Gibt es schon wirksame Medikamente gegen COVID-19?

Coronavirus: Medikamente gegen COVID-19 © iStock.com/sittithat tangwitthayaphum

Seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 werden zahlreiche Substanzen auf ihre Wirksamkeit gegen das neuartige Coronavirus untersucht. Einige Medikamente kommen im Einzelfall bereits bei der Behandlung schwerer Krankheitsverläufe zum Einsatz. Bislang wurde aber für keines dieser Medikamente eine antivirale Wirkung gegen COVID-19 in klinischen Studien nachgewiesen. Trotzdem lassen einige Wirkstoffe Virologen und Ärzte hoffen.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass deutlich früher ein Medikament zur Behandlung von COVID-19-Infektionen eingesetzt werden könne als ein Impfstoff, da die Entwicklung von Impfstoffen wesentlich komplexer ist. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Wirkstoffe vor, die derzeit als Behandlungsoption für COVID-19-Infektionen diskutiert und teilweise bereits erprobt werden.

Remdesivir: Wirkung gegen COVID-19 in klinischen Studien bestätigt

Als Medikament zur Behandlung von COVID-19-Erkrankungen setzen Ärzte und Wissenschaftler derzeit die größte Hoffnung in das Medikament Remdesivir. Der RNA-Polymerasehemmer ist ein Wirkstoff, der ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt wurde, aber hierfür noch keine Zulassung hat.

Der Wirkmechanismus von Remdesivir ist relativ gut erforscht und erste klinische Studienergebnisse zeigen, dass das Medikament auch bei der Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2 vielversprechend ist.

Studienergebnisse aus Zellkulturen und Tiermodell

Bereits Anfang 2020 konnten Studien beweisen, dass Remdesivir in Zellkulturen sowie im Tiermodell eine virushemmende Wirkung hat. Das Medikament hemmt ein Enzym in SARS-CoV-2, das für die Vervielfältigung seines Erbgutes zuständig ist. Remdesivir nimmt dem Virus also die Fähigkeit, sich zu vermehren.

Infektiologe Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar in München erklärte gegenüber SWR2, man hoffe aufgrund dieser Studienerkenntnisse, dass auch der menschliche Organismus mit Hilfe des RNA-Polymerasehemmers Remdesivir das Coronavirus schneller eliminieren könne. Erkenntnisse aus klinischen Untersuchungen am Menschen stützen diese Hoffnung.

Studien mit Remdesivir an Menschen mit COVID-19

Zwei Studien, in denen Remdesivir auf seine Wirkung auf COVID-19-Infektionen im menschlichen Organismus hin untersucht wurde, wurden Ende April 2020 veröffentlicht. Sie liefern allerdings unterschiedliche Ergebnisse.

Studie aus China zeigt keine Wirkung über Placebo hinaus:

In einer in China durchgeführten, randomisierten, placebokontrollierten Studie wurde für Remdesivir keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung bewiesen. Allerdings konnte die Studie nicht wie geplant abgeschlossen werden, weshalb Experten die Daten als nicht aussagekräftig einstufen.

Amerikanische Studie beweist kürzere Krankheitsverläufe: 

Die erste wirklich aussagekräftige unabhängige klinische Studie zu Remdesivir bei COVID-19 vom amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (IAID) liefert positivere Ergebnisse. Über 1.000 Patienten, die schwere Verläufe von COVID-19 durchmachten, nahmen teil.

Es hat sich gezeigt, dass Probanden, die mit Remdesivir behandelt wurden, sich durchschnittlich vier Tage schneller von der Erkrankung erholten: Die Genesungsdauer verringerte sich durchschnittlich von 15 auf elf Tage.

Ebenso konnte bei der Gabe von Remdesivir im Rahmen dieser Studie eine, wenn auch nur leichte, Verringerung der Sterblichkeit beobachtet werden. Von den mit Remdesivir behandelten Patienten starben nur etwa acht Prozent, ohne Gabe des Medikaments lag die Sterberate bei 11,6 Prozent. Dieser Unterschied ist für Mediziner allerdings nicht signifikant genug, um diese Beobachtung sicher auf den Einsatz von Remdesivir zurückzuführen.

