Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenuntersuchung mit Ultraschall © iStockphoto, zilli

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 2.000 bis 3.000 Menschen an einem Schilddrüsenkarzinom – damit ist es eine der selteneren bösartigen Tumorerkrankungen. Frauen sind im Durchschnitt 3-mal häufiger betroffen als Männer. Es gibt verschiedene Formen mit unterschiedlicher Prognose. Da Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, gibt es vergleichsweise viele Menschen, die eine vergrößerte oder knotig veränderte Schilddrüse haben – Wissenschaftler gehen von 10 Prozent aus. In seltenen Fällen kann sich dahinter ein Tumor verstecken, dem zunächst keine Beachtung geschenkt wird. Symptome treten meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

Welche Krebsformen gibt es und wer ist betroffen?

  • Papilläres Schilddrüsenkarzinom: 35 bis 60 % der bösartigen Schilddrüsentumoren; 3-mal so viele Frauen wie Männer betroffen; Patienten meist über 40 Jahre. Prognose gut bis sehr gut.
  • Follikuläres Schilddrüsenkarzinom: 25 bis 40 % der bösartigen Schilddrüsentumoren, Frauen 3-mal häufiger betroffen; Patienten meist zwischen 40 und 50 Jahre alt.
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom: Geht von den C-Zellen aus, die das Hormon Calcitonin bilden. Macht 5 bis10 % der Tumoren aus, Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Das Erkrankungsalter liegt etwa bei 40 bis 50 Jahren. Die Prognose ist gut bis mäßig.
  • Undifferenziertes (anaplastisches) Schilddrüsenkarzinom: Die Zellart ist dabei nicht bestimmbar. Es macht etwa 10 bis 20% der Schilddrüsenkarzinome aus. Es sind doppelt so viel Frauen betroffen; das Erkrankungsalter liegt etwa bei 50 Jahren. Die Prognose ist schlecht, da sehr früh Metastasen gesetzt werden und der Tumor schlecht auf eine Therapie anspricht.
  • Sonstige: Hierunter werden alle andere Formen zusammengefasst, die sich in der Schilddrüse finden können, zum Beispiel Krebs von Oberflächenzellen oder Metastasen anderer Tumoren. Die Prognose hängt von der Grunderkrankung ab.

Wie entsteht Schilddrüsenkrebs?

Die genauen Ursachen sind wie bei den meisten Krebsarten bis heute nicht bekannt. Allerdings gibt es einige Faktoren, von denen man weiß, dass sie ein Schilddrüsenkarzinom auslösen können.

Ein bedeutender Punkt ist langjähriger Jodmangel – man geht davon aus, dass er das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, um das Zweifache erhöht. Insbesondere das follikuläre Karzinom tritt bei Menschen mit einer Schilddrüsenvergrößerung infolge Jodmangels häufiger auf.

Erbliche Faktoren spielen dagegen besonders bei dem medullären Schilddrüsenkarzinom eine Rolle. Nicht selten geht dieser Tumor mit hormonellen Störungen und Tumoren anderer Organe einher. Bereits lange bekannt ist, dass die Schilddrüse sehr sensibel auf ionisierende Strahlung reagiert. So wurde zum Beispiel bei Überlebenden nach dem Atembombenabwürfen in Hiroshima oder bei Opfern nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl eine stark erhöhte Zahl von Schilddrüsenkrebs festgestellt.

Wie äußert sich die Krankheit?

Häufig sind lange keine Symptome vorhanden. Erster Hinweis ist meist das rasche Wachstum der Schilddrüse, evtl. sind Knoten tastbar. Es können Schluckbeschwerden auftreten. Auch die angrenzenden Lymphknoten können vergrößert sein und so zu Druck-, Schluck oder Nackenschmerz führen.

Später kann der Stimmnerv abgedrückt werden, was Heiserkeit verursacht. Liegt ein Tumor vor, der Hormone produziert, können diese – wie bei einer Überfunktion  Symptome verursachen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Nach Erhebung der Krankengeschichte wird der Arzt zunächst die Schilddrüse und umliegende Lymphknoten abtasten. Eine wichtige Untersuchung ist der Ultraschall. Damit lassen sich Größe der Schilddrüse, Knoten, Zysten und andere Gewebsveränderungen feststellen.

Mit einer Szintigraphie lässt sich mittels radioaktiv markierten Kontrastmittels die Funktion der Schilddrüse darstellen. Bösartige Knoten sind meist "kalt", das heißt sie produzieren im Gegensatz zum normalen Gewebe keine Hormone. Mit einer gezielten Punktion kann mit einer feinen Nadel Zellmaterial aus verdächtigen Bezirken entnommen und unter dem Mikroskop beurteilt werden.

Bestätigt sich der Verdacht auf einen Tumor, dienen Computertomografie und Knochenszintigrafie dazu, Absiedlungen von Tochtergeschwülsten zu entdecken. Daneben wird Blut abgenommen und auf Hormone und andere Substanzen untersucht. Bei bestimmten Tumoren wird ein Familienscreening durchgeführt, um die erbliche Veranlagung zu bestimmen.

Welche Therapie gibt es?

Die wichtigste Behandlung ist die meist komplette Entfernung der Schilddrüse und angrenzender Lymphknoten. Etwa 4 Wochen nach der Operation schließt sich eine Radiojodtherapie an, um Metastasen oder verbliebene Gewebereste zu zerstören. Dazu wird radioaktives Jod in einer Kapsel geschluckt, das sich in dem entsprechenden Gewebe anreichert, dieses örtlich bestrahlt und so zerstört.

Diese Behandlung muss gegebenenfalls wiederholt werden. Eventuell wird auch eine Strahlentherapie von außen durchgeführt. Anschließend muss der Betroffene lebenslang Schilddrüsenhormone als Tabletten nehmen und sich für 10 Jahre halbjährlichen, dann jährlichen Kontrolluntersuchungen unterziehen.

Aktualisiert: 09.09.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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