Beginn einige Verwirrungen. Die zunächst angegebene Wirksamkeit von 70 Prozent ergibt sich als Durchschnitt verschiedener Studien, in denen den Teilnehmern versehentlich unterschiedliche Dosierungen verabreicht wurden. Infolge eines Fehlers hatten einige Studienteilnehmer zunächst nur die halbe Impfdosis bekommen. Bei diesem fehlerhaften Studienaufbau zeigte der Impfstoff sogar eine Wirksamkeit von 90 Prozent, während der eigentlich geplante Studienaufbau nur eine Wirksamkeit von etwa 62 Prozent ergab.

Ist es also besser, zunächst nur die halbe Impfdosis zu verabreichen? Eine Aussage darüber lassen die Studiendaten nicht zu. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass der Körper durch die erste Impfung nicht nur einen Impfschutz gegen SARS-CoV-2 aufbaut, sondern auch gegen den Vektorvirus, der als Transportmittel genutzt wird. Dann würde die zweite Impfung, der sogenannte Booster, weniger gut wirken. Daher könnte es sinnvoller sein, zunächst eine geringere Dosis zu verabreichen. Der Unterschied könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Studienteilnehmer bei der Gruppe mit der höheren Wirksamkeit im Schnitt jünger waren (maximal 55 Jahre alt) und die beiden Impfdosen in einem anderen Abstand verabreicht wurden. Folgestudien weisen darauf hin, dass es die Wirksamkeit verbessern könnte, wenn man den zeitlichen Abstand zwischen den beiden Spritzen vergrößert.

Inzwischen wurden weitere Studien durchgeführt und den Behörden zur Prüfung vorgelegt. Der Hersteller hat darüber hinaus zusätzliche Studien angekündigt, um die Faktoren, welche die Wirksamkeit beeinflusst haben könnten, genauer zu untersuchen. Die Europäische Arzneimittelagentur hat beschlossen, die Studie mit der fehlerhaften Impfdosis nicht zu berücksichtigen. Daher wird derzeit nur eine Wirksamkeit von etwa 60 Prozent angegeben, auch wenn sie mitunter höher liegen kann.

Wie hoch ist die Wirksamkeit bei älteren Menschen?

Kurz vor der erwarteten Zulassung wurden Zweifel laut, wie gut der Impfstoff bei älteren Menschen wirkt. Denn zum einen war in den ursprünglichen Studien diese Gruppe unterrepräsentiert, sodass die aktuell vorliegenden Daten möglicherweise keine klare Aussage zur Wirksamkeit bei älteren Menschen zulassen. Zum anderen berichteten Medien sogar von einer Wirksamkeit von nur acht Prozent in der Gruppe der über 65-Jährigen.

Der Hersteller nahm zu beiden Punkten Stellung. So wurde nach dessen Aussage den Zulassungsbehörden eine weitere Studie mit 2.000 Teilnehmern vorgelegt, die vor allem auch ältere Menschen einschloss. Zwei Drittel der Probanden sollen demnach über 75 Jahre alt gewesen sein. Der älteste Teilnehmer sei 86 Jahre alt gewesen.

Dass der Impfstoff nur bei acht Prozent der Älteren wirke, sei ebenfalls falsch, denn die vorliegenden Daten zeigten laut der Stellungnahme von AstraZeneca, dass auch bei Senioren eine starke Immunantwort erzeugt werde. Auch das Bundesgesundheitsministerium widersprach entsprechenden Meldungen und teilte mit, dass aus den vorliegenden Studien keine verringerte Wirkung für ältere Menschen ableitbar sei. Man vermutete eine Verwechslung, denn etwa acht Prozent der Teilnehmer seien zwischen 56 und 69 Jahre alt gewesen.

Dennoch sprach auch die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts zunächst die Empfehlung aus, den Impfstoff nur für Personen zwischen 18 und 64 Jahren zuzulassen, da für eine Beurteilung der Wirksamkeit bei älteren Menschen nicht ausreichend Daten vorlägen. Die europäische Arzneimittelagentur empfahl hingegen eine Zulassung ab 18 Jahren ohne eine Altersobergrenze. Sie stimmt zwar zu, dass nicht genügend Daten bezüglich älterer Menschen vorlägen, um die Effektivität zu beurteilen, begründete ihre Entscheidung aber mit den guten Resultaten in den anderen Altersgruppen und den Erfahrungen mit anderen Impfstoffen.

Am 4. März änderte die STIKO ihre Empfehlung, sodass der Impfstoff nun auch für Menschen ab 65 Jahren verwendet werden kann. Hintergrund ist, dass mittlerweile ausreichend Daten vorliegen, die eine hohe Sicherheit und Wirksamkeit auch bei älteren Menschen belegen.

 

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie bei jeder Impfung kann es auch nach Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffes zu Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen:

  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Frösteln
  • Fieber und grippeartige Beschwerden
  • Unwohlsein und Übelkeit

In der Regel verschwinden diese Nebenwirkungen nach kurzer Zeit von selbst wieder. Bei älteren Studienteilnehmern fielen die Nebenwirkungen in der Regel milder aus.

Während der Studie kam es bei einem Probanden zu einer Entzündung des Rückenmarks (Transverse Myelitis). Die Studie wurde daraufhin für einige Zeit unterbrochen, bis ein Expertenteam einen Zusammenhang mit der Impfung ausschloss.

Auch schwere allergische Reaktionen in Form eines anaphylaktischen Schocks sind – wie bei anderen Impfstoffen auch – in seltenen Fällen möglich. Nach der Impfung wird daher ein Beobachtungszeitraum von mindestens 15 Minuten empfohlen, um im Fall einer allergischen Reaktion schnellstmöglich eine medizinische Behandlung einleiten zu können.

Ernsthafte Nebenwirkungen waren bei weniger als einem Prozent der Studienteilnehmer zu beobachten. Da bei einer solchen Studie sehr seltene Nebenwirkungen aufgrund ihrer geringen Häufigkeit in der Regel nicht festgestellt werden können, werden die zuständigen Behörden auch nach der Zulassung des Impfstoffes weiterhin alle Verdachtsmeldungen prüfen. Dabei ermitteln sie, ob ein Zusammenhang zu der Corona-Impfung besteht oder ob Beschwerden rein zufällig kurz nach der Impfung aufgetreten sind. Dies entspricht dem üblichen Vorgehen bei der Zulassung neuer Impfstoffe und Medikamente.

Sind Spätfolgen möglich?

Auch wenn der AstraZeneca-Impfstoff bereits in mehreren Ländern zur Impfung gegen SARS-CoV-2 eingesetzt wird, handelt es sich um einen vergleichsweise neuen Impfstoff. Daher sind, wie bei anderen Impfstoffen gegen COVID-19 auch, derzeit noch keine Aussagen über Spätfolgen möglich.

Spätfolgen, also Nebenwirkungen, die erst nach einem längeren Zeitraum auftreten, sind nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen jedoch auch nicht zu erwarten. Der Grund liegt in der Wirkweise von Impfstoffen: Da diese im Gegensatz zu Medikamenten nicht konstant über einen längeren Zeitraum verabreicht werden, werden sie recht schnell wieder abgebaut, weshalb Nebenwirkungen spätestens nach einigen Wochen auftreten. In der Vergangenheit sind bei Impfstoffen deshalb auch noch nie Spätfolgen verzeichnet worden. Davon abzugrenzen sind Langzeitfolgen, die als Nebenwirkungen nach kurzer Zeit eintreten und über längere Zeit anhalten.

Thrombosen: Blutgerinnsel als Nebenwirkung?

In mehreren Ländern wurde die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff oder bestimmten Chargen des Impfstoffes im März vorübergehend gestoppt, nachdem einige Fälle von Blutgerinnseln bei geimpften Personen aufgetreten waren und es infolge von verschiedenen Thrombosen auch zu vereinzelten Todesfällen kam.

Ob ein ursächlicher Zusammenhang zu der Impfung besteht, wird derzeit noch untersucht. Denn es könnte sich auch um ein zufälliges Auftreten handeln: Die Zahl der Blutgerinnsel liegt statistisch betrachtet insgesamt nicht höher, als es bei der großen Anzahl geimpfter Personen auch ohne Impfung zu erwarten wäre.

Doch es gibt eine Sonderform der Thrombosen, deren gehäuftes Auftreten in Zusammenhang mit der Impfung nicht allein durch einen Zufall zu erklären ist. Diese sogenannten Sinusvenenthrombosen (oder Hirnvenenthrombosen) sind normalerweise extrem selten, weshalb ihre Zunahme schnell in den Fokus der zuständigen Stellen rückte.

Impfstopp wegen Hirnvenenthrombosen

Nach einer entsprechenden Empfehlung des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) teilte auch das Bundesgesundheitsministerium am 15. März 2021 mit, die Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca vorerst auszusetzen, bis eine weitere Prüfung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) vorläge. Grund war, dass in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt sieben Fälle von Hirnvenenthrombosen verzeichnet wurden. Dies ist zwar extrem selten, aber mit Blick auf die Statistik dennoch überdurchschnittlich oft. Insbesondere jüngere Frauen waren betroffen.