Die noch laufende Studie konnte außerdem bereits zeigen, dass die übliche Therapiedauer von über 10 Tagen gegenüber einer kürzeren Behandlung von nur fünf Tagen keinen Vorteil bringt.

Laufende Studien in Deutschland:

Diverse Studien zur Wirkung von Remdesivir auf COVID-19-Verläufe beim Menschen laufen auch in Deutschland. Unter anderem am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie am Klinikum Schwabing in München. Auch am Münchner Klinikum rechts der Isar wird Remdesivir im Rahmen großer Arzneimittelzulassungsstudien an COVID-19-Erkrankten derzeit auf seine Wirkung und Sicherheit getestet.

Zulassung: Wo darf Remdesivir zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden?

Aufgrund der vielversprechenden Studienergebnisse vom amerikanischen IAID wurde Remdesivir von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA am 02. Mai 2020 mittels Eilverfahren für die Behandlung von schweren COVID-19-Erkrankungen mit Atemproblematiken zugelassen.

Auch die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) verkündete in einer Pressemitteilung vom 30. April, dass sie ein eigenes Verfahren zur Bewertung des Risiko-Nutzen-Profils von Remdesivir zur Behandlung von COVID-19-Infektionen eingeleitet hat. Das Medikament könnte deshalb bereits innerhalb weniger Wochen auch in Europa zur Behandlung von COVID-19 zugelassen sein.

Doch selbst, wenn Remdesivir als Medikament gegen Infektionen mit SARS-CoV-2 wirksam und zugelassen ist, könnte es laut Christian Drosten, dem Leiter der Charité für Virologie in Berlin, möglicherweise nicht schnell in wünschenswerter Menge verfügbar sein, da die Hersteller auf die unerwartete Nachfrage nicht vorbereitet seien.

Nebenwirkungen: Ist die Behandlung mit Remdesivir gefährlich?

Zu den Nebenwirkungen von Remdesivir ist bislang noch nicht abschließend alles bekannt. Die bisherigen Studienergebnisse zeigen aber, dass es insgesamt gut verträglich ist.

Übelkeit und Lungenversagen sind die bisher am häufigsten berichteten Nebenwirkungen, die im Rahmen der Studien auftraten. Ob diese auf den Einsatz des Medikaments oder die Erkrankung an sich zurückzuführen sind, sei jedoch noch nicht bekannt, erklärt Spinner in den Tagesthemen der ARD.

Dexamethason: Zweiter Hoffnungsträger zur Behandlung von COVID-19

Neben Remdesivir wird auch in das Medikament Dexamethason große Hoffnung bei der Behandlung von COVID-19 gesetzt. Das Steroidmedikament wirkt nicht antiviral, sondern zielt darauf ab, körpereigene Immunreaktionen abzuschwächen, also Entzündungsreaktionen zu bekämpfen. 

Im Falle von Coronavirus-Infektionen sind bei schweren Krankheitsverläufen überschießende Immunreaktionen typisch. Diese können den Verlauf von COVID-19 sehr erschweren.

Erste Ergebnisse aus einer bislang unveröffentlichten Studie an der Universität Oxford zeigten, dass Dexamethason die Sterblichkeit bei COVID-19-Patienten, die auf Beatmungsgeräte angewiesen waren, um bis zu ein Drittel verringert. Wissenschaftler erhoffen sich auch durch eine Kombination von Remdesivir und Dexamethason gute Behandlungschancen. Weitere Studien mit Dexamethason sind erforderlich, um die ersten Studienergebnisse zu stützen.

