Knocheninfektion – wenn Bakterien die Knochen angreifen

Mann mit Knocheninfektion misst Fieber
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Bakterien sind nicht nur Ursache von Erkältungen oder Magen-Darm-Infektionen, sondern können auch an unseren Knochen Infektionen hervorrufen. Damit keine bleibenden Schäden an Knochen und Gelenken entstehen, ist eine frühzeitige Behandlung notwendig. Wir informieren Sie über verschiedene Arten von Knocheninfektionen, typische Symptome sowie Diagnose und Behandlung einer solchen Infektion.

Definition: Was ist eine Knocheninfektion?

Beide Bestandteile unserer Knochen, äußeres Knochengewebe und inneres Knochenmark, können von einer Knocheninfektion betroffen sein. Ist das Knochenmark entzündet, spricht man von einer Osteomyelitis. Betrifft die Infektion nur das Knochengewebe, liegt eine Ostitis (oder Osteitis) vor.

Da unsere Knochen nicht so gut durchblutet sind wie z.B. unsere Lunge, kann die körpereigene Abwehr gegen Infektionen am Knochen nicht so effektiv arbeiten. Als Folge kommt es zu einer sogenannten nekrotisierenden Entzündung, die zum Absterben des Gewebes führt. Der Knochen verliert also an Substanz.

Endogene und exogene Knocheninfektionen

Ausgelöst wird die eitrige Infektion der Knochen durch Bakterien. Je nachdem, wie die Krankheitserreger an ihr Ziel kommen, ob die Infektion plötzlich oder schleichend auftritt und welche Bakterien ursächlich sind, unterscheidet man verschiedene Formen.

  • Exogene Knocheninfektion: Wenn die Krankheitserreger von außen in den Körper eindringen und direkten Kontakt zum Knochen haben, spricht man von einer exogenen Infektion. Dies kann bei einer Verletzung, z.B. einem offenen Bruch, bei einer Operation oder bei einer Punktion – also einer Entnahme von Körpergewebe mit Hilfe einer Kanüle – passieren.
  • Endogene Knocheninfektion: Die Bakterien können auch von einem anderen Entzündungsherd im Körper, z.B. von einer Mittelohrentzündung, über das Blutsystem zu den Knochen gelangen. In diesem Fall spricht man von einer endogenen Infektion. Von einer endogenen Knocheninfektion sind meist Kinder und Jugendliche, dabei häufiger Jungen, betroffen.

Akute und chronische Knocheninfektionen

Außerdem kann die Infektion akut oder chronisch verlaufen:

  • Akute Knocheninfektion: Besitzen die Bakterien eine sehr hohe Infektionskraft – das nennt man Virulenz – und sind die Abwehrmechanismen des Patienten geschwächt, spricht man von einer akuten Knocheninfektion. Die Betroffenen entwickeln sehr rasch stark ausgeprägte Symptome.
  • Chronische Knocheninfektion: Ist auf der anderen Seite die Virulenz der Erreger niedrig und das Immunsystem des Patienten intakt, kommt es eher zu einem chronischen Verlauf. Die Krankheit entwickelt sich schleichend, die Symptome treten oft erst nach einiger Zeit (nach mehr als 6 Wochen) und mitunter nicht so stark auf.

Spezifische und unspezifische Knocheninfektionen

Je nach Art der Erreger werden außerdem die spezifische und die unspezifische Knocheninfektion unterschieden:

  • Spezifische Knocheninfektion: Ursache einer spezifischen Knocheninfektion sind die Erreger von Lepra, Tuberkulose, Syphilis oder Typhus. Tuberkulose kommt in den westlichen Industrieländern seltener vor als in vielen Regionen der Dritten Welt.
  • Unspezifische Knocheninfektion: Die anderen Knocheninfektionen durch Bakterien werden unspezifische Knocheninfektionen genannt. Sie werden meist durch Bakterien hervorgerufen, die zur Gattung der Staphylokokken gehören.

Symptome einer Knocheninfektion

Eine Knocheninfektion kann sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Dabei ist entscheidend, ob es sich um eine akute oder chronische Infektion handelt.

Wie äußert sich eine akute Knocheninfektion?

Eine Knocheninfektion zeigt nicht immer typische Symptome, was das Erkennen der Krankheit erschwert. Bei einer akuten Erkrankung kann hohes Fieber in Verbindung mit einem starken allgemeinen Krankheitsgefühl auftreten. Der betroffene Abschnitt des Knochens tut sehr weh und ist oft auch angeschwollen. Wenn die Entzündung nicht nur den Knochen, sondern ein ganzes Gelenk betrifft, schmerzt dieses ebenfalls und seine Beweglichkeit ist eingeschränkt.

Wie äußert sich eine chronische Knocheninfektion?

Bei einer chronischen Knocheninfektion treten die Symptome erst spät auf, abhängig von der Aktivität der Infektion. Allgemeinsymptome wie Fieber und Krankheitsgefühl fehlen hier häufig. Betroffene klagen eher über Schmerzen bei Belastung oder in Ruhe sowie über eine eingeschränkte Beweglichkeit der benachbarten Gelenke. Die Haut über dem betroffenen Bereich kann gerötet, erwärmt oder gespannt sein.

