So wird ein Geschwür diagnostiziert

Abtasten zur Diagnose eines Geschwürs © istockphoto, Wavebreakmedia

Die Befragung des Patienten nach der durchlebten Krankheitsgeschichte (Anamnese) steht am Beginn jeder Untersuchung - auch bei einem Verdacht auf ein Geschwür. Die Anamnese kann nur Hinweise auf ein Ulkus geben, keine Sicherheit, da es keine spezifischen Beschwerden gibt. Im Vordergrund steht daher die Frage nach früheren (endoskopisch gesicherten) Ulkusschüben und deren Therapie, eventuell nach der Zusammensetzung früher eingenommener Antibiotikakombinationen zur Bekämpfung von Helicobacter pylori.

Anamnese als Teil der Diagnostik

Bei der Befragung des Patienten sind weiterhin Angaben zur Dauer eines möglichen Teerstuhls und eventuell eines begleitenden Bluterbrechens besonders wichtig. Auch Alkohol, Schmerzmedikamente, Kortison, Nikotin in der Vorgeschichte spielen eine ausschlaggebende Rolle, da diese Substanzen die Magenschutzschicht angreifen und so die Entstehung von Magengeschwüren fördern.

Körperliche Untersuchung bei Verdacht auf Geschwür

Nach der Anamnese erfolgt die ausführliche körperliche Untersuchung. Das Abtasten des Bauches ist aufgrund der relativ milden Beschwerden in den meisten Fällen unauffällig. Bei besonders ausgeprägter Magenschleimhautentzündung und gleichzeitig vorliegenden Magengeschwüren kann Druckschmerz in der Magengrube auftreten. Eine Ulkusperforation kann dagegen zur Anspannung der Bauchdecken bis hin zum brettharten Bauch führen oder eine Ileussymptomatik (Darmlähmung) mit fehlenden Darmgeräuschen hervorrufen.

Anzeichen einer Blutarmut (Anämie) wie Konzentrationsschwäche, rasche Ermüdbarkeit und blasse Hautfarbe können auf wiederholte kleinere Blutverluste aus dem oberen Magen-Darm-Trakt hinweisen.

Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm

Letztendlich ist für das vorliegen eines Magen- oder Zwölffingerdarm-Geschwüres die Oesophago-Gastro-Duodenoskopie (Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm) beweisend. Die Magen- und Dünndarmspiegelung mit der Entnahme einer Gewebeprobe ist die Methode der Wahl zur Untersuchung dieses Teils des Verdauungstraktes. Da sich hinter einem Geschwür auch eine bösartige Entartung (Magenkrebs) verbergen kann, wird die entnommene Gewebeprobe mikroskopisch auf Tumorzellen untersucht.

Blutungen aus dem oberen Magen-Darm-Trakt können zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, so dass die Spiegelung eine unumgängliche Untersuchungsmethode darstellt. Nicht nur die Schleimhäute der einzelnen Organe können untersucht, sondern Blutungen zum Beispiel durch Unterspritzung gestoppt werden. Bei diesem Verfahren wird Adrenalin (Stresshormon der Nebennierendrüse) in die Blutungsquelle gespritzt und dadurch das Gefäß so stark verengt, dass die Blutung zum Stillstand kommt. Außerdem wird ein Urease-Schnelltest durchgeführt, um zu prüfen, ob eine Helicobacter pylori-Infektion für das Magengeschwür verantwortlich zu machen ist.

Blutungsaktivität bestimmen

Die Blutungsaktivität eines Magengeschwürs wird nach einer bestimmten Einteilung (Forrest) vorgenommen. So handelt es sich bei einem Geschwür vom Typ Ia um eine akut spritzende Blutung, während bei Typ Ib die Blutung nur noch sickert. Bei einem IIa-Ulkus ist der Gefäßstumpf erkennbar, aber nicht blutend. Ein IIb-Geschwür ist mit einem Blutpfropf bedeckt, und das Typ III-Geschwür befindet sich bereits in der Heilungsphase.

Röntgen nicht zwingend notwendig

Eine Röntgenübersicht ist nur dann erforderlich, wenn das Geschwür die Magenwand soweit zerstört, dass ein Wanddurchbruch in die Bauchhöhle und ein akuter Bauch (akutes Abdomen) vermutet wird. Die Bestimmung des Blutbildes (weiße, rote Blutkörperchen, Blutfarbstoff) ist notwendig, um mögliche Blutarmut nachzuweisen. Die Blutarmut kann die Folge einer Blutung der Magenschleimhaut sein.

Prognose

Die Prognose der Ulkuskrankheit ist günstig. In Deutschland sterben 6 von 100.000 Einwohner an einem Magengeschwür, 4 von 100.000 an einem Zwölffingerdarmgeschwür. Tödliche Komplikationen betreffen vor allem Patienten, die über 70 Jahre alt sind, Männer doppelt so häufig wie Frauen.

Aktualisiert: 01.10.2014

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?