Stuhlgang: 13 Fragen & Antworten

Aufs Klo gehen, sein großes Geschäft verrichten oder Kot absetzen: Es gibt viele Begriffe für den Stuhlgang, den Gang zur Toilette. Ob es auf dem stillen Örtchen Schwierigkeiten gibt, darüber wird selten gesprochen. Stuhlgangprobleme sind noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Höchste Zeit also, Aufklärungsarbeit rund um den Stuhlgang zu leisten. Auf den folgenden Seiten dieser Fotostrecke erhalten Sie einfache Antworten auf viele spannende Fragen, die viele Menschen sich nicht zu stellen trauen.

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Wie lange dauert es vom Essen bis zum Stuhlgang?

Frau beim Stuhlgang auf der Toilette © patchanan promunat/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
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Die Zeit, die die Reste eines Brötchens vom Verzehr am Frühstückstisch bis hin zur Toilettenschüssel benötigen, kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Menschen, die verdauen langsam und solche, die über einen schnellverdauenden Darm verfügen. Därme von Frauen verdauen in der Regel ein wenig langsamer als die der Männer. Bei Verstopfung und hartem Stuhl benötigen die unverdaulichen Nahrungsbestandteile ungefähr hundert Stunden, bei Durchfall hingegen weniger als 10 Stunden, bis sie den Körper verlassen. Üblich sind rund 24 Stunden.

Und wie oft Stuhlgang am Tag ist normal? Die meisten Erwachsenen müssen einmal pro Tag für ein großes Geschäft auf die Toilette. Aber auch häufiger Stuhlgang (dreimal täglich) oder seltener Stuhlgang (alle drei Tage) sind normal.

Welche Farben kann Stuhl haben?

Frau beim Stuhlgang auf der Toilette © Westend61 via Getty Images
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Normalerweise hat Stuhl eine braune bis gelbbraune Farbe. Diese kommt vom roten Blutfarbstoff, der täglich frisch produziert und auch wieder abgebaut werden muss. Im Darm erzeugen die Bakterien aus den Abbauprodukten der Blutbestandteile die braune Farbe.

Stuhl kann auch andere Farben annehmen. Dafür sind oft Nahrungsmittel verantwortlich, die intensive Farbstoffe enthalten, wie beispielweise Spinat, was zu grünem Stuhl führen kann, oder rote Beete, was rot gefärbten Stuhl zur Folge hat.

Bei anderen Verfärbungen, wie schwarzer, sehr dunkler, grauer oder gelber Stuhl, sollte man etwas aufmerksamer sein. Beobachtet man diese Farben regelmäßig, dann kann eine Krankheit dahinterstecken. In diesem Fall sollte die Ursache vom Arzt abgeklärt werden.

Was bedeutet es, wenn der Stuhl oben schwimmt?

Kind betätigt Toilettenspülung nach dem Stuhlgang © PeopleImages/E+ via Getty Images
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Es kann vorkommen, dass der Stuhl im Wasser der Toilette nicht sofort absinkt, sondern schwebt oder oben schwimmt. Das liegt an vielen leichten Pflanzenfasern oder kleinen Gasbläschen, die im Stuhl enthalten sind. Die Bakterien der natürlichen Darmflora sind für dieses Gas verantwortlich. Wie viel Fasern und Gas im Stuhl enthalten sind, hängt davon ab, was man gegessen hat.

Solange man nicht unter Blähungen leidet, ist alles in Ordnung. Beobachtet man jedoch über einen längeren Zeitraum, dass der Stuhl schwimmt oder man sehr viel Luft im Bauch hat, dann kann eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Erkrankung dahinterstecken. In diesem Fall sollte die Ursache des schwimmenden Stuhls vom Arzt abgeklärt werden.

Woraus besteht Stuhl?

Mann beim Stuhlgang auf der Toilette © Jonathan Kirn/The Image Bank via Getty Images
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Stuhl besteht zu drei Vierteln aus Wasser. Das übrige Viertel setzt sich zusammen aus unverdaulichen Resten unserer Nahrung, wie Ballaststoffen, Pflanzenfasern oder Abbauprodukten des Stoffwechsels. Hinzu kommen Bakterien der Darmflora und tote Zellen der Darmschleimhaut. Also all das, was der Körper nicht mehr gebrauchen kann und loswerden möchte.

Was ist gesünder: Hocken oder sitzen?

