Dyspnoe: Was steckt hinter Atemnot?

Frau mit Atemnot greift sich an Brustkorb © iStock.com/AntonioGuillem

Atemnot (Dyspnoe) ist ein sehr häufiges Symptom, das Ausdruck verschiedener Erkrankungen sein kann. Wichtig ist, beim Auftreten von Beschwerden richtig zu handeln, Risiken zu erkennen und Gefahren vorzubeugen. Worin die Ursache für Atemnot liegen kann und welche Therapien es gibt, lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist eine Dyspnoe?

Atemnot oder Dyspnoe bezeichnet das subjektive Gefühl, keine Luft zu bekommen oder Schwierigkeiten bei der Atmung zu haben. Wichtig ist in dieser Definition der Begriff subjektiv. Es zählt also das, was der Patient wahrnimmt und nicht das, was (objektiv) mittels Tests gemessen werden kann.

Der Fachbegriff Dyspnoe (Aussprache: Düspnö) kommt aus dem altgriechischen und setzt sich aus den Begriffen "dys" für "schwierig" und "pnoe" für "Atmung" zusammen. Es handelt sich um ein Symptom, das ganz unterschiedliche Erkrankungen als Ursache haben kann.

Einteilung der Atemnot

Je nach Art der Dyspnoe werden für das Symptom unterschiedliche Bezeichnungen verwendet:

  • In Ruhe: Ruhedyspnoe
  • Lageabhängig: Orthopnoe (im Liegen) oder Platypnoe (im Sitzen oder Stehen)
  • Beim Sprechen: Sprechdyspnoe
  • Bei körperlicher Belastung: Belastungsdyspnoe (zum Beispiel beim Laufen oder Treppensteigen)
  • Sich verstärkende Dyspnoe: progrediente Dyspnoe

Diese Unterscheidung der verschiedenen Arten von Dyspnoe dient auch dazu, diese nach ihrer Schwere einzuteilen. Hierfür wird meistens das Maß an Belastung, ab der die Dyspnoe auftritt, zugrunde gelegt. Hat der Betroffene bereits in Ruhe Luftnot, liegt eine Ruhedyspnoe vor. Hierbei kann dann noch unterschieden werden, ob die Dyspnoe erst beim Sprechen auftritt oder schon in absoluter Ruhe. Die Sprechdyspnoe zeichnet sich dadurch aus, dass die Betroffenen beim Reden immer wieder nach Luft schnappen müssen und dazwischen oft nur einzelne Wörter aussprechen können.

Tritt die Dyspnoe erst bei Belastung auf, wird von Belastungsdyspnoe gesprochen. Hierbei ist wichtig, ab welcher Belastung die Dyspnoe auftritt. Hat der Patient bereits beim Gehen ebener Strecken Beschwerden oder erst beim Treppensteigen? Hier wird zwischen leichter und schwerer Belastung unterschieden.

Die NYHA-Klassifikation

Für die Einteilung der Dyspnoe in verschiedene Schweregrade hat die New York Heart Association die sogenannte NYHA-Klassifikation entwickelt. Sie kommt jedoch nur in einem speziellen Fall zum Einsatz, und zwar bei Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Sie dient dazu, deren Belastbarkeit zu beschreiben und umfasst vier Grade:

  • NYHA I entspricht voller Belastbarkeit.
  • NYHA II entspricht leichter Einschränkung der Belastbarkeit und Dyspnoe bei starker Belastung.
  • NYHA III entspricht erheblicher Einschränkung der Belastbarkeit und Dyspnoe bei leichter Belastung.
  • NYHA IV entspricht einer dauerhaften Symptomatik, auch in Ruhe.

Was sind die Ursachen für eine Dyspnoe?

Die Gründe für Luftnot können sehr vielfältig sein. Neben schweren und ernsthaften Erkrankungen können auch harmlose Ursachen dahinterstecken. Die zugrundeliegenden Erkrankungen können ganz verschiedene Organe betreffen.

Dyspnoe bei Erkrankungen der Lunge

Wenngleich auch schwerwiegende Ursachen hinter einer Dyspnoe stecken können, sind die häufigsten Ursachen jedoch nicht lebensbedrohlich. So können vergleichsweise harmlose Infektionen wie eine Bronchitis eine Atemnot auslösen. Auch schwerwiegendere Infektionen wie eine Lungenentzündung können die Ursache sein. In diesem Fall ist häufig eine antibiotische Therapie notwendig und es sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. 

Auch chronische Erkrankungen wie Asthma bronchiale und die COPD sind häufige Ursachen. Beim Asthma tritt die Dyspnoe anfallsartig in Form von Dyspnoeattacken auf. Hier können Notfallsprays helfen. Verschlimmert sich die Atemnot bei einer bestehenden chronischen Erkrankung, sollte Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.

Folgende pulmonalen Ursachen (die Lunge betreffenden) können einer Dyspnoe zugrundeliegen:

  • Asthma bronchiale
  • Bronchitis
  • Infekt der Atemwege (Erkältung)
  • Atelektasen (unbelüftete Bereiche in der Lunge)
  • Lungenkrebs
  • COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
  • Cor pulmonale (auch bekannt als Lungenherz: Herzüberlastung aufgrund einer Lungenerkrankung)
  • Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge)
  • Lungenemphysem (Überblähung der Lunge infolge von Entzündungsprozessen)
  • Lungenfibrose (Vernarbung des Lungengewebes)
  • Mukoviszidose (angeborene Erkrankung der Lunge)
  • Pneumothorax (Kollaps eines Lungenflügels)
  • Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand)
  • Pleuramesotheliom (bösartige Erkrankung des Brustfells)
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Trachealstenose (Verengung der Luftröhre)
  • Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge)

Dyspnoe bei Erkrankungen des Herzens

Von Bedeutung ist hier vor allem die Herzinsuffizienz. Das Herz ist dabei sozusagen zu schwach, das Blut in ausreichender Menge durch den Körper zu pumpen. Dies kann sich in Atemnot niederschlagen, da der benötigte Sauerstoff nicht bis in die Zellen gelangt. Je nach Schwere tritt die Dyspnoe in diesen Fällen bei unterschiedlich starker Belastung auf (siehe NYHA-Klassifikation). Außerdem kann eine Verschlimmerung der Dyspnoe im Liegen (Orthopnoe), also vor allem nachts, auf die Herzschwäche hindeuten. Da es sich um eine ernstzunehmende chronische Erkrankung handelt, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Außerdem tritt Atemnot bei lebensbedrohlichen Notfällen wie dem akuten Koronarsyndrom (Herzinfarkt) auf. Die Betroffenen äußern Todesängste, sind kaltschweißig (schwitzen stark bei gleichzeitig kalter Haut), hyperventilieren (atmen also zu schnell) und verspüren einen Druck oder Schmerz in der Brust, der häufig in den linken Arm ausstrahlt. Hier ist sofort der Notarzt zu verständigen!

Folgende kardialen Ursachen (das Herz betreffenden) können hinter einer Dyspnoe stecken:

  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Herzklappenerkrankung
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Herzinfarkt, Angina pectoris (Brustenge)
  • Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung am Herzen)

Knochen und Muskeln als Ursache einer Dyspnoe

Auch muskuläre oder knöcherne Ursachen können hinter einer Atemnot stecken. Ist der Thorax (Brustkorb) in Mitleidenschaft gezogen, beispielsweise durch eine Prellung oder einen Bruch (Fraktur), kann das die Atemmechanik derart behindern, dass der Betroffene Luftnot verspürt.

Zudem können muskuläre Verspannungen oder blockierte Wirbel, insbesondere im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS-Syndrom), zu Atemproblemen führen. Typisch ist hierfür, dass neben den Atembeschwerden auch Rückenschmerzen auftreten.

Diese muskuloskelettalen (Skelett und Muskeln betreffende) Ursachen können eine Dyspnoe auslösen:

  • Thoraxtrauma (zum Beispiel Rippenbruch, Rippenprellung)
  • Spondilitis ankylosans (Morbus Bechterew, rheumatische Erkrankung)
  • Thoraxschmerzen (Schmerzen im Brustkorb) durch muskuläre Verspannungen
  • Blockade der Brustwirbelsäule (BWS-Syndrom)

Neuromuskuläre Ursachen einer Dyspnoe

Der Atemvorgang läuft unterbewusst ab und wird unterbewusst gesteuert – das heißt, wir müssen nicht ans Atmen „denken“. Dennoch sind Nervenzentren und Nervenfasern notwendig, damit wir atmen. Diese Nervenzentren liegen im Gehirn und senden elektrische Impulse über Nervenfasern an die beteiligten Muskeln und Strukturen.

Zum Beispiel müssen die Stimmlippen offengehalten werden, damit Luft hindurchströmen kann. Dies geschieht über den Nerven mit dem Namen "Laryngeus recurrens", der bei einer sogenannten Rekurrensparese ausfallen kann – dabei handelt es sich um eine Nervenschädigung. Auch das Zwerchfell bekommt über Nervenfasern Signale. Erkrankungen, die die Kommunikation zwischen Nerv und Muskel (neuromuskuläre Erregung) stören, führen dazu, dass die Muskeln aufgrund fehlender Signale des Nerven nicht mehr arbeiten. Betrifft dies die für die Atmung erforderlichen Nerven und Muskeln, kann eine Atemnot die Folge sein.