Als Komplikation kann eine Fistel auftreten: Das ist ein Gang, der sich zwischen dem erkrankten Knochen und der Körperoberfläche bildet. Er kann auch Sekret absondern. Die Haut in der Umgebung der Fistel ist oft tief eingezogen und sehr dünn.

Diagnose: Wie erkennt der Arzt eine Knocheninfektion?

Bei der Anamnese informiert sich der Arzt zunächst über die Krankengeschichte des Patienten, um Hinweise für eine Knocheninfektion zu entdecken. Wurde in letzter Zeit eine Operation durchgeführt? Gab es vielleicht einen Unfall mit einem offenen Bruch? Bei Kindern fragt er eventuell nach einer Mittelohrentzündung oder einer Kinderkrankheit wie Scharlach.

Anhand der Blutwerte stellt der Arzt danach fest, ob eine Entzündung im Körper vorliegt. Bei einer chronischen Knocheninfektion ist diese Methode allerdings unsicher, da hier die Entzündungswerte im Blut nicht immer deutlich erhöht sind. Auf dem Röntgenbild sieht der Arzt Veränderungen der Knochenstruktur. Im akuten Stadium der Krankheit ist das Röntgenbild allerdings häufig unauffällig, der für eine Infektion typische Knochenabbau tritt erst im späteren Krankheitsverlauf auf.

Auch in einer Ultraschalluntersuchung oder einer Magnetresonanztomographie kann man sehen, wie weit die Erkrankung den Knochen angegriffen hat und welche Strukturen betroffen sind. Um den genauen Erreger der Infektion festzustellen, führt der Arzt eine Punktion durch. So gewinnt er Flüssigkeit direkt aus dem Entzündungsherd. Im Labor wird dann festgestellt, um welches Bakterium es sich handelt. Dies ist für die weitere Behandlung mit einem Antibiotikum besonders wichtig.

Medikamentöse Behandlung der Knocheninfektion

Das Ziel der Behandlung ist es, die Infektion zu stoppen und den Abbau des Knochens und der umgebenden Weichteile aufzuhalten. Meist besteht die Therapie aus einem medikamentösen und einem operativen Teil. Durch die Verabreichung von Antibiotika sollen die Verursacher der Entzündung, die Bakterien, abgetötet werden. Dafür ist es wichtig, den genauen Erreger zu kennen, um das richtige Antibiotikum zu wählen.

Antibiotikabehandlung

So lange das Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung noch nicht vorliegt, verabreicht man meist eine Mischung aus mehreren Antibiotika, die die häufigsten Bakterien sicher abtötet. Ist der schuldige Erreger dann gefunden, kann gezielt das passende Antibiotikum gegeben werden. Da die Durchblutung des Knochens relativ schlecht ist, müssen die Antibiotika wesentlich länger (mindestens 3 Wochen) als bei einer Mittelohr- oder Nierenbeckenentzündung eingenommen werden.

Chirurgische Eingriffe

Wenn die Erreger bereits größere Teile des Knochens zerstört haben oder sich viel Eiter, entzündetes oder sogar abgestorbenes Gewebe gebildet hat, reicht eine medikamentöse Behandlung allein nicht aus, sondern es muss operiert werden – selbst wenn dabei größere Teile des Knochens verloren gehen.

Nach Abheilung des Infekts kann dann der Knochendefekt in einer zweiten Operation wieder rekonstruiert werden, indem z.B. gesundes Knochengewebe oder Knochenmark in den Knochenspalt eingesetzt wird. Fremdkörper, die sich im entzündeten Bereich befinden, werden ebenfalls entfernt. Dazu gehören z.B. Implantate wie ein künstliches Hüftgelenk oder Knochentransplantate. Jeder Fremdkörper sorgt nämlich dafür, dass die Infektion weiter aktiv bleibt.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die größte Gefahr bei einer Knocheninfektion ist die Sepsis, also eine Blutvergiftung. Dabei kommt es durch das permanente Eindringen von Bakterien und ihren Giften in die Blutbahn zu einer Allgemeininfektion des Körpers, die lebensgefährlich sein kann.

Gerade bei Kindern kann eine Knocheninfektion erhebliche bleibende Schäden hinterlassen. Denn durch die Entzündung können Wachstumsstörungen auftreten, wie z.B. ein Schiefwuchs oder ein verkürztes bzw. beschleunigtes Wachstum der Knochen, was gerade an den unteren Extremitäten ausgeprägte Beinlängendifferenzen hervorrufen kann. Auch die Zerstörung von Gelenken im frühen Alter kann zu langwierigen Fehlstellungen des Skeletts führen. Schon deshalb ist eine rechtzeitige Behandlung so wichtig.

Aktualisiert: 16.03.2017
Autor*in: Nathalie Blanck

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