Hüftgelenk – häufig Opfer von Arthrose

Röntgenbild einer Hüftgelenksarthrose © istockphoto, stockdevil

Der aufrechte Gang ist uns in die Wiege gelegt. Doch um uns aufrichten zu können, brauchen wir starke Gelenke, vor allem im Bereich der Hüften und der Knie. Gelenkarthose und Verschleiß der Knorpelschicht nehmen in unserer Gesellschaft aber immer mehr zu. Das liegt zum Teil daran, dass wir immer älter werden und dass sich oft solche Erkrankungen mit dem Alter einstellen. Aber auch immer mehr junge Menschen leben mit einem künstlichen Hüftgelenk. Im Schnitt halten die Implantate zehn bis 15 Jahre, bevor sie erneuert werden müssen. Für junge Patienten mit Hüftgelenksarthrose eignen sich am besten Keramikprothesen.

Was ist eine Hüftgelenksarthrose?

Die Hüftgelenksarthrose wird im medizinischen Sprachgebrauch Coxarthrose genannt und ist eine degenerative Erkrankung des Hüftgelenks. Insbesondere die Knorpeloberflächen der Hüftpfanne und des Hüftkopfes sind betroffen. Der Verschleiß des Gelenks tritt meist erst im fortgeschrittenen Alter auf. Die Hüftgelenksarthrose stellt die häufigste Art der Arthrose in Deutschland dar.

Bei einer Hüftgelenksarthrose wird die Knorpelschicht im Gelenk im Zeitverlauf dünner und bildet sich zurück. Durch den Abbau von Knorpelmasse verengt sich der Gelenkspalt zunehmend bis die Knochen aneinanderreiben.

Ursache für Arthrose im Hüftgelenk liegt in den Genen

Die Hüftgelenke des Menschen sind unglaublichen Belastungen ausgesetzt. Beim Rennen oder Lasten tragen müssen sie ein Vielfaches unseres Körpergewichts abfangen.

Erkrankungen dieser wichtigen Angelpunkte in unserem Körper sind daher nicht selten. Die Arthrose zum Beispiel kann schon junge Menschen betreffen und ist keine einfache Alterserscheinung.

Weitere Ursachen der Hüftgelenksarthrose

Fast jeder zweite Deutsche über 60 Jahre klagt über arthritische Gelenke, allen voran die Hüft- und Kniegelenke. Die Gelenkabnutzung unterliegt zahlreichen Faktoren und einem komplexen Erkrankungsprozess. Zu den Ursachen gehören eine genetische Veranlagung sowie ein fortgeschrittenes Alter. Doch auch Unfälle oder eine andauernde starke Belastung beim Sport oder im Beruf können zu einer Hüftgelenksarthrose führen.

Weitere Faktoren, die eine Arthrose im Hüftgelenk begünstigen können, sind:

  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • entzündliche Gelenkerkrankungen wie Gicht
  • erblich bedingte Fehlstellungen des Hüftgelenks (Hüftdysplasie)

Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, erhöht sich das Risiko eines Gelenkverschleißes in der Hüfte. Allerdings lässt sich nicht immer eine genaue Ursache definieren.

Eines ist aber sicher: Die Arthrose ist keine einfache Verschleißerkrankung, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit. Aufhalten lässt sich der langsame Abbau des Gelenkknorpels bislang zwar nicht. Doch die Begleitsymptome wie Schmerz und Schwellung vermag der Arzt zu lindern.

Probleme im Gelenkstoffwechsel

Im Verlauf der Arthrose geraten die Auf- und Abbauprozesse im Gelenkknorpel aus dem Gleichgewicht. Der Knorpel verliert seine Funktion als Stoßdämpfer und federt das betroffene Gelenk nicht mehr ausreichend ab. Der umliegende Knochen wird überlastet und versucht, sich durch unregelmäßiges Wachstum zu verstärken. Dabei wird der Gelenkkopf durch die überschießende Knochenproduktion regelrecht eingemauert.

Wie macht sich eine Hüftgelenksarthrose bemerkbar?

