Gastritis – Die chronische Gastritis

Bei der chronischen Gastritis lassen sich mehrere Erscheinungsformen unterscheiden, die entsprechend verschiedene Ursachen haben. Wir stellen Ihnen hier alle Typen der Gastritis vor und erklären, wie die jeweilige Diagnose aussieht.

Chronische Gastritis: Typ-A-Gastritis

Bei der Typ-A-Gastritis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei werden sogenannte Autoantikörper gegen die magensäureproduzierenden Zellen der Magenschleimhaut (Belegzellen) gebildet. Die Belegzellen der Magenschleimhaut produzieren Magensäure, die für die Verdauung unerlässlich ist.

Gleichzeitig stellen sie den sogenannten Intrinsic Factor her. Nur mit diesem Intrinsic Factor ist die Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Darm möglich. Autoantikörper, die gegen die Belegzellen gerichtet sind, verhindern damit sowohl die Herstellung der Magensäure als auch die Aufnahme von Vitamin B12.

Die Folgen der Typ-A-Gastritis sind Verminderung der Magensäure (Achlorhydrie) und Blutarmut (Anämie) als Folge des Vitamin B12-Mangels. Vitamin B12 ist für die Bildung des Blutfarbstoffes zwingend notwendig. Diese Form der Gastritis ist mit einem Anteil von ungefähr fünf Prozent relativ selten.

Allerdings kann die autoimmune Gastritis mit anderen Autoimmunkrankheiten einhergehen. Die autoimmune Gastritis begünstigt außerdem die Entstehung von Magenkrebs.

Chronische Gastritis: Typ-B-Gastritis

Mit circa 85 Prozent ist die häufigste Ursache für eine chronische bakterielle Magenschleimhautentzündung eine Infektion mit dem Erreger Helicobacter pylori. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung tragen den Helicobacter pylori-Erreger in der Magenschleimhaut.

Es handelt sich um ein Bakterium, das Enzyme bildet, die an der Zellschädigung der Magenschleimhaut beteiligt sind. Dieser Erreger kann durch bestimmte Mechanismen im sauren Magensaft überleben und die Schleimhautwand passieren.

Die Infektionsquelle ist unklar. Es ist jedoch erwiesen, dass dieser Erreger während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden kann. Da jetzt der Erreger der Magenschleimhautentzündung bekannt ist, kann die Gastritis wie jede andere durch Bakterien hervorgerufene Entzündung mit Antibiotika behandelt werden.

Chronische Gastritis: Typ-C-Gastritis

Diese Form der Magenschleimhautentzündung tritt wie die Typ-A-Gastritis ebenfalls relativ selten auf. Nur rund 10 Prozent der Patienten mit einer Magenschleimhautentzündung haben eine Typ-C-Gastritis.

Bei dieser Form der Magenschleimhautentzündung fließen fälschlicherweise die Gallensäfte in den Magen und nicht in den Dünndarm. Der Rückfluss der Gallensäfte tritt besonders häufig nach Magenoperationen auf. Die Gallensäfte verändern das saure Milieu des Magens und greifen die Schutzschicht der Schleimhaut an. Als Folge dieser Verletzung kann sich die Magenschleimhaut entzünden.

Bestimmte Medikamente zur Behandlung von Schmerzen und entzündlichen Prozessen wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder bestimmte Rheumamittel greifen die Schutzschicht der Magenschleimhaut an und lösen somit eine Schädigung aus.

Diagnose von Typ-A- und B-Gastritis

Charakteristisch für die autoimmune Magenschleimhautentzündung der Typ-A-Gastritis ist die Verkrümmung der Schleimhaut.

Bei der Typ-B-Gastritis zeigt die Spiegelung vereinzelte fleckige Rötungen oder kleine knotige Schleimhauterhebungen. Bei der Helicobacter pylori-Gastritis kann neben der Magenschleimhautentzündung ein Magengeschwür (Ulkus ventrikuli) vorliegen. Die Entnahme einer Gewebeprobe ist für den Urease-Schnelltest unerlässlich. Dazu wird die Schleimhautprobe in eine Testflüssigkeit gegeben, die einen Farbindikator und Harnstoff enthält.