Mann beim Stuhlgang mit einem Toilettenhocker © shutterstock, Koldunov Alexey
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Hierzulande kennen wir nur die Sitztoilette, das gewöhnliche Klo, auf dem man sitzen und sein Geschäft verrichten kann – und Zeitung lesen, Mails beantworten, telefonieren oder Fußballergebnisse checken. In anderen Ländern findet sich aber noch ein weiteres Klomodell: Die Hocktoilette, auch Hockklo genannt.

Die Hocktoilette ist ein Becken, das in den Boden eingelassen ist und über dem man sich in einer hockenden Position erleichtern kann. Das hat mehrere Vorteile: 

  • Der Enddarm befindet sich durch diese Körperhaltung in einer entspannten, geraden Position und der Stuhl kann leichter nach draußen rutschen.
  • Man verbringt weniger Zeit auf der Toilette, weil die Darmentleerung schneller vonstattengeht und man nicht gemütlich sitzen kann, spart also Zeit.
  • Eine Berührung mit der Toilette ist kaum möglich, was unter hygienischen Aspekten sinnvoll erscheint. 

Eigentlich gilt die Sitztoilette als "moderne" Ausstattung des stillen Örtchens. Aber im Hinblick auf die Vorteile der Hocktoilette sollte man dieses Modell nicht als altertümlich abtun. Nachrüsten kann man hierzulande einfach durch sogenannte Toilettenhocker, die vor die Toilette gestellt werden. Stellt man die Füße darauf ab, erzeugt man ebenfalls eine hockende Position.

Was kann einen Einfluss auf den Stuhlgang haben?

Frau geht zum Stuhlgang zur Toilette © Patcharanan Worrapatchareeroj/Moment via Getty Images
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Lebensmittelunverträglichkeiten, Allergien, Krankheiten, Krankheitserreger und Giftstoffe (Toxine) können Probleme beim Stuhlgang verursachen und einen Einfluss auf Häufigkeit, Farbe und Konsistenz des Stuhls haben. Es kann sowohl zu Durchfall, Blähungen, Verstopfung und Schmerzen als auch zu schleimigem Stuhl, ungewöhnlichen Stuhlfarben oder Blutbeimengungen kommen.

Was kann Blut beim Stuhlgang bedeuten?

Mann beim Stuhlgang auf der Toilette © Phngs' Theph Cit Hay / EyeEm via Getty Images
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Sieht man beim Abwischen ein wenig hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier und hat Schmerzen beim Stuhlgang, dann kann das auf kleine Einrisse am After (Analfissuren) hinweisen. Diese entstehen vor allem bei sehr hartem Stuhl und/oder chronischer Verstopfung. Aber auch Hämorrhoiden sind eine mögliche Ursache für das frische Blut, insbesondere dann, wenn gleichzeitig ein Juckreiz auftritt. Geronnenes Blut, das auch okkultes Blut genannt wird, erkennt man daran, dass es schwarz ist und nicht rot.

Blut im Stuhl und beim Stuhlgang sollte unbedingt vom Arzt abgeklärt werden, um ernsthafte Erkrankungen wie zum Beispiel Entzündungen, Divertikel oder bösartige Tumore (Darmkrebs) auszuschließen.

Wie kann man die Entleerung des Darms unterstützen?

Frau unterstützt Stuhlgang durch Müsli © Johner Images via Getty Images
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Besonders bei Verstopfung (Obstipation), wenn der Stuhl hart und trocken ist, ist die Darmentleerung eine beschwerliche Angelegenheit. Aber auch ohne Verstopfung funktioniert der Stuhlgang manchmal nicht so einfach, wie man es gerne hätte. Was kann man tun?

Es kann helfen, die Sitzposition auf der Toilette zu überprüfen. Am besten ist es, sich ein wenig nach vorne zu beugen, um den Darm zu entspannen. Dann rutscht der Stuhl besser nach draußen. Damit es gar nicht erst zur Verstopfung kommt, kann man mit Ernährung und Bewegung seinen Darm auf Trab und den Stuhl geschmeidig halten.

Der Verzehr von reichlich Ballaststoffen in Form von Obst und Gemüse kann hilfreich sein, ebenso wie:

  • Sauermilchmilchprodukte (Joghurt, Quark, Dickmilch, Kefir)
  • ausreichende Trinkmengen (Wasser und ungesüßte Tees)
  • regelmäßige Spaziergänge oder ein anderes leichtes Bewegungsprogramm

Abführmittel hingegen sollten nur kurzfristig bei akuten Beschwerden eingesetzt werden. Bei langfristigem Gebrauch können Abführmittel gesundheitliche Schäden verursachen.

Was ist die Drei-Tage-Regel?