Blutverdünner erhöhen Überlebenschance bei COVID-19

Forscher aus New York City haben herausgefunden, dass die Gabe von Antikoagulanzien (umgangssprachlich "Blutverdünner" oder "Gerinnnungshemmer") die Überlebenschancen von COVID-19-Patienten erhöhen können. Die Ergebnisse der Studie wurden Anfang Mai 2020 im Journal of the American College of Cardiology publiziert. Die Idee für die Studie entsprang den Beobachtungen, dass viele stationär behandelte Patienten mit COVID-19-Erkrankungen häufig Blutgerinnsel entwickeln, die tödliche Lungenembolien hervorrufen.

Die Wissenschaftler verabreichten deshalb über 700 Patienten Gerinnungshemmer in einer Dosis, wie sie für die Therapie von bestehenden Blutgerinnseln oder bei einem Verdacht auf solche üblich ist. Die Krankheitsverläufe dieser Patienten wurden mit denen von COVID-10-Erkrankten, die keine Blutverdünner bekamen, verglichen. Bei mit Antikoagulanzien behandelten Coronavirus-Patienten wurde im Rahmen der Untersuchungen beobachtet, dass sie eine bessere Genesung aufwiesen.

Patienten ohne Blutungsrisiko werden deshalb am forschenden Krankenhaus in New York bereits mit Blutverdünnern behandelt. Aufgrund der vielversprechenden Erkenntnisse soll nach Aussagen des leitenden Studienautors Girish Nadkarni außerdem die Wirkung von drei weiteren Gerinnungshemmern auf den Genesungsverlauf von bis zu 5.000 Sars-Cov-2-Patienten untersucht werden.

Weitere Studien mit Gerinnungshemmern in der Schweiz

Auch in anderen Ländern gilt es mittlerweile als begründeter Verdacht, dass an COVID-19 Erkrankte oft an den Folgen von Blutgerinnseln sterben. Nils Kucher, Angiologe und Kardiologe an der Universität Zürich und Spezialist für Lungenembolien, spricht in diesem Zusammenhang von "ungewöhnlich vielen Krankheitsfällen" und bezeichnet Herzversagen in Folge von Thrombosen gegenüber dem deutschen Nachrichtendienst Welt sogar als "wichtigste Todesursache des Coronavirus". Seiner Ansicht nach handelt es sich beim Coronavirus nicht um eine "klassische Virusinfektion", sondern insbesondere um eine "Gerinnungsstörung".

Im Rahmen einer Studie, die von Kuchler ins Leben gerufen wurde, sollen nun die Auswirkungen von Gerinnungshemmern an 1.000 Patienten über 50 Jahren, die sich mit milden Symptomen in häuslicher Quarantäne befinden, untersucht werden. Jeder zweite Patient wird über zwei Wochen lang mit einer Thromboseprophylaxe therapiert. Die Kontrollgruppe erhält keine blutverdünnenden Medikamente. Kucher erhofft sich, mit den Untersuchungen einen Überlebensvorteil im Sinne einer reduzierten Sterblichkeit nachzuweisen.

Chloroquin: Tests mit Malaria-Medikament im Juni von WHO gestoppt

Chloroquin wurde nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in 35 Ländern an über 3.500 Menschen auf seine Wirksamkeit bei Coronavirus-Infektionen getestet. Im Juni 2020 wurden diese klinischen Tests jedoch von der WHO gestoppt, da sich keine positiven Effekte bei COVID-19-Erkrankten zeigten. 

Die Hauptanwendungsgebiete von Chloroquin und des weniger toxischen Hydroxychloroquins sind eigentlich die Therapie und Prophylaxe von Malaria. Teilweise kommen die Wirkstoffe auch bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz.

Die auch antiviral wirkenden Medikamente hatten zumindest in Zellkulturen bei SARS-CoV-2 positive Effekte gezeigt. Deshalb wurde Chloroquin im Rahmen klinischer Studien getestet, obwohl Wissenschaftler von Anfang an die Wirksamkeit von Chloroquin gegen COVID-19 beim Menschen anzweifelten.