Eine Arthrose im Hüftgelenk entwickelt sich über Jahre und macht sich nur schleichend bemerkbar. Im Anfangsstadium fallen die ersten Schritte nach dem Aufstehen nicht so leicht wie sonst und schmerzen vielleicht etwas. Das gibt sich schnell wieder, kommt aber immer öfters vor.

Im weiteren Verlauf entstehen Schmerzen bei bestimmten Bewegungen wie beispielsweise beim Bücken, beim Aussteigen aus dem Auto oder beim Abwärtssteigen von Treppen.

Hüftgelenksarthrose: Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose kann das Hüftgelenk dann auch im Ruhezustand wie etwa im Sitzen oder Liegen stark schmerzen und die Beweglichkeit wird zunehmend eingeschränkt.

Zusammenfassend weisen folgende Anzeichen auf eine Hüftgelenksarthrose hin:

  • Anlaufschmerzen in der Hüfte sind Beschwerden, die zu Beginn einer Bewegung entstehen, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen. Nach einiger Zeit klingen die Schmerzen wieder ab
  • Hüftgelenkschmerzen bei längerer Belastung oder beim Abwärtssteigen von Treppen
  • Leistenschmerzen können auch über den Oberschenkel bis in das Knie ausstrahlen
  • verändertes Gangbild (Hinken): Durch die einseitige Gelenkabnutzung und um Schmerzen gering zu halten, bewegen sich viele Betroffene eingeschränkt fort
  • Ruheschmerzen im Sitzen oder Liegen
  • eingeschränkte Beweglichkeit: Der Oberschenkel lässt sich kaum und nur unter Schmerzen strecken, beugen, abspreizen oder drehen

Die richtige Diagnose führt zur richtigen Therapie

Wer fürchtet, unter Gelenkarthrose zu leiden, sollte sich von seinem Hausarzt zu einem Orthopäden überweisen lassen. Dieser kann mithilfe von Blutuntersuchungen und Röntgenbildern erkennen, ob und um welche Gelenkerkrankung es sich handelt. Denn auch Gicht und Rheumatismus sind nicht selten in unserer Gesellschaft.

Zu Beginn der Untersuchung wird der Patient vom Arzt hinsichtlich seiner Krankheitsvorgeschichte, der Lebensweise und möglicher ähnlicher Fällen in der Familie befragt (Anamnese).

Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Hier werden Gang und Haltung auf eine mögliche Fehlstellung geprüft sowie Gelenke auf Druckempfindlichkeit und Schwellungen abgetastet. Auch die Beweglichkeit des Gelenks wird untersucht, um festzustellen, wie weit die Arthrose fortgeschritten ist.

Die wichtigste Untersuchung zur Diagnosefindung ist jedoch die Röntgenuntersuchung. Denn auf einem Röntgenbild lässt sich zum Beispiel erkennen, ob und wie stark der Gelenkspalt verengt ist und ob sich Auswüchse an den Knochen (Osteophyten) gebildet haben. Weitere Anzeichen einer Hüftgelenksarthrose sind Löcher in der Knochenoberfläche (Geröllzysten) oder eine verdichtete Knochensubstanz unterhalb der Gelenkflächen (subchondrale Sklerosierung).

In der Regel reichen diese Untersuchungen als Maßnahmen der Diagnostik aus. Um andere Erkrankungen im Hüftgelenk auszuschließen oder um Schäden an den Weichteilen wie Bändern und Muskeln zu erkennen, können weitere bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) angewendet werden.

Konservative Therapie der Hüftgelenksarthrose

Arthrose ist nicht heilbar. Jedoch kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt und Schmerzen können gelindert werden. Besonders im Anfangsstadium kann der Betroffene aktiv dazu beitragen, die Arthrose in Schach zu halten.

Bei der konservativen Therapie stehen Schmerzlinderung sowie die mechanische Entlastung des Hüftgelenks im Vordergrund. Neben einer Behandlung mit Medikamenten wie Schmerzmitteln oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können durch gezielte physiotherapeutische Übungen Gelenkblockaden verringert und die Beweglichkeit des Gelenks erhalten oder sogar deutlich verbessert werden.