Frau beim Stuhlgang mit Abführmittel auf der Toilette © skaman306/Moment via Getty Images
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Die Drei-Tage-Regel besagt Folgendes: Nach einer kompletten Dickdarmentleerung, beispielsweise nach Anwendung eines stark wirkenden Abführmittels bei Verstopfung, dauert es normalerweise drei Tage, bis der komplette Dickdarm wieder gefüllt ist und sich entleeren kann. Man sollte also nach dem Abführen nicht ungeduldig auf den nächsten Stuhlgang warten und zu früh die nächste Portion Abführmittel zu sich nehmen.

Welche Stuhlformen gibt es?

Mann beim Stuhlgang auf der Toilette © Virojt Changyencham/Moment via Getty Images
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Nach der Bristol-Stuhlformen-Skala von 1997 werden folgende Formen des Stuhls unterschieden:

  • Typ 1: Hart und kugelig
  • Typ 2: Wurstförmig und klumpig
  • Typ 3: Wurstförmig mit Rissen auf der Oberfläche
  • Typ 4: Wurstförmig und glatt
  • Typ 5: Weiche Kleckse
  • Typ 6: Breiig
  • Typ 7: Flüssig

Diese Einteilung kann hilfreich sein, wenn Probleme beim Stuhlgang auftreten und dem Arzt geschildert werden soll, welche Form des Stuhlgangs vorliegt. So kann er sich ein besseres Bild von der Art des Stuhls machen.

Typ 3 und Typ 4 (mitunter auch Typ 5) gelten dabei als "Idealstuhl". Während die Typen 1 und 2 auf Verstopfung hinweisen, werden die Typen 6 und 7 als Durchfall eingestuft.

Warum kann man aus Angst Durchfall bekommen?

Frau mit Durchfall rennt zur Toilette © Peter Cade/Stone via Getty Images
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Angst ist ein Zustand des Körpers, der sich auch auf Darm auswirkt. Die Nervosität schlägt einem sogzusagen auf die Verdauung.

Normalerweise wird der Stuhl im Dickdarm eingedickt. Dem bis hierher recht flüssigem Nahrungsbrei wird Wasser entzogen, um dem Stuhl seine bekannte Form zu verleihen. Dieser Prozess dauert etwas länger.

Bei großer Angst kommt es zur sofortigen Ausschüttung von Stresshormonen, die dafür sorgen, Energie für die "Flucht" bereit zu stellen. Herz, Lunge und Muskeln stehen jetzt an erster Stelle. Dazu wird Blut aus Verdauungsprozess abgezogen und Nahrungsreste sollen so schnell wie möglich entsorgt werden. Der Darm hat nicht genug Zeit, dem Stuhl Flüssigkeit zu entziehen und der "unfertige" Stuhl verlässt den Körper in Windeseile als Durchfall.

Woher kommt der Name "Stuhlgang"?

altertümlicher Toilettenstuhl © TomekD76/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
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Jeder weiß, was das Wort "Stuhlgang" bedeutet, aber woher kommt dieser Begriff für das Ausscheiden von Kot aus dem Verdauungstrakt?

"Stuhlgang" setzt sich zusammen aus den Wörtern "Stuhl" und "Gang". Und da sind wir auch schon beim Ursprung des Begriffs: Bereits im 15. Jahrhundert gab es in vornehmen Bürgerhäusern zunächst eine Kiste, später dann einen speziellen Stuhl, in dessen Sitzfläche sich ein Loch befand. Darunter wurde eine Schüssel platziert. Der Gang auf diesen Stuhl mit dem Ziel, seine Notdurft zu verrichten, bezeichnet man seitdem als "Stuhlgang".

Wie kommt Stuhl auf den Mond?

Frau greift nach dem Mond © Kan Taengnuanjan/EyeEm via Getty Images
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Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Jahr 1969 zum Mond flogen, war ein Toilettengang für die beiden Astronauten schwierig. Über ein stilles Örtchen verfügte ihr Raumschiff nicht. In der Schwerelosigkeit mussten sie ihr Geschäft in kleine Beutel entrichten, die sie am Hinterteil ihres Raumanzugs befestigen konnten.

Die beiden Astronauten nahmen ihre Hinterlassenschaften wieder mit zurück auf die Erde. Bis auf eine Ausnahme: Einen Stuhlbeutel hinterließen sie auf dem Mond. Dieser befindet sich bis heute noch dort, zusammen mit weiteren Beuteln, die andere Astronauten später dort zurückließen.

Aktualisiert: 20.08.2021 - Autor: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin