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Spinalkanalstenose (Spinalstenose)

Rückenschmerzen bei Spinalkanalstenose © istockphoto, seoterra

Sitzen und Bücken sind kein Problem, Stehen und Gehen dagegen kaum auszuhalten? Bei solchen Symptomen ist eine Spinalkanalstenose die wahrscheinliche Diagnose – für ältere Patienten ist sie der häufigste Grund für eine Operation an der Wirbelsäule. Der Spinalkanal ist der Kanal in der Wirbelsäule, in dem das Rückenmark gut geschützt liegt. Seine Wand wird aus mehreren Strukturen gebildet: den Bandscheiben, den Zwischenwirbelgelenken und dem Ligamentum flavum, einem straffen Band, das die Wirbelsäule hinten in Längsrichtung stabilisiert.

Ursachen einer Spinalkanalstenose

Doch diese Umhüllung hat ihren Preis: Zum einen können sich – bei einem Bandscheibenvorfall – die Bandscheiben in den Spinalkanal vorwölben und den Platz für die Nerven vermindern. Zum anderen kommt es mit zunehmendem Alter an den Zwischenwirbelgelenken wie in anderen Knochen und Gelenken zu Verschleißerscheinungen.

Die Arthrose führt zu knöchernen Ausziehungen. Diese Knochenvorsprünge verengen den Wirbelkanal und verkleinern die Austrittspforten der Nerven. Verschärft wird die Spinalkanalstenose bei gestreckter Wirbelsäule, da das Ligamentum flavum dann eher kurz und dick ist, den Raum im Innern also noch mehr einengt. Beim Nach-vorne-Krümmen der Wirbelsäule, etwa beim Bücken, wird das Band dagegen auseinandergezogen und dadurch dünner. Deshalb lassen dann die Beschwerden fast sofort nach.

Spinalkanalstenose: Symptome und Diagnose

Die Spinalkanalstenose tritt vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf (lumbale Spinalkanalstenose), seltener auch als zervikale Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule (HWS) und sehr selten auch an der Brustwirbelsäule (BWS). Die Symptome der Wirbelkanalstenose entstehen durch die beeinträchtigte Funktion der Rückenmarknerven infolge der Enge.

Die Beschwerden sind typisch: Je nach Körperposition kommt es zu Schmerzen im Rücken und oft zu noch stärkeren Schmerzen in den Beinen. Die Schmerzen sind beim Stehen und Laufen ausgeprägt, beim Bücken und Sitzen dagegen nicht oder kaum vorhanden. Dazu kommen häufig ein Schweregefühl oder eine Verkrampfung in den Beinen sowie ein Taubheitsgefühl im Gesäß, das sich bis in die Beine erstrecken kann.

Betroffene mit einer Spinalkanalstenose kennen häufig alle Sitzgelegenheiten in der Umgebung, da sie das Sich-gerade-Halten kaum aushalten. Sie laufend deshalb auch oft gebückt. Aufgrund der Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Bein hinken sie auch häufig (Claudicatio spinalis). Mit der Zeit schränken sich durch die Spinalkanalstenose auch ihr Bewegungsradius und ihre Aktivitäten im Alltag ein.

Die Diagnose Spinalkanalstenose zu stellen, bereitet dem Arzt aufgrund der typischen Symptome meist keine Probleme. Mit Röntgen, Computertomographie und Kernspintomographie lassen sich gegebenenfalls andere Krankheitsbilder abgrenzen, etwa die Polyneuropathie. Ein dabei gespritztes Kontrastmittel (Myelographie) zeigt die Einengungen besonders deutlich.

Spinalkanalstenose behandeln

Die Spinalkanalstenose-Therapie erfolgt zunächst konservativ – die Maßnahmen entsprechen denen eines Bandscheibenvorfalls: krankengymnastische Übungen, entzündungshemmende Schmerzmittel (Antiphlogistika) und eventuell Kortison-Spritzen in den Wirbelkanal. Daneben werden für Spinalkanalstenose-Patienten spezielle Mieder angeboten, die die Wirbelsäule in einer Haltung unterstützen, die den Wirbelkanal und die Nerven entlastet.

Bessern diese Maßnahmen die Symptome der Spinalkanalstenose nicht ausreichend, muss zur Behandlung eine Operation erwogen werden. Zur Verfügung stehen – je nach Ausprägung der Symptome – minimalinvasive Maßnahmen und klassische Operationen. Bei der minimalinvasiven OP werden mittels Hautschnitt und örtlicher Betäubung Implantate (sogenannte Spreizer oder interspinöse Spacer) zwischen die Dornfortsätze eingebracht, die die Wirbel auseinander drücken und so den Spinalkanal weiten. Da das Operationsverfahren relativ neu ist, stehen Langzeitergebnisse noch aus.

OP: Langzeiterfolge sind gut

Meist ist zur Therapie der Spinalstenose letztlich eine operative Entlastung (Dekompression) der Nervenwurzeln unabdingbar. Früher wurde dazu eine komplette Laminektomie durchgeführt, es wurden also alle Strukturen an der Hinterseite des Wirbelkanals entfernt: Nicht nur das verdickte Ligamentum flavum und die Knochenvorsprünge an den Gelenken, sondern auch die Dornfortsätze der Wirbel und die Bandverbindungen dazwischen.

Problematisch war jedoch die dadurch entstehende Instabilität, die in der Folge oft zu Verschiebungen der Strukturen, etwa Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) und erneuten Beschwerden führte. Deshalb war dann häufig eine zusätzliche Stabilisierung (Spondylodese) erforderlich.

Aus diesem Grund werden heute bei der Operation der Spinalkanalstenose meist die Dornfortsätze und kleinen Bänder erhalten und nur die knöchernen Ausziehungen und das verdickte Ligamentum flavum entfernt. Zusätzliche Stabilisierungsverfahren sind nur dann nötig, wenn größere knöcherne Bereiche entfernt werden müssen. Die Langzeiterfolge sind gut – die meisten Betroffenen einer Spinalkanalstenose sind auch noch nach Jahren beschwerdefrei.

Aktualisiert: 06.08.2012 – Autor: Dagmar Reiche

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