Corona-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer & Moderna: Die wichtigsten Fragen

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ruhen große Hoffnungen auf der Impfung gegen das Coronavirus. Am 21. Dezember 2020 wurde mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech und Pfizer (BNT162b2, auch: Tozinameran oder Comirnaty®) ein erster Impfstoff gegen COVID-19 in der EU, und somit auch in Deutschland, zugelassen. Wenige Tage später wurde europaweit mit dem Impfen der Bevölkerung begonnen. Die Zulassung eines zweiten, ähnlichen Impfstoffes, des mRNA-Impfstoffes von Moderna (mRNA-1273), erfolgte am 6. Januar 2021.

Eine zügige Impfung möglichst großer Teile der Bevölkerung gilt als wichtiges Mittel, um die Corona-Pandemie zu stoppen. Doch zugleich fürchten sich aktuell viele Menschen vor möglichen Nebenwirkungen oder fragen sich, ob es besser wäre, mit der Impfung noch abzuwarten. Wie sicher sind die Impfstoffe und warum konnten sie so schnell entwickelt werden? Wie läuft die Impfung in Deutschland ab und wie gut sind Geimpfte geschützt?

In dieser Fotostrecke beantworten wir die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung.

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Wie gut schützt die Impfung vor COVID-19?

Arzt zeigt Impfstoff gegen Coronavirus © Tetra Images via Getty Images
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Zum Impfstoff von BioNTech und Pfizer liegen Studiendaten von über 40.000 Teilnehmer*innen vor, von denen etwa die Hälfte zweimal den Impfstoff und die andere Hälfte ein Placebo erhielt. Insgesamt traten unter den Studienteilnehmer*innen 170 Fälle von COVID-19 auf, davon nur 8 in der Gruppe der Geimpften und 162 in der Placebo-Gruppe. Daraus ergibt sich rechnerisch eine Wirksamkeit von 95 Prozent.

Das heißt: 95 von 100 Personen, die ohne Impfstoff an COVID-19 erkranken würden, bleiben mit Impfstoff gesund. Damit gilt der Impfstoff als sehr wirksam.

Der Impfstoff von Moderna hat laut der Zulassungsstudie eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent. Hier basieren die Daten auf einer Studie mit etwa 30.000 Teilnehmer*innen. Nach der zweiten Impfdosis traten bei den Teilnehmenden 196 Fälle von COVID-19 auf, davon 11 in der Gruppe mit Impfung und 185 in der Placebo-Gruppe. Schwere Verläufe wurden ausschließlich in der Placebo-Gruppe beobachtet. Nach neueren Studiendaten hat der Hersteller die Angaben zur Wirksamkeit leicht korrigiert: Demnach schütze der Impfstoff zu 90 Prozent vor einer COVID-19-Erkrankung und zu 95 Prozent vor schweren Verläufen. Eine mögliche Begründung könnten die Virusmutationen sein, die im Gegensatz zur früheren Studie deutlich zugenommen haben.

Wann tritt der Impfschutz ein und wie lange hält er?

Die Studiendaten deuten in beiden Fällen darauf hin, dass schon nach der ersten Impfdosis ein gewisser Schutz vor COVID-19 vorhanden sein könnte. Die volle Wirkung entfalten beide Stoffe jedoch erst eine Woche nach der zweiten Impfung. Zu beachten ist: Wie bei allen anderen Corona-Impfstoffen können auch vollständig geimpfte Personen weiterhin an COVID-19 erkranken. Sie erkranken jedoch seltener und weniger schwer. Einen hundertprozentigen Schutz bietet die Impfung aber nicht.

Wie lange der Impfschutz anhält, ist noch nicht bekannt. Es wird derzeit aber davon ausgegangen, dass eine Auffrischung durch eine dritte Impfung erforderlich sein könnte – möglicherweise nach etwa einem Jahr. Studien dazu laufen aktuell bereits.

Können geimpfte Personen andere anstecken?

