Milzbrand (Anthrax)

Milzbrand ist eine in Deutschland weitgehend ausgestorbene Infektionskrankheit mit charakteristischen Symptomen. Ursprünglich ist der Milzbrand eine Erkrankung aus dem veterinärmedizinischen Bereich, die speziell bei Huftieren auftritt. Erkrankte Tiere haben eine vergrößerte Milz mit schwarzroter, brandiger Verfärbung. Auf diesen Umstand ist die Bezeichnung Milzbrand zurückzuführen.

Milzbrand: Definition

Milzbrand oder auch Anthrax, (Anthrax = Kohle, wegen der Schwarzverfärbung der Milz oder der betroffenen Hautstelle) ist eine weltweit vorkommende, bakterielle Infektionskrankheit, die vom Tier, insbesondere Rind, Schaf und Pferd auf den Mensch übertragen werden kann (Zoonose). Die Gefahr der Ansteckung von Mensch zu Mensch ist gering.

Milzbrand: Erreger namens Bacillus anthracis

Der Milzbranderreger wurde 1855 erstmals von dem deutscher Arzt Aloys Pollender (1800 - 1879) entdeckt. Es handelt sich um ein grampositives, bekapseltes, aerob lebendes, sporenbildendes Stäbchen, das zur Familie der Bacillaceae gehört. Robert Koch, der Begründer der modernen Bakteriologie, gelang es 1876, den Erreger zu züchten und die erste künstliche Infektion vorzunehmen. Louis Pasteur gelang es 1883, einen Impfstoff gegen Milzbrand zu entwickeln.

Für die Aggressivität des Erregers entscheidend ist seine Fähigkeit zur Toxin (Gift)- und zur Kapselbildung. Bekapselt entgeht er den Abwehrmechanismen von Tier und Mensch. Die Überlebenszeit des Bakteriums in der Umwelt ist gering. Jedoch ist es zur Bildung äußert resistenter Sporen in der Lage, die unter Umständen jahrzehntelang überdauern können. Sporen sind praktisch "inaktive" Lebensformen der Bakterien. Gelangen diese in ein günstiges Umfeld werden sie wieder aktiv und beginnen sich zu vermehren.

Während des zweiten Weltkriegs ist in Großbritannien bei Forschungsexperimenten mit präparierten Granaten die vor Schottland liegende Insel Gruinard mit dem Bacillus für Jahrzehnte verseucht worden. Je nach Infektionsweg führt der Erreger zu einem unterschiedlichen Krankheitsbild. Abhängig von Intensität und Einwirkungszeit des Bakteriums kann es zwischen ein bis 14 Tage dauern, bis die ersten Krankheitszeichen auftreten.

Milzbrand: Symptome erkennen

In circa 95 Prozent der Fälle gelangen Sporen des Erregers über die Hautoberfläche in den menschlichen Organismus (Hautmilzbrand). Kleinste Hautverletzungen dienen dem Bacillus als Eintrittspforte. Typisch für diese Form ist eine Rötung an der Aufnahmestelle, in der sich eine Blase mit schwarzem Zentrum bildet.

Beginnend mit kleinen Pusteln bis hin zu Geschwüren, entzündlichen Wassereinlagerungen (Ödemen) und Eiterungen kommt es schnell zur Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Fieber, Erbrechen, Desorientierung und Herz- Kreislaufstörungen. Der Übertritt der Erreger in die Lymphbahn mit anschließender Blutvergiftung endet meist tödlich. Wird rechtzeitig mit der Therapie begonnen, sind die Heilungschancen gut.

Der Lungenmilzbrand entsteht nach Einatmen der Sporen. Nach grippeähnlichem Anfangsstadium entwickelt sich eine schwere Lungenentzündung mit zunehmender Atemnot. Die Prognose ist hier wesentlich schlechter. Der Tod tritt circa 3 bis 5 Tage nach Ausbruch der Krankheit ein.

Über infizierte Nahrungsmittel oder Trinkwasser entwickelt sich der Darmmilzbrand. Es kommt zu Fieber mit starken Bauchschmerzen und blutigen Durchfällen. Auch diese Form endet in der Regel nach kurzer Zeit tödlich. Lungen- und Darmmilzbrand treten nur in sehr seltenen Fällen auf.

Therapie mit Penicillin

Erfolgreich wird der Milzbrand mit der rechtzeitigen Gabe von hochdosiertem Penicillin über mehrere Wochen behandelt. Für Personen mit Penicillinallergie eignen sich die Antibiotika Erythromycin und Tetracyclin.

Die Forschung geht weiter

2002 haben US-Forscher rund um Raymond Schuch an der Rockefeller-Universität ein Protein (PlyG-Lysin-Protein) entwickelt, das die giftigen Stoffe, die vom Milzbranderreger abgesondert werden, unschädlich macht. Darüber hinaus können auf Grundlage des erforschten Präparats Gebiete mit Verdacht auf Milzbrand-Sporen per Schnelltest-Verfahren untersucht werden. Dies dauerte zuvor mehrere Tage.

In einer Ausgabe der Zeitschrift Nature Biotechnology zeigen der Wissenschaftler Mourez und seine Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse zu einem von ihnen entwickelten Hemmstoff gegen das Milzbrandgift. Die Untersuchungen an Ratten zeigten keine Nebenwirkungen. Mithilfe dieses Hemmstoffes würde sowohl eine prophylaktische Maßnahme bestehen, als auch ein Medikament zur Behandlung von Milzbrand geschaffen werden.

2013 wurde in Deutschland ein Totimpfstoff gegen Milzbrand zugelassen, der die Immunisierung von Menschen ermöglicht, die mit Milzbranderregern in Kontakt kommen könnten, wie beispielsweise Tierärzte oder Abdecker.

Aktualisiert: 06.10.2016 – Autor: Sandra Baumann

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