Diese neuromuskulären Ursachen (neurologische Erkrankungen) kommen als Auslöser einer Dyspnoe infrage:

  • Amyotrophische Lateralsklerose (Erkrankung mit fortschreitenden Lähmungen)
  • Myasthenia gravis (Erkrankung der neuromuskulären Erregung)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Rekurrensparese (Schädigung eines Nerven)
  • Tumorkachexie (extremer Gewichtsverlust aufgrund einer bösartigen Erkrankung)

Psychische Ursachen von Dyspnoe

Auch ein starker Erregungszustand, zum Beispiel bei einer Panikattacke, kann Atemnot auslösen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine eingebildete Atemnot, da sie für den Betroffenen absolut real ist. Vielmehr sind zwar Herz und Lunge völlig in Ordnung, die Psyche sorgt aber dennoch für eine ausgeprägte Symptomatik. Die Atemnot wird dann auch als psychogene Dyspnoe bezeichnet.

Auch Schmerzen versetzen den Körper in eine Art Alarmbereitschaft und können zu einer schnellen Atmung (Tachypnoe) bis hin zur Dyspnoe führen.

Folgende psychogene Ursachen können einer Dyspnoe zugrundeliegen:

Weitere Ursachen von Atemnot

Sonstige Ursachen einer Dyspnoe können sein:

  • Azidose (Übersäuerung des Blutes)
  • Allergische Reaktion, Anaphyalaxie (allergischer Schock)
  • Anämie (Blutarmut)
  • Adipositas (starkes Übergewicht)
  • Aspiration (Einatmen von Fremdkörpern oder Flüssigkeit)
  • Glottisödem (Anschwellen des Kehldeckels)
  • Struma (Schilddrüsenvergrößerung)
  • Starke Schmerzen

Wie äußern sich Atembeschwerden?

Eine Dyspnoe ist für andere nicht immer leicht zu erkennen. Kann der Betroffene sich äußern, berichtet er von einer erschwerten Atmung und Angst. Die Angst vor dem Ersticken ist eine der Urängste des Menschen und daher sehr stark ausgeprägt.

Kann der Betroffene sich nicht äußern, sollte auf körperliche Symptome geachtet werden, um die Atemnot zu erkennen. Diese umfassen:

  • Vermehrte Anstrengung beim Atmen: Die Betroffenen setzen sich in der Regel auf und stützen die Arme ab, um die sogenannte Atemhilfsmuskulatur einzusetzen. Außerdem ist eine größere "Atemexkursion" zu beobachten, also ein deutliches Heben und Senken des Brustkorbs.
  • Schnellere Atmung (Tachypnoe): Bei Erwachsenen gilt dies ab einer Atemfrequenz von mehr als 20 bis 25 Atemzügen pro Minute.
  • Vertiefte Atmung: Betroffene nehmen tiefe, lange Atemzüge.
  • Zyanose: Es zeigt sich eine Blaufärbung von Haut und/oder Schleimhäuten durch einen Sauerstoffmangel des Blutes.
  • Begleitsymptome: Der Stress und teilweise auch der Sauerstoffmangel, unter denen der Körper steht, können außerdem zu Herzrasen, Schwindel und Bewusstlosigkeit führen.
  • Bei Kindern: Insbesondere bei Kindern (teilweise auch bei Erwachsenen) können Einziehungen zwischen den Rippen (thorakale Einziehungen) und Nasenflügeln (deutliche Bewegung der Nasenflügel) beobachtet werden.

Ist Atemnot gefährlich?

Grundsätzlich ist es gefährlich, keine Luft zu bekommen. Dennoch bedeutet nicht jede Atemnot, dass Lebensgefahr besteht. Ob es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelt oder nicht, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Manche Probleme lassen sich schnell und folgenlos beseitigen, für andere ist eine intensive medizinische Versorgung notwendig. Grundsätzlich sollte das Symptom Atemnot ernst genommen werden.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Treten die Symptome einer Dyspnoe plötzlich oder sehr heftig auf oder ist die Ursache unbekannt, sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Eine Abklärung der Beschwerden muss unbedingt erfolgen, wenn Sie an Atemnot leiden.

Was kann man tun gegen Atemnot?

Grundsätzlich richtet sich die Therapie und kurzfristigen Maßnahmen bei einer Dyspnoe nach der Schwere und Art der Symptome. Traten die Beschwerden plötzlich oder über längeren Zeitraum auf? Ist eine Erkrankung des Herzes oder der Lunge bekannt? Ist der Betroffene noch ansprechbar? 

Der Betroffene sollte unbedingt nach einer Notfallmedikation oder einem Notfallspray gefragt werden. Viele Allergiker, Asthmatiker oder COPD-Patienten haben immer Medikamente für den Notfall dabei. Diese Fragen sollte man daher stets zuerst beantworten. Ist man sich unsicher, sollte in jedem Fall unverzüglich der Notruf gewählt werden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
R06.0

Aktualisiert: 30.09.2020 - Autor: Constantin Weichert, Student der Humanmedizin

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