Christian Drosten erklärte bereits im März 2020, dass mit Chloroquin zur Behandlung von COVID-19 kein "durchschlagend großer Effekt, der wirklich über das Schicksal des klinischen Ausgangs entscheidet," zu erwarten sei. Denn: oral verabreichtes Chloroquin muss im menschlichen Körper zunächst verstoffwechselt werden und dann genau da ankommen, wo das Coronavirus die Krankheitssymptome auslöst, nämlich in der Lunge.

Ivermectin: Krätzemittel zerstört Erbgut des Coronavirus

Das Antiparasitikum Ivermectin wird normalerweise gegen Krätze, Kopfläuse oder Fadenwürmer eingesetzt. Dass der Wirkstoff auch eine antivirale Wirkung hat, wurde bereits 2012 bewiesen. Jetzt haben Wissenschaftler in Australien in vorklinischen Studien herausgefunden, dass Ivermectin auch das Erbgut des SARS-CoV-2 innerhalb von zwei Tagen abtöten kann.

ach diesen vielversprechenden Ergebnissen im Labor sind nun die nächsten Forschungsschritte weitere vorklinische Tests und dann klinische Studien am Menschen. Bis Ergebnisse vorliegen, die zeigen, ob die Dosierung, die man beim Menschen anwenden könnte, wirksam ist, dauert es nach Angaben der Studienleiterin noch ein paar Wochen.

Die Studie wurde vom Monash Biomedicine Discovery Institute (BDI) und dem Peter Doherty Institut für Infektion und Immunität (Doherty Institute) durchgeführt. Laut der Studienleiterin reiche bereits eine einzige Dosis des Krätzemittels aus, um die komplette virale RNA zu entfernen. Die genaue Wirkung ist bislang unbekannt, die Forscher vermuten aber, dass Ivermectin das Coronavirus daran hindert, an menschliche Wirtszellen andocken zu können. Ohne von Wirtszellen genährt zu werden, können sich Viren nicht vermehren und die Krankheit bricht nicht aus.

Da das Medikament gut erprobt ist, als sicher gilt und auch weltweit in großer Menge verfügbar ist, könnte es vielleicht zahlreiche Menschenleben retten, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht.

Lopinavir und Ritonavir: Mittel gegen HIV auch bei Coronavirus wirksam?

Auch das Medikament Kaletra, eine Wirkstoffkombination aus den Substanzen Lopinavir und Ritonavir, wird als mögliches antivirales Mittel gegen das neuartige Coronavirus diskutiert. Das gegen HIV zugelassene Medikament wird derzeit in klinischen Studien auf seine Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 untersucht.

Kaletra wirkt als Proteasehemmer, hemmt also ein Enzym, das essenziell für die Vermehrung eines Virus ist. Vereinfacht kann man sich den Wirkmechanismus von Proteasehemmern folgendermaßen vorstellen: Wenn Viren sich vermehren, müssen zunächst Vorläuferproteine gebildet werden. Diese werden anschließend von Proteasen (Eiweiß spaltenden Enzymen) an bestimmten Stellen zertrennt, sodass verschiedene Proteinbausteine vorliegen. Diese Bruchstücke werden dann zu neuen Viren zusammengesetzt. Das Medikament hindert Proteasen daran, die Vorläuferproteine des Virus in die benötigten Einzelbausteine zu zerlegen und das Virus kann sich deshalb nicht vermehren.

Soweit die Theorie. Drosten erklärt, dass jedes Virus seine eigene Protease mitbringt. Anzunehmen, dass die Wirkstoffkombination von Lopinavir und Ritonavir, die ggen die Protease des HIV-Virus wirksam ist, auch gegen die Protease des SARS-CoV-2-Virus wirksam sein könnte, sei laut dem Virologen „gelinde gesagt einfach gedacht“. Tatsächlich gibt es bereits eine klinische Studie, die gezeigt hat, dass die Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir kaum einen Effekt gegen die Vermehrung des Coronavirus zeigen.

