Die Pneumokokken-Impfung

Frau erhält Pneumokokken-Impfung © istockphoto, vadimguzhva

Jedes Jahr verzeichnet man weltweit zahlreiche Todesfälle infolge von Pneumokokken-Infektionen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder unter fünf Jahren. Kinder in diesem Alter sind besonders gefährdet, da bei Ihnen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Aber auch für Menschen über 60 Jahre sowie Personen mit chronischen Krankheiten nehmen Pneumokokken-Infektionen häufig einen tödlichen Verlauf. Der wirksamste Schutz vor einer Pneumokokken-Infektion ist eine Impfung.

Was sind Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die zur großen Gruppe der Kokken (Kugelbakterien) gehören. Je nach Art der Verbindung werden verschiedene Untergruppen unterschieden: Kettenförmige Kokken werden als Streptokokken bezeichnet, eine Zusammenlagerung von vier Kokken heißt dagegen Tetrakokken. Pneumokokken gehören zur Untergruppe der Diplokokken – ihre Bakterien sind jeweils paarweise gelagert.

Pneumokokken können der Auslöser von schweren Infektionen sein. Zu den durch Pneumokokken ausgelösten Erkrankungen gehören die Lungenentzündung (Pneumonie), die Hirnhautentzündung (Meningitis), die Mittelohrentzündung (Otitis media), die Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und die Hornhautentzündung (Keratitis). Gehen die Bakterien in die Blutbahn über, kann es auch zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Insgesamt gibt es über 90 verschiedene Pneumokokken-Arten – allerdings sind 23 Arten für über 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich.

Typische Symptome bei Pneumokokken-Erkrankungen

Da Pneumokokken viele verschiedene Erkrankungen auslösen können, gibt es keine typischen Symptome einer Pneumokokken-Erkrankung. Allerdings gehen viele Pneumokokken-Infektionen mit hohem Fieber und Schüttelfrost einher. Im Folgenden finden Sie die bekanntesten Erkrankungen, die durch Pneumokokken verursacht werden, und ihre typischen Symptome.

  • Lungenentzündung: Eine Lungenentzündung entsteht meist aus einem Infekt der oberen Atemwege. Sie geht mit Symptomen wie hohem Fieber, Husten und eitrigem Auswurf sowie Schüttelfrost einher. Bei älteren Menschen fehlen die typischen Symptome wie Fieber jedoch teilweise.
  • Hirnhautentzündung: Auch einer Hirnhautentzündung geht zumeist eine Erkrankung der oberen Atemwege voraus. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Nackensteifheit sowie Fieber, Übelkeit und Bewusstseinsminderungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Zudem reagieren die Betroffenen häufig empfindlich auf Licht oder Geräusche. Tritt gleichzeitig ein charakteristischer Hautausschlag auf, deutet dies darauf hin, dass die Infektion durch Meningokokken und nicht durch Pneumokokken hervorgerufen wurde.
  • Mittelohrentzündung: Bei einer Mittelohrentzündung kommt es zu starken, pulsierenden Ohrenschmerzen sowie zu Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Oft berichten die Betroffenen auch von einer Hörminderung. Bei einer durch Bakterien wie Pneumokokken hervorgerufenen Mittelohrentzündung kann es außerdem zu einem Trommelfelldurchbruch kommen – allerdings kann dieser durch die rechtzeitige Gabe von Antibiotika meist verhindert werden.
  • Nasennebenhöhlenentzündung: Typische Symptome einer Nasennebenhöhlenentzündung sind Fieber, Kopfschmerzen sowie vereiterte Nasennebenhöhlen. In den meisten Fällen wird eine Nasennebenhöhlenentzündung allerdings nicht durch Bakterien, sondern durch Viren ausgelöst.
  • Hornhautentzündung: Bei einer Hornhautentzündung des Auges kommt es einer Rötung des Auges, einem Fremdkörpergefühl, einer Sehverschlechterung sowie starken Schmerzen.
  • Herzmuskelentzündung: Eine Herzmuskelentzündung zeigt sich meist durch Symptome wie allgemeine Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schwindel sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit. Zudem kann es unter Umständen zu Fieber, Herzrhythmusstörungen, Atemnot und einem Engegefühl in der Brust kommen.
  • Blutvergiftung: Zu den typischen Symptomen einer Blutvergiftung gehören hohes Fieber, das oft in Schüben verläuft, ein schneller Puls, eine beschleunigte Atmung, Verwirrtheit sowie ein sehr niedriger Blutdruck. Wird die Blutvergiftung durch Pneumokokken nicht umgehend behandelt, kann es zu einem lebensbedrohlichen septischen Schock kommen.

So infizieren Sie sich mit Pneumokokken

Bei einer Infektion mit Pneumokokken handelt es sich in den meisten Fällen um eine endogene Infektion. Das bedeutet, dass die Erreger nicht von außen, sondern aus der körpereigenen Flora stammen. Endogene Infektionen treten vor allem bei einem geschwächten Immunsystem auf. Übertragen werden die Bakterien zuvor zumeist durch eine Tröpfcheninfektion und besiedeln anschließend bevorzugt den Nasen-Rachen-Raum. Bei der Besiedlung des Körpers mit Pneumokokken treten normalerweise keine Symptome auf – dies geschieht erst, wenn das Immunsystem geschwächt ist und sich das Bakterium ausbreitet.

