Corona-Impfstoff: Aktueller Stand der rasanten Entwicklungen

Forschung für Impfung gegen Coronavirus © iStock.com/Ca-ssis

Weltweit wird auf Hochtouren an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus gearbeitet, derzeit wird an 212 Kandidaten gearbeitet. Insgesamt werden momentan 48 potenzielle Impfstoffe bereits im Rahmen von Studien am Menschen getestet. Inzwischen gibt es vielversprechende Ergebnisse und einen ersten Antrag auf Notfallzulassung in den USA.

Dezember 2020: Erste EMA-Zulassung beantragt und Notfallzulassung in Großbritannien

Am 1. Dezember haben die Unternehmen BioNTech und Moderna unabhängig voneinander Anträge zur Zulassung ihrer mRNA-Impfstoffe bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eingereicht. Sitzungen des dazugehörigen Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) sind für spätestens Ende Dezember (BioNTech) beziehungsweise Mitte Januar (Moderna) geplant. Nach der Prüfung wird die EU-Kommission anhand der Empfehlung des CHMP innerhalb weniger Tage über die letztendliche Zulassung entscheiden.

In Großbritannien haben die zuständigen Gesundheitsbehörden Anfang Dezember für den mRNA-Impfstoff der Firma BioNTech eine Notfallzulassung erteilt. Dort soll nach Plänen des Gesundheitsministeriums zeitnah mit ersten Impfungen begonnen werden.

November 2020: Impfstoffe zeigen Wirkung und Notfallzulassung beantragt

Der Hersteller Biontech aus Mainz hat am 09. November 2020 mitgeteilt, dass sein mit Pfizer gemeinsam entwickelter Impfstoff einen Schutz von über 90 Prozent gegenüber einer Corona-Infektion erzielen soll. Am 18. November 2020 melden Biontech und Pfizer den nächsten Erfolg: Nach Abschluss ihrer Phase-3-Studie zeige der Impfstoff einen Schutz von 95 Prozent. Auch bei Menschen über 65 Jahre erziele der Impfstoff eine Wirkung zu mehr als 94 Prozent. Auch zur Sicherheit des potenziellen Wirkstoffs haben die Unternehmen positive Daten veröffentlicht. Für eine mögliche Notfallzulassung in den USA hat der Impfstoff damit entscheidende Hürden genommen, ein entsprechender Antrag wurde am 20.11.2020 bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA eingereicht. Zudem sollen die Daten weltweit Regulierungsbehörden vorgelegt werden.

Mit dem US-Konzern Moderna hat am 16. November 2020 der nächste Pharmahersteller positive Ergebnisse zu seinen laufenden Studien vorgelegt: Laut Aussage von Moderna soll ihr Impfstoff eine Wirksamkeit von über 94 Prozent haben. Auch diese Ergebnisse sind für Europa relevant, da die EU-Kommission mit dem Hersteller über die Lieferung von Impfdosen verhandelt.

August 2020: Russischer Impfstoff zugelassen?

Am 11. August 2020 verkündete Russlands Staatschef, dass in Russland der weltweit erste Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen worden sei. Sputnik V oder Gam-COVID-Vac, wie der Impfstoff offiziell heißt, ist allerdings nur registriert und nicht zugelassen worden und muss erst weiter an Menschen getestet werden. In Russland gibt es die Möglichkeit einer Notfallzulassung seit April 2020. Der Impfstoff ist eine Prime-Boost-Immunisierung, bei der am Tag 1 mit der ersten Komponente und am Tag 21 mit der zweiten Komponente geimpft wird. Verlaufen die Tests gut, soll er ab 01. Januar 2021 in Russland "in den zivilen Verkehr" eingeführt werden.

Juli 2020: Zwei Impfstoffe zeigen Immunantwort

Am 20.07.2020 veröffentlichte die Fachzeitschrift "The Lancet" die bisher vielversprechendsten Ergebnisse zum Stand der Erforschung potentieller Impfstoffe gegen das Coronavirus: Zwei Wirkstoffe werden den Berichten zufolge als gut verträglich bewertet und lösen die Bildung von Antikörpern aus, die zu einer Immunität gegen COVID-19 führen.

