Muskelfaserriss behandeln

Schmerzen nach Muskelfaserriss © istockphoto, Dirima

Einen Muskelfaserriss behandeln

Egal ob Muskelzerrung oder Muskelfaserriss: Wird eine Verletzung der Muskulatur vermutet, sollte die Bewegung sofort gestoppt und die Verletzung nach der sogenannten PECH-Regel behandelt werden.

PECH-Regel

  • Pause: Ob Muskelfaserriss in der Wade, im Oberschenkel oder im Arm: Das betroffene Körperteil sollte in den folgenden Tagen und Wochen so weit wie möglich geschont werden.
  • Eis: Kühlen hilft, die Schmerzen zu lindern und hemmt die Einblutung ins Gewebe. Das Kühlpack sollte jedoch nie direkt auf die Haut aufgelegt werden.
  • Compression: Legen Sie einen elastischen Druckverband an. Dadurch kann ein zu starkes Anschwellen der verletzten Stelle vermieden werden. Idealerweise tragen Sie vor dem Anbringen des Verbandes eine kühlende Salbe auf die verletzte Stelle auf.
  • Hochlagern: Legen Sie das betroffene Körperteil nach der Verletzung so oft wie möglich hoch, dadurch lässt sich der Blutfluss in das beschädigte Gewebe verringern.

Endgültige Gewissheit, ob eine Muskelzerrung, ein Muskelfaserriss oder ein Muskelriss vorliegt, kann nur ein Besuch beim Arzt geben. Dieser kann – falls nötig – auch eine physiotherapeutische Behandlung oder Massagen verschreiben.

Bei starken Schmerzen zum Arzt

Bei stärkeren Schmerzen sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, damit die Schwere der Verletzung genauer untersucht werden kann. Mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung kann der Arzt feststellen, was für eine Art von Verletzung vorliegt und wie groß der Schaden in der Muskulatur tatsächlich ist. Sind mehr als 75 Prozent des Muskels gerissen, muss der Muskelfaserriss unter Umständen operativ behandelt werden.

In den ersten 48 Stunden nach dem Muskelfaserriss sollte die betroffene Stelle möglichst viel gekühlt werden. Keinesfalls sollte man während dieser Zeit wärmende oder durchblutungsfördernde Salben verwenden, da sie die Einblutung ins Gewebe fördern können. Zu einem späteren Zeitpunkt dürfen solche Salben allerdings durchaus eingesetzt werden, um die Abheilung des Blutergusses zu fördern. Ebenfalls abzuraten ist von einer Dehnung der betroffenen Muskulatur direkt nach dem Muskelfaserriss, da sich durch das Dehnen die Verletzung noch verschlimmern kann.

Muskelfaserriss: Komplikationen

Bei einem Muskelfaserriss kommt es zu einer Einblutung ins Gewebe mit anschließender Blutergussbildung. Bei sehr starken Einblutungen kann es passieren, dass sich der Verletzungsbereich nicht vollkommen zurückbildet. Wächst Bindegewebe in den Bluterguss ein, bildet sich Narbengewebe, das deutlich weniger elastisch ist als das Muskelgewebe. Dadurch sinken die Kontraktionsfähigkeit und die Kraftausübung der Muskulatur. Zudem wird sie anfälliger für erneute Verletzungen.

Hat ein Patient auch nach dem Ausheilen der Verletzung noch Beschwerden, sind diese meist auf das Narbengewebe zurückzuführen. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, das Narbengewebe operativ zu entfernen.
Eine weitere Komplikation nach einem Muskelfaserriss besteht darin, dass sich um einen nicht vollständig verheilten Bluterguss eine Zyste bildet. Bei einer Zyste handelt es sich um eine Kapsel, die das nicht abgebaute Blut des Blutergusses enthält. Stört die Zyste, muss sie durch eine Operation herausgeschnitten werden.

Wird nach einem Muskelfaserriss zu früh wieder trainiert oder die verletzte Stelle zu früh massiert, kann es zu einer chronischen Entzündung in der Muskulatur kommen. In der Folge können Kalkablagerungen auftreten, die mit der Zeit verknöchern können (Myositis ossificans). Durch die Verknöcherung entstehen ähnlich wie bei der Bildung von Narbengewebes in der Muskulatur Bereiche, die weniger dehn- und kontraktionsfähig sind als der Rest der Muskulatur.

Muskelfaserriss: So lange dauert die Heilung

Wie lange es dauert, bis ein Muskelfaserriss abgeheilt ist, hängt immer vom individuellen Fall ab. In der Regel beträgt die Dauer des Heilungsprozesses zwischen vier und sechs Wochen. Wird der Muskelfaserriss direkt nach dem Auftreten der Verletzung nach der PECH-Regel behandelt, beeinflusst dies die Dauer des Heilungsverlaufs meist positiv.

Nach einer Schonphase von mindestens fünf Tagen ist während des Heilungsprozesses alles erlaubt, was keine Schmerzen bereitet. So ist in der Regel nach einigen Tagen bereits wieder eine leichte Belastung der betroffenen Muskulatur möglich. Haben Sie beim Belasten der Muskulatur im Alltag keine Beschwerden mehr, können Sie es auch mit moderatem Fahrradfahren, einem flotten Spaziergang oder einem lockeren Dauerlauf versuchen.

Sollten Sie bei einer Belastung Schmerzen verspüren, brechen Sie diese sofort ab, um eine weitere Schädigung der Muskulatur zu verhindern. Auf keinen Fall sollten Sie wieder voll ins Training einsteigen, bevor der Muskelfaserriss komplett verheilt ist. Verzichten Sie bis dahin unbedingt auf schnellkräftige, ruckartige Bewegungen in der verletzten Muskulatur.

Einem Muskelfaserriss vorbeugen

Aktiv vermeiden können Sie einen Muskelfaserriss oder eine Muskelzerrung nicht, doch mit ein paar einfachen Tipps und Tricks können Sie das Risiko für eine solche Sportverletzung deutlich senken:

  • Wärmen Sie sich sorgfältig auf: Durch das Aufwärmproramm vor dem Training steigen die Durchblutung und die Temperatur der Muskulatur. Dadurch kann die Muskulatur besser arbeiten und Verletzungen treten seltener auf.
  • Setzen Sie maximale Belastungen möglichst zu Beginn des Trainings. Die meisten Muskelfaserrisse treten nämlich erst 30 bis 60 Minuten nach Beginn der Belastung auf, wenn die Muskulatur bereits ermüdet ist.
  • Dehnen Sie Ihre Muskulatur sorgfältig, denn ein gut gedehnter Muskel ist weniger anfällig für Verletzungen.
  • Vermeiden Sie Dysbalancen: Ist Ihre Muskulatur beispielsweise an der Oberschenkelvorderseite deutlich stärker ausgeprägt als an der Oberschenkelrückseite, kann eine solche Dysbalance Verletzungen begünstigen.

Aktualisiert: 01.09.2020 - Autor: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin

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