Richtig Lüften in Corona-Zeiten: 9 Tipps

Herbst und Winter bringen sinkende Temperaturen und unbeständiges Wetter mit sich. Weil Aktivitäten im Freien damit schwerer möglich sind, verlagert sich das berufliche und private Leben immer mehr auf Innenräume. Doch in der aktuellen Corona-Pandemie ist Vorsicht geboten, denn in Innenräumen ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, deutlich höher als draußen.

Umso wichtiger ist es, diese regelmäßig zu lüften, um so die Konzentration von potenziell virushaltigen Aerosolen in der Luft und damit auch das Ansteckungsrisiko mit COVID-19 zu senken.

Doch wann, wie häufig und wie lange sollte man eigentlich lüften, welche Rolle spielen Raumgröße und Personenanzahl und inwiefern helfen Raumreiniger? Wir geben eine kurze Anleitung zum richtigen Lüften in Zeiten von Corona.

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Allgemeine Tipps zum richtigen Lüften

Frau öffnet Fenster zum Lüften © iStock.com/Jun
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Unabhängig von Räumlichkeiten, Aktivität und Personenanzahl sind ein paar generelle Regelungen zum richtigen Lüften zu beachten: 

  • Man sollte immer direkt lüften, nachdem einer der Anwesenden gehustet oder geniest hat.
  • Ein gekipptes Fenster reicht nicht aus. Stattdessen sollte man das Fenster weit öffnen. Dies ist das sogenannte Stoßlüften.
  • Im Idealfall sollte zusätzlich quer gelüftet werden, indem man durch das Öffnen mehrerer sich gegenüberliegender Fenster oder Türen einen Durchzug erzeugt. So wird verbrauchte Luft am schnellsten ausgetauscht.
  • Da die Nähe zu einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person bei der Ansteckung eine Rolle spielt, sollte die Einhaltung der Mindestabstände trotz regelmäßigen Lüftens immer gewährleistet sein, beispielsweise auch bei Familienfeiern oder im Büro.

Zu Hause richtig lüften

Frau lüftet zu Hause bei offenem Fenster © iStock.com/ianmcdonnell
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In einer Wohnung mit einer für die Bewohnerzahl typischen Größe sollte ohne Besucher jede Stunde für circa 10 bis 15 Minuten mit weit geöffnetem Fenster gelüftet werden. Optimal ist es, durch das Öffnen mehrerer Fenster oder Türen einen Durchzug zu erzeugen (Querlüften). Herrschen im Winter große Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen, genügen auch fünf Minuten Lüften.

Haben Sie Besuch, sollte während des gesamten Zeitraums mit weit offenem Fenster gelüftet werden.

Lüften beim Sport

Frau lüftet beim Sport © iStock.com/DjordjeDjurdjevic
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Bei körperlicher Betätigung ist die Atemfrequenz erhöht. Das bedeutet, dass von einer infizierten Person in kürzerer Zeit mehr Viren mit der Atemluft ausgestoßen werden. Durch die sportliche Aktivität von Personen im Raum wird zudem die Luft bewegt, wodurch sich Aerosole schneller verteilen können.

Wird in einem Raum Sport getrieben, sollte deshalb etwa fünfmal pro Stunde für etwa 10 Minuten gelüftet werden. Besser ist es, durchgängig zu lüften. Ist man stark geschwitzt, sollte man jedoch die Entstehung eines kalten Durchzugs vermeiden, um sich nicht zu erkälten.

Lüften in Unterrichtsräumen

Lehrerin lüftet im Unterricht wegen Corona © iStock.com/Drazen_
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Bei üblicher Klassenraumgröße (etwa 60 Quadratmeter) und Schüleranzahl (20 bis 30 Schüler pro Klasse) sollte mindestens nach jeder Unterrichtsstunde für mindestens zehn Minuten mit weit geöffneten Fenstern gelüftet werden. Beträgt die Pause nach einer Schulstunde nur fünf Minuten, sollte man auch während des Unterrichts lüften. Gehen die Türen des Klassenraums zu einem Raum ohne Fenster, wie beispielsweise einem innenliegenden Flur, sollten sie lieber geschlossen gehalten werden, da sich Aerosole sonst dort verteilen können.