Einer der Impfstoffe kommt aus Großbritannien, wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt und bereits an mehr als 1.000 Personen getestet. Die Wissenschaftler beobachteten gleich eine zweifache Immunantwort: Der Impfstoff regt das Immunsystem nämlich nicht nur zur Bildung spezifischer Antikörper an, sondern führt auch zur Produktion von T-Zellen, die eine wichtige Rolle im menschlichen Immunsystem spielen. Der Wirkstoff soll im nächsten Schritt an circa 30.000 Probanden in den USA weiter erprobt werden.

Auch der zweite Impfstoff, entwickelt in China mit dem Biotechunternehmen CanSino Biologics, wird von Wissenschaftlern als vielversprechend bewertet. Allerdings stehen noch weitere Studien aus, um zu bestätigen, dass der Wirkstoff eine Infektion mit dem Coronavirus tatsächlich verhindern kann.

Juni 2020: Zweiter Impfstoff für klinische Tests zugelassen

Das deutsche Biotechunternehmen CureVac aus Tübingen hat im Juni 2020 ebenfalls die Zulassung erhalten, ihren potentiellen Impfstoff gegen das Coronavirus in Deutschland am Menschen zu testen.

Falls die Studienergebnisse positiv ausfallen, könnte die vorbeugende Impfung gegen COVID-19 laut dem Unternehmen eventuell sogar noch in diesem Jahr für die breite Bevölkerung verfügbar sein.

April 2020: Erster klinischer Test mit Coronavirus-Impfstoff in Deutschland

Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen BioNTech erhielt am 22.04.2020 vom bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Erlaubnis für den ersten klinischen Test eines Impfstoffes gegen das Coronavirus in Deutschland. Demnach wird das Unternehmen vier verschiedene Varianten eines Impfstoff-Kandidaten an 200 Studienteilnehmern testen. So soll geprüft werden, ob der auf der RNA-Technologie basierende potenzielle Impfstoff verträglich ist und zu einer Immunantwort der Probanden führt.

Erste Daten und Erkenntnisse zum Test sollen Ende Juni oder Anfang Juli vorliegen – fallen diese positiv aus, könnten laut PEI womöglich bereits in diesem Jahr größere klinische Prüfungen mit tausenden oder zehntausenden Teilnehmern starten.

Suche nach Coronavirus-Impfung beschleunigt

Auf der Suche nach einer Impfung gegen das Coronavirus werden schnelle Fortschritte verzeichnet. Für die Entwicklung eines Impfstoffes werden im Normalfall etwa 15 bis 20 Jahre eingeplant, was auch an den strengen Regelungen und Anforderungen liegt, die Wissenschaftler und Unternehmen dabei einhalten müssen. Folgende Phasen müssen durchlaufen werden, bevor ein Impfstoff zugelassen werden darf:

  • Phase 1: Untersuchung des Virus
  • Phase 2: Entwicklung des Impfstoffes
  • Phase 3: Test auf Wirksamkeit und Verträglichkeit an Tieren
  • Phase 4: lange Testung an freiwilligen Studienteilnehmern
  • Phase 5: Durchlaufen des Zulassungsverfahrens
  • Phase 6: Produktion

Da die Coronavirus-Pandemie die gesamte Welt in Atem hält, wurden die Regularien ein Stück weit gelockert, um möglichst schnell einen Impfstoff zur Verfügung zu haben und Menschenleben zu retten. Einige Unternehmen befinden sich deshalb bereits in Phase vier.

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Tuberkulose-Impfung gibt Hoffnung im Kampf gegen COVID-19

Das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin sieht außerdem den Impfstoff VPM1002, der eigentlich Tuberkulose vorbeugt, als eine weitere Möglichkeit im Kampf gegen das Coronavirus. Die Wissenschaftler fanden in Studien an Mäusen heraus, dass der Wirkstoff nicht nur gegen die durch Bakterien ausgelöste Tuberkulose wirksam ist, sondern auch die Viruslast im Blut verringert. Mit VPM1002 geimpfte Tiere zeigten bei virusbedingten Atemwegsinfektionen weniger Lungenschädigungen.