Noch nicht vollständig geklärt ist, ob geimpfte Personen andere anstecken können. Expert*innen gehen davon aus, dass geimpfte Menschen im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus nur eine geringe Viruslast in sich tragen und daher in der Regel kaum bis gar nicht ansteckend sind. Vorläufige Studiendaten aus Israel deuten zudem darauf hin, dass der Impfstoff von BioNTech und Pfizer sehr wirksam auch die Übertragung des Coronavirus auf andere Personen verhindern könnte. Eine entsprechende Auswertung der Daten steht derzeit noch aus.

Corona-Impfstoff: Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Mann hat Armschmerzen als Nebenwirkung © Moyo Studio/E+ via Getty Images
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Beide Impfstoffe gegen Corona können – wie alle Impfstoffe – leichte Nebenwirkungen oder Nebeneffekte verursachen. Vergleicht man die Häufigkeit des Auftretens, könnte der Impfstoff von BioNTech/Pfizer etwas besser verträglich sein als der von Moderna. Ein möglicher Grund könnte sein, dass bei dem Moderna-Impfstoff insgesamt eine etwas größere Menge des Vakzins gespritzt wird.

Bei den Studienteilnehmer*innen mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer waren die häufigsten Nebenwirkungen:

  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit an der Impfstelle (84,1 Prozent)
  • Müdigkeit (62,9 Prozent)
  • Kopfschmerzen (55,1 Prozent)
  • Muskelschmerzen (38,3 Prozent)
  • Schüttelfrost (31,9 Prozent)

Auch kam es mitunter zu:

Ähnlich verhielt es sich bei dem Impfstoff von Moderna. Hier gehörten zu den häufigsten Nebenwirkungen:

  • Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Impfstelle (91,6 Prozent)
  • Müdigkeit (68,5 Prozent)
  • Kopfschmerzen (63 Prozent)
  • Muskelschmerzen (59,6 Prozent)
  • Gelenkschmerzen (44,8 Prozent)
  • Schüttelfrost (43,4 Prozent)

Seltener kam es unter anderem zu:

All diese Nebenwirkungen traten schwach bis mäßig auf und klangen schnell wieder ab. Expert*innen halten solche Effekte nach einer Impfung für nicht ungewöhnlich, schließlich kommt es im Körper durch das Impfen zu einer Immunantwort.

Gibt es auch schwere Nebenwirkungen und Langzeitfolgen?

Ärztin untersucht Mann auf Impf-Nebenwirkungen © Getty Images/bluecinema
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Schwere Nebenwirkungen wurden in den Zulassungsstudien nur in einzelnen Fällen beobachtet (zum Beispiel Herzrhythmusstörungen bei einer Person in der Studie von BioNTech/Pfizer oder eine Lähmung des Gesichtsnervs in drei Fällen bei der Studie von Moderna). Allerdings konnte nicht festgestellt werden, ob ein Zusammenhang zu der Impfung besteht, da solche Beschwerden auch aus anderen Gründen auftreten können.

Aufgrund vereinzelter Meldungen besteht zudem der Verdacht, dass Menschen, die früher Dermafiller erhalten haben, nach der Gabe des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer an Gesichtsschwellungen leiden könnten.

Die Behörden beobachten solche Fälle auch nach der Zulassung gründlich. In Deutschland können Nebenwirkungen per App gemeldet werden.

Spätfolgen und Langzeitfolgen: Wo ist der Unterschied?

Zwar liegen aufgrund der Neuheit des Impfstoffes noch keine Erkenntnisse über mögliche Spätfolgen (also nach längerer Zeit einsetzende Nebenwirkungen) vor, allerdings stufen Experten die Wahrscheinlichkeit solcher Risiken als äußerst gering ein. Denn im Gegensatz zu Medikamenten werden Impfstoffe nicht konstant über längere Zeit verabreicht und werden deshalb vom Körper schnell wieder abgebaut. Nebenwirkungen treten daher bei Impfstoffen spätestens nach wenigen Wochen auf – auch in der Vergangenheit wurden noch nie Spätfolgen bei einem Impfstoff beobachtet.

Davon abzugrenzen sind Langzeitfolgen, also kurz nach der Impfung eintretende Nebenwirkungen, die über einen längeren Zeitraum anhalten. Diese Effekte würden sich auch im Rahmen der Zulassungsstudien beobachten lassen.

Wie sind die allergischen Reaktionen und Todesfälle zu bewerten?

In Großbritannien, wo der Impfstoff von BioNTech/Pfizer im Rahmen einer Notfallzulassung bereits etwas länger eingesetzt wird, gab es in sehr seltenen Fällen größere allergische Reaktionen. Deshalb haben die britischen Behörden Menschen mit bereits bestehenden starken, lebensbedrohlichen Allergien aufgefordert, sich vorerst nicht impfen zu lassen, bis der Zusammenhang näher untersucht ist.

In der EU gilt eine solche Warnung nicht: Zwar wurden einige allergische Reaktionen beobachtet, jedoch werden die Fälle als extrem selten eingestuft. Da solche allergischen Reaktionen in den ersten Minuten nach der Impfung auftreten, wird eine medizinische Nachbeobachtung empfohlen, um gegebenenfalls sofort reagieren zu können.

Zwar sind seit Beginn der Impfkampagnen vereinzelt auch Todesfälle in zeitlicher Nähe zu der Impfung aufgetreten. Die Untersuchung dieser Fälle hat aber keinen Zusammenhang zu der Impfung ergeben. Die Erklärung ist eine andere: Da zu Beginn besonders alte und schwerstkranke Menschen geimpft werden, war es nach Einschätzung von Experten zu erwarten, dass es in dieser Gruppe auch zu Todesfällen kommen würde, die aber nur zufällig kurz nach der Impfung eintreten, die Todesursache war also eine andere. Grundsätzlich ist jedoch nicht auszuschließen, dass Nebenwirkungen wie Fieber oder eine allergische Reaktion für extrem gebrechliche Menschen möglicherweise schwerwiegende Konsequenzen haben und den Körper zu stark belasten könnte – eine individuelle Abwägung ist daher ratsam.

Myokarditis: Ist sie eine mögliche Nebenwirkung?

Erkenntnisse aus Israel deuten darauf hin, dass es im Zusammenhang mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer möglicherweise zu einem gehäuften Auftreten von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) kommen könnte. Insbesondere nach der Zweitimpfung wurden einige entsprechenden Fälle registriert. Ob tatsächlich ein Zusammenhang zu der Impfung besteht, wird derzeit noch untersucht.

Keine Nebenwirkungen – wirkt die Impfung nicht?

Glückliche Frau nach Impfung ohne Nebenwirkungen © Getty Images/Aja Koska
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Impfreaktionen gelten als normal und sind ein Hinweis darauf, dass das Immunsystem arbeitet. Daten aus bisherigen Impfungen zeigen, dass die Nebenwirkungen beim Vakzin von BioNTech/Pfizer und insbesondere bei dem von Moderna bei der zweiten Impfung in der Regel stärker ausfallen als bei der ersten. Übrigens: Beim Vektor-Impfstoff von AstraZeneca ist es genau andersherum.

Fällt die Impfreaktion nach der ersten Spritze bei den mRNA-Impfstoffen besonders stark aus, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass man bereits unbemerkt eine Corona-Infektion hatte. In diesem Fall dient die Impfung als Auffrischung des bereits vorhandenen Schutzes.

Umgekehrt bedeutet das aber nicht, dass die Impfung nicht gewirkt hat, wenn keine Nebenwirkungen auftreten. Denn bei manchen Menschen erfolgt die Reaktion auf den Impfstoff unterschwellig, ohne zu äußeren Symptomen zu führen.

Wie sicher ist der Corona-Impfstoff bei Vorerkrankungen?

