Corona: Medikamente & Behandlung bei COVID-19

Behandlung eines Corona-Patienten
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Auch wenn es bisher noch kein "Corona-Medikament" speziell für die Behandlung von COVID-19 zugelassen wurde, läuft die entsprechende Forschung auf Hochtouren. Dabei müssen die Medikamente je nach Krankheitsverlauf eine unterschiedliche Wirkung zeigen. Bei schweren Verläufen erfolgt die symptomatische Behandlung von COVID-19 weiterhin im Krankenhaus. Das medizinische Personal muss für eventuelle Komplikationen gewappnet sein, um etwa im Falle von Lungenversagen schnell eingreifen zu können. Wie erfolgt die Behandlung einer Corona-Infektion, welche Medikamente werden im Rahmen der Therapie eingesetzt und welche befinden sich in der Erprobung?

Symptomatische Therapie bei mildem Verlauf

Da bislang noch keine zugelassenen Corona-Medikamente existieren, die COVID-19 heilen könnten, steht bei der Therapie der Erkrankung nach wie vor die Linderung der Symptome im Vordergrund. Dazu gehört etwa, den typischerweise trockenen Husten zu stillen oder Fieber zu senken. Zusätzlich sollen antivirale Medikamente die Vermehrung des Virus im Körper hemmen.

Corona: Behandlung zu Hause

Äußert sich COVID-19 nur durch leichte Symptome, können Betroffene normalerweise zu Hause bleiben und sich dort in häuslicher Quarantäne auskurieren. Hier hilft es, viel zu trinken und sich ausreichend Ruhe zu gönnen. Zusätzlich können die Symptome der Erkrankung, wie leichtes Fieber, Kopfschmerzen oder leichter Husten, mit passenden Medikamenten aus der Hausapotheke behandelt werden. Verschlimmern sich die Symptome und tritt beispielsweise Atemnot auf, sollte aber in jedem Fall ärztlicher Rat gesucht werden.

Auch wenn man nicht im Krankenhaus behandelt werden muss und sich zu Hause auskurieren kann, sollte man den Kontakt zu anderen Menschen strikt meiden und, wenn möglich, getrennt von den anderen Personen im Haushalt in einem separaten Zimmer untergebracht sein. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Personen aus Risikogruppen im selben Haushalt leben.

Bei Kontakt zu anderen Personen im Haushalt sollten die Mindestabstände eingehalten und ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Auch regelmäßiges und gründliches Lüften ist sinnvoll.

Ansonsten sollten alle üblichen Hygieneregeln, wie regelmäßiges Händewaschen oder die Husten- und Niesetikette, eingehalten werden. Auch wenn die Kontaktpersonen im Haushalt geimpft sind, ist eine Infektion mit dem Coronavirus nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen, sodass diese Regeln weiterhin beherzigt werden sollten.

Behandlung im Krankenhaus

Je nach Schweregrad der Symptomatik kann auch eine stationäre Behandlung im Krankenhaus angezeigt sein. Bei komplizierten Verläufen von COVID-19 ist das medizinische Personal besonders gefordert, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und nach Bedarf rechtzeitig einzugreifen.

Intensivmedizinische Maßnahmen inklusive einer Beatmung der erkrankten Person können innerhalb kürzester Zeit notwendig werden, etwa wenn das Coronavirus die tiefliegenden Atemwege infiziert hat. In den allermeisten Fällen führt das Auftreten von Atemnot (Dyspnoe) sowie einer erhöhten Atemfrequenz zu einer Einweisung auf die Intensivstation.

Beatmung bei COVID-19

Ist der Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut zu niedrig (Hypoxämie), gilt die Person als sauerstoffpflichtig. Dann wird zunächst Sauerstoff, beispielsweise über eine Nasensonde oder Sauerstoffmaske, gegeben. Meist kommt die sogenannte High-Flow-Sauerstofftherapie mit Verwendung eines gewärmten und angefeuchteten Sauerstoff-Gas-Gemisches zum Einsatz.

