Magenkrebs (Magenkarzinom): Anzeichen und Prognose

Magenkrebs (Illustration)
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Der Magenkrebs, auch Magenkarzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor der Magenwand und zeigt sich meistens mit Oberbauchschmerzen, Übelkeit und vermindertem Appetit. Im Anfangsstadium verursacht der Krebs meist keine Symptome. Daher fällt er oftmals erst in späten Stadien auf. Die Ursachen des Magentumors sind häufig länger andauernde oder chronische Magenschleimhautentzündungen. In 90 Prozent der Fälle handelt es sich bei dem Krebs um ein Adenokarzinom, also um entartetes Drüsengewebe. Im folgenden Artikel informieren wir Sie über Ursachen, Anzeichen, Verlauf und Therapie bei Magenkrebs.

Welche Symptome treten bei Magenkrebs auf?

Das Magenkarzinom gehört zu den sogenannten "stummen" Tumoren, die Anzeichen zeigen sich also sehr spät im Krankheitsverlauf und noch nicht im Anfangsstadium. Mögliche Symptome sind Oberbauchschmerzen, Völlegefühl und Nüchternschmerzen.

Beim Magenkrebs kann der Magen auch anfangen zu bluten. Wegen der Vermischung mit Gallenflüssigkeit, die erst im Dünndarm zum Speisebrei gemischt wird, erscheint das Blut im Stuhl schwarz. Dieser schwarze Stuhl nennt sich wegen seines Aussehens auch Teerstuhl. Bemerken Sie schwarzen Stuhl, über Wochen anhaltende oder wiederkehrende Oberbauchschmerzen, sollten Sie diese Beschwerden mit einer*einem Ärztin*Arzt besprechen.

Wie zeigt sich Magenkrebs?

Es gibt unterschiedliche Symptome, die auf einen Magentumor hinweisen können:

  • anhaltende, wiederholte Magenschmerzen
  • Völlegefühl
  • Schmerzen bei nüchternem Magen
  • schwarzer Stuhl (Teerstuhl)
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • ungewollte Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • neu entstandene Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, meistens Fleisch

Bei sehr weit fortgeschrittenen Tumoren kann es außerdem zu folgenden Symptomen kommen:

  • tastbarer Tumor im Oberbauch
  • Schwellung der Milz und Leber (Hepatosplenomegalie)
  • Lymphknotenschwellung

Ursachen: Wie beginnt Magenkrebs?

Bei Magenkrebs entarten Zellen der Magenschleimhaut, meist des Drüsengewebes. Es gibt verschiedene Risikofaktoren für die Entwicklung eines Magenkarzinoms. Diese werden in zwei Gruppen eingeteilt: Risikofaktoren, die von außen wirken, werden auch als exogen, und Risikofaktoren, die von innen wirken, als endogen bezeichnet.

Exogene Risikofaktoren

Zu den äußeren Einflüssen, die die Entstehung von Magenkrebs begünstigen können, gehören:

  • erhöhter Konsum von getrockneten, gesalzenen und geräucherten Speisen – wegen des hohen Nitratgehaltes
  • übermäßiger Alkohol- und Zigaretten- (Nikotin-) Konsum

Die Nitrate in den Lebensmitteln werden wahrscheinlich durch Bakterien in Nitrite umgewandelt. Diese sind krebserregend. Alkohol macht die Schleimhaut durchlässiger für schädliche Substanzen wie zum Beispiel Tabakrauch. Dadurch dringt der krebserregende Rauch leichter in das Gewebe ein. Das betrifft vor allem den oberen Verdauungstrakt und die Atemwege.

