Prostatakrebs: Symptome, Behandlung & Prognose

Mann zeigt blaue Schleife gegen Prostatakrebs
© Getty Images/Panuwat Dangsungnoen

Der Prostatakrebs, auch Prostatakarzinom genannt, ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Die Erkrankung betrifft vor allem ältere Männer: Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren. Da diese Krebsart recht häufig ist, wird ab dem 45. Lebensjahr in Deutschland jedem Mann eine regelmäßige Untersuchung zur Früherkennung angeboten. Doch was ist die Prostata überhaupt? Was sind die Symptome bei Prostatakrebs? Wie wird Prostatakrebs behandelt und wie gut sind die Heilungschancen der Erkrankung? Das und mehr lesen Sie hier.

Was ist die Prostata und was ist Prostatakrebs?

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine etwa kastaniengroße Drüse des Mannes, welche die Harnröhre umgibt. Die Vorsteherdrüse produziert das Prostatasekret. Dieses Sekret macht beim Mann etwa 30 Prozent des Ejakulats aus und dient zum Schutz und zur Ernährung der Spermien. 

Leider neigt die Prostata dazu, sich sowohl gutartig als auch bösartig zu vergrößern. Eine gutartige Vergrößerung wird als benigne Prostatahyperplasie (kurz BPH) bezeichnet. Auch sie kommt beim älteren Mann häufig vor. Symptomatisch äußert sich die gutartige Prostatavergrößerung vor allem durch einen abgeschwächten oder stockenden Harnstrahl und häufiges Wasserlassen, auch in der Nacht. Diese Symptome treten auf, weil durch die Größenzunahme der Prostata die Harnröhre und Harnblase eingeengt werden. Behandelt werden muss eine BPH nicht zwingend. Allerdings können Patienten, wenn die Symptome als sehr störend empfunden werden, mit Medikamenten behandelt werden. Auch kann die Prostata operativ entfernt werden. 

Auch beim Prostatakrebs vermehrt sich das Gewebe, allerdings bösartig. Das bedeutet, die Prostatazellen vermehren sich stark und breiten sich nicht nur in der Prostata, sondern auch im umliegenden Gewebe aus. Die bösartigen Zellen können sich, wenn der Krebs nicht behandelt wird, im ganzen Körper ausbreiten und Metastasen bilden.

Ursachen von Prostatakrebs

Die Ursachen von Prostatakrebs werden bis heute intensiv erforscht. Vieles ist jedoch nach wie vor unbekannt. Zu den bereits bekannten Risikofaktoren zählen eine erbliche Vorbelastung, also Prostatakrebs in der Familie (zum Beispiel beim Vater oder Bruder), und ein ungesunder Lebensstil (Rauchen, viel Alkohol, wenig Bewegung).

Abgesehen vom regelmäßigen Gang zur Vorsorge und einem gesunden Lebensstil gibt es daher keine spezifischen Empfehlungen, die helfen, Prostatakrebs vorzubeugen oder das Risiko für die Entstehung zu reduzieren. 

Was sind mögliche Symptome bei Prostatakrebs?

In frühen Stadien verursacht ein Tumor der Prostata häufig gar keine Symptome. 

Erst wenn der Tumor an Größe zunimmt, kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommen. Vor allem ein Harnverhalt ist häufig, Betroffene haben also Schwierigkeiten beim Leeren der Blase oder können sie nicht vollständig leeren. Auch Inkontinenz und Impotenz sind mögliche Symptome. Da der Tumor umliegendes Gewebe zerstört, kann Blut im Urin auftreten. 

Allgemeine Anzeichen bei vielen Krebserkrankungen sind eine generelle Müdigkeit oder Abgeschlagenheit und ein Gewichtsverlust. Hierunter versteht man eine ungewollte Abnahme von mehr als zehn Prozent des ursprünglichen Körpergewichtes innerhalb von sechs Monaten. 

Hat ein Prostatakrebs bereits Metastasen gebildet, können auch diese zu Beschwerden führen. Das Prostatakarzinom metastasiert vor allem in die Knochen. Knochenschmerzen, insbesondere im Lendenwirbelbereich, können daher auch ein mögliches Symptom sein. Aber auch in die umliegenden Lymphknoten oder andere Regionen des Körpers kann sich das Prostatakarzinom ausbreiten, oftmals ohne dass dies Beschwerden verursacht.

Was wird bei der Untersuchung zur Früherkennung gemacht?

Da Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung des Mannes ist, in frühen Stadien selten Symptome verursacht und früh erkannt am besten behandelbar ist, wird allen Männern in Deutschland ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Früherkennungsuntersuchung angeboten. Für die Vorsorgeuntersuchung sollten Männer am besten ihre Hausarztpraxis oder den*die Urologen*Urologin aufsuchen.

