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Was tun bei einem Kreuzbandriss?

Knie nach einem Kreubandriss © Angelo Esslinger

Eine der häufigsten Sportverletzungen ist der Kreuzbandriss. Kein Wunder, denn bei den meisten Sportarten werden die Knie stark belastet. Wir haben den Stuttgarter Orthopäden Dr. Christian Mauch zu Ursachen und Risiken sowie Folgen und Möglichkeiten der Behandlung befragt.

Warum sind Kreuzbandrisse so häufig?

Dr. Mauch: Aufgrund der wachsenden Beliebtheit extremer Freizeitsportarten und der kontinuierlich steigenden Anforderungen an Leistungssportler. Bestes Beispiel sind die Skiläufer mit den Carving-Skiern, die immer höhere Geschwindigkeiten ermöglichen.

Das Kniegelenk an sich ist wegen seiner komplizierten Bänderkonstruktion besonders verletzungsanfällig. Ein Innen- und ein Außenband sowie ein vorderes und ein hinteres Kreuzband sorgen zwar für Stabilität und Beweglichkeit, machen das Gelenk aber auch empfindlich. Meist reißt bei einer Sportverletzung das vordere Kreuzband, wenn das Knie überstreckt oder bei feststehendem Unterschenkel verdreht wird.

Was sind die Folgen einer solchen Verletzung?

Dr. Mauch: Operation und Sportverbot für die Dauer von drei bis sechs Monaten. Denn meist sind bei einer Kreuzbandverletzung auch Menisken und der Knorpel im Kniegelenk beschädigt. Die richtige Behandlung und Regeneration ist daher besonders wichtig.

Woran erkenne ich, ob das Kreuzband gerissen ist?

Dr. Mauch: Erste Anzeichen für eine ernste Knieverletzung sind starke Schmerzen, eine Schwellung und Blutergüsse im Gelenk. Eine eindeutige Diagnose, ob es sich um einen Riss handelt, ist vor Ort allerdings kaum möglich. Eine 100-prozentige Gewissheit bringen oft erst die Ergebnisse des Röntgens, der Kernspintomographie und der ärztlichen Untersuchung.

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen gibt es im Falle einer Kreuzbandverletzung?

Dr. Mauch: Das betroffene Bein zunächst einmal ruhig stellen und schonen. Gegen die Schwellung und zur Linderung der Schmerzen sollte das betroffene Knie mit Eis gekühlt und mit einem Druckverband stabilisiert werden. Und dann schnell zum Arzt, denn ein Erguss muss punktiert werden.

Wenn das Kreuzband gerissen ist, was kann der Arzt tun?

Dr. Mauch: Kreuzbandverletzungen können sowohl operativ als auch nicht operativ behandelt werden. Allerdings empfehle ich Sportlern und jungen Menschen immer eine Operation, ebenso Menschen, die einen körperlich anstrengenden Beruf ausüben.

Lediglich bei älteren Patienten, die keinen Sport treiben oder bereits einen deutlichen Knorpelschaden haben, rate ich von einer OP ab. Ohne Kreuzband kommt es früher zu einem Knorpelschaden (Arthrose) und bei sportlichen Patienten kann der nächste Unfall zu weiteren Verletzungen von Knorpel und Meniskus führen.

Angenommen, Sie entscheiden sich für eine Operation. Wann ist dafür der richtige Zeitpunkt?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. In der Literatur wird beschrieben, dass ein zu frühes Hineinoperieren in die frische Verletzung zu Vernarbungen im Knie führen kann. Daher empfehle ich, wie auch viele meiner Kollegen, einen sofortigen operativen Eingriff nach dem Unfall oder nachdem die erste Schwellung zurückgegangen ist.

Und wie wird der Kreuzbandriss dann operativ behoben?

Dr. Mauch: Die häufigste Operationsmethode ist die Kreuzbandplastik (ein neues Kreuzband). Bei dem schonenden und schnellen Eingriff wird das beschädigte Kreuzband durch ein Stück körpereigene Sehne, beispielsweise aus der Patellasehne oder der Semitendinosussehne, ersetzt. Nach sechs Wochen etwa ist das eingesetzte Sehnenstück fest mit dem Knochen verwachsen.

Übernimmt die neue Sehne alle Funktionen des Kreuzbandes?

Dr. Mauch: Ja, allerdings nur, wenn nach der Operation auf eine intensive Rehabilitation geachtet wird. Denn das Transplantat ist in den ersten zehn Monaten noch anfällig für neue Verletzungen. Die Nachbehandlung halte ich daher für fast genau so wichtig wie die Operation selbst. Das lege ich auch stets meinen Patienten ans Herz.

Was ist der Vorteil dieser Operationsmethode?

Dr. Mauch: Sie ist für den Patienten sehr schonend. Der ganze Eingriff erfolgt nämlich arthroskopisch, also lediglich über kleine Hautschnitte. Über einen ca. drei bis fünf Zentimeter langen Schnitt wird das Transplantat entnommen. Der Rest der Operation erfolgt ohne Eröffnung des Gelenkes. Über zwei kleine Hautschnitte wird das Gelenk von der einen Seite angeschaut und von der anderen Seite bearbeitet. Das neue Band wird durch so angelegte Bohrbereiche in das Gelenk eingezogen.

Aktualisiert: 01.06.2012 – Autor: Thilo Reutter

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