Endogene Risikofaktoren

Innere Einflüsse, die mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs in Verbindung gebracht werden, sind:

  • Magenentzündung (Gastritis): Dabei sind verschiedene Typen zu unterscheiden. Wichtig für die Entstehung von Magenkrebs sind zwei Arten:
    • Typ-B-Gastritis: Diese wird durch eine Bakterieninfektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht.
    • Typ-A-Gastritis: Bei der Gastritis vom Typ A handelt es sich um eine autoimmune Gastritis. Das Immunsystem des Körpers richtet sich gegen das eigene Gewebe, was zu Entzündungen der Magenschleimhaut führt.
  • Magengeschwüre: Magenentzündungen können Magengeschwüre auslösen. Ein Magengeschwür ist ein Defekt im Gewebe der Magenschleimhaut und kann Schmerzen und Blutungen verursachen.
  • Morbus Ménétrier: Dieser wird auch als Riesenfaltengastritis bezeichnet und ist eine Krebsvorstufe. Er geht häufig mit Helicobacter-pylori-Infektionen einher. Menschen mit dieser Erkrankung sollten sich regelmäßigen Kontroll-Magenspiegelungen unterziehen und eine etwaige Helicobacter-pylori-Infektion behandeln lassen.
  • Magenpolypen: Diese Polypen sind selten bösartig, können aber manchmal Krebsvorstufen sein und sollten in diesem Fall abgetragen werden.
  • familiär bedingte Mutationen, die die Betroffenen anfälliger für Tumorerkrankungen machen: Beim Vorliegen von Keimbahnmutationen, wie dem CDH1- oder HNPCC-Gen, ist das Magenkrebsrisiko erhöht.
  • Magenkarzinom einer eng verwandten Person: Ein Fall in der Familie bedeutet ein erhöhtes Risiko, selbst ein Magenkarzinom zu entwickeln.
  • Blutgruppe A: Magenkrebs tritt, im Vergleich zu anderen Blutgruppen, häufiger bei Menschen mit Blutgruppe A auf.

Reflux erhöht Risiko für Speiseröhrentumor

Ist der Übergang vom Magen zur Speiseröhre betroffen, nennt man diesen Tumor Karzinom des gastroösophagealen Übergangs. Er gehört zu den Speiseröhrentumoren. Wird die Speiseröhre regelmäßig durch Magensäure gereizt, kann sich schneller Speiseröhrenkrebs bilden. Der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre wird als Reflux bezeichnet. Reflux wird meistens als Brennen oder Schmerz wahrgenommen (Sodbrennen), er kann aber auch unerkannt bleiben.

Wer ist von Magenkrebs betroffen?

Magenkrebs tritt im Durchschnitt im Alter von 70 bis 75 Jahren unabhängig vom Geschlecht auf. Es gibt regionale Unterschiede: Am häufigsten tritt das Magenkarzinom in Südamerika und Südwestasien auf. Aufgrund seiner Seltenheit in Westeuropa gehören in Deutschland Screening-Untersuchungen auf Magenkrebs nicht zu den allgemein empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen.

Was wird bei einem Verdacht auf Magenkrebs gemacht?

Besteht der Verdacht auf Magenkrebs, stehen neben der Anamnese, also dem Gespräch über Beschwerden und Vorerkrankungen, verschiedene Untersuchungen zur Verfügung, um die Diagnose zu sichern und festzustellen, wie weit der Krebs fortgeschritten ist.

Magenspiegelung

Der Untersuchungsstandard bei einem Magenkarzinom ist die Magenspiegelung, auch Gastroskopie genannt. Dabei wird ein Schlauch mit einer Kamera durch den Mund und die Speiseröhre in den Magen geschoben. Dort kann die untersuchende Person die Magenschleimhaut begutachten und sogar kleine Gewebeproben entnehmen, um diese weiter zu untersuchen. Diese Untersuchung wird meist mit einer Sedierung durchgeführt, das heißt, man schläft während der gesamten Untersuchung.

Die Proben werden anschließend mithilfe eines Mikroskops untersucht und zur Bestimmung des Tumorstadiums genutzt.

Röntgenkontrastuntersuchung

Um den Magen in seinem Verlauf darzustellen und beispielsweise Verengungen zu erkennen, kann eine Röntgenkontrastuntersuchung durchgeführt werden. Die untersuchte Person trinkt dafür Kontrastmittel. Anschließend werden Röntgenaufnahmen vom Bauch gemacht.

