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Schienbeinschmerzen – was tun?

Schmerzen am Schienbein © istockphoto, Dirima

Schienbeinschmerzen treten häufig bei Sportlern während oder nach dem Training auf. Insbesondere beim Joggen kommt es oft zu ziehenden bis stechenden Schmerzen im Bereich des vorderen oder inneren Schienbeins. Ursache ist meist eine Überlastung oder Fehlbelastung, etwa durch eine falsche Lauftechnik oder ungeeignetes Schuhwerk. Dadurch kann es zu Reizungen von Muskeln und Sehnen sowie zu einer Knochenhautentzündung kommen.

Schmerzen am Schienbein

In seltenen Fällen können Schienbeinschmerzen aber auch ein Anzeichen für einen Ermüdungsbruch oder für das sogenannte Schienbeinkantensyndrom sein. Bei letzterem führt das durch das Training bedingte Wachstum des Muskels zu einer Einengung von Nerven und Blutgefäßen. Im schlimmsten Fall können Schäden an Muskeln und Nerven die Folge sein. Daher sollten Sie bei anhaltenden Schmerzen im Schienbein immer einen Arzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen.

Überbelastung: Häufige Ursache von Schienbeinschmerzen

Intensives Training ohne ausreichend Ruhetage oder zu hohe Belastung nach längerer Trainingspause können bei Sportlern schnell zu Schmerzen im Schienbein führen. Besonders beim Laufen wird der vordere Schienbeinmuskel stark beansprucht. Dadurch kann es zu einer Schädigung der Muskelfasern oder einer Reizung der Sehnenansätze kommen.

Dies äußert sich dann durch ziehende oder stechende Schmerzen an der Vorderseite des Schienbeins, die während oder nach dem Joggen auftreten.

Ebenso können falsch sitzende oder schlecht abfedernde Laufschuhe zu einer Fehlbelastung der Muskeln und Sehnen führen und folglich Beschwerden verursachen. Auch der abrupte Wechsel des Laufuntergrundes – etwa von Waldboden auf Asphalt – kann zu Schmerzen im Schienbein führen.

Knochenhautentzündung als mögliche Folge

In manchen Fällen kann eine Überbelastung auch eine Knochenhautentzündung (Periostitis) zur Folge haben. Dabei führt der ständige Wechsel aus Anspannung und Dehnung des Schienbeinmuskels beim Laufen zu einer Reibung zwischen Knochenhaut und Schienbeinknochen wodurch sich auf Dauer die Knochenhaut entzünden kann. Hierbei treten die Schmerzen verstärkt bei Druck auf das Schienbein auf und lassen in Ruhepausen nach. Zudem kommt es meist zu einer Schwellung im betroffenen Bereich.

Ermüdungsbruch ausschließen lassen

Ähnliche Symptome wie bei einer Knochenhautentzündung können auch bei einem Ermüdungsbruch (Stressfraktur) des Schienbeins auftreten. Im Gegensatz zu einem traumatisch bedingten Knochenbruch äußert sich ein Ermüdungsbruch durch schleichend beginnende Schmerzen bei Belastung, die zunächst noch in Ruhe abklingen. Später bleiben die Beschwerden dann dauerhaft bestehen und bessern sich auch bei Schonung nur geringfügig.

Ein Ermüdungsbruch des Schienbeins ist bei gesunden Menschen selten und tritt nur bei starker, dauerhafter Überbelastung auf. Ein erhöhtes Risiko für einen Ermüdungsbruch besteht allerdings bei verringerter oder krankhaft veränderter Knochensubstanz, beispielsweise bei:

  • Osteoporose
  • dauerhafte Einnahme von Kortison
  • Mangelernährung oder strengen Diäten
  • Vitamin D-Mangel
  • Frauen in den Wechseljahren oder mit Störungen des Menstruationszyklus
  • Hormonstörungen mit einer Überproduktion von Parathormon (Hyperparathyreoidismus)

Schienbeinkantensyndrom: Gefahr für Muskeln und Nerven

Eine weitere Folge von ungewohnter, starker Belastung oder übermäßigem Training der Unterschenkelmuskulatur kann das Schienbeinkantensyndrom (Tibiakantensyndrom) sein. Dabei führt die Volumenzunahme des Schienbeinmuskels dazu, dass der Druck in einem durch Bindegewebshüllen abgegrenzten Bereich des Unterschenkels steigt. Wenn das Muskelwachstum so rasch erfolgt, dass sich das Bindegewebe nicht ausreichend anpassen kann, können Blutgefäße eingeengt werden. Dann wird der Muskel bei Belastung nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, was Schmerzen verursacht.

