Lungenembolie – Therapie und Verlauf

Frau mit Lungenembolie
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Bei einer Lungenembolie wird ein Blutgerinnsel, ein sogenannter Thrombus, in eine Lungenarterie eingeschwemmt und kann diese so verstopfen. Der Druck im Lungenkreislauf erhöht sich, das Herz wird stärker belastet. In der Folge fällt der Blutdruck ab, die Organe werden nicht mehr richtig durchblutet und dem Körper fehlt Sauerstoff. Dieser Zustand kann leicht lebensbedrohlich werden. Liegt eine Lungenembolie vor, muss also schnellstens eine ärztliche Behandlung erfolgen. Wie sieht die Therapie bei einer Lungenembolie aus, wie verläuft die Erkrankung und kann man einer Lungenembolie vorbeugen?

Welche Akuttherapie bei Lungenembolie gibt es?

Eine Lungenembolie muss immer im Krankenhaus behandelt werden. Treten zu Hause typische Symptome einer Lungenembolie wie Atemnot und Brustschmerzen auf, sollte deshalb sofort der Notruf verständigt und die betroffene Person halbsitzend gelagert werden. Durch diese Position wird der Blutfluss durch die Venen zum Herzen vermindert.

Als Basismaßnahme der Therapie werden Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie Sauerstoff verabreicht, eventuell auch kreislaufstabilisierende Substanzen.
Zudem wird das medizinische Personal bei stabilen Patient*innen mithilfe eines sogenannten validierten klinischen Scores (sPESI) mögliche Risiken und anhand derer das weitere Vorgehen bestimmen. Dazu werden unter anderem Blutdruck, Atemfrequenz und Temperatur gemessen sowie bekannte Vorerkrankungen und das Alter abgefragt.

Behandlung mit Medikamenten

Um zu verhindern, dass das Blutgerinnsel weiter anwächst oder neue Gerinnsel entstehen, werden gerinnungshemmende Medikamente wie Heparin intravenös eingesetzt oder gespritzt. Diese blutverdünnenden Mittel werden auch Antikoagulanzien genannt.

Parallel dazu wird eine Lungenembolie-Therapie mit gerinnungshemmenden Tabletten begonnen, die – je nach Risikofaktoren – für drei bis sechs Monate oder auch lebenslang genommen werden müssen. Diese Mittel bezeichnet man als direkte orale Antikoagulanzien (DOAK), den generellen Einsatz von Antikoagulanzien zur Behandlung oder Vorbeugung von Erkrankungen im Rahmen einer langfristigen Therapie Antikoagulation.

Zu den möglichen Nebenwirkungen dieser Behandlung zählt ein erhöhtes Blutungsrisiko, dass unterschiedliche Bereiche, wie den Magen-Darm-Trakt oder das Muskelgewebe betreffen kann.

Vitamin-K-Antagonisten als Alternative

Als Alternative zu den DOAK können Vitamin-K-Antagonisten eingesetzt werden. Diese kommen jedoch nur zur Anwendung, wenn Beschwerden durch den Einsatz von DOAK auftreten oder wenn bestimmte Erkrankungen vorliegen, die gegen die Nutzung von DOAK sprechen. Dazu gehören beispielsweise das Antiphospholipid-Syndrom oder eine Mitralstenose.

Thrombolyse in schweren Fällen

Handelt es sich um eine schwere Lungenembolie, muss das Blutgerinnsel aufgelöst werden. Diese Therapieform nennt sich Lyse-Therapie oder auch Thrombolyse. Dazu werden spezielle Medikamente eingesetzt, die sogenannten Fibrinolytika.

Fibrine sind ein wichtiger Bestandteil der Blutgerinnung. Die Proteine werden durch die Fibrinolytika gespalten, das Blutgerinnsel löst sich auf. Da Fibrinolytika verstärkt die Blutungsneigung anderer Organe erhöhen, werden sie in der Regel nur eingesetzt, wenn aufgrund der Lungenembolie bereits Herzversagen droht.

Behandlung durch mechanische Eingriffe

Kleinere Gerinnsel im Blut kann der Körper selbst auflösen, bei größeren muss eventuell künstlich nachgeholfen werden. Dazu stehen entweder als Infusion verabreichte Medikamente zur Verfügung oder das verstopfte Gefäß wird mit einem eingebrachten Katheter wieder durchgängig gemacht. Dazu wird der Katheter in das betroffene Lungengefäß eingeführt und das Blutgerinnsel dann zerkleinert.

Sind alle anderen Behandlungsoptionen fehlgeschlagen, bleibt auch noch der Versuch, das Gerinnsel chirurgisch im Rahmen einer Operation zu entfernen. Diese Operation wird als Thrombendarteriektomie bezeichnet. Dabei wird die betroffene Arterie freigelegt und das Blutgerinnsel entfernt.

Ist Bettruhe empfohlen?

Bettruhe bei Lungenembolie wurde in der Vergangenheit zum Teil verordnet, sollte nach erfolgreicher Behandlung aber nicht eingehalten werden, da Immobilität das Risiko von Thrombosen erhöhen kann. Sobald es den Betroffenen gesundheitlich möglich ist, sollten sie sich also wieder bewegen.

Wie ist der Verlauf einer Lungenembolie?

Die Lungenembolie ist eine gefährliche Krankheit – auch bei rechtzeitiger Diagnostik und Behandlung beträgt die Sterblichkeitsrate noch immer fünf bis zehn Prozent. Besonders in den ersten zwei Stunden nach Auftreten der Symptome ist das Sterberisiko sehr groß.

Überlebt die betroffene Person, liegt die Heilungsdauer bei etwa vier Wochen, denn in dieser Zeit kann das körpereigene System die Blutgerinnsel meist. Bei etwa der Hälfte der betroffenen Personen treten durch die Erkrankung jedoch Langzeitfolgen, wie anhaltenden Probleme mit der Atmung (Dyspnoe) und Erschöpfung, auf.

Bei etwa einem Drittel der Patient*innen kommt es zudem zu einem Rezidiv, also zu erneuten Venenthrombosen oder Lungenembolien. Deshalb müssen wie oben beschrieben vorbeugend Medikamente eingenommen werden.

Maßnahmen zur Verhinderung einer Lungenembolie

In bestimmten Fällen kann man in die Pfortader ein Drahtgeflecht (Cava-Schirmchen) einbringen, das als eine Art Filter die Thromben im Blutstrom abfangen soll, bevor sie in die Lunge gelangen. Darüber hinaus gibt unterschiedliche Maßnahmen und Verhaltensweisen, mit denen man dem erneuten Auftreten einer Thrombose vorbeugen kann:

  • Tragen Sie regelmäßig Kompressionsstrümpfen, die verschrieben und genau angepasst werden sollten.
  • Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit (kein Alkohol!).
  • Bewegen Sie häufig Beine und Füße. Passende gymnastische Übungen können durch ärztliches oder therapeutisches Personal gezeigt werden.
  • Auch Krankengymnastik zur Verbesserung der Lungenfunktion, beispielsweise in Form einer Reha-Behandlung, kann angebracht sein.
  • Reduzieren Sie nach Möglichkeit Risikofaktoren, wie Rauchen, wenig Bewegung oder die Einnahme der Pille als Verhütungsmittel.

Vor langen Flugreisen (insbesondere bei mehr als sechs Stunden Dauer) sollte mit dem*der Hausarzt*Hausärztin besprochen werden, ob eine vorbeugende Gabe zum Beispiel von Heparin sinnvoll ist.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
I26.-

Aktualisiert: 19.01.2022
Autor*in: Dagmar Reiche; überarbeitet: Jasmin Rauch

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