Sonographie (Ultraschall)

Zur weiteren Beurteilung des Tumorstadiums können Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden. Der Schallkopf kann entweder von außen an den Körper gehalten werden, oder es wird ein spezieller Schallkopf über den Mund in die Speiseröhre eingeführt, um von dort zu schallen. Diese Technik nennt sich auch Endosonographie und ist für die untersuchte Person genau wie eine Magenspiegelung.

Computertomographie

Damit auch keine Tumorstreuung (Metastasen) übersehen wird, kann eine Computertomographie (CT) von Brust, Bauch und Becken durchgeführt werden. Die untersuchte Person wird durch eine schmale Röhre geschoben, die Röntgen-Schnittbilder vom Körper anfertigt.

Laparoskopie

Bei zweifelhaften Befunden ist auch ein minimalinvasiver Eingriff, die sogenannte Laparoskopie, möglich. Während die untersuchte Person unter Vollnarkose schläft, werden über zwei oder drei kleine Schnitte Kamera und Instrumente in den Bauch eingeführt, um den Zustand des Tumors besser zu beurteilen.

Blutwerte bei Magenkrebs: Welche sind wichtig?

Durch Blutung des Tumors kann es zu einer Blutarmut kommen. Man spricht von einer Eisenmangelanämie. Das zeigt sich in den Blutwerten an einer verringerten Konzentration des Eisenspeicherproteins und des sauerstofftransportierenden Proteins Hämoglobin. Die Größe der roten Blutkörperchen ist auch vermindert (MHC, MCV).

Die Bestimmung von Tumormarkern ist auch möglich, jedoch bei Beginn der Therapie ungeeignet und wird eher im Verlauf verwendet. Die möglichen Tumormarker in diesem Zusammenhang sind:

  • CA 19-9
  • CA 72-4
  • CEA

Wie wird das Magenkarzinom therapiert?

Es bestehen zwei Therapiemöglichkeiten beim Magenkarzinom: Es kann kurativ therapiert werden, dabei ist das Ziel die Heilung. Zum anderen kann die Behandlung palliativ erfolgen. Die Krankheit ist also schon so weit fortgeschritten, dass vor allem die Symptome behandelt werden, aber nicht mehr die Ursache. Die Strapazen einer möglichen Therapie werden streng gegen das Wohlbefinden und die Lebensqualität der erkrankten Person abgewogen.

Die kurative Therapie

In der Regel sind bei einem Magentumor nur frühe Tumorstadien heilbar. Die kurative Therapie besteht aus:

Bei der Operation wird in der Regel der gesamte Magen zusammen mit einigen Lymphknoten entfernt. In manchen Fällen ist es – abhängig von der Tumorlage – möglich, nur einen Teil des Magens zu entfernen.

Es gibt viele Möglichkeiten des Magenersatzes nach einer Magenentfernung. Die häufigste ist die sogenannte Roux-Y-Anastomose. Dabei wird nach der Magenentfernung der Übergang vom Zwölffingerdarm in den Leerdarm, auch Jejunum genannt, durchtrennt. Der Leerdarm wird an die Speiseröhre angenäht und der Zwölffingerdarm seitlich an den Leerdarm. Die Strukturen bilden so gemeinsam eine Y-Form.

Meist wird vor der OP noch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie, die Radiochemotherapie, begonnen. Diese wird auch während und nach der OP weitergeführt. Häufig wird dadurch auch erst eine OP ermöglicht, da der Tumor durch die Strahlung und die Medikamente weit genug geschrumpft ist.

Die palliative Therapie

Diese Therapie wird bei fortgeschrittenem Stadium, Endstadium und dem Vorliegen von Fernmetastasen (Metastasen, also Tochtergeschwulste in weiter entfernten Organen) durchgeführt. Auch bei Patient*innen, die beispielsweise aufgrund einer schweren Herzkrankheit nicht operiert werden können, wird eine Palliativtherapie angewendet. Im Mittelpunkt stehen die Schmerzlinderung und die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Schmerzmedikamente sind also ein wichtiges Werkzeug bei der palliativen Therapie des Magenkarzinoms.