Operative Therapie der Hüftgelenksarthrose

Ist die Arthrose allerdings zu weit fortgeschritten, hilft oftmals nur noch eine Operation. Hier gibt es zwei OP-Verfahren.

  • Osteotomie: Dieses Verfahren korrigiert die Position der Gelenkflächen und wird meist bei Fehlstellungen angewandt. Allerdings sinken die Erfolgschancen mit zunehmenden Alter und fortgeschrittenen Stadium der Arthrose. Daher wird diese Operation heute eher selten durchgeführt.
  • Endoprothese: Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks ist die weitaus häufigere Therapiemaßnahme. Bei einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) wird sowohl der Gelenkkopf als auch die Gelenkpfanne ersetzt. Bei einer Teilprothese wird hingegen lediglich der Hüftkopf ersetzt.

Künstliche Hüftgelenke für Jung und Alt

Bis jetzt gibt es noch kein Material, das ebenso belastbar und leistungsfähig ist wie das natürliche Gelenk. Doch im Schnitt halten Hüftgelenksprothesen über 15 Jahre. Ob man eine Prothese aus Keramik, Metall oder Plastik nehmen sollte, hängt von vielen Faktoren ab und muss daher individuell entschieden werden.

Die Haltbarkeit einer Hüftprothese ist maßgeblich davon abhängig, wie gut sie im Oberschenkelknochen verankert ist. Bei älteren Menschen ist dieser oft nicht mehr so stabil, weshalb das künstliche Hüftgelenk mit einem speziellen Zement mit dem Knochen verbunden wird.

Bei jüngeren Patienten kann die Prothese besser in den Oberschenkel einwachsen, weswegen hier häufig eine zementfreie Fixierung verwendet wird. Zudem kann das künstliche Gelenk in solchen Fällen bei Bedarf besser ausgetauscht werden.

Für jeden Patienten das richtige Material

Auch künstliche Hüftgelenke müssen viel aushalten. Vor allem bei jüngeren, aktiven Patienten. Während bei älteren Patienten oft Erkrankungen wie die Gelenkarthose Ursache eines geschädigten Hüftgelenks sind, wird bei jüngeren Menschen dieses wichtige Gelenk vor allem durch schwere Unfälle beim Sport oder in Straßenverkehr geschädigt. Auch eine Krebserkrankung kann dazu führen, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muss.

Bewährte Implantate bestehen aus Kunststoffen und/oder Metallen. Sie halten im Schnitt 15 Jahre, bevor sie sich lockern und eine neue Operation nötig wird. Besonders geeignet für junge Patienten scheint aber der Werkstoff Keramik zu sein. In einer fünfjährigen Studie beobachteten US-amerikanische Forscher aus Chicago die Kunstgelenke von über 1.000 Hüftgelenkspatienten.

Ihre Messungen ergaben, dass die Keramikhüften bis zu 400 Mal belastbarer sind als Implantate auf Kunststoff-Metall-Basis. Bei Gelenkpfannen aus Kunststoff reiben sich stetig kleinste Mengen des Material ab, was zu Entzündungen rund um das Implantat und damit zu Lockerungen führt. Keramik dagegen ist abriebfest.

Bewegung auch nach der OP der beste Weg zur dauerhaften Mobilität

Muss das kranke Gelenk ersetzt werden, kann der Patient schon wenige Tage nach der Operation mit Übungen zur Mobilisierung beginnen. Anschließend lernt der Patient in der Reha, mit der neuen Beweglichkeit umzugehen. Wichtig ist hierbei der gezielte Muskelaufbau rund um das neue Gelenk, damit dieses ausreichend gestützt wird.

Ob das Implantat richtig sitzt, wird bei regelmäßigen Untersuchungen beim Orthopäden festgestellt. Röntgenbilder zeigen schon die kleinste Veränderung rund um das Kunstgelenk und oft kann bei frühzeitigem Eingreifen die Lebensdauer der künstlichen Hüfte erheblich verlängert werden.

Aktualisiert: 14.03.2018 – Autor: Susanne E. Kaiser, überarbeitet: Nadja Weber

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