Verschlechtert sich der Zustand der betroffenen Person, muss gegebenenfalls invasiv beatmet werden (Intubation). Dabei wird die infizierte Person über einen Tubus, also einen Schlauch, mechanisch beatmet. Dieser wird über den Mund, die Nase oder über einen Schnitt direkt in die Luftröhre eingesetzt. Die Behandlung wird nur im Notfall angewendet, da diese Therapieform für Betroffene eine große psychische und physische Belastung darstellt. Auch kommt es häufig zu Komplikationen, wie Atemwegsinfektionen, Sprech- oder Schluckstörungen.

Ersten Studienergebnissen zufolge soll die Behandlung von nicht-invasiv beatmeten Betroffenen in Bauchlage das Risiko einer späteren Intubation senken.

Weitere Komplikationen einer Corona-Infektion

Neben der Lunge können auch andere Organe, wie Nieren, das Nervensystem oder das Herz, durch das Coronavirus befallen werden. Weitere mögliche Komplikationen sind unter anderem Thrombosen, Lungenembolien oder den gesamten Organismus betreffende Entzündungsreaktionen, die durch eine überschießende Immunreaktion ausgelöst werden (Hyperinflammationssyndrom). Die Behandlung im Krankenhaus muss dann jeweils an die auftretenden Symptome angepasst werden.

Isolation und Hygiene bei der Behandlung von Coronavirus-Infizierten

Die Coronavirus-Pandemie stellt das gesamte Gesundheitswesen vor immense Herausforderungen. Das behandelnde Personal sollte speziell für die Viruserkrankung COVID-19 geschult sein und darf nur mit mehrlagigem medizinischem Mund-Nase-Schutz zu den Patient*innen . Erkrankte Personen werden in der Regel räumlich getrennt von anderen Patient*innen im Krankenhaus behandelt. Außerdem sollte das für COVID-19 eingesetzte ärztliche und pflegerische Personal möglichst keine Patient*innen mit anderen Erkrankungen behandeln.

Zugelassene Medikamente gegen Corona

Bisher wurden durch die Europäische Kommission zwei Wirkstoffe sowie zwei Antikörper-Präparate speziell für die Therapie von COVID-19 zugelassen. Dabei handelt es sich um die Wirkstoffe Remdesivir und Dexamethason sowie um die Antikörper-Mittel Ronapreve®und Regkirona®. Alle Mittel werden nach Feststellung einer Infektion unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt.

Remdesivir

Der RNA-Polymerasehemmer ist ein Wirkstoff, der ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt wurde, aber hierfür noch keine Zulassung hat. Remdesivir kann die Vermehrung des Coronavirus im Körper stoppen, indem der Wirkstoff die Polymerase, also ein Enzym, das für die Vermehrung des Erbguts von SARS-CoV-2 zuständig ist, hemmt. Es wirkt also antiviral.

Hat sich das Virus bereits im Körper ausgebreitet, hat Remdesivir keinen Einfluss mehr auf den Krankheitsverlauf oder die Sterblichkeit von Betroffenen. Nach aktueller Empfehlung sollte der Wirkstoff also möglichst früh nach Beginn der Symptome gegeben sowie nur bei Infizierten eingesetzt werden, die künstlich Sauerstoff erhalten, aber nicht invasiv beatmet werden müssen. Bei dieser Personengruppe kann Remdesivir die Heilung beschleunigen.

Dexamethason

Dexamethason ist ein künstliches Glukokortikoid. Das Steroidmedikament wirkt nicht antiviral, sondern zielt darauf ab, körpereigene Immunreaktionen abzuschwächen, also Entzündungsreaktionen zu bekämpfen. Dexamethason wird bei sauerstoffpflichtigen Infizierten eingesetzt, deren Krankheit schon länger als eine Woche besteht. Dann kann Dexamethason die Sterblichkeit reduzieren.

Für den Einsatz des Wirkstoffes in einer früheren Krankheitsphase gibt es keinen nachgewiesenen Nutzen.

Monoklonale Antikörper

In Deutschland wurden bisher zwei Antikörper-Mittel zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt. Es handelt sich dabei um die beiden US-amerikanischen Medikamente Bamlanivimab und REGN-COV2 (Ronapreve®), ein Kombinationspräparat, das sich aus den Antikörpern Casirivimab und Imdevimab zusammensetzt.

Die EU-Kommission hat im November 2021 auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sowohl Ronapreve® als auch das Antikörpermittel Regkirona® zur Behandlung von COVID-19 zugelassen. Letzteres enthält den Antikörper Regdanvimab und wird intravenös verabreicht, Ronapreve® intravenös oder als Injektion.

Die Wirkung von Antikörper-Medikamenten basiert auf nachgebauten Antikörpern, die das Spike-Protein des Coronavirus an sich binden und damit verhindern, dass dieses an Zellen andockt. Aufgrund dieser Wirkungsweise wird davon ausgegangen, dass monoklonale Antikörper in der Frühphase der Erkrankung am wirksamsten sind, da dann keine oder erst wenige Zellen durch das Virus befallen wurden. Darauf weisen auch bisherige Studienergebnisse hin. Vor oder bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen scheinen sich monoklonale Antikörper positiv auf das Ansteckungsrisiko oder den Krankheitsverlauf auszuwirken.

Aus diesem Grund werden monoklonale Antikörper bisher auch nur in der Frühphase einer Infektion mit SARS-CoV-2 und bei Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf eingesetzt. Die beiden zugelassenen Mittel werden bei Jugendlichen ab zwölf Jahren (Ronapreve®) beziehungsweise bei Erwachsenen (Regkirona®) angewendet. Muss bereits künstlich Sauerstoff zugeführt werden, werden beide Mittel nicht mehr eingesetzt.

Im Dezember 2021 wurde RoActemra® durch die Europäische Kommission zugelassen. Das Mittel enthält den monoklonalen Antikörper Tocilizumab. Dieser bindet an das Zytokin Interleukin-6, welches im Körper an Entzündungsprozessen beteiligt ist. RoActemra® wird in der Europäischen Union bereits zur Behandlung einiger Erkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis, eingesetzt. Es soll nun bei Corona-Patient*innen angewendet werden, die bereits künstlich beatmet werden müssen, um so die Sterblichkeit zu reduzieren.

Neue Corona-Medikamente Molnupiravir und Paxlovid?

Im Oktober 2021 gab die Europäische Arzneimittelagentur die Prüfung eines Corona-Medikaments der Firma Merck & Co. bekannt. Mittlerweile wurde die Anwendung von Molnupiravir durch die EMA für erwachsene Patient*innen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf empfohlen, die noch keine Sauerstofftherapie benötigen. Im November 2021 erhielt das Medikament eine Notfallzulassung in der Europäischen Union. Molnupiravir ist ein antivirales Medikament, das in Tablettenform verabreicht wird. Es soll das Eindringen der Viren in Körperzellen sowie deren Vermehrung im Körper verhindern. Laut Herstellern halbiert es bei infizierten Personen das Risiko einer stationären Behandlung sowie das Sterberisiko. Ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten, zeigt das Mittel keinen Effekt mehr.

Zudem prüft die EMA aktuell den Einsatz von Paxlovid als mögliches Corona-Medikament. Dieses soll die Vermehrung des Coronavirus im Körper hemmen und kann, ebenso wie Molnupiravir, oral eingenommen werden. Auch in Deutschland wird aktuell eine Notfallzulassung des Medikaments durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft. Sobald diese erfolgt ist, soll das Mittel zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden. In den USA hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA Paxlovid bereits im Dezember 2021 eine Notfallzulassung erteilt.

Andere Medikamente und Therapiemöglichkeiten

Neben den bereits zugelassenen Wirkstoffen gibt es auch einige andere Medikamente und Therapiemöglichkeiten, die zur Behandlung von COVID-19 dienen sollen. Im Folgenden werden sie genauer vorgestellt.

Ivermectin bei COVID-19?

Das Medikament Ivermectin wird eigentlich bei Wurmerkrankungen eingesetzt. In Lateinamerika und Asien findet es jedoch mitunter auch als Mittel gegen Corona-Infektionen Anwendung . Auch in den USA sorgte das Mittel für Aufsehen, als zahlreiche Menschen es zur Eigenbehandlung nutzten – teils mit gravierenden gesundheitlichen Folgen.

Kleinere Studien hatten scheinbar einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz des Medikaments und der Sterberate von Infizierten sowie auch der Verhinderung von Infektionen mit COVID-19 belegt. Diese Studien wiesen jedoch qualitative Mängel auf, etwa eine zu geringe Teilnehmerzahl oder fehlende Vergleiche mit anderen Therapiemethoden.

Umfassendere Studien zur Anwendung von Ivermectin stehen aktuell noch aus. Bis dahin wird von einer Behandlung von COVID-19 mit dem Medikament dringend abgeraten, zumal eine falsche Einnahme ohne ärztliche Anweisung schwere Nebenwirkungen nach sich ziehen kann.

Passiv-Impfung mit Antikörpern?

Auch eine Antikörper-Spritze zur Vorbeugung einer Corona-Infektion ist aktuell in der Erprobung. Eine solche passive Form der Immunisierung könnte beispielsweise bei Personen eingesetzt werden, die Immunsuppressiva einnehmen müssen und bei denen die Wirkung der bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe deshalb begrenzt ist.

Da die Antikörper nach und nach vom Körper wieder abgebaut werden, bieten Passiv-Impfungen allerdings nur zeitweise einen Schutz gegen das Coronavirus.

Immunserumtherapie mit Blutplasma

Eine weitere Möglichkeit, die auf einem ähnlichen Prinzip wie die Passiv-Impfung beruht, ist die Immunserumtherapie. Dabei wird COVID-19-Erkrankten antikörperreiches Blutplasma von bereits genesenen Betroffenen verabreicht. Dieses Blutplasma bezeichnet man als Rekonvaleszentenplasma (RKP).

Die Vermehrung des Virus soll durch die Gabe des Plasmas in einem möglichst frühen Stadium aufgehalten werden, um schwere Verläufe von COVID-19 zu verhindern.

Im Moment werden noch weiterreichende Studien zur Wirkung von Rekonvaleszenzenplasma bei COVID-19 durchgeführt. Nach Auswertung erster Ergebnisse rät die Weltgesundheitsorganisation aber aktuell von einer weitreichenden Anwendung der Immunserumtherapie bei Erkrankten mit leichten oder mittelschweren Verläufen ab. Grund sei, dass die Therapie bei diesen Personen keine positiven Auswirkungen auf den Schweregrad der Erkrankung und die Sterblichkeit zeige. Der Einsatz bei schwer erkrankten Menschen solle nur im Rahmen von Studien erfolgen.

Entwicklung von Medikamenten läuft

Aktuell befindet sich eine Vielzahl an Medikamenten zur Behandlung der Symptome von COVID-19 in der Entwicklung. Diese Medikamente lassen sich in fünf Gruppen unterteilen:

  1. Medikamente zur Aufrechterhaltung der Lungenfunktion und Regeneration der Lunge
  2. Immunsuppressive Mittel, also Mittel zur Dämpfung der Immunreaktion (Verhinderung einer Hyperinflammation)
  3. Medikamente zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems
  4. Antivirale Medikamente, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen
  5. Wirkstoffe zur Behandlung von Long-COVID

Im Zulassungsverfahren der EMA befinden sich aktuell insbesondere antivirale und immunsuppressive Medikamente.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
U07.1

Quellen

Aktualisiert: 04.01.2022 - Autoren: Annika Lutter, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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