Die Hoffnung ist deshalb groß, dass der Impfstoff auch beim Menschen schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 entgegenwirken könnte. Auch, wenn VPM1002 einer Infektion mit dem Coronavirus nicht vorbeugen können wird, sehen Virologen im Tuberkulose-Impfstoff die Chance, die Todesrate durch COVID-19 möglichst gering zu halten, bis es einen Impfstoff gibt, der spezifisch gegen COVID-19 wirkt.

Derzeit wird alles Nötige in die Wege geleitet, um den Impfstoff auf seine Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 in einer Phase-III-Studie in Deutschland testen zu lassen. Testpersonen sollen vor allem ältere Menschen sein, da ein hohes Alter einer der Risikofaktoren ist, die einen besonders schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 begünstigen. Auch Beschäftigte des Gesundheitswesens sollen an der Studie teilnehmen, da diese einer größeren Gefahr ausgesetzt sind, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Der Impfstoff könnte in relativ kurzer Zeit für Millionen von Menschen hergestellt werden. Falls die Ergebnisse aus den Tests am Menschen wie erhofft verlaufen, könnte VPM1002 bis zur Entwicklung eines anderen Impfstoffes deshalb viele Menschenleben retten.

Impfstoff-Entwicklung durch ältere Coronaviren beschleunigt

Die schnellen Fortschritte bei der Suche nach einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 sind früheren Forschungen mit anderen Coronaviren zu verdanken. Denn das 2019 auf den Menschen übertragene Sars-CoV-2 ähnelt in seiner Struktur auch den Coronaviren SARS-CoV-1 und MERS-CoV.

  • SARS-CoV-1 breitete sich Ende 2002 aus und führte zu einer Pandemie. Die daraufhin 22 gestarteten Forschungsprojekte wurden allerdings frühzeitig beendet, da das Virus wieder verschwand.
  • MERS-CoV wurde 2012 von Kamelen auf den Menschen übertragen und löst seitdem schwere Lungenkrankheiten mit oft tödlichem Verlauf aus. Trotz intensiver Forschungen steht bislang kein Impfstoff gegen diese Art des Coronavirus bereit.

Aus den bisherigen Studien an SARS und MERS beschleunigen aber zumindest einige Erkenntnisse die Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS-CoV-2.

Verschiedene Ansätze und Arten von Impfungen gegen SARS-CoV-2

In der Impfstoff-Forschung gibt es verschiedene Ansätze. Auf der Suche nach einem passenden Impfstoff gegen SARS-CoV-2 stehen vor allem folgende im Fokus:

  • Lebendimpfstoffe mit Vektorviren: Bei Vektorviren handelt es sich um für den Menschen harmlose Viren. Diese werden von Wissenschaftlern so modifiziert, dass ihre Oberflächenstruktur dem SARS-CoV-2-Virus sehr ähnlich ist. Damit wird dem Organismus eine Infektion vorgetäuscht, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregt. Virologen erhoffen sich, dass dadurch ein Immunschutz aufgebaut wird, der dann künftig auch vor einer echten Infektion mit dem SARS-CoV-2 schützt.

  • Totimpfstoffe: Sie enthalten Proteine des Virus gegen das sie schützen sollen. Bei dieser Art von Impfstoffen macht der Organismus quasi auch eine sehr stark abgeschwächte Form der Erkrankung durch, weshalb Antikörper aufgebaut werden.

  • Genbasierte Impfstoffe: Diese neuartigen Impfstoffe enthalten künstlich hergestellte Bausteine der Gene eines Virus (RNA-Impfstoffe). Sie sollen den Körper dazu anregen, selbst das Virus in einer unschädlichen Form herzustellen und so eine Immunisierung zu provozieren. Der Vorteil eines genbasierten Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 wäre, dass Impfdosen sehr schnell für die breite Bevölkerung produziert werden könnten und so einer weiteren Ausbreitung möglichst schnell entgegengewirkt werden könnte. Allerdings gibt es bislang noch gegen keinen Erreger eine wirksame und verträgliche Impfung, die auf diesem Verfahren beruht.

Quellen

Aktualisiert: 02.12.2020 - Autoren: Annika Lutter, Medizinredakteurin | Miriam Funk, Medizinredakteurin und Physiotherapeutin | Dagmar Schüller, Medizinredakteurin und Dipl.-Trophologin

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