Zudem berichten Ärzte, die das Medikament schon vereinzelt zur Therapie von schweren COVID-19-Verläufen am Menschen eingesetzt haben, von schweren Nebenwirkungen. Es wird nun überprüft, ob diese auf den Einsatz der Wirkstoffkombination zurückzuführen sind.

Opaganib: Wirkt Schädigungen der Lunge durch Coronavirus möglicherweise entgegen

Auch Opaganib ist ein antiviraler Wirkstoff, der für den Einsatz bei COVID-19 diskutiert wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass Opaganib Lungenerkrankungen lindern und Schäden an der Lunge entgegenwirken kann. Es kam bereits bei einigen Coronavirus-Patienten in Israel zum Einsatz und die Beobachtungen aus diesen ersten Therapieversuchen lassen hoffen.

Der Hersteller des Medikaments möchte den Wirkstoff nun für weitere Länder für die Behandlung besonders schwerer, lebensbedrohlicher Krankheitsverläufe verfügbar machen. Für den Einsatz in Italien erfolgte die Zulassung bereits am 06.04.2020. Bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht, könnte Opaganib möglicherweise Leben retten.

Geheime Studie mit Säureblocker Famotidin

Ebenfalls steht das Medikament Famotidin im Fokus der Forschung bei Infektionen mit SARS-CoV-2. Der US-amerikanische Infektionsmediziner Michael Callahan war im Januar in Wuhan tätig, als dort sehr viele Menschen an den Folgen von COVID-19-Infektionen starben. Er stellte fest, dass auffällig viele der für tödliche Verläufe besonders gefährdeten älteren Patienten, die überlebten, an chronischem Sodbrennen litten und gegen die Beschwerden den H2-Antagonisten Famotidin einnahmen.

Der Arzt ermittelte zusammen mit anderen Forschern anhand von mehr als 6.000 Patientenakten, dass die Sterberate bei den Patienten, die Famotidin einnahmen, bei 14 Prozent lag – gegenüber einer Sterblichkeit von 27 Prozent bei Erkrankten, die keine Säureblocker einnahmen.

Wissenschaftler aus den USA fanden dann Hinweise darauf, dass Famotidin wahrscheinlich an ein Enzym des SARS-CoV-2-Virus bindet, welches das Virus benötigt, um sich zu vermehren. Daraufhin rief Cullahan eine randomisierte Doppelblindstudie an verschiedenen New Yorker Krankenhäusern ins Leben. Famotidin wird den Probanden im Rahmen der Studie hochdosiert intravenös verabreicht.

Die Studie wurde zunächst bewusst geheim gehalten, angeblich aus Sorge, dass der in den USA rezeptfrei erhältliche Wirkstoff sonst nicht in ausreichender Menge für die Untersuchungen zur Verfügung stehen würde.

Ob und inwieweit Famotidin bei COVID-19-Erkrankungen tatsächlich eine wirksame Therapieoption darstellen könnte, bleibt abzuwarten.

Medikamente gegen Coronavirus zu spät eingesetzt

Ein Problem bezüglich der bisherigen Forschungen über antivirale Medikamente gegen SARS-CoV-2-Infektionen sieht Drosten darin, dass die Wirkstoffe bislang eigentlich immer zu einem zu späten Erkrankungungsstadium verabreicht werden.

Denn Viren vermehren sich hauptsächlich im frühen Krankheitsverlauf. Doch weil die Medikamente noch nicht erprobt und mögliche Risiken durch deren Anwendung eventuell unbekannt sind, dürfen die potentiellen Wirkstoffe gegen das Coronavirus bislang nur bei schweren Krankheitsverläufen eingesetzt werden. Ein schwerer Verlauf ist aber in der Regel erst im späten Krankheitsstadium erkennbar.

Antivirale Therapieversuche gegen COVID-19 müssen außerdem aufgrund möglicher Nebenwirkungen überwacht werden, doch die meisten Patienten befinden sich im Frühstadium der Erkrankung nicht im Krankenhaus.

Quellen

Aktualisiert: 27.11.2020 - Autor: Annika Lutter, Medizinredakteurin

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