Typischerweise beginnen bei diesem Syndrom die Schmerzen nach einer Laufstrecke von etwa 500 Metern und halten auch nach der Belastung an. Im fortgeschrittenen Stadium zwingen die Schmerzen den Patienten meist zum Abbruch des Trainings. Beim Schienbeinkantensyndrom ist das Schienbein in der Regel geschwollen und schmerzt bei Druck sowie beim Anheben des Fußes in Richtung Knie. Zudem können Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Bereich des Fußes auftreten.

Wird das Schienbeinkantensyndrom nicht behandelt, kann es durch die mangelnde Sauerstoffzufuhr im schlimmsten Fall zum Absterben von Muskelfasern oder einer Schädigung von Nerven kommen. Unter Umständen kann dann eine Operation notwendig sein, um den Druck im Gewebe zu verringern. Wenn Sie Symptome eines Schienbeinkantensyndroms bei sich bemerken, sollten Sie also Ihr Training abbrechen und möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Viele Namen, ein Problem

In Fachkreisen wird das Schienbeinkantensyndrom auch Tibialis-anterior-Syndrom oder Shin Splints genannt und dient gelegentlich auch als Überbegriff für belastungsbedingte Schmerzen im Schienbein.

Morbus Osgood-Schlatter: Jugendliche häufig betroffen

Hinter Schmerzen im Bereich des oberen Schienbeins kann auch ein sogenannter Morbus Osgood-Schlatter stecken. Bei dieser Erkrankung kommt es zum Absterben von Knochen in dem Bereich des Schienbeins, wo das Kniescheibenband ansetzt. Die genaue Ursache des Morbus Osgood-Schlatter ist unklar, möglicherweise spielt eine Überlastung des Knies durch Sport oder Übergewicht eine Rolle. Auch eine hormonelle Umstellung könnte zur Entstehung der Erkrankung beitragen, da häufig Jugendliche in der Wachstumsphase der Pubertät betroffen sind.   

Was tun bei Schmerzen im Schienbein?

Die erste Maßnahme bei Schienbeinschmerzen lautet: Schonung. Pausieren Sie mit Ihrem Training für einige Tage und vermeiden Sie starke Belastungen im Alltag. Oftmals führt schon Kühlen und Hochlegen des betroffenen Beines zu einer Besserung der Beschwerden. Auch lockernde Massagen und leichte Dehnübungen sowie lokal wirkende Salben mit dem Wirkstoff Diclofenac können zur Linderung der Schmerzen beitragen. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken meist sehr gut gegen Schmerzen – allerdings sollten Sie nicht länger als einige Tage eingenommen werden.

Schienbeinschmerzen: Wann zum Arzt?

Wenn die Schmerzen nach einigen Tagen nicht abklingen oder immer wieder auftreten, sollten Sie die Ursache von einem Arzt abklären lassen. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn die Beschwerden unabhängig von Sport oder körperlicher Belastung auftreten. Denn in sehr seltenen Fällen kann auch ein Knochentumor oder eine Metastase im Knochen hinter den Schmerzen im Schienbein stecken. Auch Schienbeinschmerzen als Folge eines Sturzes oder eines Unfalls sind ein Fall für den Arzt, denn durch ein Trauma kann es unter Umständen zu einem Bruch oder Haarriss – beispielsweise am Schienbeinkopf – kommen.

Durch richtiges Training vorbeugen

Belastungsbedingte Schienbeinschmerzen können sich durch richtiges Training vermeiden lassen. Wir haben für Sie Tipps zusammengestellt, wie Sie Schmerzen im Schienbein vorbeugen können:

  • Trainieren Sie in Maßen! Hören Sie auf, wenn Sie merken, dass Sie an Ihre Belastungsgrenze kommen und gönnen Sie sich regelmäßig Ruhetage.
  • Nach einer längeren Trainingspause sollten Sie langsam einsteigen, um die Muskeln wieder an die Belastung zu gewöhnen.
  • Bevorzugen Sie beim Laufen weichen Untergrund und vermeiden Sie abrupte Wechsel des Laufbodens.
  • Lassen Sie beim Kauf von Laufschuhen eine Laufbandanalyse durchführen, um die Schuhe individuell an Ihren Laufstil anpassen zu lassen. Auf Schuhe mit Spikes sollten Sie besser verzichten – sie federn die Stöße beim Laufen nicht ausreichend ab.
  • Wenn bei Ihnen Fehlstellungen der Füße vorliegen, kann es unter Umständen sinnvoll sein, Einlagen anpassen zu lassen.

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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