Johnson & Johnson: Was ist anders an dem Corona-Impfstoff?

Impfstoff Johnson & Johnson
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Mit dem Impfstoff des US-amerikanischen Pharmaunternehmens Johnson & Johnson (Janssen-Cilag) wurde ein vierter Impfstoff gegen das Coronavirus in der Europäischen Union (EU) zugelassen. Der Vektorimpfstoff konnte zu Beginn mit einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal punkten: Um einen ausreichenden Infektionsschutz zu gewährleisten, sollte nur eine Dosis nötig sein. Doch mittlerweile deuten Studien darauf hin, dass eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff ratsam ist. Wie wirksam ist der Impfstoff von Johnson & Johnson, wie wirkt er, welche Nebenwirkungen sind möglich und welche Vor- und Nachteile bietet er gegenüber anderen Vakzinen?

Johnson & Johnson – was ist das für ein Impfstoff?

Der Impfstoff von Johnson & Johnson, der den offiziellen Namen Ad26.COV2.S oder auch den Handelsnamen COVID-19 Vaccine Janssen® trägt, ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Das heißt, eine bestimmte Information aus dem "Bauplan" des Coronavirus wird in Form von DNA über die Hülle eines ungefährlichen Virus, des sogenannten Vektors, in die Zellen transportiert. Der Impfstoff von Johnson & Johnson nutzt dafür die Hülle des Adenovirus Ad26.

Ähnlich wie bei den anderen zugelassenen Impfstoffen enthält diese Hülle den Bauplan für das sogenannte Spike-Protein, das für sich betrachtet harmlos ist, mit dem das Coronavirus aber an menschliche Zellen andockt. Dieses Protein ist es, gegen das der Körper mit der Impfung einen Immunschutz aufbaut. Im Falle einer späteren Ansteckung mit SARS-CoV-2 erkennt das Immunsystem das Spike-Protein wieder und kann es gezielt bekämpfen.

Wie hoch ist die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes?

Die Zulassungsstudie zur Wirksamkeit des Impfstoffes von Johnson & Johnson umfasste knapp 40.000 Personen. Diese stammten aus den USA, Lateinamerika sowie Südafrika. Von den Teilnehmenden erhielt jeweils die Hälfte den Corona-Impfstoff, die andere ein Placebo.

Die Studienergebnisse zeigten für den Impfstoff eine Wirksamkeit von 67 Prozent gegen mittelschwere bis schwere Verläufe sowie von 77 bis 85 Prozent gegen lebensgefährliche Verläufe. Der vollständige Schutz war dabei 28 Tage nach der Impfung gegeben. In der Testgruppe, die das Vakzin erhalten hatte, gab es keine Todesfälle durch COVID-19, der Impfstoff scheint in dieser Hinsicht also sehr gut zu schützen.

Aktuell gibt das Robert Koch-Institut den Schutz vor einer Infektion mit COVID-19 durch das Vakzin mit 65 Prozent an. Vor einem schweren Verlauf mit Behandlung im Krankenhaus schütze der Impfstoff zu 100 Prozent. Diese Zahlen gelten jedoch nicht für Infektionen mit der Delta- oder Omikron-Variante des Coronavirus.

Die Impfung reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung deutlich, jedoch nicht zu 100 Prozent. So können sich auch geimpfte Menschen in seltenen Fällen mit dem Coronavirus infizieren und dieses auch weitergeben. Eine Erkrankung verläuft im Falle einer Infektion trotz Impfung jedoch in der Regel mild oder symptomlos.

Wie hoch ist die Wirksamkeit bei Älteren?

19,5 Prozent derjenigen, die an der Studie zur Wirksamkeit teilgenommen haben, waren mindestens 65 Jahre alt, 3,7 Prozent sogar 75 Jahre alt oder älter. Die Wirksamkeit war bei diesen älteren Personen genauso hoch wie bei der restlichen Gruppe. Lediglich bei der Gruppe der über 60-Jährigen mit zusätzlich bestehenden Erkrankungen (Komorbidität) kam es zu einer leicht verringerten Wirksamkeit. Schwere Verläufe von COVID-19 wurden jedoch auch bei diesen Teilnehmenden nicht beobachtet.

Aufgrund der niedrigen Teilnehmerzahl der über 75-Jährigen wurden die entsprechenden Daten laut der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA damals jedoch nur als begrenzt aussagekräftig eingestuft.

Nach aktuellem Erkenntnisstand geht man für alle Altersgruppen von der gleichen Wirksamkeit aus.

Wirkt der Impfstoff von Johnson & Johnson auch bei Mutationen?

Hinsichtlich der Alpha-, Beta- und Gamma-Variante ist die Wirksamkeit des Impfstoffes von Johnson & Johnson nach aktuellem Kenntnisstand nur geringfügig verringert.

Daten zur Wirksamkeit bei der Delta-Variante waren zunächst uneinheitlich: Laut Untersuchungsergebnissen von Janssen-Cilag schütze eine Impfung mit dem Vakzin auch bei einer Infektion mit der Delta-Mutation zu 77 bis 85 Prozent vor schweren Verläufen. Im Rahmen einer Studie der Grossman School of Medicine in New York wurde jedoch bei der Delta-Variante ein deutlich niedrigerer Antikörpertiter und damit eine verringerte Wirksamkeit festgestellt. Beide Studien hatten jedoch nur eine geringe Aussagekraft, da in ihrem Rahmen sehr wenige Proband*innen (acht beziehungsweise zehn Teilnehmende) untersucht wurden.

Mittlerweile geht man jedoch davon aus, dass die Schutzwirkung gegen die Delta-Variante verringert ist. Kommt es zu einer Infektion mit dieser Mutation, liegt die Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson laut Robert Koch-Institut bei 70 Prozent. Zudem kommt es nach der einmaligen Impfung häufiger zu sogenannten Impfdurchbrüchen. Es wird daher zeitnah (ab vier Wochen nach der Impfung) zu einer Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff geraten.

Mit Blick auf die hochansteckende Omikron-Variante bietet eine einmalige Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson laut ersten Studienergebnissen kaum einen Schutz vor COVID-19. Bei der Untersuchung von 169 Plasmaproben von Personen, die einmal den Impfstoff erhalten hatten, konnten keine neutralisierenden Antikörper gegen Omikron festgestellt werden. Eine Zweit- und Drittimpfung mit einem mRNA-Impfstoff wird daher aktuell empfohlen.

 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu anderen Impfstoffen

Im Vergleich zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca gibt es bei dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson einige Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

Funktionsweise

Beim Impfstoff von Johnson & Johnson handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Genauso wie der Impfstoff von AstraZeneca nutzt er ein Adenovirus als Transporthülle für den Bauplan des Spike-Proteins. Johnson & Johnson verwendet das Adenovirus Ad26, welches auch Bestandteil der ersten Impfdosis des russischen Impfstoffes Sputnik V ist. AstraZeneca nutzt hingegen das Adenovirus ChAdOx1.

Die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer nutzen als Transportmittel kein Virus, sondern eine Hülle aus Fetten (Lipiden). Der Bauplan für das Spike-Protein liegt nicht als DNA, sondern in Form von mRNA ("Boten-Ribonukleinsäure") vor.

Verabreichung

Hier gibt es wohl den größten Unterschied zu allen bisher zugelassenen Impfstoffen: Der Impfstoff von Johnson & Johnson muss nicht zweimal, sondern nur einmal injiziert werden. Auch beim AstraZeneca-Impfstoff bestand vor Beginn der Studienphase die Überlegung, den Impfstoff für die einmalige Verabreichung zu testen, das Unternehmen versprach sich von der zweimaligen Impfung jedoch eine höhere Wirksamkeit.

Die einmalige Impfung bietet sowohl den Vorteil, dass der Impfprozess schneller abgeschlossen werden kann als auch den, dass keine Impfdosen für eine zweite Impfung vorgehalten werden müssen. Somit können alle gelagerten Impfdosen verbraucht werden und der logistische und organisatorische Aufwand wird erheblich reduziert. Wie die anderen Impfstoffe auch wird das Vakzin von Johnson & Johnson in den Muskel des Oberarms injiziert.

Lagerung

Ebenso wie der Impfstoff von AstraZeneca kann das Vakzin von Johnson & Johnson bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden. mRNA-Impfstoffe lassen sich dagegen über einen längeren Zeitraum nur in pharmazeutischen Kühlgeräten bei einer deutlich niedrigeren Temperatur lagern.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit des Johnson & Johnson Vakzins wird mit 67 Prozent für mittelschwere bis schwere Verläufe sowie mit 85 Prozent für lebensbedrohliche Verläufe angegeben. Die durchschnittliche Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna liegt bei 95 beziehungsweise 94,5 Prozent. Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca verfügt laut Hersteller über eine Wirksamkeit von 70 Prozent, die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) nennt 60 Prozent. Neuere Studien deuten jedoch auf eine höhere Wirksamkeit dieses Impfstoffes hin.

Die Wirksamkeit zum Schutz vor lebensbedrohlichen Verläufen ist damit beim Impfstoff von Johnson & Johnson etwas niedriger angesetzt als bei den anderen Vakzinen. Die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca bieten hier laut Studien eine Wirksamkeit von 100 Prozent.

Die Wirksamkeit gegenüber der Delta- und Omikron-Variante des Coronavirus ist zudem im Vergleich zu mRNA-Impfstoffen herabgesetzt.

Johnson & Johnson: Welche Nebenwirkungen gibt es?

Ähnlich wie bei den bisher zugelassenen Impfstoffen konnten auch bei dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson bisher moderate Nebenwirkungen beobachtet werden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren:

Diese Nebenwirkungen waren in der Regel nur leicht oder mittelschwer. Bei den Teilnehmenden über 60 Jahren traten weniger häufig Nebenwirkungen auf. Starke allergische Reaktionen nach der Impfung traten in sehr seltenen Fällen auf.

Nach Bekanntwerden von einigen Thrombosefällen, die nach der Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson in den USA aufgetreten sind, hat die EMA den Impfstoff erneut geprüft. Nach Abschluss der Prüfung wurde der Impfstoff für die Verwendung in der EU freigegeben. Laut den Expert*innen der EMA können zwar Sinusvenenthrombosen als sehr seltene Nebenwirkung des Impfstoffes auftreten, der Nutzen der Impfung überwiege aber die Risiken. Ähnlich wie beim Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung mit Johnson & Johnson jedoch für über 60-Jährige.

Da ein Zusammenhang der Impfung mit dem Auftreten des Guil­lain-Barré-Syndroms möglich ist, wurde die Nervenerkrankung in die Liste der sehr seltenen Nebenwirkungen aufgenommen. Symptome der neurologischen Erkrankungen sind unter anderem Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle. Nach aktuellem Kenntnisstand trat das Syndrom infolge der Impfung bei weniger als 0,01 Prozent der geimpften Personen auf.

Im Januar 2022 berichtete die EMA zudem über Fälle von Transverser Myelitis (TM), die wohl als sehr seltene Nebenwirkung nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson auftreten kann. Die neurologische Erkrankung kann unter anderem Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Störungen der Blasen- und Darmfunktion auslösen.

Für wen ist der Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen?

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA hat am 11. März 2021 eine Empfehlung für die bedingte Zulassung des Impfstoffes in der EU ausgesprochen. Die EU-Kommission ist dieser Empfehlung gefolgt. Die Zulassung gilt für Personen ab 18 Jahren. In Deutschland wird der Impfstoff für Personen ab 60 Jahren empfohlen. Interessierte unter 60 können sich nach ärztlicher Aufklärung aber ebenfalls mit dem Vakzin impfen lassen. Eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff ist vier Wochen nach erfolgter Impfung möglich.

Zweit- und Drittimpfung

Neuere Studien zeigen, dass eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff dazu beitragen kann, den Impfschutz erheblich zu verbessern. Seit Oktober 2021 empfiehlt das Gesundheitsministerium daher frühestens vier Wochen nach der einmaligen Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson eine Boosterimpfung für eine optimierte Grundimmunisierung. Diese soll mit den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer oder Moderna erfolgen.

Mit dem Auftreten der Omikron-Variante hat diese Empfehlung nochmal an Dringlichkeit zugenommen, da die Einmalimpfung von Johnson & Johnson laut ersten Studienergebnissen bei der Omikron-Variante keinen nennenswerten Schutz vor COVID-19 bietet. . Am 15. Januar 2022 hat der Bund im Rahmen der Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung die Kriterien für den Impfstatuts entsprechend angepasst. Als vollständig geimpft gilt eine Person jetzt nur, wenn sie eine Zweitimpfung erhalten hat. Empfohlen werden dafür mRNA-Impfstoffe. Drei Monate nach der zweiten Impfung soll dann eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen – erst dann gilt man als geboostert.

In den Bundesländern gelten zum Teil Übergangsfristen. Danach gilt man als geboosterten Personen gleichgestellt, wenn die Zweitimpfung mehr als zwei Wochen aber weniger als 90 Tage zurückliegt.

Quellen

Aktualisiert: 24.02.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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