Die EMA empfahl den Impfstoff nach einer erneuten Prüfung weiterhin. Ein Zusammenhang zwischen der Impfung und den Hirnvenenthrombosen sei zwar nicht belegt, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund ihrer Seltenheit und den Risiken, die für ungeimpfte Personen von COVID-19 ausgehen, überwiegt der Nutzen der Impfung nach Einschätzung der EMA bei weitem die möglichen Risiken. Ärzt*innen sollten jedoch über die mögliche Nebenwirkung Bescheid wissen und zu impfende Personen darüber aufklären. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte daraufhin am 18. März eine Fortsetzung der Impfkampagne mit dem Impfstoff an.

Nachdem es jedoch zu weiteren Fällen der Hirnvenenthrombosen gekommen war, änderte die STIKO am 30. März ihre Empfehlung dahingehend, den Impfstoff in Deutschland vorerst nur noch bei Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Jüngere Menschen könnten den Impfstoff nach individueller Abwägung dennoch weiterhin erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 31 Fälle der seltenen Sinusvenenthrombosen aufgetreten, größtenteils bei Frauen unter 55 Jahren. Für jüngere Menschen, die ihre Erstimpfung mit dem Vakzin bereits erhalten haben, empfiehlt die Ständige Impfkommission, bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff einzusetzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät von einer solchen Kreuzimpfung jedoch vorerst ab.

Am 7. April bestätigte die EMA einen möglichen Zusammenhang, hält jedoch grundsätzlich weiter an ihrer uneingeschränkten Empfehlung des Vakzins fest, da sein Nutzen die möglichen Risiken bei Weitem überwiege. Die Häufigkeit wird mit 1 Fall pro 100.000 Impfungen angegeben.

Was sind Sinusvenenthrombosen?

Die sogenannten Sinusvenenthrombosen sind eine besonderen Form von Thrombosen, bei denen eines der großen venösen Blutgefäße im Gehirn (Sinusvenen) durch eine Thrombose, also ein Blutgerinnsel, verstopft. In diesem Zusammenhang wurden auch sogenannten Thrombozytopenien beobachtet, also Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten).

Wissenschaftler vermuten als Grund, dass der Impfstoff bei einige Menschen Abwehrreaktionen durch Autoimmun-Antikörper auslöst, in deren Folge die Blutblättchen aktiviert werden und verklumpen. Dies geschieht normalerweise im Rahmen einer Wundheilung, um eine vorhandene Blutung durch die Blutgerinnung zu stoppen. In diesem Fall führt jedoch der fälschlicherweise aktivierte Mechanismus zur Bildung von Blutgerinnseln im Gehirn. Das Geschehen ähnelt stark der sogenannten Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT), die normalerweise auf den Wirkstoff Heparin zurückzuführen ist.

Eine solche Form der Thrombose ist medikamentös behandelbar, kann jedoch auch zum Tod führen.

Bereits geimpfte – und speziell jüngere Leute unter 50 Jahren – sollten in den 16 Tagen nach der Impfung genau auf mögliche Nebenwirkungen achten. Dazu gehören auch blaue Flecken oder punktförmige Hauteinblutungen, die ein erstes Warnsignal für eine niedrige Anzahl an Thrombozyten (Blutblättchen) sein könnten. Wer zudem mehr als vier Tage nach der Impfung noch immer Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Unwohlsein empfindet, sollte ärztlichen Rat einholen.

Kapillarlecksyndrom: Nebenwirkung Clarkson-Syndrom?

Derzeit wird untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Impfung und dem sehr selten auftretenden Kapillarlecksyndrom (auch: Clarkson-Syndrom oder Capillary-leak-Syndrom) besteht. Dabei handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, bei der die Kapillargefäße zu durchlässig sind, sodass Plasma und Plasmaproteine austreten. In der Folge können Ödeme auftreten, das Blut kann durch den Verlust von Plasmawasser eindicken und der Blutdruck kann abfallen.

Bislang wurden im möglichen Kontext mit der Impfung fünf Fälle des Clarkson-Syndroms beobachtet. Die Europäische Arzneimittelagentur kündigte daher am 9. April eine Überprüfung der Zusammenhänge an.

Wie läuft die Impfung ab?

Der Impfstoff wird in die Muskeln des Oberarms gespritzt. Für den vollständigen Impfschutz sind zwei Spritzen erforderlich, wobei die zweite Dosis innerhalb von neun bis zwölf Wochen nach der ersten verabreicht werden soll. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, möglichst einen Abstand von zwölf Wochen zwischen den beiden Impfungen einzuhalten.

