Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)

Milch: ungeeignet bei Laktoseintoleranz © Pezibear (Pixabay)

Mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland können Milch nicht richtig verdauen. Durchfall, Übelkeit, Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen sind die Folgen. Die Ursache einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) ist das Fehlen oder die unzureichende Aktivität des Verdauungsenzyms Laktase. Dieses Enzym spaltet an der Dünndarmschleimhaut des Menschen Milchzucker (Laktose) in die Bestandteile Glukose und Galaktose.

Was passiert bei Laktoseintoleranz im Darm?

Ist diese Funktion gestört, gelangt der Milchzucker in den mit Bakterien besiedelten Dickdarm und dient dort den Dickdarmbakterien als Nahrung. Der Milchzucker und die bei der bakteriellen Fermentation entstehenden kurzkettigen Fettsäuren führen zu einem Wassereinstrom in den Dickdarm.

Durch den Dehnungsreiz wird gleichzeitig die Darmbewegung angeregt. Die dadurch auftretenden Beschwerden reichen je nach Ausmaß der Milchzuckerunverträglichkeit von Blähungen und Völlegefühlen bis hin zu krampfartigen Bauchschmerzen und wässrigen Durchfällen.

Angeboren oder erworben?

Während die Häufigkeit in Deutschland bei 15 Prozent liegt, leiden in Asien 90 bis 100 Prozent der Bewohner an der Milchzuckerunverträglichkeit. Weltweit sind mehr als 50 Prozent der Bevölkerung betroffen. Wichtig ist zu wissen, dass Laktoseintoleranz keine Allergie ist, sondern eine Enzymmangelerkrankung.

Neben einem primären oder angeborenen Laktasemangel, der sich bereits im Säuglingsalter manifestiert, unterscheidet man den erworbenen oder sekundären Laktasemangel. Der erworbene Laktasemangel des Erwachsenen kann sich bei bis dahin normaler Milchzuckerverträglichkeit aufgrund von Dünndarmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie entwickeln.

Weitere Auslöser sind beispielsweise:

  • bakterielle Infektionen
  • Pilzinfektionen des Darms
  • Darmgrippe
  • Magen- und Darmoperationen
  • die Gabe von Antibiotika oder Zytostatika

Die genaue Ursache für den Verlust der Enzymaktivität im Erwachsenenalter ist nicht bekannt.

Laktoseintoleranz wird oft erst spät erkannt

Obwohl in Deutschland etwa zwölf Millionen Menschen von einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) betroffen sind, fristet die Krankheit ein Schattendasein: Häufig vergehen Jahre bis zur richtigen Diagnose der Milchzuckerunverträglichkeit.

Wer wegen seiner Beschwerden, insbesondere Durchfall und Blähungen einen Arzt aufsucht, erlebt oft eine herbe Enttäuschung. Der Weg bis zur richtigen Diagnose Milchzuckerunverträglichkeit ist lang, oft vergehen Jahre, bis mit einer einfachen aber erfolgreichen Ernährungstherapie begonnen wird.

Symptome von Laktoseintoleranz

Das rechtzeitige Erkennen des Laktasemangels würde so manchen verzweifelten, leidgeplagten Patienten vor unangenehmen Untersuchungen oder sogar Verlegenheitsdiagnosen beispielsweise einer psychosomatischen Erkrankung bewahren. Die unspezifisch und individuell variablen Symptome nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln liefern Hinweise auf die Erkrankung. Dazu gehören unter anderem:

  • Durchfall
  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • krampfartige Schmerzen
  • Darmgeräusche
  • Müdigkeit
  • und sogar depressive Verstimmungen

Diagnose erfolgt mittels Atemtest

Die Diagnose erfolgt über den Milchzuckerbelastungstest oder H2-Atemtest. Ist der Laktasemangel angeboren, muss sich der Patient auf eine dauerhafte Ernährungsumstellung einstellen. Tritt er erst mit zunehmendem Lebensalter und in Zusammenhang mit einem der oben genannten Auslöser auf, führt eine Behandlung der Grunderkrankung zu einer deutlichen Besserung der Symptome.

Aktualisiert: 19.09.2017 – Autor: Institut für Ernährungsmedizin

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