Darüber hinaus können folgende Behandlungen angewendet werden:

  • Chemotherapie, die gut abgewogen werden sollte
  • Hilfsmittel zur künstlichen Ernährung
  • Magenteilentfernung

Falls im Verlauf der Erkrankung der Magendurchgang für den Speisebrei nicht mehr richtig funktioniert, kann beispielsweise ein Stent (ein Gittergerüst aus Metall) in den Magen eingelegt werden. Dieser erleichtert es dann dem Speisebrei, durch den Magen zu kommen. Eine weitere Möglichkeit ist ein künstlicher Mageneingang, die sogenannte perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG). Hierbei wird mithilfe einer Magenspiegelung ein Schlauch von außen durch die Haut in den Magen eingelegt. So besteht die Möglichkeit der Umgehung des Tumorbereichs durch die Nahrung. Bei dem Eingriff schlafen die Behandelten unter einer Sedierung.

Eine Magenteilentfernung ist nur in manchen Fällen sinnvoll, wenn beispielsweise eine Tumorblutung anders nicht beherrschbar ist.

Wie schnell entwickelt sich Magenkrebs?

Die Geschwindigkeit der Entwicklung lässt sich nicht eindeutig bestimmen, da die meisten Magenkarzinome erst spät bemerkt werden. Grundsätzlich kann der Krebs sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren entwickeln.

Stadien und Schweregrad: Die TNM-Klassifikation

Anhand der sogenannten TNM-Klassifikation können der Schweregrad und das Stadium der Krebserkrankung festgestellt werden. Dies ist unter anderem deshalb wichtig, weil Therapie und Prognose stark davon abhängen, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist.

Die TNM-Klassifikation richtet sich nach drei unterschiedlichen Kriterien:

  • Ausbreitung und Tiefe des Tumorwachstums (T-Kategorie)
  • Lymphknotenbefall (N-Kategorie)
  • Streuen des Tumors, der sogenannten Metastasierung (M-Kategorie)

Die folgende Tabelle wurde anhand der Leitlinie für die Diagnostik und Behandlung von Magenkarzinomen erstellt und modifiziert.1 Sie dient der groben Orientierung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte besprechen Sie bei Fragen Ihren Befund immer mit Ihrer*Ihrem behandelnden Ärztin*Arzt.

T-Kategorie
T1 Oberflächlich wachsender Tumor
T2 Tumor wächst bis in die Muskelschicht der Magenwand
T3 Tumor wächst bis in die bindegewebige Schicht der Magenwand (Subserosa)
T4 Tumor durchlöchert die organumgebene Bindegewebsschicht (Serosa, auch viszerales Peritoneum) oder wächst in benachbarte Strukturen
N-Kategorie
N0 Keine Tumorstreuung (Metastasen) in nahgelegene (regionäre) Lymphknoten
N1 Tumorstreuung in 1 bis 2 nahgelegene Lymphknoten
N2 Tumorstreuung in 3 bis 6 nahgelegene Lymphknoten
N3 Streuung in 7 oder mehr nahgelegene Lymphknoten
M-Kategorie
M0 Keine Tumorstreuung
M1 Tumorstreuung in fernere Organe

Prognose: Wie sind die Überlebenschancen bei Magenkrebs?

Das Magenkarzinom wird bei über der Hälfte der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Leider ist eine Heilung in diesen Fällen meist nicht mehr möglich. Wird der Tumor in den frühen Stadien entdeckt, liegt die Wahrscheinlichkeit, die nächsten fünf Jahre zu überleben, bei 90 bis 95 Prozent. Im fortgeschrittensten Stadium (Stadium 4) ist die Lebenserwartung erheblich verkürzt und die 5-Jahres-Überlebensrate liegt nur noch bei fünf Prozent.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
C16.-

Aktualisiert: 23.05.2022
Autor*in: Julia Scheuble, Studentin der Humanmedizin

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