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Schweinegrippe – Der Virus H1N1

Schweinegrippe-Virus © Qimono

Die Schweinegrippe versetzte im Jahr 2009 Menschen rund um den Globus in Angst und Schrecken – nach kürzester Zeit hatte sie von den ersten Erkrankungs- und Todesfällen in Mexiko auch den Sprung über den Atlantik geschafft. Viele Menschen fürchteten eine Katastrophe internationalen Ausmaßes. In den Medien jagte zunächst eine Horrormeldung die andere.

Einschätzungen von Experten zur Schweinegrippe

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte vor einer möglichen weltumspannenden Epidemie ("Pandemie") – sie rief am 11. Juni 2009 die höchste Sicherheitsstufe aus. Von Fachleuten wurde der Krankheitserreger der Schweinegrippe als gesundheitliches Risiko von internationaler Bedeutung eingestuft, vergleichbar mit dem Auftreten von SARS im Jahr 2003.

Doch es gab auch Stimmen von Experten, die dafür plädierten, die Gefahr nicht zu überschätzen. So sind nicht nur die Zahlen der an Schweinegrippe Erkrankten und Verstorbenen deutlich zurückgegangen, sie lagen von vorneherein bei Weitem unter den Opferzahlen der alljährlichen, saisonalen Grippe.

Was ist eigentlich Schweinegrippe?

Die Schweinegrippe wird oft auch irreführenderweise mit der Schweine-Influenza, einer Erkrankung, die bisher vor allem bei Schweinen vorkam, gleichgesetzt. Die seit 2009 bekannte Variante der Schweinegrippe wird durch ein neuartiges, bis dato unbekanntes Grippevirus hervorgerufen. Schweinegrippeviren gehören zu den Influenza-Viren Typ A, die schon seit der Spanischen Grippe kurz nach dem Ersten Weltkrieg bekannt sind.

Diese haben zahlreiche Subtypen, die je nach Art der Eiweißhülle mit H für Hämagglutinin und N für Neuraminidase bezeichnet werden. Die meisten dieser Subtypen sind harmlos oder nur für Tiere gefährlich, der Subtyp Influenza A (H1N1) ist verantwortlich für die "normale" Grippe beim Menschen. Typisch für Influenzaviren ist, dass sie sich ständig ändern und die neuen Varianten damit vom Immunsystem erst einmal nicht mehr erkannt werden. Das ist auch der Grund dafür, dass die Grippeimpfung jährlich neu durchgeführt werden muss.

Warum „Schweinegrippe“?

Bei der allgemein als Schweinegrippe bezeichneten neuen Variante des Subtyps H1N1, handelt es sich um eine sogenannte Reassortante (auch als "antigenic shift" bezeichnet). Dies ist eine schlagartige Mutation, die dadurch entsteht, dass zwei oder mehr Subtypen ihr Erbmaterial austauschen. Damit können aus harmlosen, nur für Tiere gefährlichen Viren, plötzlich aggressive Varianten entstehen, die auch noch auf ungewöhnlichem Weg übertragen werden können und gegen die erst mal kein Immunschutz besteht. Genau dies ist zum Beispiel auch passiert bei der Vogelvirus-Epidemie.

Schweine sind besonders prädestiniert als "Brutstätte" solcher gefährlichen Liebschaften. Das liegt daran, dass ihr Immunsystem Rezeptoren für die Eiweiße (Hämagglutinine) verschiedener Virensubtypen besitzt, eine Zelle also recht einfach mit mehreren Viren gleichzeitig infiziert werden kann.

In dem aktuellen Schweinegrippevirus sind zwei Stämme der Schweinegrippe und je ein Stamm von Vogelgrippe und der Grippe beim Menschen kombiniert. Die Symptome der Schweinegrippe ähneln damit auch den Symptomen anderer Grippe-Arten; als Unterscheidungsmerkmale treten lediglich Durchfall und Erbrechen auf.

Wie wird die Schweinegrippe übertragen?

Die Infektion mit Schweinegrippe erfolgt primär von Schwein zu Schwein und von Schwein zum Menschen. Mittlerweile zeigt sich auch, dass diese aggressive Variante der Schweinegrippe den eigentlich untypischen Verbreitungsweg von Mensch zu Mensch nehmen kann. Und damit sind ihr in unserer globalisierten Welt kaum noch Schranken gesetzt. Kein Wunder also, dass von den ersten bekannten Fällen in Mexiko und dem ersten Auftreten in Deutschland nur zwei bis drei Wochen vergangen sind.

Die Symptome der Schweinegrippe treten nach einer Inkubationszeit von einem bis vier Tage auf; ab Beginn der Inkubationszeit ist sie ansteckend. Die Ansteckung mit Schweinegrippe erfolgt wie bei der gewöhnlichen Grippe vor allem über Tröpfchen infizierten Speichel, also zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Küssen.

Entgegen des anfänglich herrschenden Volksglaubens ist ein Erkranken an Schweinegrippe jedoch nicht durch den Verzehr von Schweinefleisch zu befürchten.

Aktualisiert: 20.09.2017 – Autor: Dagmar Reiche, überarbeitet: Daniela Heinisch

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