Vergleich mit mRNA-Impfstoffen: Vorteile und Nachteile

Um die Bevölkerung möglichst schnell zu impfen und die Corona-Pandemie einzudämmen, ist der gleichzeitige Einsatz mehrerer Impfstoffe erforderlich. Zeitgleich arbeiteten deshalb mehrere Hersteller mit Hochdruck an verschiedenen Ansätzen zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. Herausgekommen sind unterschiedliche Impfstoffe, die jeweils andere Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile der AstraZeneca-Impfstoff gegenüber den beiden bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna aufweist:

Vorteile:

  • Kühlung: Der Impfstoff kann bei Kühlschranktemperatur (2 bis 8 °C) transportiert und gelagert werden. Somit ist er auch für Impfungen in der Hausarztpraxis oder zu Hause geeignet und geht mit deutlich weniger logistischen Schwierigkeiten einher als die beiden bislang zugelassenen mRNA-Impfstoffe.
  • Preis: Der Impfstoff ist mit etwa zwei Euro pro Dosis deutlich günstiger als die mRNA-Impfstoffe mit etwa 15 Euro.
  • Eignung für ärmere Regionen: Sowohl der niedrigere Preis als auch die einfachere Kühlung führen dazu, dass der Impfstoff voraussichtlich auch für den Einsatz in ärmeren Ländern geeignet ist.

Nachteile:

  • Wirksamkeit: Mit nur 60 Prozent Wirksamkeit schneidet der Impfstoff im Vergleich zu den bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna (etwa 95 Prozent Wirksamkeit) schlechter ab. Zu betonen ist aber, dass auch dieser Impfstoff schwere und tödliche Verläufe wirksam verhindern kann.
  • Schutz vor Virusmutation: Studiendaten deuten darauf hin, dass der Impfstoff bei der aus Südafrika stammenden Virusmutation B.1.351 nur eine geringe Schutzwirkung vor milden und mittelschweren Verläufen bietet. Es bleibt zu klären, wie gut die Schutzwirkung vor schweren Verläufen ist.
  • Nebenwirkungen: Der Impfstoff weist im Vergleich zu anderen Vakzinen recht starke Nebenwirkungen auf, vor allem bei jüngeren Leuten. Auch könnte es in sehr seltenen Fällen in der Folge zu Hirnvenenthrombosen kommen. Der Impfstoff wird daher in Deutschland nur noch für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Für wen ist der AstraZeneca-Impfstoff zugelassen?

In Großbritannien hat der Impfstoff bereits im Dezember 2020 eine Notfallzulassung erhalten. Auch in einigen anderen Ländern wird das Vakzin bereits seit längerem eingesetzt.

In der Europäischen Union (EU) begann die Prüfung des Impfstoffes durch die Europäische Arzneimittelagentur im Oktober 2020. Über eine bedingte Marktzulassung entschied die EU-Kommission am 29. Januar 2021, nachdem die EMA am selben Tag eine Empfehlung für die Zulassung ausgesprochen hatte. Deutschland hat über die EU bereits 56,2 Millionen Dosen des Impfstoffes bestellt.

Der Impfstoff darf aufgrund der vorliegenden Studiendaten für Personen ab 18 Jahren eingesetzt werden, Kinder und Jugendliche dürfen also nicht damit geimpft werden. Auch Personen mit einer Immunschwäche oder schweren chronischen Erkrankungen sowie Schwangere und stillende Mütter wurden von der Impfstoff-Studie ausgeschlossen. Daher gibt es keine Erkenntnisse darüber, wie sicher der AstraZeneca-Impfstoff für sie ist.

Gemäß den Empfehlungen der STIKO sollte der AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland zunächst nur für Personen bis zu einem Höchstalter von 64 Jahren eingesetzt werden. Aus diesem Grund wurde die Impfverordnung dahingehend überarbeitet, dass Angehörige von Risikogruppen zwischen 18 und 64 Jahren bevorzugt mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft werden sollen, während die bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna vor allem für ältere Menschen eingesetzt werden sollen. Nachdem die STIKO jedoch grünes Licht auch für einen Einsatz bei Menschen ab 65 Jahren gab, wurde die Impfverordnung am 10. März entsprechend angepasst.

Aufgrund einzelner Berichte über Thrombosen der Hirnvenen beschloss das Bundesgesundheitsministerium am 15. März, den Impfstoff von AstraZeneca vorerst nicht mehr einzusetzen, bis die Zusammenhänge näher untersucht sind. Nach einer Prüfung der Zusammenhänge durch die EMA wurde am 18. März angekündigt, die Impfungen mit dem Vakzin wieder aufzunehmen. Am 30. März änderte die STIKO ihre Empfehlung jedoch dahingehend, dass der Impfstoff vorerst nur noch bei Menschen ab 60 Jahren verimpft werden sollte.

Quellen

Aktualisiert: 13.04.2021 - Autor: Silke Hamann, Medizinredakteurin

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