Schäden am Knie

Physiotherapie nach Schaden am Knie © Angelo Esslinger

Das Kniegelenk ist das größte und komplizierteste Gelenk des Menschen. Es besteht aus drei Knochen und ist die Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel. Gebildet wird das Gelenk vom unteren Ende des Oberschenkelknochens, dem oberen Ende des Schienbeins und der Kniescheibe. Die Flächen, die sich im Knie gegenüberliegen, sind mit Knorpelgewebe überzogen. Vier stabile Bänder geben dem Knie Halt: die beiden Kreuzbänder innerhalb des Gelenks sowie zwei Seitenbänder am Rand. Als eine Art Stoßdämpfer liegen die beiden halbmondförmigen Menisken, der Innen- und Außenmeniskus, im Gelenk.

Das Knie: ein stabiles Gelenk

Das Knie ist ausgesprochen stabil und kann kurzfristig bis zu eineinhalb Tonnen Last tragen. Dennoch ist es bei Sportlern das am häufigsten verletzte Gelenk. Werden Risikosportarten aus der Weg geht, ist dennoch nicht vor Knieproblemen sicher. Sie treten in fast jedem Alter auf.

Übergewicht, angeborene oder erworbene Haltungsschäden und unbehandelte Verletzungen tragen zu Kniegelenkschäden bei – zusätzlich zum natürlichen Alterungsprozess. Das Knie hat ein gutes Gedächtnis, kleinere Verletzungen im Gelenk können mittel- bis langfristig zu schweren Gelenkschäden führen, wenn sie gar nicht oder nicht richtig behandelt werden – Früherkennung ist deshalb besonders wichtig.

Bei Kniebeschwerden früh den Arzt aufsuchen

Prinzipiell sollte man bei Kniebeschwerden lieber einmal zu oft als zu selten zum Facharzt gehen. Aus einem harmlosen Knorpelschaden kann innerhalb weniger Jahre ein Fall für ein künstliches Kniegelenk werden. Der Arzt wird – je nach Krankheitsbild – auf eine fundierte Diagnostik zurückgreifen, bestehend aus Anamnese, Funktionstests, Röntgen, CT (Computertomografie) und MRT (Magnetfeldtomografie).

In schwierigen Fällen setzt er eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) zur Diagnose ein. Dies hat den Vorteil, dass etwaige Schäden gleich behandelt werden können. Bei der Arthroskopie kommen durch zwei circa fünf Millimeter kleine Schnitte eine Kamera und Miniaturinstrumente im Knie zum Einsatz. Grundsätzlich können Kniespiegelungen heute ambulant unter Vollnarkose oder mit lokaler Betäubung vorgenommen werden.

Schonender Umgang

Neue Operationstechniken und die stetig fortschreitende Entwicklung im Bereich der Biomedizin zur Behandlung von Knorpelschäden sorgen für ein Umdenken – weg von der schnellen Gelenkoperation. Je früher ein Knieschaden erkannt und behandelt wird, desto mehr Möglichkeiten gibt es, das eigene Gelenk des Patienten zu erhalten. Außerdem sollte das Knie natürlich möglichst schonend behandelt werden:

  • Regelmäßig bewegen (beispielsweise spazieren gehen, Rad fahren)
  • Übergewicht vermeiden
  • Keine großen Lasten (über zehn Kilogramm) tragen
  • Schuhe mit flachen Absätzen und weichen Sohlen bevorzugen
  • Starke Beugung der Knie (mehr als 30 Grad) oder längeres Hocken vermeiden
  • Möglichst keine Knie-unfreundlichen Sportarten betreiben.

Meniskusverletzung

Symptome: Schmerzen im Knie, die sich beim Beugen oder Drehen verstärken, Schwellungen oder Blutergüsse. Die Bewegung des Knies ist eingeschränkt. Eine genaue Diagnose kann nur ein Arzt stellen.

Therapie: Risse im Meniskus können meist operiert werden. Der Patient benötigt je nach Schwere der Verletzung rund zwei Wochen lang Krücken und Krankengymnastik. Bei einer leichten Verletzung kann er nach etwa vier Wochen wieder Sport treiben. Bei schweren Verletzungen ist das Knie erst nach sechs Monaten wieder voll belastbar. Unbehandelt kann eine Meniskusverletzung zu Arthrose führen.

Kniescheibenverrenkung

Symptome: Bei einer Verrenkung der Kniescheibe ist die Beweglichkeit deutlich eingeschränkt. Die Schmerzen sind stark und die Fehlstellung ist deutlich sichtbar.

Therapie: Meist kann ein Fachmann die Kniescheibe mit einem Handgriff wieder einrenken. Trotzdem muss ein Arzt untersuchen, ob Folgeschäden bestehen. Ist dies nicht der Fall, kann wieder wie bisher Sport getrieben werden. Springt die Kniescheibe häufiger heraus, kann man die Muskulatur stärken oder die Kniescheibenbänder operativ verändern. Nach erfolgreicher Therapie ist Sport uneingeschränkt möglich.

Kreuzbandriss

Symptome: Plötzliche Schmerzen, manchmal reißt das Band hörbar. Das Bein knickt zur Seite und der Betroffene ist unsicher beim Gehen. Es kommt zu Schwellungen und Bluterguss. Der Weg zum Arzt ist bei einem Kreuzbandriss unumgänglich.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der genauen Diagnose, dem Alter und der Sportlichkeit des jeweiligen Patienten. Bei sportlichen Patienten wird der Riss operiert, bevor ein langes Reha-Programm beginnt. Bei intensiver Rehabilitation ist der Patient nach sechs bis neun Monaten wieder voll sportfähig. Ohne Operation bleibt das Knie dagegen oft dauerhaft in seiner Bewegung eingeschränkt, intensives Sporttreiben ist je nach Ausmaß der Verletzung nur noch bedingt möglich.

Knorpelschaden / Arthrose

Symptome: In der Regel verläuft dieser Prozess schleichend über viele Jahre, ohne dass starke Schmerzen auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium von Athrose schwillt das Knie an und schmerzt. Die Diagnose stellt der Facharzt.

Therapie: Bei der konservativen Therapie werden Schmerzen und Entzündungen behandelt, außerdem muss das Gewicht reduziert und das Bewegungsverhalten geändert werden! Die operative Therapie reicht von der einfachen Gelenkspiegelung über Knorpelverpflanzungen bis hin zum Einsatz eines künstlichen Kniegelenks. Bei Schäden am Knorpel empfehlen sich ruhige Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.

Patellaspitzensyndrom

Symptome: Schmerzzustände im Bereich der Kniescherbe (Patella), die oft während eines Wachstumsschubes in der Pubertät auftreten. Häufig betroffen vom Patellaspitzensyndrom sind Mädchen. Auch Verletzungen können die Beschwerden auslösen.

Therapie: Sie erfolgt durch Schonung, krankengymnastische Maßnahmen, seltener durch den Einsatz von leichten Schmerzmitteln. Im Allgemeinen bilden sich die Beschwerden innerhalb von Wochen und Monaten spontan zurück. Bei länger dauernden Beschwerden helfen oft spezielle Kniebandagen. Bei Kniescheibenfehlstellungen kann eine operative Behandlung notwendig werden.

Aktualisiert: 28.03.2017

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