Mann mit Vorerkrankungen erhält Impfung © Luis Alvarez/DigitalVision via Getty Images
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Unter den Studienteilnehmern für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer befanden sich Menschen unterschiedlichster Altersgruppen, darunter auch Menschen mit chronischen Vorerkrankungen oder Übergewicht. Auch bei diesen Risikogruppen liegen laut den Prüfer*innen der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA keinerlei Sicherheitsbedenken vor, die gegen den Impfstoff sprechen würden. Im Gegenteil: Bei der Gruppe der über 55-Jährigen wurden sogar weniger Nebenwirkungen festgestellt als bei den Jüngeren.

Die Studiendaten für den Impfstoff von Moderna bilden ebenfalls eine breite Bevölkerungsgruppe ab. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 95 Jahren alt. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder COPD wurden einbezogen.

In beiden Fällen umfassen die Studiendaten jedoch nicht alle Personengruppen oder zumindest nicht in ausreichender Anzahl – zum Beispiel wurden Schwangere und Kinder von der Zulassungsstudie ausgeschlossen und Menschen mit HIV waren nicht ausreichend vertreten. Mittlerweile wurden jedoch weitere Studien zur Impfung bei Kindern und in der Schwangerschaft durchgeführt. Daher sollte im Einzelfall betrachtet werden, ob die Datenlage ausreichend ist. Auch bei bekannten Allergien sollte im Einzelfall besprochen werden, was in Bezug auf die Impfung zu beachten ist.

Wie läuft die Corona-Impfung ab?

Frau wird über Ablauf der Corona-Impfung aufgeklärt © Luis Alvarez/DigitalVision via Getty Images
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Für die Corona-Impfung wird eine Spritze in die Muskulatur des Oberarms verabreicht. Im Falle des Impfstoffen von BioNTech/Pfizer ist 3 bis 6 Wochen nach der ersten Impfung ist eine zweite Dosis erforderlich. Empfohlen wir ein Abstand von 6 Wochen. Beim Impfstoff von Moderna erfolgen die beiden Spritzen im Abstand von 4 bis 6 Wochen. Um in kürzerer Zeit mehr Menschen zumindest einmalig impfen zu können, wird derzeit geprüft, ob diese Impfabstände weiter vergrößert werden können.

Vor der Impfung wird mithilfe eines Patientenfragebogens ermittelt, ob bestimmte Vorerkrankungen wie Allergien bestehen. Im Anschluss an die Spritze erfolgt eine kurze Nachbeobachtung, um im Falle von auftretenden Nebenwirkungen schnell reagieren zu können.

Wo findet die Impfung statt?

Zur Vereinfachung der Logistik erfolgten die Impfungen zunächst in eigens eingerichteten Impfzentren, seit April 2021 sind sie auch bei Hausärzt*innen möglich. In Pflegeeinrichtungen führen mobile Impfteams die Impfungen durch.

Eine Besonderheit der mRNA-Impfstoffe ist ihre Empfindlichkeit: Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer muss bei -60 bis -80 °C transportiert und gelagert werden. Nach neueren Untersuchungen des Herstellers ist jedoch auch eine Lagerung bei -25 bis -15 °C möglich. Darüber hinaus sollte der Impfstoff möglichst keiner Erschütterung ausgesetzt sein. Nach dem Auftauen kann er im Kühlschrank maximal 31 Tage lang aufbewahrt und innerhalb der ersten zwölf Stunden transportiert werden. Bevor es verimpft wird, muss das Vakzin verdünnt werden und kann dann bei Zimmertemperatur höchsten sechs Stunden aufbewahrt werden. Bei Modernas Vakzin liegt die erforderliche Temperatur bei -25 bis -15 °C.

Erst AstraZeneca dann mRNA-Impfstoff – geht das?

Impfstoffe gegen Corona © Getty Images/Morsa Images
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Aufgrund möglicher Nebenwirkungen empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland, das Vakzin von AstraZeneca nur noch bei Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Was aber, wenn man jünger ist und seine Erstimpfung bereits mit diesem Vakzin erhalten hat? Dann lautet die offizielle Empfehlung, die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff durchzuführen – am besten zwölf Wochen nach der ersten Impfdosis.