Helicobacter pylori produziert das Enzym Urease und ist in der Lage, Harnstoff zu spalten. Wenn in der Gewebeprobe Helicobacter pylori enthalten ist, wird sich durch die Spaltung des Harnstoffs die Testflüssigkeit rot verfärben. Das Testergebnis wird als positiv angesehen, wenn die Verfärbung nach 24 Stunden eingetreten ist. Bei hoher Keimbesiedlung erfolgt die Verfärbung bereits nach 15 Minuten.

Ein weitere Möglichkeit der Diagnose ist der Atemtest. Er dient dem Nachweis von Helicobacter pylori. Da bei dieser Untersuchungsmethode eine Magenspiegelung umgangen werden kann, wird dieser Test bevorzugt bei Kindern eingesetzt. Eine Beurteilung der Magenschleimhaut ist aber mit dem Atemtest nicht möglich.

Diagnose der Typ-C-Gastritis

Bei der Typ-C-Gastritis ist die Magenschleimhaut angeschwollen und mit blutdurchsetzten dunklen Flecken übersät. Dieses Erscheinungsbild findet man hauptsächlich bei Entzündungen, die durch Schmerzmedikamente verursacht wurden. Ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten, kann bereits die Berührung dieser Bezirke mit dem Endoskop eine Blutung auslösen.

Bei bekannter Magenschleimhautentzündung gehört der sogenannte Schillingtest dazu. Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten radioaktives markiertes Vitamin B12 zum Schlucken gegeben. Wie schon beschrieben, kann das Vitamin B12 nur im Beisein des Intrinsic Factor im Endstück des Dünndarms aufgenommen. Liegt eine autoimmune Gastritis vor, sind die Belegzellen nicht in der Lage, den Intrinsic Factor freizugeben. Dadurch kann das Vitamin B12 nicht aufgenommen werden. Die Folge ist eine Verminderung der Vitamin B12-Ausscheidung im Urin.

Im zweiten Schritt des Schillingtests wird dem Patienten das radioaktive Vitamin B12 und der Intrinsic Factor gleichzeitig verabreicht. Wird das radioaktive Vitamin B12 im Urin nachgewiesen, ist dies die Bestätigung einer autoimmunen Gastritis mit den Folgen einer perniziösen Anämie (Vitamin-B12-Blutarmut). Zusätzlich wird Blut abgenommen, um eine mögliche Blutarmut nachzuweisen. Die Blutarmut kann die Folge einer Blutung der Magenschleimhaut oder eines Vitamin B12-Mangels sein. Außerdem empfiehlt sich die Bestimmung von Antikörpern gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut zum Nachweis einer autoimmunen Gastritis (Typ-A-Gastritis).

Komplikationen einer Gastritis

Die autoimmune Gastritis begünstigt die Entstehung von Magenkrebs. Weiterhin kann es zu starken Blutungen aus der Magenschleimhaut kommen. Als Folge kann es zu einer chronischen Blutarmut mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlappheit etc. kommen. Im schlimmsten Fall kann die Magenblutung zum Kreislaufschock führen. In dieser Situation muss die Blutung sofort über eine Magenspiegelung gestoppt werden. Gelingt dies nicht, kann der Betroffene verbluten.

Eine weitere Komplikationsmöglichkeit ist die Entstehung von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren (Ulkus ventrikuli und Ulkus duodeni). Beide Ulkus-Arten sind durch krampfartige, drückende, kneifende oder stechende Schmerzen im Oberbauch gekennzeichnet. Beim Magengeschwür treten die Schmerzen und das Druckgefühl meist kurz nach dem Essen, beim Zwölffingerdarmgeschwür dagegen vorwiegend bei nüchternem Magen auf.

Nach dem Essen verschwinden hier die Schmerzen für ein paar Stunden. Dies muss aber nicht immer so sein. Häufig sind auch Schmerzen während der Nacht. Bei manchen Ulkuspatienten fehlen diese typischen Symptome; es bestehen lediglich uncharakteristische Verdauungsbeschwerden, Aufstoßen und Sodbrennen, manchmal auch Übelkeit mit Erbrechen.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Udo Schmidt

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?