Blinddarmentzündung erkennen

Tastuntersuchung bei Blinddarmentzündung © istockphoto, Wavebreakmedia

Eine Blinddarmentzündung oder Appendizitis ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis). Der Name Blinddarmentzündung ist zwar allgemein gebräuchlich, aber nicht zutreffend, da sich die Entzündung eigentlich auf den Wurmfortsatz, der dem Anfang des Blinddarms anhängt, beschränkt.

Ursachen einer Blinddarmentzündung

Die Appendix hängt wie ein Wurm am Blinddarm (Durchmesser circa 1 cm). Aufgrund der Enge im Bereich der Mündung kann es leicht zu einem mechanischen Verschluss durch Fremdkörper (beispielsweise Kirschkerne, Kotsteine, alte Narben und Knickungen bei Verwachsungen) kommen.

Aber auch bei einer Entzündung des übrigen Darmes, bei Mandelentzündung, Grippe, Masern oder Scharlach können über das Blut Bakterien in den Wurmfortsatz gelangen. Seine Mündung verschließt sich dann durch das Anschwellen des Gewebes. Der daraus resultierende Sekretstau und die damit verbundene Ansammlung von Bakterien führt zu einer heftigen Reaktion, da die Appendix nicht wie der übrige Darm der Verdauung dient, sondern ein Organ der Infektabwehr ist.

Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sind Magen-Darmgrippe mit Durchfall, Entzündung der Gallenblase bei Steinleiden (Gallenkolik), Morbus Crohn und Nierenkolik.

Blinddarmentzündung: Anzeichen und Symptome

Die Diagnose der akuten Appendizitis beruht auf Krankengeschichte und körperlicher Untersuchung. Es gibt einen «klassischen» Verlauf, von dem jedoch viele Abweichungen möglich sind, insbesondere bei Kindern und älteren Patienten. Auch für den erfahrenen Untersucher ist es sehr schwierig, eine Blinddarmentzündung mit Sicherheit zu erkennen. Die Symptome entwickeln sich innerhalb von 12 bis 24 Stunden.

Zunächst kommt es zu Schmerzen im Nabelbereich oder darüber. Diese verlagern sich innerhalb weniger Stunden in den rechten Unterbauch. Schmerzen beim Gehen können durch Anheben des rechten Beines gelindert werden. Es kommt außerdem zu Übelkeit, die öfter mit Erbrechen einhergeht. Am so genannten Mac-Burney-Punkt (zwischen Nabel und Beckenkamm rechts) sind die Anzeichen einer lokalen Bauchfellentzündung mit Abwehrspannung, lokalem Druck- und Klopfschmerz vorhanden.

Die mit dem Stethoskop hörbaren Darmgeräusche sind leiser als normal. Dazu kommt Fieber mit einer Temperaturdifferenz von mehr als 0,8° C zwischen Achselbeuge und After. Bei der rektalen Untersuchung findet man oft einen Druckschmerz. Das Blutbild zeigt zudem häufig Entzündungszeichen. Bei Kindern ist eventuell Durchfall, hohes Fieber, Appetitlosigkeit und eine frühe Verschlechterung des Allgemeinbefindens zu sehen. Bei alten Patienten kann die Symptomatik abgeschwächt sein, jedoch mit einem rascheren Verlauf einhergehen.

Die unkomplizierte Blinddarmentzündung ist nach der Operation geheilt. In einigen Fällen kann es nach Jahren jedoch zu Verwachsungen im Bereich der Abtragungsstelle kommen, die dann zu einem mechanischen Darmverschluss führen.

Komplikationen bei einer Blinddarmentzündung

Hauptkomplikation bei einer Blinddarmentzündung ist der Durchbruch des eitrigen Sekrets aus dem Wurmfortsatz in die freie Bauchhöhle. Im Moment des Durchbruchs kann der Patient durch Aufhebung des Sekretstaus eine Erleichterung spüren, wobei die Schmerzen aber rasch wieder zunehmen. Durch die Streuung der Bakterien im Bauchraum kann das Leben des Patienten akut bedroht sein. Nach einem Durchbruch ist auch eine Abkapselung und Abgrenzung durch Verkleben mit der Netzschürze und umgebenden Dünndarmschlingen möglich (Abszess).

Ähnliche Beschwerden wie die Appendizitis verursachen bei Frauen übrigens die Entzündung der Eileiter, Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft, stielgedrehte Ovarialzyste und Schmerzen zur Zeit des Eisprungs. Daher sollte bei Frauen eine gynäkologische Erkrankung durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden. Bei Kindern kann eine entzündliche Lymphknotenschwellung im Bauch oder eine zwerchfellnahe Lungenentzündung eine Appendizitis vortäuschen.

Behandlung einer Blinddarmentzündung

Jeder appendizitisähnliche Befund, bei dem nach mehrstündiger Beobachtung eine Blinddarmentzündung nicht ausgeschlossen werden kann, sollte operiert werden. Eine konservative Behandlung kann bei appendizitischem Abszess und subakuter Appendizitis versucht werden. Das bedeutet für den Patienten Bettruhe, Nahrungskarenz, Antibiotikagabe, Laborkontrolle und wiederholte Untersuchungen. Die Operation, bei der der Wurmfortsatz entfernt wird (Appendektomie) - erfolgt durch Öffnen der Bauchdecken mit einem kleinen Schnitt am rechten Unterbauch. Bei sehr dicken Patienten oder unklarer Diagnose wird der Schnitt grösser und längs der Mitte des Unterbauches gelegt, da der Operateur dann eine bessere Übersicht hat.

Die laparoskopische Appendektomie, bei der optische Instrumente eingesetzt werden, wird normalerweise nur bei geplanten Eingriffen und nicht bei Notfällen vorgenommen. Dabei kann es sich um eine Gelegenheitsappendektomie oder Entfernung nach mehrmaliger leichter Entzündung im beschwerdefreien Intervall handeln. Um Sicherheit über die Ursache der Entzündung zu erhalten, wird die entfernte Appendix immer histologisch untersucht.

Aktualisiert: 15.06.2018

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