Wie gut wirkt die Impfung in einem solchen Fall?

Da es zu dieser sogenannten heterologen Impfung noch nicht genügend Studiendaten gibt, greifen Wissenschaftler*innen zur Beantwortung dieser Frage derzeit auf Daten aus Tierversuchen und auf Erkenntnisse über solche Impfschemata bei anderen Erkrankungen zurück. Diese lassen darauf schließen, dass die Kombination verschiedener Impfstoffe eine verbesserte Immunantwort zur Folge haben könnte – die Wirkung der Impfung wird vermutlich also nicht beeinträchtigt, sondern sogar verstärkt. Auch Studiendaten aus Spanien zeigen eine (im Vergleich zu Impfung mit dem gleichen Impfstoff) deutlich erhöhte Zahl an Antikörpern nach der heterologen Impfung. Die Kombination der Vakzine scheint also sehr wirksam zu sein.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Auch wenn es zur Wirksamkeit noch nicht viele Studiendaten gibt, so gibt es zumindest bereits Erkenntnisse bezüglich der möglichen Nebenwirkungen. Vorläufige Studienergebnisse deuten darauf hin, dass bei der Kombination der Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer nach der zweiten Impfdosis häufiger akute Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Fatigue auftreten. In der Regel handelt es sich um milde Impfreaktionen, die nach wenigen Tagen wieder abklingen. Die Studiendaten beziehen sich dabei auf einen Abstand von vier Wochen zwischen den beiden Impfungen – weitere Daten zum Abstand von zwölf Wochen stehen noch aus.

Ist der SARS-CoV-2-Test nach einer Corona-Impfung positiv?

Mann beim Corona-Test © Getty Images/bymuratdeniz
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Manche Menschen denken, man sei direkt nach einer Impfung gegen das Coronavirus zunächst Corona-positiv, ein Test auf SARS-CoV-2 würde also eine Infektion anzeigen. Dies ist nicht der Fall, da man durch die Impfung nicht mit dem Coronavirus infiziert werden kann und die Impfung auch sonst keine Stoffe enthält, die ein Corona-Test als Infektion werten würde. In den Impfstoffen sind lediglich Informationen zum Bauplan eines harmlosen Virusbestandteils, des sogenannten Spike-Proteins, enthalten.

Fällt das Testergebnis direkt nach der Impfung positiv aus, könnte es sich um ein fehlerhaftes Testergebnis handeln – insbesondere bei Antigen-Schnelltests kann dies vorkommen, weshalb Antigen-Tests bei einem positiven Ergebnis immer eine Bestätigung durch einen PCR-Test erfordern. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass man sich kurz vor oder nach der Impfung angesteckt hat.

Zudem sollte man genau darauf achten, welche Art von Corona-Test man macht. Antigen- und PCR-Tests zeigen eine aktuelle Corona-Infektion an. Antikörper-Tests hingegen weisen Antikörper gegen das Coronavirus nach, sie zeigen also an, ob jemand bereits mit COVID-19 infiziert war oder dagegen geimpft wurde. Daher fallen sie einige Zeit nach der Impfung in der Regel positiv aus. Wie gut der Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus tatsächlich ist, lässt sich aus diesen Tests jedoch nicht ablesen.

Umgekehrt bedeutet ein negativer Antikörper-Test auch nicht unbedingt, dass keine Immunität besteht. Denn ein Schutz vor COVID-19 besteht nicht nur durch Antikörper – auch die sogenannten T-Zellen spielen bei der Abwehr dies Virus eine wichtige Rolle.

Wer wird wann geimpft?

Seniorin erhält Corona-Impfung © ArtistGNDphotography/E+ via Getty Images
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Für die Reihenfolge der Verteilung des Impfstoffes unter der Bevölkerung wurde in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums eine Priorisierung festgelegt, die sich größtenteils an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) orientiert. So wurden beispielsweise zuerst Menschen über 80 Jahre, Bewohner und Pflegeperson von Alten- und Pflegeheimen sowie andere Menschen mit einem hohen Ansteckungsrisiko geimpft. Im Mai wurde angekündigt, die Priorisierung ab 7. Juni aufzuheben.

Wer berechtigt ist, sich impfen zu lassen, wird in manchen Bundesländern per Brief benachrichtigt, in anderen Bundesländern können Impfberechtigte ohne vorherige Einladung einen Termin vereinbaren.

Die Impfung erfolgt für die Bevölkerung kostenlos – unabhängig von der jeweiligen Krankenversicherung.

Wer kann sich nicht impfen lassen?

Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer steht zunächst nur für Personen ab 12 Jahren zur Verfügung, da er bislang noch nicht ausreichend hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Sicherheit bei jüngeren Kindern untersucht wurde. Die ursprüngliche Zulassung umfasste Menschen ab 16 Jahren, wurde dann jedoch im Mai 2021 erweitert. Gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sollten Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sich nur bei bestimmten Vorerkrankungen impfen lassen – nach ärztlicher Beratung können aber auch Gesunde eine Impfung erhalten.

Auch Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollen sich zunächst nicht impfen lassen. Bei einem erhöhten Expositionsrisiko empfiehlt die Ständige Impfkommission Schwangeren nach einer individuellen Prüfung aber eine Impfung.

Der Moderna-Impfstoff steht erst ab 18 Jahren zur Verfügung, da die entsprechende Studie Teilnehmer erst ab diesem Alter eingeschlossen hat.

Bei bekannten Allergien wird im Einzelfall besprochen, ob eine Impfung infrage kommt.

Wie viele Menschen müssen sich impfen lassen, um die Corona-Pandemie zu stoppen?

Menschen warten im Impfzentrum auf Corona-Impfung © Prostock-Studio/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
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In Deutschland wird eine Impfpflicht derzeit ausgeschlossen, die Impfung soll also freiwillig erfolgen.

Generell gilt aber: Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser sind auch ungeimpfte Menschen geschützt, da sich das Virus ab einer gewissen Immunitätsrate nicht mehr weiterverbreiten kann. Dieses Prinzip wird als Herdenimmunität bezeichnet.

Zunächst ging man davon aus, dass im Falle des Coronavirus SARS-CoV-2 etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sein müssten (entweder durch eine überstandene Infektion oder durch Impfung), damit diese Herdenimmunität erreicht ist. Neuere Berechnungen gehen eher von 80 Prozent Immunität in der Bevölkerung aus. Ob eine Herdenimmunität im Falle des Coronavirus überhaupt möglich ist, ist jedoch mittlerweile umstritten.

Unklar ist einerseits, wie lange die Immunität anhält – sowohl nach der Impfung als auch nach einer Infektion. Muss man die Impfungen regelmäßigen auffrischen, wird eine Herdenimmunität zumindest schwieriger. Auch kann eine Herdenimmunität nur dann funktionieren, wenn geimpfte Personen andere nicht anstecken können. Zudem ist eine hohe Impfbereitschaft erforderlich, da jüngere Kinder und einige andere Personengruppen derzeit nicht geimpft werden können – umso höher müsste entsprechend der Anteil immuner Erwachsener sein, eine Schätzung beläuft sich auf 85 Prozent. Hinzu kommt die Gefahr, dass immer neue Virusmutationen die Immunität aushebeln könnten.

Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass möglichst jede einzelne Person geimpft und so geschützt wird. Je schneller dies geschieht, desto besser. Die Zulassung weiterer Impfstoffe könnte dazu beitragen, die Immunisierung der Bevölkerung zu beschleunigen. Um die Pandemie zu stoppen, ist eine Herdenimmunität in Deutschland jedoch nicht ausreichend: Eine entsprechende Immunisierung der Menschen muss weltweit erfolgen.

Wie funktionieren die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna?

Forscherin am Mikroskop © Nastasic/E+ via Getty Images
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Die Abkürzung mRNA steht für den englischen Begriff "Messenger RNA", zu Deutsch: "Boten-Ribonukleinsäure". mRNA dient im Körper normalerweise als Botenstoff, mit dem den Körperzellen die Information übermittelt wird, bestimmte Proteine (Eiweißstoffe) herzustellen.

Diese Funktion macht sich auch der Corona-Impfstoff zunutze: Mit der Impfung wird den Zellen die Botschaft übermittelt, ein kleines Stück des sogenannten Spike-Proteins nachzubauen. Dabei handelt es sich um ein unschädliches Stück der Außenhülle des Coronavirus, das dem Virus normalerweise dazu dient, an Zellen anzudocken.

Indem der Körper infolge der Impfung diese Stückchen nachbaut, kann das Immunsystem sich damit vertraut machen, das Spike-Protein zu erkennen und zu bekämpfen. So kann unser Körper im Falle einer späteren Infektion mit dem Coronavirus schnell und erfolgreich reagieren.

Ausführliche Informationen zur Funktionsweise von mRNA-Impfstoffen lesen Sie hier.

Warum konnte der Corona-Impfstoff so schnell entwickelt werden?

Frau hält Charge des Corona-Impfstoffs © Images By Tang Ming Tung/DigitalVision via Getty Images
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Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes mehrere Jahre, doch für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer sowie den Impfstoff von Moderna wurde jeweils bereits nach einigen Monaten eine Zulassung beantragt. Die Befürchtung, dass die Impfstoffe deshalb weniger sicher seien und dass wichtige Schritte übersprungen oder verkürzt wurden, ist jedoch unbegründet. Die beschleunigte Entwicklung hatte andere Gründe:

  • Finanzielle Mittel: In die Entwicklung des Impfstoffes flossen erhebliche finanzielle Mittel, auch durch die Bundesregierung. So konnten viel mehr Menschen gleichzeitig an der Entwicklung arbeiten und Schritte konnten parallel ausgeführt werden, die sonst nacheinander erfolgen müssen.
  • Zusammenarbeit mit Zulassungsbehörden: Auch das Zulassungsverfahren wurde beschleunigt, ohne dass dabei relevante Standards herabgesetzt wurden. Stattdessen wurde das Thema mit höchster Priorität behandelt, es wurden mehr Mitarbeiter zur Prüfung der Studien abgestellt und die Expert*innen der Behörden erhielten bereits vor Beginn des Zulassungsverfahrens Einblick in die Studiendaten, um diese früher sichten und bewerten zu können.
  • Bestehendes Wissen: Auch wenn SARS-CoV-2 ein neuartiges Virus ist, konnte die Forschung auf bestehende Erkenntnisse zu ähnlichen Viren wie SARS und MERS aufbauen. So existierten bereits Studiendaten zur Nachbildung von Spike-Proteinen und zu RNA-Impfstoffen, auf die zurückgegriffen werden konnte. Weltweit tauschten Wissenschaftler*innen in Rekordzeit Daten und Erkenntnisse aus, auf die man aufbauen konnte.

Über die Zulassung des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer in Europa – und damit auch in Deutschland – haben die Europäische Arzneimittelagentur EMA und anschließend die EU-Kommission am 21. Dezember 2020 entschieden. Dabei wurde keine Notfallzulassung erteilt, wie beispielsweise in Großbritannien, sondern eine "bedingte Marktzulassung". Im Gegensatz zur Notfallzulassung werden die Daten dabei noch gründlicher geprüft und die Hersteller nicht aus ihrer Haftung entlassen. Das Verfahren dauert also etwas länger, ist aber sicherer. Die ersten Impfungen mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer wurden in Deutschland am 26. Dezember 2020 vorgenommen.

Die bedingte Marktzulassung des Impfstoffes von Moderna erfolgte am 6. Januar 2021.

Quellen

Aktualisiert: 11.06.2021 - Autor: Silke Hamann, Medizinredakteurin