Ein besonders hohes Risiko für eine Pneumokokken-Infektion haben Raucher. Da der Tabakrauch die oberste Zellschicht der Atemwege aufreißt, können Bakterien leichter in den Nasen-Rachen-Raum eindringen. Zudem ist bei Rauchern die Selbstreinigung der Atemwege gestört, da die Arbeit der Flimmerhärchen durch den Tabakrauch behindert wird.

Behandlung einer Pneumokokken-Infektion

Pneumokokken-Infektionen werden mit Antibiotika – bevorzugt mit Penicillin – behandelt. Eine Ausnahme bildet hier eine durch Pneumokokken hervorgerufene Hirnhautentzündung, die häufig mit Cephalosporinen therapiert wird. Sind die Pneumokokken gegen Penicillin resistent, können als Alternative Rifampicin oder Vancomycin verwendet werden.

Zu beachten ist allerdings, dass Pneumokokkenstämme, die gegen Antibiotika resistent sind, immer weiter zunehmen. Deswegen gewinnt die Vorbeugung einer Pneumokokken-Erkrankung durch eine Impfung ständig an Bedeutung.

Pneumokokken-Impfung

Gerade für Risikogruppen wie Personen über 60 Jahre ist eine Impfung der wirksamte Schutz vor einer Pneumokokken-Erkrankung. Für Babys und Kleinkinder gibt es seit 2001 einen eigenen Wirkstoff, der vor sieben für Babys und Kleinkinder besonders gefährlichen Pneumokokken-Stämmen schützt.

Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen Totimpfstoff, der aus Teilen der Hülle der Bakterien besteht. Diese Teile sind jedoch nicht in der Lage, eine Erkrankung auszulösen. Nach der Impfung bildet der Körper Antikörper gegen den Impfstoff. Infiziert man sich später mit Pneumokokken, bekämpfen die Antikörper die Bakterien und verhindern so den Ausbruch einer Erkrankung. Der Impfschutz beginnt etwa drei Wochen nach der Impfung.

Eine Pneumokokken-Impfung ist in der Regel gut verträglich. Trotzdem ist nur ein kleinerer Teil der gefährdeten Personengruppen geimpft: Etwa sieben Prozent von ihnen haben einen wirksamen Impfschutz. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Pneumokokken-Impfung – sofern die Impfung für die jeweilige Personengruppe empfohlen ist. Die Impfung gegen Pneumokokken ist das ganze Jahr über möglich.

Für wen ist die Pneumokokken-Impfung sinnvoll?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung für die folgenden Personengruppen:

  • Personen ab 60 Jahre
  • Babys und Kleinkinder zwischen zwei Monaten und zwei Jahren
  • Personen mit chronischen Erkrankungen oder Immundefekten wie Diabetes, Asthma, AIDS, COPD, etc.

Bei jungen und gesunden Menschen ist eine Impfung gegen Pneumokokken dagegen in der Regel nicht notwendig, da die Pneumokokken von ihrem Immunsystem bekämpft werden und ausgebrochene Erkrankungen bei ihnen zumeist ohne Komplikationen verlaufen.

Bei Babys wird die Pneumokokken-Impfung in der Regel auf vier Injektionen aufgeteilt, die im zweiten, dritten und vierten Lebensmonat sowie zwischen dem 11. und 14. Monat verabreicht werden. Mit zunehmendem Alter reduziert sich die Anzahl der nötigen Impf-Dosen.

Wirksamkeit der Impfung bei Babys umstritten

Gerade bei Babys und Kleinkindern sollte allerdings beachtet werden, dass die Wirksamkeit der Impfung bei ihnen umstritten ist. So wird aus anderen Ländern beispielsweise berichtet, dass es nach der Impfung zu einem Anstieg von Erkrankungen kam, die durch einen nicht im Impfstoff enthaltenen Pneumokokken-Typ hervorgerufen wurden. Langzeitstudien zur Pneumokokken-Impfung bei Kleinkindern stehen noch aus.

Wie viele Impfungen sind nötig?

Bei Erwachsenen genügt bereits eine Impfung für einen sicheren Schutz. Bei bestimmten Vorerkrankungen sollte die Pneumokokken-Impfung allerdings alle fünf bis sechs Jahre aufgefrischt werden, um weiterhin einen sicheren Schutz vor einer Erkrankung zu bieten. Zu diesen Erkrankungen gehören:

  • angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion
  • chronische Nierenkrankheiten, nephrotisches Syndrom

Eine einmalig überstandene Pneumokokken-Erkrankung bietet keinen Schutz vor weiteren Erkrankungen.

Mögliche Nebenwirkungen einer Pneumokokken-Impfung

Bei der Pneumokokken-Impfung wird der Impfstoff in den Oberarm injiziert. Rund um die Einstichstelle können nach der Impfung leichte Schmerzen sowie Hautrötungen auftreten. Im Normalfall verschwinden die Symptome jedoch nach ein bis zwei Tagen wieder. Ebenso kann es zu einem allgemeinen Gefühl der Abgeschlagenheit, Magen-Darm-Beschwerden oder einer leichten Temperaturerhöhung kommen. Mit weiteren Nebenwirkungen ist in der Regel nicht zu rechnen.

Bei Babys und Kleinkindern ist normalerweise ebenfalls mit kaum Nebenwirkungen zu rechnen. In seltenen Fällen kann es nach der Impfung jedoch zu Appetitlosigkeit, Unleidlichkeit, Fieber und Schläfrigkeit kommen.

Machen Sie jetzt den Test, ob eine Pneumokokken-Impfung für Sie sinnvoll ist.

Aktualisiert: 23.09.2016 – Autor: Kathrin Mehner

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?