Zur Früherkennung werden zwei Methoden angewandt, die digitale rektale Untersuchung sowie die Bestimmung des PSA-Werts im Blut. In Deutschland wird derzeit die Tastuntersuchung der Prostata ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich übernommen. Wünscht ein Patient zusätzlich die Bestimmung des PSA-Wertes, muss er diese Untersuchung selbst bezahlen (individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL).

Digital-rektale Untersuchung

Bei der sogenannten digital-rektalen Untersuchung wird durch den*die Arzt*Ärztin vom Enddarm aus die Prostata ertastet. Beim gesunden Mann fühlt sich die Prostata prall und elastisch an. Liegt ein Prostatakrebs vor, kann die untersuchende Person mitunter deutliche Verhärtungen an der Prostata ertasten. 

PSA-Wert-Bestimmung

Zusätzlich zur körperlichen Untersuchung kann auch ein Laborwert, das sogenannte Prostata-spezifische Antigen (kurz PSA) zur Erkennung von Prostatakrebs genutzt werden. Ist der PSA-Wert im Blut stark erhöht oder steigt mit der Zeit an, kann ein Prostatakrebs vorliegen. 

Ein Nachteil der PSA-Wert-Bestimmung ist, dass dieser Wert störanfällig ist. Durch Druck auf die Prostata, beispielsweise durch Radfahren oder die Tastuntersuchung, kann der Wert kurzzeitig ansteigen ohne dass Prostatakrebs vorliegt. Auch eine gutartige Vergrößerung der Prostata kann den Wert ansteigen lassen. Eine Erhöhung muss also nicht zwangsläufig bedeuten, dass Krebs vorliegt. Dies kann zu Verunsicherung und Stress beim Patienten führen.

Vorteil der PSA-Wert-Bestimmung ist es, dass ein Prostatakarzinom schon in sehr frühen Stadien, oftmals früher als durch die Tastuntersuchung, festgestellt werden kann.

Wie wird die Diagnose Prostatakrebs gestellt?

Wenn bei einem Patienten ein begründeter Verdacht auf Prostatakrebs vorliegt, beispielsweise durch eine auffällige Tastuntersuchung oder einen erhöhten PSA-Wert, müssen weitere Untersuchungen folgen, um die Diagnose zu sichern. 

Die wichtigste Untersuchung hierfür ist die sogenannte transrektale sonographiegesteuerte Prostatastanzbiopsie. Dieser komplizierte Begriff beschreibt eine Möglichkeit zur Gewinnung von Prostatagewebe, um festzustellen, ob tatsächlich Krebszellen in der Prostata vorliegen. Durch den Enddarm wird mithilfe einer Ultraschallsonde die Prostata aufgesucht und dann werden mithilfe einer Nadel Gewebeproben entnommen, die im Labor untersucht werden.

Zusätzlich zu dieser Biopsie werden beim Patienten häufig noch bildgebende Untersuchungen gemacht, wie zum Beispiel ein Ultraschall des Bauchraumes und eine MRT-Untersuchung, um festzustellen, ob der Krebs bereits in andere Gewebe gestreut, also Metastasen gebildet, hat. 

Wie wird Prostatakrebs behandelt?

Wird die Diagnose Prostatakrebs gestellt, sollte zügig ein Behandlungsplan gemeinsam mit den behandelnden Ärzten*Ärztinnen entwickelt werden. Wie Prostatakrebs behandelt wird, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Stadium des Krebses und dem Alter des Betroffenen. 

Grundsätzlich wird beim Prostatakrebs unterschieden zwischen einem frühen Stadium, in welchem der Krebs rein auf die Prostata begrenzt ist, und fortgeschrittenen Stadien, bei denen der Tumor die Kapsel, welche die Prostata umgibt, bereits durchbrochen oder Metastasen in entferntem Gewebe gebildet hat. 

Behandlung des Prostatakarzinoms im Frühstadium

Patienten ohne Metastasen werden in der Regel zwei gleichwertige Behandlungsmethoden angeboten: eine operative Entfernung der Prostata (Prostatektomie) oder die Bestrahlung der Prostata von außen. Bei beiden Therapieformen ist es das Ziel, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen beziehungsweise zu zerstören und damit den Krebs zu heilen. Operation und Bestrahlung sind beides gute Wege, um dieses Ziel zu erreichen, weshalb vielen Männern die Wahl gelassen wird, ob sie die OP oder die Strahlentherapie bevorzugen.

Eine weitere Option zur Behandlung beim sehr frühen Prostatakrebs ist die sogenannte aktive Überwachung. Viele Prostatatumoren wachsen sehr langsam, weswegen es ausreichend sein kann, alle drei Monate das Fortschreiten der Erkrankung zu überwachen und erst zu behandeln, wenn es im Verlauf zu einem stärkeren Wachstum des Tumors kommt.

Vorteil dieser Methode des Abwartenden Beobachtens ist es, dass viele Männer über längere Zeit ganz normal, also ohne Behandlung und die mit ihr einhergehenden möglichen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Inkontinenz oder Impotenz, leben können. Bei Patienten, die beispielsweise aufgrund eines höheren Lebensalters oder infolge anderer Erkrankungen keine lange Lebenserwartung mehr haben, kann es möglich sein, dass eine Therapie gar nicht notwendig wird. Dennoch ist es für viele Männer und ihre Angehörigen psychologisch belastend, mit einer unbehandelten Krebserkrankung zu leben. Auch hier gilt es also, dass die Entscheidung für oder gegen eine aktive Überwachung individuell abgewogen werden sollte. 

Therapie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Hat ein Prostatakarzinom bereits Metastasen gebildet, ergeben sich für den Betroffenen andere Optionen der Behandlung. Eine operative Entfernung der Prostata ist in metastasierten Stadien keine sinnvolle Therapie mehr, da sie die Lebenserwartung nicht verlängert. Eine Bestrahlung ist oftmals nach wie vor sinnvoll, da sie zum Beispiel bei Knochenmetastasen die Schmerzen verringern kann. Zusätzlich wird häufig eine antihormonelle Therapie beim fortgeschrittenen Prostatakrebs empfohlen. 

Eine Antihormontherapie hat den Zweck, dem Körper männliche Hormone zu entziehen, um das Tumorwachstum zu verlangsamen. Die Funktionsweise der antihormonellen Therapie beruht darauf, dass die meisten Prostatatumoren das Hormon Testosteron brauchen, um zu wachsen. Die Medikamente der Hormonbehandlung können entweder in Form einer Drei-Monatsspritze, welche als Depot ihre Wirkung entfaltet, oder als täglich eingenommene Tablette gegeben werden. Durch die hormonelle Umstellung kommt es häufig zu Nebenwirkungen wie zum Beispiel Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen.

Um das Tumorwachstum zu verlangsamen, wird bei einigen Patienten auch eine Chemotherapie eingesetzt. Auch diese bietet jedoch keine Möglichkeit zur Heilung und geht mit vielen Nebenwirkungen einher, weshalb der Einsatz individuell abgewogen werden sollte. 

Wie hoch sind die Heilungschancen bei Prostatakrebs?

Eine allgemeine Prognose zur Lebenserwartung bei Prostatakrebs lässt sich nur schwer abgeben. In vielen Fällen ist eine Heilung möglich, der Krebs kann jedoch auch tödlich erlaufen. Die Prognose hängt ab: 

  • vom Krebsstadium
  • von der Aggressivität des Tumors
  • vom Alter des Patienten
  • vom Allgemeinzustand des Patienten

Bei einem früh entdeckten Prostatakarzinom ohne Metastasen ist sowohl durch eine operative Entfernung der Prostata als auch durch eine Bestrahlung eine Heilung in der Mehrheit der Fälle möglich. Hat das Prostatakarzinom bereits gestreut, ist eine Heilung leider sehr unwahrscheinlich, aber das Fortschreiten der Erkrankung kann durch die antihormonelle Therapie verlangsamt werden. 

Wie stirbt man an Prostatakrebs?

Prostatakrebs im Endstadium verursacht viele verschiedene Symptome. Betroffene Männer werden zu diesem Zeitpunkt der Erkrankung meist von einem Palliativteam betreut und leben für die letzten Wochen oftmals im Hospiz. 

Häufige Symptome der Patienten sind Müdigkeit, Schmerzen durch die Metastasen und Wassereinlagerungen in den Beinen und der Lunge. Durch geeignete Schmerzmittel, beispielsweise Morphin, können die Schmerzen gelindert werden. Ziel der palliativen Betreuung ist es, die Lebensqualität der Patienten bis zum Schluss möglichst hochzuhalten und Beschwerden bestmöglich zu lindern. Doch nach und nach wird der Körper der Betroffenen im Verlauf der Erkrankung auch unter der besten Pflege immer schwächer. Viele Patienten verlieren stark an Gewicht. Wann und wie genau der Tod eintritt, ist allerdings nicht vorauszusagen. 

Um dem Betroffenen und seinen Angehörigen zu helfen, mit einer Krebserkrankung im Endstadium umzugehen, gibt es psychologische Beratungsangebote. Eine Gesprächstherapie oder eine Selbsthilfegruppe helfen Betroffenen oftmals, besser mit ihrer Diagnose umzugehen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
C61

Aktualisiert: 08.04.2022
Autor*in: Sophia Jäger, Studentin der Humanmedizin

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