Karies: Loch im Zahn – was hilft?

Karies am Backenzahn © iStock.com/Daniil Dubov

Fast jeder Mensch erleidet es im Laufe seines Lebens: Ein Loch im Zahn, bedingt durch Karies. Das Problem kann von Kleinkindern mit ihren Milchzähnen bis hin zum Erwachsenen jeden betreffen und dabei sehr unterschiedlich verlaufen. Was Karies ist, wie Sie die Zahnerkrankung erkennen können, welche Ursachen Karies hat und wie Sie vorbeugen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Karies?

Eine medizinische Definition der Erkrankung könnte lauten: Karies ist eine multifaktoriell bedingte Erkrankung der Zahnhartsubstanz, die zur Schädigung oder Zerstörung des betroffenen Zahns führen kann. Zahnhartsubstanz ist dabei der zahnmedizinische Begriff für Zahnschmelz, Zahnbein (Dentin) und Wurzelzement. Multifaktoriell bedeutet, dass es mehrere Ursachen für eine Karieserkrankung gibt.

Vereinfacht ausgedrückt ist Karies also eine Erkrankung der Zähne, durch die deren harte Bestandteile geschädigt werden. Man spricht dann auch von einem Loch im Zahn oder von Zahnfäule. Karies kann man nicht heilen, denn sie ist eine fortschreitende Erkrankung, die unbehandelt die Zerstörung oder den Verlust des Zahns zur Folge haben kann.

Ursachen: Wie kommt es zu Karies?

Bei der Entstehung von Karies spielen verschiedene Ursachen eine Rolle. Den Hauptanteil trägt ein Ungleichgewicht von Remineralisierung und Demineralisierung. 

Unser Mundraum beheimatet viele Bakterien, unter anderem Streptokokken, welche sich von Kohlenhydraten (also Zucker) ernähren. Zuckerhaltige Speisereste und abgestorbene Zellen können sich auf den Zähnen als ein festklebender Film absetzen. Sehr dickflüssiger Speichel begünstigt diese Anlagerung, da der Speichel normalerweise zum Spülen des Mundes dient. Diese sogenannte Plaque (Zahnbelag) bietet für die oben genannten Bakterien den perfekten Nährboden.

Ihre Ausscheidungen sind organische Säuren, die unsere Zahnsubstanz angreifen. Durch die Säure sinkt der sonst stark regulierte pH-Wert im Mund ab. Das führt dazu, dass Hydroxylapatit, die Hauptsubstanz unseres Zahnschmelzes mit unserem Speichel in Lösung geht, sich also wortwörtlich auflöst. Diesen Vorgang nennt man Demineralisierung, also den Verlust von Mineralien. 

Die gute Nachricht: Dieser Vorgang ist umkehrbar. In diesem Anfangsstadium kann unser Schmelz also durch die erneute Einlagerung von Mineralsalzen wie Hydroxylapatit oder Fluorapatit remineralisiert werden – etwa beim Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Die beiden Vorgänge der Demineralisierung und Remineralisierung passieren in unserem Mundraum kontinuierlich. Gerät das Verhältnis von Abbau und Wiederaufbau der Zahnsubstanz jedoch ins Ungleichgewicht, kann Karies entstehen.

Denn trotz der Wiedereinlagerung von Mineralien schaffen es die Bakterien in vielen Fällen, den durch die Demineralisierung weicher gewordenen Zahnschmelz weiter zu zerstören. Es kommt zu einem Loch im Zahn. Diese Zerstörung ist nicht mehr umkehrbar und sollte durch den Zahnarzt behandelt werden, da sie ansonsten weiter fortschreitet.

Was begünstigt die Entstehung von Karies?

Auf viele der möglichen Ursachen, die bei der Entstehung von Karies zusammenspielen können, haben wir keinen Einfluss, manche anderen Faktoren haben wir leider oft selbst zu verschulden. So zählen beispielsweise schlechte Mundhygiene und häufiger Zuckerkonsum zu den häufigsten Ursachen von Karies.

Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • mangelnde oder falsche Mundhygiene
  • Ungleichgewicht der Bakterien im Mund (zum Beispiel bei Antibiotikagabe)
  • mangelnde Fluoridierung des Schmelzes, also zu gering Versorgung der Zähne mit Fluorid
  • Zahnfehl- oder Zahnengstellungen, die die Zahnhygiene erschweren
  • mangelhafter Zahnersatz oder Füllungen
  • Speichelzusammensetzung (dickflüssiger Speichel, zu wenig Speichel)
  • ungünstige Essgewohnheiten (unregelmäßige Mahlzeiten, viel Süßigkeiten zwischendurch)
  • zuckerhaltige Nahrungsmittel (wie zum Beispiel Softdrinks)
  • zu geringe Zungen- und Wangenaktivität: Unsere Wange und Zunge sorgen beim Kauen im Normalfall dafür, dass Nahrung zwischen die Zähne gedrückt wird und nicht zwischen Zähnen und Wange oder im Unterzungenbereich liegen bleibt. Im Mund verbleibende Speisereste begünstigen Plaque.
  • Medikamenteneinnahme (Opioide oder Antidepressiva mindern Speichelabsonderung)
  • Rauchen und Alkohol

Welche Stadien und Arten von Karies gibt es?

Um die verschiedenen Arten und Stadien verstehen zu können, muss man zunächst den Zahnaufbau verstehen:

Der Zahn besteht aus seiner harten Mantelschicht, dem Zahnschmelz (nur im Kronenbereich) und der darunterliegenden etwas weicheren Schicht, dem Dentin. Er wird versorgt durch die im Inneren liegende Pulpa. In der Pulpa liegen die versorgenden Blutgefäße, regenerierenden Zellen, Nervengewebe und Bindegewebe. Der Zahnkrone schließt sich von unten die Zahnwurzel an, mit welcher der Zahn über den Zahnhalteapparat im Kieferknochen verankert ist. Diese Zusammenhänge machen deutlich, warum eine unbehandelte Karies zum Zahnverlust führen kann.

Beim Fortschreiten einer Karies werden folgende Stadien unterschieden:

  • Initialkaries: Demineralisierung des Zahnschmelzes (reversibel, also umkehrbar)
  • Caries superficialis (Schmelzkaries): Schmelzdefekt durch Karies (ab hier irreversibel)
  • Caries media (Dentinkaries):  Die Karies ist zum Dentin durchgedrungen
  • Caries profunda: Die Karies ist bis in Pulpanähe gekommen
  • Caries profunda complicata:  Die Karies hat die Pulpa erreicht

Je nachdem, von welcher Stelle des Zahns die Karies ausgeht, werden zudem verschiedene Arten unterschieden:

  • Karies in den Zahnzwischenräumen (Approximalkaries)
  • Glattflächenkaries (ausgehend von den glatten Flächen eines Zahns)
  • Karies in den Fissuren (den Furchen in den Kauflächen)
  • Wurzelkaries (Karies in der Zahnwurzel, tritt in der Regel nur auf, wenn die Zahnwurzeln freiliegen)

Meist sind die Stellen betroffen, die beim Zähneputzen schwer zu erreichen sind.

Wie erkenne ich, ob ich Karies habe und wie sieht Karies aus?

Die Symptome von Karies sind vom Stadium und der betroffenen Stelle abhängig.

Bei der Initialkaries zum Beispiel sind meist noch keine Beschwerden zu bemerken. Bei Schmelzkaries kann es bereits zu leichten Schmerzen oder Empfindlichkeiten kommen. Außerdem kann man manchmal mit bloßem Auge schon einen Defekt am Zahn, einen weißen Fleck im Frühstadium oder später eine kleine dunkle Verfärbung erkennen.

Breitet sich die Karies weiter ins Innere des Zahnes aus, kommt es zu Zahnschmerzen, Temperaturempfindlichkeit und zur Empfindlichkeit beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Zitrusfrüchten. Breitet sich Karies unter einer Füllung oder unter einer Krone aus, kann dies auch zum Lockern der Füllung und zum Versagen des festsitzenden Zahnersatzes führen. Im späteren Verlauf kommt es auch oft zu unangenehmem Mundgeruch.

Gelangt die Karies in die Pulpa oder in den Wurzelbereich, kann sie dort unbehandelt starke Entzündungen auslösen. Ist dies der Fall, bleibt oft nur die Entfernung (Extraktion), um schwereren Verläufen, wie zum Beispiel Abszessen vorzubeugen. Karies sollte man also ernst nehmen, denn sie kann unbehandelt auch gefährlich werden.

Hat man genannte Symptome oder erkennt sogar schon einen sichtbaren Defekt, sollte man auf jeden Fall den Zahnarzt aufsuchen. Dieser hat bei der Untersuchung verschiedene diagnostische Mittel zur Verfügung. In der Regel wird der Zahn mit einer Sonde begutachtet und anschließend ein Röntgenbild aufgenommen.

Wie kann man Karies behandeln?

Übersteigt die Karies das Stadium der Initialkaries, ist der Weg zum Zahnarzt unvermeidbar. Der Zahnarzt entfernt dann das befallene Gewebe und versorgt den Zahn, je nach Umfang des Befalls, mit einer Zahnfüllung, einem Inlay oder mit einer Krone. Ist die Pulpa bereits entzündet, muss vorher noch eine Wurzelbehandlung durchgeführt werden. Ist der Zahn stark geschädigt, muss er gegebenenfalls gezogen werden.

Die Eigenbehandlung von fortgeschrittener Karies ist folglich nicht möglich. Keinesfalls sollte man versuchen, Karies selbst zu entfernen.

Wie kann man Karies vorbeugen?

Die effektivste Art, Karies vorzubeugen, ist sicherlich die richtige Mundhygiene. Dazu zählen zum Beispiel das zweimaltägliche Zähneputzen, das Verwenden einer elektrischen Zahnbürste sowie die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten. Beim Putzen kann man besonders darauf achten, fluoridhaltige Zahnpasta zu benutzen, welche den Schmelz remineralisiert. Auch die Verwendung von Mundspülungen wird empfohlen.

Darüber hinaus sollte man eine halbjährige professionelle Zahnreinigung durchführen lassen. Hat man speichelbedingt Probleme mit Plaque und Zahnstein, kann man das Intervall auch mit dem behandelnden Zahnarzt abgestimmt verkürzen. 

Hat man sehr tiefe Zahnfissuren, kann der Zahnarzt diese auch versiegeln, um der Festsetzung von Plaque entgegenzuwirken und das Putzen zu erleichtern.
Da sich die Streptokokken im Mund von Zucker ernähren, ist eine zuckerreduzierte Ernährung empfehlenswert. Außerdem fördert der dauerhafte Konsum von säurehaltigen Nahrungsmitteln und Getränken ebenfalls die Demineralisierung des Zahnschmelzes. Die richtige Ernährung kann so also sehr entscheidend sein.

Der Zuckerersatz Xylit kann dabei helfen, weniger Zucker zu sich zu nehmen. Außerdem geht man davon aus, dass die regelmäßige Einnahme sogar vorbeugend gegen Karies wirkt. Darum ist Xylit auch in vielen Zahnpflegekaugummis enthalten.

Ist Karies ansteckend?

Da Karies durch Bakterien entsteht und Bakterien übertragen werden können, ist Karies ansteckend. Allerdings betrifft das Erwachsene für gewöhnlich nicht. 
Babys und Kleinkinder allerdings, deren Mundflora erst noch aufgebaut werden muss, können durch den Bakterienbefall leicht an Karies erkranken. Das ist auch der Grund, warum Karies sehr oft die Milchzähne von Kindern und Kleinkindern betrifft.

Um dem vorzubeugen, sollten Eltern zum Beispiel nicht den Löffel des Babys oder Kleinkindes ablecken, da dies zu einer erhöhten Bakterienbelastung in der noch nicht ausgebildeten Mundflora des Kindes führen kann. 

Karies bei Kindern

Kinder sind nicht nur wegen ihrer unvollständig aufgebauten Mundflora besonders häufig von Karies betroffen. Hinzu kommt, dass der Zahnschmelz bei Milchzähnen empfindlicher ist als bei bleibenden Zähnen und dass die Mundhygiene sich bei Kindern oft schwieriger gestaltet. Auch Nuckelflaschen mit Saft oder gezuckertem Tee können die Entstehung von Milchzahnkaries begünstigen.

Um Karies bei Kindern vorzubeugen, sollten Eltern frühzeitig, bereits nach dem Durchbruch der ersten Zähne, ihren Kindern einmal täglich mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta die Zähne putzen. Ab dem zweiten Lebensjahr sollten die Zähne zweimal täglich geputzt werden.

Auch bei Kindern ist der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt zur Vorsorge Pflicht. Bei Bedarf kann der Zahnarzt auch bei Kindern die tiefen Rillen der Kauflächen mit einem fluoridhaltigen Lack versiegeln, um der Entstehung von Karies vorzubeugen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
K02.-

Aktualisiert: 02.11.2020 - Autor: Tilman Kries

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