Lüften im Büro

Mann lüftet im Büro wegen Corona © iStock.com/AndreyPopov
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Auch im Büro gilt: Regelmäßiges Lüften ist das A und O. Mindestens einmal pro Stunde sollte für 10 bis 15 Minuten stoß-, im Idealfall auch quergelüftet werden. Je mehr Personen dabei in einem Raum sitzen und je kleiner dieser Raum ist, desto häufiger sollte gelüftet werden. Gerade im Winter ist das Temperaturempfinden von einzelnen Teammitgliedern jedoch oft sehr unterschiedlich – ist dem einen bei geöffnetem Fenster noch warm, friert der andere bereits. CO2-Messgeräte können in diesem Fall dabei helfen, regelmäßige Zeiträume für das Lüften festzulegen.

CO2-Messgeräte

CO2-Messgerät © iStock.com/Daisy-Daisy
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CO2-Messgeräte beziehungsweise CO2-Ampeln messen mithilfe von Sensoren die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Raumluft. Angegeben wird der CO2-Gehalt in ppm. Die Einheit ppm steht dabei für "parts per million" oder auf Deutsch "Anteile pro Million". Das bedeuten die verschiedenen Ampelfarben:

  • Ist die CO2-Ampel grün, entspricht dies in der Regel einem Wert von unter 1.000 ppm.
  • Gelb signalisiert einen Wert zwischen 1.000 und 2.000 ppm.
  • Ist die CO2-Ampel rot, liegt der C02-Gehalt in der Luft bei mindestens 2.000 ppm. Spätestens dann sollte gelüftet werden.

CO2-Messgeräte können so helfen, ein richtiges Lüftungsverhalten zu trainieren.

Raumluftreiniger

Raumluftreiniger im Büro wegen Corona © iStock.com/Jomkwan
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Der Nutzen von Raumluftreinigern wird im Rahmen der Corona-Pandemie immer wieder diskutiert. Bestimmte Luftreiniger können tatsächlich dazu beitragen, Viren wie SARS-CoV-2 aus der Luft zu filtern. Dazu gehören Raumluftreiniger mit sogenannten High Efficiency Particulate Air (HEPA)-Filtern der Klasse H13 oder H14. Raumluftreiniger sollten jedoch nur zusätzlich zum regelmäßigen Lüften und nicht als Ersatz verwendet werden, da ihre Leistung stark von einer exakten Platzierung, der Luftströmung im Raum und der Anzahl der anwesenden Personen abhängt.

Klimaanlagen

Mann repariert Klimaanlage © iStock.com/sturti
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Klimaanlagen, die über eine Frischluftzufuhr verfügen, verringern die Viruslast in Innenräumen. Laufen die Anlagen jedoch nur im Umluftbetrieb, wird die im Raum vorhandene Luft lediglich abgekühlt und nicht ausgetauscht. Stattdessen wird die Raumluft herumgewirbelt, weshalb solche Klimaanlagen sogar dazu beitragen können, das Ansteckungsrisiko zu erhöhen, wie eine chinesische Studie herausfand. Klimaanlagen mit Umluftfunktion sollten deshalb zumindest über High Efficiency Particulate Air (HEPA)-Filter der Klasse H13 oder H1 verfügen, um Viren aus der Luft filtern zu können.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass Klimaanlagen in Deutschland meist über eine Frischluftzufuhr verfügen, da die Installation von Klimaanlagen ohne diese Funktion hierzulande eher unüblich ist.

Daneben besteht mitunter auch die Möglichkeit, Klimaanlagen so nachzurüsten, dass diese eine luftreinigende Wirkung haben. So werden beispielsweise die Lüftungsanlagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt Hanau mit UV-Strahlern (ultraviolettem Licht) versehen. Das UV-Licht kann Bakterien und Viren wie das Coronavirus unschädlich machen.

Besser ist jedoch regelmäßiges Lüften, wenn die Möglichkeit besteht.

Während des Lüftens warm anziehen

Frau zieht sich warm an wegen lüften © iStock.com/Martin Dimitrov
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Ist es draußen kalt, kann die Temperatur auch in Innenräumen beim Lüften stark runtergehen. Zwar löst Kälte allein keine Erkrankungen aus, ist das Immunsystem aber bereits geschwächt, kann Frieren die Anfälligkeit gegenüber Viren begünstigen. Deshalb gilt: Warm anziehen und im Zweifelsfall die Winterjacke noch einmal überstreifen oder sich eine Decke umlegen.

Aktualisiert: 05.05.2021 - Autor: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin